Die UFO-Disclosure-Debatte gewinnt laut Fleischer und Havas politisch an Fahrt.
Havas’ neues Buch dokumentiert chronologisch staatliche Aussagen zum UFO/UAPs, staatliche Untersuchungen und jüngste Entwicklungen.
Themen im Video: Es um Kennedys unbestätigte Schilderung angeblicher UAP-Anlockversuche, Jay Strattons Behauptungen aus seiner Geheimdienstarbeit und Trumps vage Aussagen zu einer möglichen Aktenfreigabe. Eine umfangreiche Anfrage im Bundestag soll klären, wie deutsche Behörden UFO-Meldungen erfassen und bewerten.
„Wir sind mittendrin“ – Wie nah ist die UFO-Offenlegung wirklich?
Es ist ein Video, die mit einer Wetterwarnung beginnt und mit einer politischen Anfrage endet. Dazwischen liegen gut 40 Minuten, in denen Robert Fleischer und sein Gast Harald Havas den Zustand der sogenannten Disclosure-Debatte vermessen – also die Frage, ob und wie Staaten Informationen über UFOs beziehungsweise UAPs öffentlich machen.
Fleischers Fazit, gleich zu Beginn: „Wie es aussieht, nehmen die UFOs gerade richtig an Fahrt auf.“
Havas, Wiener Journalist und Autor, hat dazu ein Buch vorgelegt: „Disclosure! Willkommen im Zeitalter der UFO-Enthüllung“. Er versteht es weniger als Deutung denn als Chronik – eine Art „Chronik der Weltgeschichte“ des UFO-Themas, in der nachzulesen ist, wer wann was öffentlich gemacht oder untersucht hat. Für die jüngsten Jahre hat er Originaltexte zusammengetragen, darunter große Teile der Aussage des Whistleblowers David Grusch vor dem US-Kongress in deutscher Übersetzung. Sein Ziel: eine belastbare Grundlage, auch für Journalisten außerhalb der Szene.
Kennedy und die „Anlock“-Geschichte
Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist eine Erzählung des US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. In einem Podcast-Gespräch mit der Abgeordneten Anna Paulina Luna habe Kennedy berichtet, während der Übergangszeit nach Trumps Wahlsieg habe ihn eine Gruppe besucht – angeblich Green Berets und Navy SEALs, angeführt von einem hochrangigen NASA-Wissenschaftler. Die Gruppe habe behauptet, UFOs erfolgreich „herbeigelockt“ zu haben, möglicherweise sogar zur Landung gezwungen. Kennedy habe abgelehnt, damit öffentlich zu gehen, weil er ohnehin umstritten gewesen sei. Später, so Kennedy, sei er zum Thema gebrieft worden.
Havas nennt mögliche Verbindungen – die Gruppe um Jake Barber und das Projekt Skywatcher, den NASA-Mitarbeiter Mike Gold – betont aber ausdrücklich, das seien Spekulationen. Beide Gesprächspartner präsentieren die Geschichte als Hinweis darauf, dass Personen aus dem Umfeld der Regierung das Thema an hochrangige Politiker herantragen. Als Beleg für die behaupteten Anlock-Versuche taugt sie nicht.
Trump: viel Andeutung, wenig Zusage
Auch Donald Trump hat sich geäußert, in einem Newsmax-Interview. Fleischer zeigt sich enttäuscht: Der Präsident habe sich nicht festgelegt. Havas beschreibt die Antworten als ausweichend – Trump sprach von Piloten, die ihm von Begegnungen berichtet hätten, und von einem kugelförmigen Objekt, das sich mit etwa sechsfacher Geschwindigkeit des schnellsten Jets entfernt haben soll. Zugleich deutete er an, „wir werden alles enthüllen“, ohne konkret zu werden. Havas nennt das einen „Rorschachtest“: Je nach Erwartung höre man daraus, dass Trump das Thema ernst nehme, dass es ihm egal sei oder dass er sich nicht festlegen wolle.
Bemerkenswert sei weniger Trump selbst als sein Umfeld: Stephen Miller leite laut Havas interne Bemühungen um eine Freigabe, auch Marco Rubio, Vizepräsident J. D. Vance sowie Unterstützer wie Dr. Phil und Robert Bigelow hätten sich entsprechend geäußert. „Noch nie so viele Personen so nahe an einen Präsidenten“ hätten sich so offen mit dem Thema befasst.
Strattons Buch und die „Gatekeeper“
Ein weiterer Schwerpunkt ist Jay Stratton, ein früherer hochrangiger US-Geheimdienstmitarbeiter, und sein Buch „Out of the Shadows“. Havas ordnet Stratton hierarchisch über Luis Elizondo ein; er sei in der Geheimdienstlaufbahn sehr weit aufgestiegen, ohne politische Nominierung. Stratton schildere rund zwei Jahrzehnte Arbeit, von der Skinwalker Ranch über AAWSAP bis zu späteren UAP-Aktivitäten im Pentagon, und beschreibe, wie er immer wieder von internen „Gatekeepern“ behindert worden sei. Havas findet das Buch vor allem wegen der vielen Namen, Daten und Projektbezeichnungen wertvoll: „Zwei Dutzend neue Ansätze“ für Journalisten und Abgeordnete.
Als mögliche Schlüsselfigur eines solchen Gatekeeping-Systems wird der frühere CIA-Mitarbeiter Glenn Gaffney diskutiert – ausdrücklich als Vermutung. Havas nennt CIA, Air Force und Department of Energy als besonders wichtige Institutionen und verweist auf eine frühere Aussage George Knapps vor dem Kongress über einen angeblich verhinderten Materialtransfer von Lockheed Martin zu Bigelow Aerospace.
Kritisch bleiben die beiden Gastgeber auch hier: Stratton wirke in Interviews oft gehemmt, weniger überzeugend als Elizondo. Dass er bei Fox News, CNN, CBS und im „People Magazine“ auftritt, zeigt aber, dass er ernst genommen wird.
Orbs, Atomwaffen und die Grenzen des „Anlockens“
Fleischer und Havas unterscheiden mehrere Vorgänge, die oft in einen Topf geworfen würden: einen älteren U-Boot-Vorfall, Strattons neue Schilderung einer Operation „Warlock“ und jüngere Vorfälle, über die der Abgeordnete Eric Burlison sprach. Bei Letzteren seien CIA, FBI und möglicherweise Militärs beteiligt gewesen; mit Atommaterial seien angeblich mehrere Dutzend Orbs erschienen. Havas betont: Es handelte sich vor allem um leuchtende Orbs – nicht um klassische Untertassen, Dreiecke oder große kubische Objekte. Möglicherweise reagierten bestimmte Orbs besonders auf atomare Strahlung.
Fleischer äußert Skepsis gegenüber der Vorstellung, man könne UAPs gezielt anlocken. Er verweist auf die Skinwalker Ranch, wo Phänomene angeblich nicht vor den aufgestellten Kameras, sondern anderswo auftraten, und erläutert seine eigene These, dass ein großer Teil des Phänomens parapsychologische Aspekte haben könnte – Thema seines Vortrags „Sind UFOs Dämonen?“. Die Sendung lässt offen, was die Orbs sind; die Aussagen dazu bleiben Berichte und Deutungen.
Eine „mustergültige“ Anfrage im Bundestag
Bemerkenswert ist der deutsche Teil: Fleischer berichtet von einem Besuch am IFEX in Würzburg, wo sich Bundesforschungsministerin Dorothee Bär ausführlich habe briefen lassen. Und es gibt eine Kleine Anfrage der AfD an die Bundesregierung, die wissen will, ob und welche Behörden für UFO-Meldungen zuständig sind, welche Begriffe und Verfahren verwendet werden, wie viele Meldungen in zehn Jahren eingingen, ob es ressortübergreifende Arbeitsgruppen gibt, ob US-Anhörungen einbezogen werden – und ob die Regierung auf den Fall vorbereitet sei, dass ein Phänomen nichtmenschlichen Ursprungs festgestellt werde. Fleischer nennt die Anfrage „einen Oberhammer“, Havas „mustergültig“ und als Vorlage für andere europäische Parlamente tauglich.
Allerdings rechnen beide nicht mit einer großen Offenbarung. Havas erwartet eine allgemeine Antwort, möglicherweise: „Uns ist nichts bekannt.“ Das könne wahr sein – oder daran liegen, dass Informationen innerhalb staatlicher Strukturen nicht an Politiker weitergegeben würden. Immerhin gebe es seit etwa eineinhalb Jahren eine Meldemöglichkeit für zivile Piloten bei der deutschen Flugaufsichtsbehörde, eingerichtet mit Hakan Kayal.
Warum Deutschland im Vergleich zu Frankreich, das seit Jahrzehnten staatliche UFO-Forschung betreibt, so wenig tut, bleibt eine offene Frage. Havas gibt zwei Antworten aus Stockholm wieder: Der Whistleblower Herrera kenne Personen, die in Deutschland UFO-ähnliche Erscheinungen über Anlagen gesehen hätten; Colonel Blitch vermute einen Zusammenhang mit besonders strenger Geheimhaltung – möglicherweise wegen stationierter Atomwaffen. Beides sind Einschätzungen, keine Belege.
Fazit
Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Die politische Gesprächslage hat sich verändert: Ein amtierender US-Präsident wird in einem politischen Interview zu UFOs befragt und reagiert nicht abwertend; ein deutscher Bundestag bekommt eine detaillierte Anfrage; ein früherer Geheimdienstler schreibt ein Buch voller überprüfbarer Namen. Zugleich sind die spektakulärsten Behauptungen – Anlock-Versuche, geborgene Objekte, Kennedy-Briefings – bislang indirekte Erzählungen ohne unabhängige Bestätigung. Havas selbst formuliert die nüchterne Konsequenz: Die Schlussfolgerungen müsse jeder selbst ziehen.
