Greyhunter kommt zu dem Schluss, dass Feenentführungen, Missing 411 und moderne UFO-Abduktionen möglicherweise Erscheinungsformen desselben Phänomens sind – und dass es dabei eher um die Manipulation des Bewusstseins als um ein genetisches Projekt gehe.
Greyhunter kürt Joshua Cutchins Buch „Thieves in the Night: A Brief History of Supernatural Child Abductions“ zum „Buch des Jahres 2016“.
Die Belege
Die Kette beginnt früh: Nikephoros soll vor rund 1.600 Jahren von Kindern berichtet haben, die unsichtbare Kräfte in den Himmel hoben und unverletzt wieder absetzten. 1722 in Sandfeld, Deutschland, ein ähnlicher Vorfall vor Zeugen – nicht alle kehrten zurück. Im 13. Jahrhundert meldet sich auf Raydon Castle eine körperlose Mädchenstimme: Malekin, vom Feenvolk entführt, sieben Jahre in einer Zwischenwelt. Greyhunter notiert die Sieben als wiederkehrendes Motiv. Feen galten besonders um Halloween als aktiv, Entführungen erfolgten mitunter durch Wirbelwinde – für ihn eine Linie zum „Halloween-Effekt“ und zu Berichten aus Brasilien. W. B. Yeats notierte 1892 eine Frau, die sieben Jahre beim Kleinen Volk war und danach ohne Zehen dastand: abgetanzt.
Auch die Wechselbälge fehlen nicht. Francis Godwins The Man in the Moone (1638) erzählt von Mondbewohnern, die missratenen Nachwuchs gegen brave Menschenkinder tauschen – erstaunlich früh für eine Idee, die an moderne Science-Fiction gemahnt. Cutchin zufolge kreisen Feengeschichten ohnehin um Blut und Hybride; Mary Callan of Shark will im Feenland verstorbenen Kindern begegnet sein. Das führt Greyhunter zu seinem „Soulcontainer“: Die Anderswelt könnte Aufenthaltsort der „Anderen“ und der Verstorbenen zugleich sein. Und die Tradition, Jungen in Mädchenkleider zu stecken, galt nicht nur als Marotte, sondern als Schutz vor Elementarwesen mit Vorliebe für männliche Kinder.
Ann Jeffries, 1645 entführt, hörte beim Übergang zurück ein Summen wie von tausend Fliegen – danach besaß sie Zukunftsvisionen und heilte durch Handauflegen. Greyhunter zieht die Linie zu modernen Abductees. Zwei erwachsene Wechselbälger bei Cutchin sagten die Zukunft voraus und fanden entlaufenes Vieh.
Das 20. Jahrhundert
Mary Scully, 16, bettlägerig, verschwindet am 23. Oktober 1943 aus Birmingham – zuletzt gesehen mit einer ganz in Schwarz gekleideten, verschleierten Unbekannten. Sie taucht nie wieder auf. 1950 kehrt der siebenjährige Adolfo Calbuyahue auf der chilenischen Insel Alao nach drei Tagen zurück, die Kleidung trotz Regens trocken, ohne Erinnerung an die 72 Stunden. Seine Eltern vermuteten unterirdische Höhlen. Aus Papua-Neuguinea stammen die Kilyakai, dämonische Zwerge, die Kinder entführen, um den eigenen Bestand zu vergrößern; die Western-Arrernte kennen den Pmere Kwetehe, den Hunde und Kinder deutlich sehen, Erwachsene nur als Schatten – für Greyhunter ein Fall fürs Thema „Shadowpeople“. In Malaysia verschwindet 1982 die zwölfjährige Maswati Pilus beim Wäschewaschen und kehrt nach zwei Tagen zurück, überzeugt, es seien Minuten gewesen. Der 14-jährige Jefri Dan ist sechs Tage fort, erzählt von weiß gekleideten Personen und unbekannten Früchten – und verschwindet Monate später erneut, diesmal endgültig. In Japan ist es der Yamaotoko, eine Bigfoot-Gestalt, die Kinder holt; 2008 findet Nick Andrew Jr. in Alaska einen Jungen, der von kleinen Wesen im Inneren des Pilcher Mountain berichtet, ohne jedes Zeitgefühl.
Die Muster
Übergroße Eulen als Entführer – Greyhunter verweist auf sein „Ufowls“. Auffällig oft geschieht es beim Beerenpflücken, was zu seiner These der besonderen Gefährdung von Frauen und Kindern passt. Die Südstaaten-Namen Boogers und Wooly Boogers führt er auf den Boogeyman und dieser wiederum auf Bugbears und Boggarts zurück. Interessant auch die Zeitachse: Im 13. Jahrhundert, so Cutchins Quellen, zog sich das Kleine Volk mit wachsender Besiedlung zurück und „tauchte ab“; zwischen 1890 und 1920 wurden aus Feenkontakten zunehmend Alienkontakte – Greyhunters Erklärung: die aufkommende Science-Fiction.
Dan Wright stellte fest, dass Kinder nicht wie Erwachsene mental manipuliert oder bewegungsunfähig gemacht werden; bei ihnen müssten die Fremden körperlich eingreifen. Bret Oldham berichtet von verstörenden sexualisierten Szenen seiner Kindheit, Betty Andreasson Luca sprach unter Hypnose plötzlich Gälisch. Auffällig viele Abductees haben militärische Verbindungen, so Raymond Fowler – wobei Greyhunter selbst fragt, ob das womöglich eine Zeitungsente war. 1937 meldet ein australischer Bericht aus dem Kangra Valley einen Lichtstrahl, der ein Kleinkind forttrug und fallen ließ. 1966 sehen zwei Jungen in Peru ein landendes UFO, erhalten eine „außerirdische Taschenlampe“ – und verschwinden eine Woche vor Weihnachten. Persinger bemerkte 1988 eine ungewöhnlich hohe Krebsrate in UFO-Hotspots; Greyhunters Kommentar: der Gesundheit offenbar nicht zuträglich. John Macks Abductees erinnerten sich, selbst Greys gewesen zu sein. Cutchin fragt, ob Hybride als Gefäße für Wesen höherer Seinsebenen dienen könnten.
Gebete und Kreuze, so Anne Druffel, Joe Jordan und andere, hätten sich als wirksam erwiesen – Greyhunter fragt rhetorisch, was für „Astronauten“ allergisch darauf reagieren. Leir und Sims beobachteten unter UV-Licht grün fluoreszierende Hautstellen; nach dem Berühren von Hybriden rot. Lorgen berichtete 2014 von rot-pinken Stellen. Greyhunter findet bemerkenswert, dass Chlorophyll unter Schwarzlicht ähnlich leuchtet. 1935 besteigt ein Mädchen im County Mayo einen Feenhügel – und kommt nicht mehr fort, unsichtbar und unhörbar für die Suchenden, bis die Barriere verschwindet.
