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01.09.2009


    
Historische Noten der UFOlogie aus dem CENAP-Archiv:

1) Gegen das Vergessen in der UFOlogie: September-UFO-Meldungen vor 55 bis vor 20 Jahren: Fliegende Untertassen in der Presse

Wer die Gegenwart des UFO-Phänomens verstehen will, der muss seine Vergangenheit kennen...

"Schade um das Geld" kabelte AP aus Ottawa und ´Der Tagesspiegel´ berichtete am 1.September 1954: Der stellvertretende kanadische Verkehrsminister J.R.Baldwin gab jetzt bekannt, dass die im Oktober 1953 in der Nähe von Ottawa eingerichtete Station zur Beobachtung "Fliegender Untertassen" wieder geschlossen worden ist. Der Minister erklärte: "Wir sind der Ansicht, dass die Beobachtungen nicht ergeben haben, was weitere Ausgaben auf diesem Gebiet rechtfertigen würde."

Die ´FAZ´ am 1.September 1954 aus Darmstadt in einer AP-Meldung: "Fliegende Untertasse an Ballons" - Nachdem im Juli über Darmstadt ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet worden war, ist jetzt wieder ein hell-leuchtendes Objekt anscheinend in großer Höhe über Darmstadt beobachtet worden. Ein Kraftfahrer richtete aber den schwenkbaren Scheinwerfer seines Wagens zum Himmel und sah nur wenige Meter hoch eine silbrig glänzende Scheibe dahinziehen, die an etwa zwanzig Kinderluftballons hing. Am Rande der Scheibe waren kleine Glühbirnen befestigt. Man vermutete, dass ein Unbekannter sich mit der Fliegenden Untertasse einen Scherz erlaubte.

Mehr zu obigen Geschehen erfuhren die Leser der ´Kasseler Post´ vom 2.September 1954: "Fliegende Untertasse an Luftballonen" - Den ersten genaueren Bericht über die Konstruktion einer Fliegenden Untertasse hat jetzt in Darmstadt ein Augenzeuge geben können. Er beobachtete in der vorletzten Nacht mit zahlreichen anderen Straßenpassanten am Nachthimmel über der Stadt einen helleuchteten Flugkörper, der sich mit wechselnder Geschwindigkeit geräuschlos vorwärts bewegte. Der Darmstädter, der mit seinem Kraftwagen unterwegs war, richtete seinen Handscheinwerfer auf das ovale Flugobjekt. Zu seinem Erstaunen, sah er plötzlich 20 Kinderluftballons. Die Luftballons trugen an langen Schnüren eine als Untertasse angesprochene ovale Holzscheibe, auf der kleine Glühbirnen saßen, die das mysteriöse Licht ausstrahlten. Auch ein anderer Augenzeuge hat mit einem Nachtfernglas die Kinderluftballons über der angeblichen Untertasse erkennen können. Auf Grund des Berichts, den der Kraftfahrer gab, ist es nicht ausgeschlossen, dass der noch unbekannte Konstrukteur dieses eigenartigen Flugapparates die Bevölkerung in Darmstadt des Nachts mit seinen "Fliegenden Untertassen" schon öfters zum Narren gehalten hat. Besonders in den letzten Nächten haben immer wieder Einwohner behauptet, nachts die lautlosen, helleuchtenden Flugkörper gesehen zu haben. Die kleinen Glühbirnen, die sich auf der Scheibe befanden, könnten durch eine einfache Taschenlampenbatterie mehrere Stunden gespeist werden. Nachts kann bei einem in der Luft befindlichen helleuchtendem Körper außerdem weder auf seine Größe noch auf seine Entfernung geschlossen werden. Ferner pendelt ein Luftballon infolge seines großen Luftwiderstandes im Fluge sehr häufig und reagiert empfindlich auf jede Veränderung der Luftströmung. Deshalb kann leicht der Eindruck entstehen, der vermeintlich weit entfernte unbekannte Flugkörper wechsle ständig Flugrichtung und Geschwindigkeit.

+ In Anbetracht dieser Erfahrung muß man sich natürlich einige Fragen stellen. Wie oft noch wurden seither derartige Scherze in die Luft gelassen - die als solche nicht erkannt wurden? Niemand wird so naiv sein und davon ausgehen, dass die ganz speziellen UFOs von Darmstadt eine Ausnahme und ein einmaliger Einzelfall waren. Wie wir noch sehen werden, gab es verschiedene andere in die Luft aufgelassene Untertassen-Erzeuger, die von Spaßvögeln irdischer Natur aufgelassen wurden.

"Zweimal ´Fliegende Untertasse´" hieß es lt. UP/dpa am 2.September 1954 auch in der ´Rhein-Neckar-Zeitung´: Ein Grundstücksmakler mit dem Namen W.G.Kitchener in Rye (England), der während des Zweiten Weltkriegs als Flugzeugbeobachter tätig war, will am Dienstagnachmittag zwei "Fliegende Untertassen" beobachtet haben. Nach den Angaben Kitcheners hatten die "Untertassen" ein blasenförmiges Aussehen. Sie seien seiner Schätzung nach in etwa zehn bis 13.000 Meter Höhe und mit einer Geschwindigkeit von rund 3.4000 Stundenkilometern geflogen. Er habe den Eindruck gehabt, als jage eines dieser "Objekte" das andere. Zu einem erheiternden Zwischenspiel in Sachen "Fliegende Untertassen" kam es in Darmstadt. Die in der Nacht zum Montag über der Stadt beobachtete "Fliegende Untertasse" wurde von einem Kraftfahrer als eine an etwa zwanzig Kinderluftballons befestigte beleuchtete Scheibe ausgemacht. Sie ist nun von einem Darmstädter Einwohner in einem Trümmergelände gefunden worden. Die Füllung der Luftballons hatte offenbar nachgelassen. Die Scheibe bestand aus einem mit Stanniol umwickelten Kartonstück, auf dem fünfzehn kleine an eine Taschenlampenbatterie angeschlossene Birnen angebracht waren. Der "Konstrukteur" der seine leichtgläubigen Mitbürger an der Nase herumgeführt hat, ist noch nicht ermittelt.

"´Fliegende Untertasse´ mit Glühbirnen und Batterie in Darmstadt gelandet" meldete am 2.September 1954 die ´Frankfurter Neue Presse´: Einige Aufregung gab es am letzten Wochenende in Darmstadt. Über der Stadt war ein "unbekanntes Flugobjekt" aufgetaucht. Zahlreiche Leute sahen das leuchtende, kranzartige Gebilde. Es schwebte gegen 22:30 h völlig geräuschlos über der Innenstadt. Mehrfach wechselte es seine Flugrichtung. Zehn Minuten lang wurde es von einem Beobachter gesehen. Man starrte begannt in den dunklen Nachthimmel und war der Ansicht, es müsse sich um eine "Fliegende Untertasse" handeln. Erst kürzlich war über Darmstadt nachts ein rätselhafter Flugkörper aufgetaucht. Ein Beobachter, der ein Fernglas zur Hand hatte, wurde jedoch sofort stutzig: Hing das rätselhaft schillernde und dahinschwebende Gebilde nicht an einer Schnur? Und wurde es nicht von mehreren Luftballons getragen? Gestern fand das Rätsel seine Lösung. Die "Fliegende Untertasse" landete nämlich in Darmstadt und wurde gefunden. Ein Spaßvogel hatte sich einen Scherz erlaubt. Die vermeintliche "Fliegende Untertasse" bestand tatsächlich aus einem Luftballonbündel, an dem mit einer Schnur eine ovale und mit Stanniolpapier beklebte Scheibe befestigt war. An der Scheibe befanden sich einige Glühbirnchen und eine Batterie. Daher das Leuchten. Wer der Konstrukteur der "Fliegenden Untertasse" ist, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Es wird für möglich gehalten, dass sich ein Darmstädter schon wiederholt den Scherz erlaubt hat, solche leuchtende Untertassen zu fabrizieren, die er mit Hilfe von Luftballons bei Dunkelheit losfliegen ließ. Man glaubt, nunmehr eine Erklärung für den letzten Untertassenspuk über Darmstadt gefunden zu haben.

"´Fliegende Untertasse´ in Ruine gelandet" meldete der ´Mannheimer Morgen´ am 2.September 1954 aus Darmstadt hierzu: Die in der Nacht zum Montag über Darmstadt beobachtete Fliegende Untertasse, die von einem Kraftfahrer als eine an 20 Kinderluftballons befestigte beleuchtete Scheibe ausgemacht worden war, ist von dem Darmstädter Einwohner Josef Kühnel in einem Trümmergelände gefunden worden...

Die ´Deutsche Zeitung´ und ´Wirtschafts-Zeitung´ vom 4.September 1954 nahm sich unter Eberhard Schulz der christlichen Glaubensherausforderung betreffs Untertassen als außerirdische Besucher an: "Christenglaube und Untertassen" - Ist es an der Zeit, unser Weltbild zu überprüfen? "Die Fliegenden Untertassen bilden ein Stück des technischen Fortschritts, das den Menschen von außen beschert wird. Daher die unerhörte Neugier, daher aber auch das Gefühl der Bedrohung. Es ist -wenn es eins ist- Unheil nicht aus unserer Fabrik", begann der Aufsatz. Bis dahin galt: Die Vereinigten Staaten und amerikanische Außenposten waren vom Besuch der Untertassen bis dahin bevorzugt worden, Europ blieb zunächst fast verschont. Dann ging es dennoch in Europa und im deutschsprachigen Raume los: "An diesem Punkt setzt das Buch eines amerikanischen Reporters ein, das heute in der deutschen Übersetzung unter dem Titel Der Weltraum rückt uns näher eine fatale Berühmtheit erlangt hat. Der Verfasser Keyhoe ist ehemaliger Major, und ein dem Buch beigehefteter Brief des Kriegsministeriums, den ein kleiner Beamter hergab (über die mögliche Weltraumherkunft der Untertassen usw), mag zur Autorität des Buches beigetragen haben. Der Beamte wurde fristlos entlassen. Aber diese konstruierte Autorität hat manchen Leser über den kolportagehaften peinlichen Stil und über die wilden, populärwissenschaftlichen Theorien hinwegblicken lassen, die ein schon abklingendes technisches Schauermärchen nun wieder belebt. Der Bericht ist absolut unseriös. Er enthält Einsprengsel über die Braunsche Weltraumstation, die hier nichts zu suchen hat und über die man wesentlich besser und sauberer in Brauns eigener Darstellung liest - ein ganzes zusammengeklebtes Kapitel über magnetische Feldtheorie, und ist endlich eine Art Detektivserie, die zwischen dem energischen Reporter und dem dreimal geheimen Geheimdienst seines Landes spielt, der die Wahrheit unterdrückt... Keyhoe gehört nicht zu der Gruppe, die irgendetwas beobachtet hat, sondern zu der anderen, die etwas daraus macht."

Es findet aber auch C.G.Jung eine Einlassung, nachdem bereits der berühmte Albert Einstein zu den Untertassen befragt worden war und antwortete: "Was es ist, weiß ich nicht, und ich bin auch nicht sonderlich neugierig darauf." Jung rückte auch von der Sache ab und hielt eine kollektive Vision für möglich, eine spontane Antwort des Unterbewußten als Reaktion auf "die Angst vor der aussichtslosen Weltlage, die jederzeit zu einer universalen Katastrophe führen kann". Dich daneben sind die Theologen angesiedelt, deren Interesse man nach zwei Gesichtspunkten verstehen kann. Einmal geht es dabei um die Überprüfung des naiv-alten Weltbildes, das ja in der biblischen Lehre immer noch fest eingebettet liegt: "Muß nicht die seit Galilei verschleppte Revision des geozentrischen Denkens, nach dem Mensch und Erde im Mittelpunkt des Kosmos stehen,m heute endlich von der Kirche nachgeholt werden?" Der andere Gesichtspunkt berührt intimer die moralisch-religiösen Inhalte unserer Religion, die durch solche kosmische Erscheinungen aus ihrer Statik wieder in eine endzeitliche Bewegung gesetzt wird. Nichts weniger wird von manchen gesagt, als dass die Ankunft der Untertassen -vorausgesetzt, sie seien von Wesen, leiblich und vernunftbegabt, geführt- zu den endzeitlichen Zeichen gehört, welche die Parousie Christi, seine Wiederkunft, ankündigen, die consummatio mundi, in christlicher Auffassung also das Weltende. Wenn die Untertassen dies herbeiführen, dann wird "der Laie, nicht der Theologe, die Erschütterung der Anthropozentrik zuerst spüren", wenn es heißt: Wir sind nicht mehr allein, es sind noch andere da. Und die anderen verstehen mehr, sind deshalb überlegen. Außerirdische Lebewesen, ihre Existenz würde die irdische Suprematie außer Kraft setzen. Jung erinnerte an den Zusammenbruch der primitiven afrikanischen Kulturen bei der Ankunft des weißen Mannes, andere erinnerten an die Indianer, die sich vor dem berittenen Cortez unterwarfen, weil mit seiner Erscheinung ihr eigenes Weltbild ausgelöscht wurde.

Könnte es dem gläubigen Christen, für den die Einzigartigkeit unserer Welt und die Einzigartigkeit unseres Glaubens noch identisch sind, heute anders ergehen? Was ist, wenn wir als Christenheit ins Herz getroffen würden? Was ist, wenn die da draußen uns Christi und seine göttliche Bedeutung nehmen? Oder liefe es banaler ab und in erster Linie müßte nur unsere Wissenschaft und Technik in die Rumpelkammer wandern? Vielleicht wäre es auch so, dass der "Bildungschrist", der sich auf die modernen Inhalte der Humanität zurückzieht, der im Grunde die Figur der Neuzeit und das eigentliche Füllsel des christlichen Abendlandes ist, den Außerirdischen-Schock "nur in sehr abgemilderter Weise" verspürte. Dieser "Bildungschrist" hat seit Gailei und dem Triumphzug der Naturwissenschaft, dem zuletzt die Ethnologie und die vergleichende Religionskunde folgten, eine ganze Reihe von Schockwellen absorbiert und große Bereiche des Glaubens als Konvention beiseitegelegt. Die Untertassen wären in dieser Reihe eine technische Erscheinung, ein Gaukel des letzten Fortschritts, der nicht von uns kommt, den wir aber schon nachbauen wollen - nicht ein Faktum, das seinen Glauben provoziert. "Zweifellos befinden wir uns heute in der letzten Brand, in der Vermutung und Wissenschaft sich mischen... Auch die Reservate der letzten Bildung sind nicht mehr geschützt und lösen sich in die Vermutungen der Halbbildung auf", lesen wir hier als Warnung für die Zukunft - für das Sein in unserer heutigen Zeit, wo alles nur noch schlimmer geworden ist, wie wir heute selbst wissen. Damals wie heute zeigte sich eine Stimmung der Unsicherheit, ein mehr oder weniger neurasthenischer Zustand breitete sich aus, in dem alles möglich erscheint. Und in dieser Lage sitzen die Menschen zu Tausenden "dem Keyhoe auf" - was natürlich auch heutzutage noch mit beliebig austauschbaren Namen in der meinungsverbildenden UFOlogie Gültigkeit hat.

Nach langen Absätzen kam dann Eberhard Schulz endlich zum Punkt seiner Titelüberschrift. Auch wenn nur Einzelstimmen und nichts ex cathedra genannt werden konnten, gab es doch katholische Gruppen, die die kirchlich-gewohnte Zurückhaltung aufgaben, um "sich so schnell an die Türschwelle eines Gerüchts zu drängen". Der Dekan der theologischen Fakultät an der katholischen Universität von Washington, F.J.Connell, sprach von dem befriedigenden Gefühl für die Katholiken, dass die Glaubensgrundsätze auch mit außerirdischem Leben sich vertragen. Er erklärte sogar, dass er jene Wesen sogar "wie einst Adam und Eva der Untersterblichkeit des Leibes" für befähigt halte: "Es wäre töricht, wenn unsere Düsenjäger versuchten, sie abzuschießen. Sie ließen sich gar nicht töten." Unsterbliche außerirdische Brüder und Schwestern? Wie auch immer, Philipp Dessauer erklärte in der katholischen Zeitschrift "Wort und Wahrheit", dass die Wesen aus dem Weltall vernünftig sind, Angst haben und damit "zweifllos als Leib-Seele-Wesen sterblich sind". Die Außerirdischen könnten sogar die Sünde kennen, aber dennoch seien die "Planetiden" Geschöpfe Gottes. Dessauer hielt es für fraglich, ob wir Menschen diese Weltallwesen belehren und taufen könnten, um sie der Erlösung zuzuführen. Die Frage nach der Offenbarung kam genauso zur Sprache wie jene, ob die Außerirdischen der Erbsünde unterworfen seien. Theologie pur. Woher aber diese theologische Eilfertigkeit, die vorausgreifenden Verrenkungen, sich dem neuen Zustand anzupassen, der im anderen Fall vielleicht nur ein böser Witz und Massenpsychose sein mag? Woher der Trieb, ein bisher nicht durchstreiftes All moralisch-biologisch zu untersuchen und die Scheinwesen auf Sünde und Lebensdauer zu beklopfen? Woher die Vermutungen über die Wirkungsspur christlicher Erlösung, die den Kosmos auf ungesehenen Fäden durchzieht? Schulz: "Das ist die alte gnostische Lehre, die in den kleinasiatischen Provinzen vor und mit dem Christentum zugleich ans Licht kam und bis heute in der Theosophie weiterlebt."

+ Unter dieser fast schon erdrückenden Last, mußte sich natürlich die Öffentlichkeit eine Meinung bilden, die durchaus den UFO-Spuk förderte und ihn mit Leben und Inhalt erfüllte. Am 5.September 1954 schwadronnierte das ´Wiener Echo´ "Botschaft der Untertassen an das Menschengeschlecht - Radiostationen im Weltall. Erwiesene Tatsache der Signale. Ausgangsbasis ein Mond, von dem wir bisher keine Ahnung hatten und der doch unserer Erde am nächsten ist. Wann werden die Menschen hören?". Zunächst wird der englische Hauptluftmarschall und Oberbefhelshaber der alliierten Jagdstreitkräfte im Westen, Lord Dowding, herbeigerufen, der "dieser Tage vor der Presse erklärte": "Ich habe Gelegenheit gehabt, das geheime Material über diese Sache zu studieren. In voller Verantwortung für das, was ich sage, kann ich Ihnen mitteilen, dass cih überzeugt bin, dass es Fliegende Körper gibt, deren Ursprung nicht auf dieser Welt zu suchen ist. Es gibt keine irdische Macht, dei ein solches Flugwunder bisher erzeugen kann. Angeregt durch diese Erscheinungen, befassen sich unsere Wissenschaftlich ernstlich mit solchen Problemen, aber niemand weiß, wann es ihnen gelingen wird, das Rätsel zu lösen und solche Apparate nachzubauen."

Die Signale der Untertassen. Man hat Tonbänder aufnehmen können, deren Sinn bisher zwar nicht enträtselt werden konnte, aber es gibt, "und das sind keien Theorien", einige Sendestationen im Weltraum, "die regelmäßig zu hören sind, und zwar nicht durch unsere Ohren, aber deren Stromstöße von unseren besten Apparaten verzeichnet werden. "Diese Sendungen sind von einer atemberaubenden Regelmäßigkeit und werden von den Wissenschaftlern als Lenksendung der unbekannten Flugkörper betrachtet. Im Augenblick sind die größten Kapazitäten damit beschäftigt, der Sprache dieser Sendungen auf die Spur zu kommen", las man damals. Wiener Echo, die einzige Zeitung Österreichs, die das Recht hat, die Publikationen des Amerikaners Major (das EX wird immer wieder übersehen) Donald E.Keyhoe zu veröffentlichen, hat folgende neue Tatsachen aus verschiedenen amerikanischen Quellen erhalten: Pluto-Entdecker Clyde Tombaugh habe einen Mond von vier Kilometern Durchmesser im erdnahen Raum gefunden, der vielleicht die Zwischenstation der Untertassen ist und ob dessen "Hochalarm in allen Observatorien" herrsche. Die USA und Rußland stehen deswegen im Wettrennen, meldete das Boulevardblatt ganz aufgeregt - uns spitzte damit natürlich seine Leser weiter an. Weshalb solche Meldungen dort in der Gazette veröffentlicht wurden? "Wir glauben einem Wunsch unserer Leser zu entsprechen, die uns täglich mit einer Unzahl von Briefen befragen, mehr zu bringen. Besonders seit in unerklärlicher Weise über Deutschland, der Schweiz und Österreich eine starke Aktivität der fremden Flugkörper zu beobachten ist", bescheinigte das Wiener Echo. Da wird undurchsichtiger Quark publiziert, man tut dabei ernst und sogar teilweise pseudo-kritisch und schon hängt das Publikum an der Angel und löst eine UFO-Hysterie wegen jedweder Erscheinung am Himmel aus, wodurch neue spannende Reporte der absonderlichen Art entstehen, die einen neuen Reizimpuls auslösen und weswegen das Publikum nach mehr und immer mehr verlangt. Ein erstaunliches Perpetum mobile...

"´Untertasse´ jetzt auch über Bayern" meldete am 6.September 1954 die ´Rhein-Neckar-Zeitung´: Hopfenzupfer beobachteten am Freitagvormittag über Obersüßbach im niederbayrischen Landkreis Maisburg einen unbekannten Flugkörper. Lehrer Lothar Ullmer, der den Flugkörper zuerst sah, teilte mit, dass sich dieser mit ungeheurer Geschwindigkeit in Ost-West-Richtung bewegt habe und in großer Höhe geflogen sei. Er habe sich gegen den blauen Himmel gut abgezeichnet, habe eine runde flache Form gehabt und sei an den Rändern wie ausgefranst erschienen. Aus Landshut berichtete am Freitag eine Frau, dass sie am Abend vorher einen ähnlichen Flugkörper beobachtet habe.

"Die ´Untertassen´ kamen nicht" meldete dpa aus Ottawa und am 8.September 1954 las man in der ´Frankfurter Neuen Presse´: Eine Station zur Beobachtung "Fliegender Untertassen", die das kanadische Transportministerium vor einigen Monaten in Ottawa errichtet hatte, ist geschlossen worden. "Bisher sind keine Untertassen gesichtet worden. Es scheint uns darum nicht länger gerechtfertigt, weiterhin öffentliche Mittel für ihre Beobachtung auszugeben", erklärte ein Regierungssprecher.

"Sechs Untertassen" meldete am 9.September 1954 die ´Rhein-Neckar-Zeitung´: Sechs Fliegende Untertassen - scheibenförmige Gegenstände, deren Ränderbläuliche Ausstrahlungen zeigten - will die pensionierte Schuldirektorin Friederike Edelmüller in Andelsbuch bei Bregenz in der Nacht zum 1.September beobachtet haben. Sie meldete der österreichischen Gendarmerie, die Untertassen seien etwa 25 Minuten sichtbar gewesen und schließlich in fast senkrechtem Flug verschwunden. Mehrere Passanten haben am Donnerstag gegen 21 h westlich von Ulm ein seltsames Flugobjekt beobachtet. Es soll sich um einen rotierenden Flugkörper von der mehrfachen Größe eines Sterns gehandelt haben, dessen Beleuchtung zwischen rot und gelb wechselte [was sich verdächtig nach einem Miniatur-Heißluftballon anhört]. Bereits am Abend vorher hatten etwa 20 Personen über Ulm eine "Fliegende Untertasse" gesehen.

"Meteorstaub aus reinem Eisen?" meldete dpa am 9.September 1954 und die ´Frankfurter Allgemeine Zeitung´ druckte es: Eine chemische Untersuchung des im kreis Münchberg in Oberfranken am Wochenende niedergefallenen Metallstaubs läßt darauf schließen, dass dieser wahrscheinlich von einen in großer Höhe geplatzten Meteor stammt. Studienrat Franzl, Chemielehrer an der Münchberger Oberschule, gelangte bei der Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der Staub reines Eisen ohne jede Verbindung sei, wie es auf der Erde überhaupt nicht vorkomme. Damit sei mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit der meteorische Ursprung des Staubes nachgewiesen.

"Rotes Etwas mit belegten Broten - Luftreise eines Amerikaners an 70 roten Luftballons: und das ohne Lizenz! - Er kam nicht vom Mars" meldete UP und die ´Rhein-Neckar-Zeitung´ druckte am 13.September 1954 daraufhin: Ein unternehmungslustiger junger Amerikaner, der am Donnerstag mit Hilfe von 70 knallroten Luftballons eine 50 km lange Luftreise zurücklegte, sitzt jetzt hinter schwedischen Gardinen, weil er "ohne Lizenz" geflogen ist. Der 27jährige Garrett Cashman hatte sich seine eigene "Flugmaschine" mit einfachsten Mitteln gebaut. Sie bestand aus 70 Luftballons, einem darangebundenen Klappstuhl, einem Schiffsanker und dem Rad eines Fahrrads. Am Donnerstagmorgen gab ihm seine Frau einen herzhaften Abschiedskuß, und bewaffnet mit einem Berg liebevoll belegter Brote stieg Cashman in die Lüfte. Kaum war er aufgestiegen, da bemächtigte sich der Bevölkerung von Albany fast eine Panik. Die Polizei wurde mit Anrufen überschüttet: "Da oben hängt ein mann an einem Ballon", oder "ein Mann an einem roten Fallschirm" oder "da oben hängt ein rotes Etwas am Himmel" hieß es immer wieder. Die Polizei raste los. Zu beiden Seiten des Hudson-Flusses nahm man die Verfolgungsjagd des geheimnisvollen "Etwas" am Himmel auf, und der Pilot eines kanadischen Flugzeuges, das gerade durch diese Gegend flog, meldete "einen Fallschirm oder Ballon in 2.500 Meter Höhe über Albany mit Kurs Ost". Die Ballons waren mit einem explosiven Gas gefüllt und an Cashman´s Klappstuhl angebunden, auf dem er friedlich saß und seine belegten brote verzerrte. "Es war köstlich", erzählte er später. "Ich konnte ganz Albany und den Fluß sehen. Als es aber über die Wolken hinausging, bekam ich es doch mit der Angst zu tun. Die Sonne wurde so heiß, dass einige der Ballons platzten. Ich hatte zwar einen Fallschirm dabei, aber sicherheitshalber ließ ich dann doch einige der Ballons los."

Langsam verlor das seltene Gefährt damit an Höhe, und schließlich war Cashman wieder so niedrig über den Boden, dass er seinen Anker auswerfen konnte. Der harkte sich zunächst durch ein Maisfeld, dann durch ein Tomatenbeet und blieb endlich im Sandboden hängen. Da waren auch schon zwei stämmige Polizisten herangekommen, die -offenbar in dem Glauben, etwa einen Marsmenschen oder Untertassenflieger vor sich zu haben- sichtlich nervös und entsprechend barsch fragten: "Wo kommen Sie her?" "Aus Albany", erwiderte Cashman in aller Ruhe und berichtete den beiden sprachlosen Hütern des Gesetzes, dass der Flug prächtig gewesen sei. Die Antwort der Polizisten war die Verhaftung Cashman´s, weil er "ohne Lizenz" geflogen sei. Der Untersuchungsrichter wollte den Amateur-Ballonflieger gegen eine Kaution von hundert Dollar auf freien Fuß setzen, aber da Cashman diesen Betrag nicht aufbringen konnte, muß er jetzt brummen bis zur Gerichtsverhandlung.

Die ´Frankfurter Allgemeine Zeitung´ meldete am 13.September 1954 kurz und kanpp: Gibt es Fliegende Untertassen? Über dieses Thema spricht der Raketenforscher Professor Hermann Oberth auf einer Vortragsreise durch die Bundesrepublik, die vom 20.September bis 15.Oktober dauern wird. [Kein Wunder also, wenn durch einen solch populären Protagonisten die Untertassen-Saga hierzulande Bodenhaftung erlangte.]

"Scherze mit ´Fliegenden Untertassen´" hieß es am 14.September 1954 in der ´Rhein-Neckar-Zeitung´: In den letzten Nächten waren über dem deutschen Hochrheingebiet erneut "Fliegende Untertassen gesichtet worden. Auf den Straßen bildeten sich Gruppen von Passanten, die lebhaft diskutierend das Schauspiel verfolgten. Wie Basler Zeitungen am Montag berichteten, haben Basler Spaßvögel zugegeben, dass das Erscheinen der "Fliegenden Untertassen" ihr Werk gewesen sei. Aus Scherz ließen sie Heißluftballons einzeln und in ganzen Bündeln aufsteigen.

"´UFOritis´ auch in der Schweiz - ´Fliegende Untertassen´ sind Tagesgepräch - Fundgrube für Witzbolde" meldete UP und die ´Rhein-Neckar-Zeitung´ vom 15.September 1954 wußte zu berichten: Seit eine der meisgelesenen schweizerischen Wochenzeitschriften das Buch eines Amerikaners [Keyhoe] über das Auftauchen "unbekannter Flugobjekte" in Fortsetzungen abdruckt, ist in der Schweiz eine wahre "UFOritis" ausgebrochen. Aus allen Ecken und Enden der Eidgenossenschaft wird das Auftauchen "Fliegender Untertassen" und anderer geheimnisvoller Objekte am Himmel gemeldet. Witzbolde und solche, die Witzbolde sein wollen, haben ein reiches Betätigungsfeld. Hunderte von Baslern beobachteten Anfang dieses Monats runde Objekte, die rauchend über die Stadt dahinwirbelten - und sich als Heißluftballons entpuppten, die von Halbwüchsigen losgelassen worden waren. Tagelang beschäftigten sich Sachverständige des schweizerischen Generalstabs mit fotografischen Aufnahmen von "Fliegenden Untertassen", die ein Mechaniker aus Winterthur eingesandt hatte. Schließlich wurden die Aufnahmen als raffinierte Fälschungen entlarvt. Der Mechaniker gestand und wurde wegen "Irreführung der Behörden" angeklagt. [Ein wunderschönes Muster dafür, wie die Medienberichterstattung Witzbolde sofort reagieren läßt, sobald sie ein Thema für sich finden. Neben aufgeschickten Ballonen etc werden natürlich auch Fotos von Untertassen erzeugt.]

Einige Berichte gibt es aber, die von den zuständigen Stellen nicht so einfach abgetan werden. Es handelt sich um Beobachtungen des Bodenpersonals eines Militärflugplatzes des Westschweiz im Jahre 1949, der Besatzung eines schweizerischen Transatlantikflugzeuges im Jahre 1952 und eines schweizerischen Fliegerleutnants im August dieses Jahres. In allen drei Fällen wurden von personen, deren "Zuverlässigkeit und Sachkenntnis" nach Auskunft eines amtlichen Sprechers nicht bezweifelt wird, fliegende Scheiben beobachtet. Der Sprecher erklärte, die Berichte seien glaubhaft, doch bestehe keine Möglichkeit sie nachzuprüfen. Seien sie zutreffend, gebe es drei Erklärungen: Es könne sich um Flugapparate handeln, die von Menschenhand gebaut seien, oder es handele sich um Raumschiffe von anderen Sternen, oder es seien "übernatürliche Erscheinungen - eine Möglichkeit, die wir als gläubige Christen nicht ausschließen können". [Besser wäre es sinnvoller Weise gewesen, diese Meldungen vorzustellen und nicht über sie zu orakeln.]

"Fliegende U-Tasse gab Rätsel auf" - so am 16.September 1954 die ´Kasseler Zeitung´. Spät abends klingelte bei uns gestern noch das Telefon. Ferngespräch aus Oberkaufungen: "Wir haben eben eine Fliegende Untertasse gesichtet. Ab 20:40 h zieht dieses unbekannte Flugobjekt über den Kaufunger Wald in südlicher Richtung. Ruckartige Bewegungen in senkrechter und waagerechter Richtung. Licht wechselt vom Rötlichen ins Gelbe. Dazwischen können wir auch ein weiches Zischen wahrnehmen. Ständiger Richtungswechsel des in seiner Größe nicht abzuschätzenden Körpers. Zehn bis zwölf Passanten sind Augenzeugen dieser seltsamen Erscheinung. Jetzt - es ist gerade 21:45 h - zieht das leuchtende Etwas nach Norden ab!" Was war geschehen? Wir hielten Rückfrage. "Wir haben den farbigen Körper ebenfalls wahrgenommen. Ein Oberkaufunger hat sich den Scherz erlaubt, einen leuchtenden Drachen steigen zu lassen."

"´Fliegende Untertassen´ immer noch ein Rätsel - Ein Vortrag in Schwetzingen über dieses Thema" wußte am 16.September 1954 die ´Rhein-Neckar-Zeitung´ zu titeln, hier der Artikel eines ausgeschickten Berichterstatters: "Gibt es Fliegende Untertassen?" Dies war das aktuelle und erregende Thema, zu dem der Sekretär der Gesellschaft für Weltraumforschung, Erich Steude (Karlsruhe), am Dienstagabend in einem vom Luftwaffenring e.V., Ortsverband Schwetzingen und Umgebung, durchgeführten Vortragsabend im "Welde-Bräu" in Schwetzingen sprach. Die "UFOs", unbekannte Flug-Objekte, wie die amtliche Bezeichnung der "Fliegenden Untertassen" ist, geben so viele Rätsel auf, dass vorläufig immer nur Mutmaßungen über ihre Herkunft und ihre Art angestellt werden können. An die Existenz "Fliegender Untertassen" glaubt Erich Steude. Darüber liegen zu viele Berichte auch ernst zu nehmender Beobachter vor, als dass man ihr Vorhandensein abstreiten und sie etwa als harmlose Flugobjekte, die etwa nur meteorologischen Forschungen dienen, halten könnte. [Tatsächlich gibt es eine breite Spannweite von Stimulis, die für UFOs gehalten werden und nicht nur die meteorologischen Forschungsballone.] Eine Massentäuschung in solchem Umfange erscheint so gut wie ausgeschlossen. Ihre Herkunft freilich läßt sich nicht erklären, es sei denn, man ist der Meinung, dass die "UFOs" planetarischen Ursprungs sind. Diese Meinung vertrat auch Erich Steude, eine Meinung, die sich auch darauf stützen kann, dass schon vor 75 Jahren, als es noch keine Fliegerei auf der Erde gab, unbekannte Flugobjekte beobachtet wurden. [Sinnvoller wäre es jenseits dieser inhaltslosen Angabe gewesen, hierfür einen konkreten Vorfall zu benennen, um die Behauptung nachzuvollziehen.] Über ihr Aussehen und die Art ihres Antriebes läßt sich nur wenig sagen. Bis jetzt scheint nur soviel festzustellen [sic], dass es sich um Flug-Objekte handelt, die nach dem Kreiselprinzip fliegen [woher nahm der Mann diese Selbstsicherheit?] und dabei die ungeheuere Geschwindigkeit von 40.000 bis 60.000 Stundenkilometern [Belege?] erreichen. Sie können auch in der Luft stehenbleiben, also wie Insekten fliegen, während wir auf der Erde erst den Vogelflug beherrschen. [Hier läuft man schnell Gefahr alle unterschiedlichen Parameter untereinander völlig unterschiedlicher Objekte, die man für UFOs halten kann, auf ein allumfassendes Gesamtphänomene zu reduzieren, wodurch die UFOs plötzlich wundersame Fähigkeiten haben sollen. Dies ist mit ein Kernproblem der ganzen UFO-Diskussion auf welches die allermeisten UFO-Gläubigen unreflektiert hereinfallen.]

Interessant war der Vergleich, den der Redner zwischen diesen "UFOs" und den Erkenntnissen unserer, insbesondere der deutschen Forschung anstellte. So flog zum Beispiel die V-II-Rakete (wissenschaftlicher Name: A-IV-Rakete) mit vereineinhalbfacher Schallgeschwindigkeit und erreichte eine Spitzenhöhe von 140 km. Der deutsche Professor Sänger entwickelte während des Krieges schon ein Flugzeug, das mit Raketenantrieb ausgestatet, die Erde im Non-Stop-Flug in 300 km Höhe bei einer Geschwindigkeit von 22.000 km umfliegen sollte. Also auch unsere eigene Forschung ist bereits an ungeahnte Grenzen der Fliegerei angelangt. Aber trotzdem geben die "UFOs" noch viele ungelöste Probleme auf. Sie bergen Geheimnisse, die allen uns bekannten aerodynamaischen Gesetzen zu widersprechen scheinen. Wer steuert diese Flugobjekte? Sind es Insekten oder insektenähnliche Lebewesen, die die Frage des Insektenfluges kennen? Kommen sie von einem Planeten, vom Mond, Mars, von der Venus oder dem Jupiter oder einem seiner Monde? Arbeiten die unbekannten Flugobjekte mit Ultraschall? Alles Fragen [und die sich auch gar nicht stellen], auf die es heute noch keine Antwort gibt. Aber vielleicht werden wir ihnen eines Tages im Weltraum begegnen. Das Problem der Weltraumschiffahrt ist theoretisch längst gelöst. In diesem Zusammenhang wies Erich Steude auf das bekannte Projekt von Wernher v.Braun hin, der mit Hilfe von Weltraumstationen Reisen zum Mond oder Mars durchaus für durchführbar hält. Professor Sänger hält es sogar für möglich, mit einer Lichtrakete 98 Prozent Lichtgeschwindigkeit, also etwa 296.000 km pro Sekunde, zu erreichen. Die Reise Erde-Mars würde dann nur eine Stunden dauern! Vorläufig bleibt es bei Vermutungen und Spekulationen [hauptsächlich letzteren], aber wer weiß, ob wir nicht in absehbarer Zeit mehr über alle diese Fragen wissen, die mit den "Fliegenden Untertassen" zusamenhängen.

Der ´Mannheimer Morgen´ unter Eva Patzig fragte am 18.September 1954: "Ist überraschender ´Besuch aus dem Weltall´ möglich?" - Sendestelle Mannheim-Heidelberg läßt Tatsachen und Hirngespinste Revue passieren: Seit sieben Jahren wir die Weltöffentlichkeit durch ein Phänomen beunruhigt, das unter dem Namen "Fliegende Untertassen" über den Himmel und durch die Spalten der Zeitungen geistert. Der erste, der diese merkwürdigen Dinger gesehen hat, war Mr.Arnold aus Chehalis in USA, ein Privatflieger, dem neun solcher metallisch glänzender Scheiben [es waren Sicheln, sic] in 3.000 meter Höhe begegneten. Die amerikanische Öffentlichkeit war alarmiert, denn den Menschen saß der Schock eines Hörspiels in den Gliedern, in dem Orson Welles 1938 eine Invasion von Marsmenschen so realistisch geschildert hatte, dass in der Bevölkerung eine Panik ausbrach. Seit Mr.Arnolds sensationellem Bericht wollten nun Leute in allen Teilen der Welt ähnliche Beobachtungen gemacht haben, und wenn sich auch viele dieser Meldungen als hysterische Phantastereien entpuppten, so bleiben doch genug ernstzunehmende Nachrichten übrig, die das amerikanische Luftfahrtministerium veranlaßten, sich mit der Erforschung dieser "unbekannten Flugobjekte" zu befassen. Untersuchungen wurden eingeleitet, und als der Captain der US-Luftwaffe, Mantell, am 7.Januar 1948 bei der Verfolgung eines solchen fliegenden Objekts den Tod fand, sprach der amtliche Bericht davon, dass Mantell vermutlich dem Planeten Venus gefolgt sei [tatsächlich handelte es sich nicht um die Venus, sondern um ein der USAF unbekannter Stratosphären-Ballon vom Typ SKYHOOK, den die US Navy verantwortete und insgeheim aufgelassen hatte]. Natürlich wurde diese phantastische Erklärung von niemanden geglaubt, wie man überhaupt den einander widersprechenden Verlautbarungen und Dementis der US-Luftwaffe sehr mißtrauisch gegenüberstand, da einerseits zugegeben wurde, dass es möglicherweise Flugapparete einer fremden Macht oder die geniale Erfindung eines Zivilisten sein könnten, andererseits offiziell behauptet wurde, dass für die Existenz der Untertassen nicht genügend Beweise vorhanden seien. Allerdings soll die Sonderkommission "Untertasse" der US-Luftwaffe am 28.April 1948 in einem internen Zwischenbericht an die höchsten Kommandostellen darauf hingewiesen haben, dass diese scheibenförmigen Projektile -mit einem Durchmesser von 36 bis 54 Metern- zweifellos gesteuert werden und einer intelligenten Kontrolle unterliegen, dass weder beim bewegungslosen Schweben noch beim Flug irgendwelche Geräusche hörbar sind und ihre Geschwindigkeit -bis zu 30.000 Kilometerstunden- höher ist, als der gegenwärtige Stand unseres technischen Wissens und Könnens möglich erscheinen läßt.

Solche und ähnliche Berichte, die einen Besuch von anderen Sternen, das Auftauchen außerirdischer Wesen durchaus möglich erscheinen ließen, klangen nach aufgewärmten Utopien und hatten offensichtlich den Zweck, von sehr realen Tatsachen, beispielsweise einer neuartigen Erfindung abzulenken, die man gerne geheimhalten wollte [dies sind zu jener Zeit Medienspekulationen ohne jeden ernsthaften und belegbaren Hintergrund gewesen, wir erinnern an den Radiokommentatoren Taylor]. Doch die von der US-Luftwaffe verbreitete interplanetarische Theorie [dies stimmt so nicht, es war Keyhoe gewesen, der die bei einigen Auswertern tatsächlich vorhandene ETH-Lösung durch sein Werk populär machte, offiziell war dies aber nie die Position des Pentagon] wurde von [Ex-]Major Donald Keyhoe aufgegriffen, dessen Buch "Der Weltraum rückt uns näher" auch in der deutschen Ausgabe einen sensationellen Erfolg hatte, weil die Menschen offenbar lieber an irgendwelche außerirdischen Mächte glauben, als in den "Fliegenden Untertassen" eine furchtbare irdische Waffe sehen zu müßen. Der Anschein der Seriosität, den sich Keyhoe mit einer Bestätigung seiner Theorie durch das US-Luftwaffenministerium gegeben hatte, ist freilich verschwunden, seit jener kleine Angestellte fristlos entlassen wurde, der diesen Brief ohne die Genehmigung seiner Vorgesetzten verfaßte. Was aber sind nun diese geheimnisvollen Untertassen, deren Existenz zumindest nicht mehr geleugnet wird? [dass die Untertassen existieren wurde immer bezweifelt, dass es aber unaufgeklärte UFO-Meldungen gibt wurde nie geleugnet - damit bekommt die ganze Sache einen anderen Wind.] Hängen sie mit den Fortschritten der Raketenforschung zusammen, sind sie die von den Russen weiterentwickelte deutsche Geheimwaffe V-7 oder nur harmlose Wetterballons, Kugelblitze, Luftspiegelungen, optische Täuschungen? [Wie man sieht ist es ein uraltes Muster: Bei Aufarbeitungen des Themas UFO für größere Aufsätze greifen Journalisten immer wieder auf ihre Archive zurück und gehen davon aus, dass die dort aufgefundenen Darstellungen objektive, belegte und abgesicherte Inhalte bedeuten, aber genau dies ist ein schwerwiegender Fehler, weshalb immer wieder die selben unkorrekten Phrasen in Umlauf kommen und der öffentlichen Irreführung ein festes Fundament geben, gläubige UFOlogen sind keineswegs daran interessiert, dem entgegenzuwirken.]

Um Licht in diese mysteriöse Angelegenheit zu bringen, hatte sich eine Arbeitsgemeinschaft amerikanischen Journalisten gebildet, die nach monatelangen Nachforschungen zu dem Ergebnis kam, dass die Untertassen ferngelenkten Geschosse sind, die, von Sowjetrußland und USA katapultiert, zu Aufklärungszwecken über Atomwerken und militärischen Anlagen eingesetzt und durch Schnorchel-U-Boote gesteuert werden. Sie sind mit Kameras und elektronischen Beobachtungsgeräten versehen und können mittels einer hochexplosiven Sprengladung auf Knopfdruck restlos vernichtet werden. Das klingt alles sehr schön [ähm, die ganze Sache ist bis dahin purer Quatsch und ohne Basis in der Realität gewesen, weswegen sich alles nachfolgende auch als Pseudo entpuppt], nur: welcher Art ist der Antrieb dieser geräuschlosen Wundermaschinen, die keine Schweifspur hinterlassen, und aus welchem Material sind sie hergestellt, um die bei so hohen geschwindigkeiten bedingten Materialtemperaturen aushalten zu können? Fragen über Fragen. Seit die Techniker an den Weltraumraketen arbeiten und die Errichtung einer Weltraumstation kein utopischer Wunschtraum mehr ist, scheint auch die Konstruktion der "Fliegenden Untertassen" nicht mehr außerhalb unserer technischen Möglichkeiten zu liegen. Wie wäre es, wenn sich die Wissenschaft einer neuentdeckten Naturkraft bediente, eines radioaktiven Stoffes von ungeheurer Strahlungskraft, einer bisher unbekannten Antriebsart, einer kontraterrestrischen Materie? Diesem unheimlichen Rätsel sucht ein Tatsachenbericht der Sendestelle Heidelberg-Mannheim auf den Grund zu gehen, der unter dem Titel "Besuch aus dem Weltall?" am Montag, dem 20.September, um 21 Uhr im ersten Programm des Süddeutschen Rundfunks zu hören sein wird.

+ Natürlich ist hier wieder das Massenmedium Radio in jener Ära von Bedeutung gewesen, dazu muß man wissen, dass in der damals fernsehlosen Zeit die Familie sich um den öffentlich-rechtlich-gesteuerten Radio-Apparat versammelte, um den Feierabend dort gemeinsam zu begehen. Kein Wunder also, wenn halbgare Geschichten über diesen Multiplikator sich im Bewußtsein der Öffentlichkeit vertiefen konnten.

"Mich küßte ein Marsmensch...", hieß es am 18.September 1954 in den ´Hessischen Nachrichten´: Antoine Mazaud, ein 60jähriger Bauer aus Limoges, Mittelfrankreich, hatte dies behauptet, doch er zuckte mit den Schultern während seines Berichtes über eine Begegnung mit einem "Marsmenschen" am vergangenen Wochenende in der Nähe seines Ortes. Nach seinem Bericht wurde er von dem Piloten einer acht Meter langen "Zigarre" geküßt und in einer unbekannten Sprache angesprochen. Der Pilot habe durchaus menschenähnlich ausgesehen und eine sturzhelmähnliche Kopfbedeckung getragen. Nach der "Begrüßung" habe sich der zigarrenförmige Flugkörper mit bienensummenähnlichem Geräusch und hoher Geschwindigkeit wieder in die Luft erhoben. Wie wird sich dieser Fall nun wirklich zugetragen haben, fragte man sich. In Frankreich hat darüber ein großes Rätselraten eingesetzt.

"Hahn glaubt nicht an Fliegende Untertassen - Wetter nicht durch Atomexplosion beeinflußt - Fliegende Zigarre über Rom": Die ´Kasseler Zeitung´ berichtete in ihrer Ausgabe vom 20.September 1954 aus Würzburg: Nobelpreisträger Professor Dr.Hahn erklärte in Würzburg, "kein vernünftiger Mensch kann an den Unsinn von den Fliegenden Untertassen glauben. Wenn schon die Marsmenschen oder andere Wesen Spazierflüge zur Erde unternähmen, dann würden sie uns guten Tag sagen, anstatt in großen Höhen um den Erdball zu kreisen". Professor Hahn hält es auch für unwahrscheinlich, dass das Wetter von Atomexplosionen beeinflußt werde. Bisher hätten sich dafür jedenfalls keine wissenschaftlich begründeten Anhaltspunkte ergeben.

Tausende von Römern sahen in der Nacht zum Sonnabend eine "Fliegende Zigarre", die in Höhe von etwa 1.100 Meter südwestlich von Rom der Küste entlang flog. Die "Zigarre" war zuerst von einer italienischen Radarstation gesichtet worden. Die Station konnte den Flug des seltsamen Gegenstandes 39 Minuten lang verfolgen. Die "Zigarre" flog erst langsam, beschleunigte dann plötzlich erheblich ihre Geschwindigkeit und verschwand. Nach Mitteilung der italienischen Luftwaffe war das Flugobjekt "wie eine halbierte Zigarre geformt und hatte mittschiffs eine große Antenne. Aus dem spitzen Heck des Flugobjektes schoß eine Rauchspur".

Fortsetzung folgt...


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