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13.06.2009


    
Einblick in die deutsche UFO-Historie

Teil IV: UFOs und das deutsche Fernsehen...

...Fortsetzung:

"Man könnte sich natürlich vorstellen, dass die Zeugen nach den Sendungen Spott oder gar Anfeindungen ausgesetzt waren. Zumindest bei Brettschneider war das, wie er mir versichert hatte, jedoch nicht der Fall: Er habe fast nur positive Anrufe erhalten; eine Frau habe ihm sogar erfreut berichtet, daß sie bereits seit Monaten eng mit Außerirdischen zusammenarbeite. Herr Wirtz gab als Grund auch nicht an, Häme und Spott nach seinem Auftritt in der Sendung erfahren zu haben. Er erzählte stattdessen, dass Holbe habe ihm gesagt habe, daß er ihn wegen seines Erlebnisses beneide...! Wie sieht die Angelegenheit aber aus, wenn ein Zeuge sich einen Jux erlaubt hat? In diesem Fall müßte man entsprechende Reaktionen erwarten: Ein solcher Zeuge hätte natürlich kein Interesse daran, sich mit seiner Geschichte sachkundigen Ermittlern anzuvertrauen, zumal er damit rechnen müßte, daß sein Jux aufgedeckt würde. (Allerdings kann man nicht ausschließen, daß besonders "abgebrühte" Naturen bzw. Personen, die Realität von Imagination schlecht unterscheiden können, auch davor nicht zurückschrecken; daher ist ein gegenteiliges Handeln noch kein Beweis für ein objektiv echtes Erlebnis!). Auch ein Rückzug wird verständlich, wenn wir z.B. an die Brettschneider-Story denken: Die Angst, daß der Jux nicht nur aufgedeckt wird, sondern man womöglich mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müßte, ist Grund genug dafür. Aufschlußreich: Selbst diese (vorgebliche) Angst hatte Brettschneider nicht davon abgehalten, sogar nach seinem Geständnis gegenüber BILD noch im Fernsehen aufzutreten - ein m.E. wichtiger Hinweis auf ein enormes Geltungsbedürfnis! Muß es nicht nachdenklich stimmen, daß ausgerechnet in jenen Spektakulär-Fällen, in denen eine Aufklärung nicht erfolgt ist, die Zeugen weitere Auskünfte verweigern? So z.B. im Fall

Jüchen (JUFOF 1983, S.161ff), in dem nur einer der Zeugen aussagewillig war,

Oskar Linke (s. CR 111, 116, 122), wo die zweite Zeugin beharrlich schweigt,

Kelly-Hopkinsville (USA, 1955), als eine der ehemaligen Zeuginnen ihrer Tochter nie von dem Ereignis erzählt hatte und daraufhin auch die Tochter einen Kontakt zum Untersucher abbrach (eigene Recherchen, noch unveröffentlicht).

Ich meine: Wenn sich Zeugen unkooperativ verhalten, kann man einen Bericht nicht zum Präsentierfall erheben, wie es leider immer wieder geschieht. Auch die Angehörigen/ Partner müssen befragbar sein (s. Brettschneider); wenn sie nicht aussagen wollen bzw. der Hauptzeuge sich gegen ihre Aussagen wendet, muß das erst recht Zweifel an der (objektiven) Authentizität des betreffenden Falles wecken. Selbstverständlich darf eine unkooperative Haltung aber auch nicht als Beweis für einen Jux/Schwindel betrachtet werden! Auf jeden Fall kann nur gelten, daß ein Fall nur dann als glaubwürdig einzustufen ist, wenn es keinerlei Gründe für Zweifel gibt."

Soweit also Rudolf Henke mit seiner Kritik und Analyse der damals neuerlichen UFO-Sendung, bei der es mal wieder überall an Skepsis und Kritik mangelte, dafür aber an diesem Abend mit 2,79 Millionen Zuschauern den Rang 2 bei Sat1 belegte. In der Kritik der ´Sächsischen Zeitung´ vom 19.Juni 1993 hieß es zudem mittels der Überschrift ´Unter Raumbrüdern´: "Der Vorspann hat mich richtiggehend entzückt, teilte er doch mit, alles sei auf eigene Gefahr zu konsumieren... Was mich störte: Nur Pro-UFO-Anhänger agierten und erhielten viel Raum für ihre Thesen. Ernsthafte Gegenmeinungen, und die soll es ja geben, blieben außen vor. Spass aber gab es viel..." Der ´Tagesspiegel´ merkte an: "Die Faszination, die vom Unerklärlichen und Geheimnisvollen ausgeht, macht sich diese Reihe zunutze. Die unbeweisbare Existenz von Stimmen aus demJenseits, unsichtbarer Kräfte oder außerirdischem Leben sind Mythen der Moderne. Sie sind Ersatz für den alten Naturglauben, an dessen Stelle die Allmacht der Wissenschaft getreten ist. Keine noch so schlüssige Widerlegung grassierender UFO-Theorien kommt gegen die romantischen Geschichten der UFO-Gläubigen an. ... Rainer Holbe spielt geschickt den maßvoll Skeptischen..." (19.6.93) Der Kritiker der ´Badische Neueste Nachrichten´ nannte die Sendung dann "Ernsthaft ins Lächerliche" gehend, auch wenn "das Geschäft mit Übersinnlichem und Unerklärlichen weiter wie geschmiert läuft. Nicht umsonst also hat Mysterienmoderator Rainer Holbe 13 neue Folgen seiner Serie aufgelegt... Wer seine Hirnwindungen nicht auf Vorsicht gepolt hatte, konnte schon eine Gänsehaut bekommen bei soviel Unerklärlichem. Als allerdings ein dänischer Major a.D. mit größter Überzeugung die Präsenz mehrerer E.T.-Persönlichkeiten mitten unter uns verkündete, glitt die Sendung endgültig ins Lächerliche ab. Holbe verabschiedete sich denn auch auffällig eilig von diesem Gast. Fazit: Er weiß, mit welchen Themen Zuschauer zu ködern sind. Er muß allerdings aufpassen, daß er dabei seine Glaubwürdigkeit nicht vollends verliert."

Für die ´Abendzeitung´gab es am 24.Juni 1993 dann eine Meldung, die viele Prä-Astronautik-Freunde erschüttert haben dürfte: "UFO-Experte Erich von Däniken: 10 Jahre kein Sex!" Mit Besuchern aus dem Weltall hat er keine Probleme, um so mehr mit weltlichen Frauen und vor allem mit seiner angetrauten Elisabeth (55). Erfolgsautor Erich von Däniken (56) hat Sex-Nöte. "Seit zehn Jahren schlafe ich nicht mehr mit meiner Frau", plaudert er freizügig und öffentlich über sein irdisches Dilemma umd auch ja nicht in Vergessenheit zu geraten.

´TV Movie´ nahm sich in einer TV-Reportage in der Ausgabe für den Geltungszeitraum 26.6.-9.7.1993 der Frage "UFOs - was ist wahr? Gibt es sie nur im Fernsehen oder auch wirklich?" im Pro & Contra an, hierzu verwendete man ein Logo, welches den Grey auf dem W.Strieber-Buch zeigt (Redakteurin Claudia Graf hatte diesbezüglich auch mit CENAP gesprochen). Anlaß: Am 27.Juni 1993 brachte Pro7 den B-Picture "Top Line" mit Franco Nero ins Programm. Ausgangspunkt ist der gerade durch die Szene geisternde Kalahari-Zwischenfall (später als Schwindel enttarnt), der ob seiner Szenerie Hollywood-Charakter besitzt. Dieses "Top Secret"-Ereignis wurde dem deutschen "Astrophysiker" und UFO-Spezialisten "Dr." (wie sich später herausstellen wird, ist dies ein gekaufter Titel) Johannes von Buttlar durch einen britischen UFO-Fan bekannt, als dieser im Material des "südafrikanischen Geheimdienstes" übergab. Die Zeitschrift: "Dichtung oder Wahrheit? Auf jeden Fall sind die Außerirdischen ´in´. Als Film- und Fernsehhelden sorgen sie für wohliges Gruseln. Schließlich: Es könnte ja sein, daß es sie doch gibt..." Die Zeitschrift verwies auch darauf, daß die allermeisten UFOs (etwas übertrieben mit 99 % angegeben) sich als IFOs entpuppen: "Spitzenreiterin unter diesen IFOs ist die Venus, der hellste Stern an unserem Nachthimmel." In Pro- und Contra-Positionspapieren nahmen für Pro "Dr." Johannes von Buttlar und für Contra Dr.Dr.Walter von Loucadou aus Freiburg Stellung. Im von Buttlar-Kasten wurde ein Bild aus dem berühmten STS-48-Film eingebracht. Obwohl es um UFOs ging, verteidigte von Buttlar die Reise durch den Kosmos via der Benutzung der Kräfte von "Schwarzen Löchern". von Loucadou ging als Physiker auch auf das "Zeittunnel"-Argument ein, was er für eher gewagt betrachtete und dann sich den UFO-Fans widmete, die behaupten, daß Menschen von Außerirdischen entführt und untersucht werden. Er sah hier Erfahrungen begründet, die man auf "multiple Persönlichkeiten" basierend erkennt, als auf ein psychologisches Phänomen, welches sich gerade unter Hypnose freisetzt.

Das Nackedei-Heft ´Praline´ erklärte dann am 1.Juli 1993: ´Immer mehr Menschen behaupten: Außerirdische wollten Sex von mir!´: "Ich wachte auf, und neben meinem Bett knieten drei kleine unbehaarte Monster. Ich konnte mich nicht bewegen, als eines von ihnen meine Schamhaare zu streicheln begann und das andere meine Brüste", schildert Chris (27) aus München ihre erste Begegnung mit fremden Wesen. "Mittlerweile habe ich viel darüber gelesen", sagt sie. "Für mich gibt es keinen Zweifel. Das waren Außerirdische." Begleitet wurde der Text vom Bretschneider-Alien in Blau, untertitelt mit: "In Deutschland gefilmt: ein außerirdisches Wesen. ´Echt´, meinen Experten."

´Hitler im UFO über der Antarktis´ hieß der Hintergrundbericht von Anton Maegerle in der TAZ vom 6.Juli 1993, da der "esoterische Hitlerismus" immer mehr in rechtsextremen Kreisen Zuspruch findet und auch die Anhänger der "Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front" von Michael Kühnen solchen Ideen nachhängen. Am Rande erfahren wir hier etwas über die deutschen UFOs, die von der Antarktis aus die Schmach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg tilgen und eine neue deutsche Weltherrschaft erkämpfen wollen. Dies ist ganz nach dem Geschmack des UFO-Videofilms der "Tempelhofgesellschaft" um Ralf Ettl aus Wien, der auch an einem Buch über die Thule-Triologie von Hitler-Fanatiker Wilhelm Landig (Inhaben des Wiener Volkstums-Verlags) beteiligt war. Die Auffassungen der "Tempelhofgesellschaft" orientieren sich eng an dem Gedankengut des 1954 in Wien verstorbenen Lanz von Liebenfels, dessen durchstrukturiertes System der Rassenideologie sich ehemals in der NS-Ideologie wiederfand. Die "Tempelhofgesellschaft" beschäftigt sich nicht nur mit esoterischen UFO-Theorien, sondern mischt auch in der praktischen Politik rechtsextremer Kreise kräftig mit. Großkomptur der Gesellschaft ist Hans Günther Fröhlich, ehemals stellvertretender Bundesvorsitzender und Bundesorganisationsleiter der 1986 gegründten Neonazi-Partei "Die Deutschen". Sie fusionierte im Juni 1991 mit der Kölner "Republikaner"-Abspaltung "Die Bürger", die keine Gelegenheit für ihre rassistische Hetzpropaganda ausläßt. Der Vertrieb des Videos für 175 Mark wird von dem Österreicher Michael Damböck, Herausgeber von "Pen Tuisko - Briefe für deutsche Helden" und Redaktionsmitglied der Nation (einer bundesdeutschen rechtsextremen Postille, die der NPD nahesteht), durchgeführt. Auch der weltweit führende Protagonist der Auschwitz-Lüge, der Deutsch-Kanadier Ernst Zündel, propagiert über seinen Samisdat-Verlag in Toronto diesee spezielle UFO-Theorie. Unter dem Pseudonym Christoph Friedrich verfaßte er das Buch "UFOs: Nazi-Geheimwaffen?".

Am 16.August 1993 veröffentlichte die ´Lausitzer Rundschau´ unter der Schlagzeile "Das UFO-Phänomen kann jederzeit jeden treffen: Seriöse Wissenschaftler warnen - Subjektiv ehrliche Beobachtungen werden von Geschäftemachern und Ideologen schonungslos ausgenutzt" ein großes Interview zwischen Reporterin Sandra Daßler und Werner Walter.

Der deutsch-französische Kulturkanal ARTE brachte am 21.August 1993 den Film "Liebesgrüße vom Mars" ins Programm, um die Zuschauer über den "UFO-Aberglauben aufzuklären".

In ´Sterne und Weltraum´ für August/September 1993 wurde der Artikel "UFOs am Rande der Wirklichkeit" von Werner Walter vorgestellt, um die astronomische Welt mehr Sensibilität in Sachen UFOs entwickeln zu lassen und CENAP vorzustellen. Darüber hinaus wurde angeboten, daß bei Instituten auflaufende Berichte über vorgebliche UFOs an uns weitergeben werden können.

´Uni-Feuerteufel vor Gericht: Die UFOs haben mich zum Täter gemacht´ hieß die Schlagzeile am 25.September 1993 in der ´Abendzeitung´: Hier ging es um den 36jährigen Vittorio L., der durch zahlreiche Brandstiftungen in der Universität und in Münchner Krankenhäusern straffällig wurde, stand nun vor der 7.Strafkammer beim Landgericht München 1. Der arbeitslose Schausteller wurde danach in die Nervenkling eingewiesen. Während des Prozeß erklärte er sich zum "intelligentesten Menschen der Welt" und zeigte sich als ein Grenzgänger zwischen Vernunft und Wahnsinn. Als 16--jähriger will er ein Schlüsselerlebnis gehabt haben: Er sah in der Nähe von Kempten ein UFO niedergehen, dessen Triebwerke alles ringsum verbrannten, dann stiegen aus dem Raumschiff "Männer in weißen Kitteln" aus. Seitdem fühlte er sich von UFO-Strahlen verfolgt, die auch daran schuld seien, das er einen Tumor im Gehirn habe, den aber kein Arzt jemals bestätigen konnte. Deswegen trieb es Vittorio immer wieder zum Zündeln in Krankenhäuser, um dort seine Spuren zu verwischen, wenn er dort Literatur für seine UFO-Hirngespinste suchte...

In der September 1993-Ausgabe des ´Medium-Magazin´ (Informationen für Journalisten) schalteten wir zum "Medien-Thema UFOs" sogar eine 1/6-Seite-Anzeige mit folgendem Inhalt: "Wie nie zuvor segeln die UFOs durch die Medienlandschaft; Millionenauflagen werden erzielt; Millionen Zuschauer hängen vor der TV-Kiste, sobald die UFOs kommen. UFOs, ein mysterium seit fünfundvierzig Jahren. Nach zwanzig Jahren intensiver Ermittlung ist das UFO-Rätsel nun gelöst, entgegensetzt den Märchenerzählern und der ´UFO-Mafia´ und ihren millionenschweren Interessen! UFOs sind ein Kunstprodukt der Medien. Suchen Sie neue Themen, wollen Sie dem Publikum die UFOs neu nahebringen und haben Sie den Mut, einen Mythos zu knacken? Kontaktieren Sie..."

Erstmals in Deutschland griff in der September 1993-Ausgabe des COSMOPOLITAN in einer Reportage das Thema "UFOs: Und wenn es sie doch gibt?" neben den üblichen Beiträgen wie "Die Frau, die den Sex neu erfinden will" oder "Die 41 dümmsten Sprüche der Männer" auf. Mitten in Düsseldorf traf Gitta Winter auf Experten und "echte" Dokumente der UFO-Gläubigen. Es ging um die Welt-UFO-Konferenz mit "300 völlig abgehobenen Menschen. Alle sehen ganz normal aus. Aber wenn sie zu reden anfangen..." Eine junge Frau verkündete hier: "1993, das ist ein ganz gefährliches Jahr für uns Frauen! Wir müssen uns sehr vorsehen. Vor den ´Grauen´. Die entführen uns in die Tiefen des Weltraums, schwängern uns und bringen uns auf die Erde zurück." Scvhutz davor gibt es natürlich nur mit "dem himmlischen Licht". Die Menschen hier wollten ihre kosmischen Erfahrungen austauschen, halten sich selbst aber "für ganz nüchterne Zeitgenossen", die unlängst an der großen Pyramide von Giseh eine UFO-Beschwörung abhielten. Kein Wunder, wenn durch die Veranstaltungshalle der Duft von Yogi-Tee und Räucherstäbchen zieht. "Da kommt der ehemalige NASA-Ingenieur Bob Oechsler wie gerufen", der der Berichterstatterin zunächst "vollkommen phantasielos" vorkommt, weil für ihn sich niemand vor den Entführungen schützen kann, aber im Zuge ihres Gesprächs kann sie dann doch "einen doppelten Schnaps" vertragen. Gerade auch in Hinblick auf "die Außerirdische namens Omnec Onec" von der Venus wurde dies notwendig. Zudem tauchte auch noch die ehemalige Kosmonautin Marina Popowitsch aus Moskau auf, um ihr neues Buch "UFO Glasnost" aus dem Langen Müller Verlag zu promoten. Sie weiß wie man UFOs anlocken kann: "Man muß sich nur ganz stark konzentrieren und sie innerlich rufen", so wie es der Schweizer Bauer Billy Meier macht.

Die österr. Astronomie-Zeitschrift ´Star-Observer´ für Sept./Okt.1993 nahm sich in einem umfangreichen Bericht der Thema an und nannte seine Ausführung: "Der UFO-Kult - Wir klären auf..." Die Zeitschrift setzte mit dem Zweiteiler "In der Gewalt von Außerirdischen" an, den Millionen gebannt folgten. So faszinierend die Alien-Idee in den UFO-Erscheinungen auch ist, "doch erscheint ein Besuch Außerirdischer - betrachtet man gewisse Umstände - unwahrscheinlich". Hier verwies man darauf, daß die UFOs in Amerika zum Kult um die Außerirdischen in Fliegenden Untertassen wurden. "Wie üblich in Amerika, werden diese Meldungen von den Medien groß aufgemacht. Die Medien - auf Sensationsmeldungen aus - haben ihr Schäuflein dazu", daß die Hysterie durch Land ziehen und über die Welt verbreiten konnte. Hier wurde auch auf Hoimar von Ditfurth verwiesen, der für den UFO-Kult eine logische Erklärung fand, "da er die Menschen glauben läßt, nicht allein im Universum zu sein". In diesem großen Artikel verwendete man sogar eine CENAP-Grafik mittels der aufgezeigt wurde, welche Dinge im Luftraum zu scheinbaren UFO-Sichtungen führen können (ursprünglich in GEO Nr.4/1992 vorgestellt).

´Unsere Neue´ hieß ein neues Zeitschriftenprojekt, welches mal wieder so ganz anders sein wollte und 1993 an den Start ging. In der Ausgabe Nr.9/10 für September/Oktober 1993 griff man sich dort in der Sparte "Science Fiction" "Die neuen Gespenster" auf, weil "ein modernes Märchen in den Köpfen vieler Erdenbürger spukt". Dennoch, der SOBEPS-Bericht über die Fliegenden Dreiecke bringe Objekte mit sich, die "weder von Menschenhand geschaffen noch gesteuert" wurden. Dennoch, auch auf CENAP in Mannheim wurde in einem längeren Absatz hingewiesen und eine grobe Vorstellung der IFOs getätigt. "Ungeachtet aller Spektiker und wissenschaftlicher Einwände dreht sich das Karussell der Spekulationen immer schneller."

Ausgerechnet ´Wochenend´ vom 7.Oktober 1993 kam mit einem Report daher: "Immer mehr Menschen behaupten: ´Wir wurden von Außerirdischen entführt´" Interessanter Weise griff man für diesen ganzseitigen Bericht auf Bildmaterial zweier Spielberg-Filme zurück: Das UFO aus "E.T." und den Greys aus "Unheimliche Begegnung..." ("So sollen die Außerirdischen nach Augenzeugenaussagen aussehen"). Die auf ganz spezielle ´Enthüllungen´ bekannte Zeitschrift hatte in Düsseldorf die "Welt-UFO-Konferenz" besucht, angeblich berichteten dort "Lehrer, Ärzte, Anwälte und Arbeiten" über Begegnungen mit Außerirdischen. So auch Klaus Krämer (42) aus Frankfurt, der von Außerirdischen im raumschiff operiert wurde und seither eine drei Zentimeter lange Narbe auf dem Rücken besitze. Anton (47) aus Österreich hatte die spannendste Gerichte des Meetings parat: "Seit 1975 werde ich alle 14 Tage von der Königin der Plejaden besucht." Tja, "UFOs - Spinnerei oder Wirklichkeit?"

Am 23.Oktober 1993 brachte die ´Neue Presse´ (Coburg) einen ganzseitigen Artikel von Jürgen Weiss: "Mannheimer CENAP-Forscher untersuchen Himmelsphänomene - Das UFO-Mysterium als moderner Aberglaube". Hierbei stellte der Presse-Mann aus Johannes von Buttlar´s Bestseller "Das UFO-Phänomen" den dort genüßlich abgedruckten "Funksprechverkehr" im Fall den am 7.Januar 1948 bei der Verfolgung eines nicht erkannten Stratosphärenballons umgekommenden Thomas Mantell vor und stellt ihn den tatsächlichen Ereignissen aus den CENAP-Unterlagen gegenüber. Es ging im weiteren um den "sehr lukrativen UFO-Medienkult" und den UFO-Buchmarkt. Über Autoren wie von Buttlar oder von Däniken hat sich schon so mancher Verlag saniert, "das freilich will niemand hören. Werner Walter erzählt, daß er bereits dreimal zu Talkshows ein- und wieder ausgeladen wurde. Grund: Die prominenten Autoren wollen mit dem ungläubigen UFO-Forscher nichts zu tun haben". Es ging auch um den Händel zwischen UFO-Skeptikern und den UFO-Freunden des Phantasischen. Als Beispiel wurde der Fall Andreas (Auf)Schneider angeführt und eine damit entfachte Lawine, weil plötzlich die UFO-Promoter bei CENAP mit Anwälten auf der Matte standen, da CENAP den Promotern des modernen Aberglaubens "in die gewinnträchtige Suppe spuckt".

Im Oktober 1993 schob der Droemer Knaur-Verlag einen sogenannten "Schwerpunkttitel" namens "Die größten UFO-Geheimnisse der Welt (mit zahlreichen authentischen Fotos)" hastig nach, der bereits im original zehn Jahre früher bei Octopus Books in London (England) erschienen war und von einem unbekannten Autorenteam (Roger Boar & Nigel Blundell) stammte. Das Titelbild hierzu spendierte der Verlag M.Hesemann aus dem Billy Meier-Buch "Und sie fliegen doch". Faktisch stimmt in dem Werk hinten und vorne nichts und bläht sich mit vielen Übertreibungen und Verdrehungen auf, um die Revolverblatt-UFOlogie zu bedienen, welche nahe an der Science-fiction angesiedelt ist. So gesehen paßte es genau in die ufologische Stimmungslage der Nation, aufgeheizt und vorbereitet durch die Medien-Berichterstattung, die exzessive Formen angenommen hatte und den Fliegenden Untertassen-/Alien-Mythos heftig pflegte während die Fakten überall kleingehalten wurden. Natürlich, es ist nicht so, daß es diese Fakten nicht gäbe (ganz im Gegenteil), aber sie würden den modernen Mythos zerstören.

Die Boulevardzeitung ´BZ´ vom 21.November machte in der Sparte "Berlin/Frauen" ganzseitig die Schlagzeile "Was ein UFO-Doktor über die Außerirdischen weiß: Drei Berliner von kleinen grauen Männchen entführt" augenfällig. Journalistin Sandra Girod gab dem Affen Zucker: "Diese Aussage ist ganz bodenständig: Der normale Außerirdische ist grau, zwischen 1,20 und 1,30 Meter klein und hat einen großen Kopf." So der fränkische UFO-Forscher Dr.Johannes Fiebag (37), "seines Zeichens irdischer Berater von Rainer Holbe (´Phantastische Phänomene´, Sat1)* und als Buchautor derzeit auf Dia-Vortragstournee unterwegs", natürlich ist er auch mit Erich von D. befreundet, mit dem er gerne auf der Veranda sitzt und ein schönes Glas Wein trinkt. BZ hatte Gelegenheit, um mit dem UFOlogen vor seinem Berliner Auftritt am darauffolgenden Tag zu sprechen, da die Alien-Zeitzeugen berichteten, daß diese ETs "immer brutaler" werden. Donnerschlagende ERrkenntnis: "Die Außerirdischen sind viel, viel zu intelligent, um mit primitiven Raumschiffen über der Erde zu kurven." Und in "den letzten 20 Jahren taucht in den Zeugenberichten nur noch der kleine Graue auf." Man merke, wenn man dabei sein will, die Aliens "die jetzt kommen", sind zwischen 1,20 und 1,30 Meter groß, sehr schmächtig, haben einen großen Kopf und riesige, schwarze Augen, sie sprechen nicht, sondern übertragen Gedanken. Zudem beschreibt er hier, wie eine "klassische Entführung durch Außerirdische abläuft". Die anderen Aliens aus der Kontaktler-Szene aus den 50er Jahren sind "mittlerweile ausgestorben", die neuen ETs dagegen führen Untersuchungen der schmerzhaften Art durch. Fiebag kannte bis dahin "etwa 15 menschen, die von Außerirdischen für ein paar Stunden verschleppt wurden. Drei von ihnen kommen aus Berlin: ein 25jähriger Mann und zwei Frauen, 38 und 56 Jahre alt. Aber man muß genau gucken, wem man glaubt. Es gibt natürlich auch viele Wichtigteuer oder Spinner, die so´n bißchen neben der Kappe sind."

*= Doch nicht nur dies, wie der Nordkurier vom 3.November 1993 zum Vortrag Fiebags in Neubrandenburg am 24.November ausführte. Er war auch Berater der EvD-Serie "Auf den Spuren der Allmächtigen" und zudem noch Chefredakteur der Ancient Astronauts Society-Zeitschrift "Ancient Skies" mit EvD an der Spitze.

Am 24.November 1993 machte die ´BZ´ mit einer fetten UFO-Schlagzeile die vollständige Seite 1 auf: "Wir sahen UFOs über Berlin - Einer traf sogar Außerirdische am Kuhdamm: ´Sie waren sehr nett!´" 180 Berliner erschienen im Tränenpalast um über das Rätselhafte zu sprechen, über Besucher aus fremden Welten. Der UFO-Experte Dr.Johannes Fiebag erklärte, wo sich die Außerirdischen auf der Erde einmischen. Ein Berliner berichtete vom UFO über Steglitz, drei andere von ihren Entführungen durch graue Männchen. In der Spalte "Hauptstadt Berlin" geht es dann mit "Besuch aus dem All in der City? Ein Berliner ist davon überzeugt: Außerirdische waren sehr nett" weiter. Jo Fiebag sprach unter Sphärenklängen über "Die Anderen" (es wurde noch vermerkt, daß dies sein Buchtitel bei Herbig ist). Hier stand auch Horst Scharein aus Neukölln auf und erklärte Aliens auf dem Kudamm getroffen zu haben, aber "auch sein Sitznachbar hatte schin Astral-Erlebnisse". Fiebag sprach dann davon, daß er seinen drei Berliner Entführungsopfern geraten habe, "nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie haben den Schock des Kidnappings zu verarbeiten". Wir wollen niemals auseinandergehen, oder so hieß es schließlich und viele Leute tauschten Adressen aus, hauptsächlich der "Esoterisch-Astronomische Forschungskreis" verteilte eifrig seine Telefonnummern: "Für alle Fälle, man weiß ja nie."

Und die ´BZ´ powerte weiter. Am 25.11. hieß es dann neben einem Bild von dem gelernten Büromaschinenmechaniker Horst Scharein (56): "UFOs über Berlin? Rufen Sie heute den Experten bei der BZ an". Der UFOloge Dr.Fiebag blieb noch im schönen Berlin und versuchte an diesem Tag "Licht ins irdische Dunkel zu bringen", zwischen 12 und 14 h stand er am BZ-Telefon Rede und Antwort: "Alle BZ-Leser sind aufgerufen, heute anzurufen!" Das lieferte Schlagzeilen-Stoff für den nächsten Tag um Berlin im Alien-Fieber zu halten, eine bemerkenswerte PR-Aktion für Fiebag, die Grauen und natürlich für das Buch in dem sie sich materialisieren "Die Anderen":

"Ganz klar, Außerirdische sind grau. Nicht grün. Und nur 1,20 Meter groß" hieß es wieder groß aufgemacht zur BZ-Telefonaktion. Das Telefon klingelte nonstop, "das Interesse war riesig" und wacker hielt sich Johannes mit seiner Gradwanderung, in der er versucht "das Unglaubliche für möglich zu halten und den Blödsinn auszugrenzen". Dennoch antwortete er auf die Frage zwecks den Aliens auf dem Kudamm, daß diese Story wohl nicht stimmt, Begründung: "Die Anderen würden sich bei einer Landung nicht gerade den Kudamm aussuchen." Rita B. (37) meldete sich aus Zehlendorf: "Ich habe neulich ganz realistisch von einem UFO geträumt, sah dabei sogar fremde Wesen. Was kann das bedeuten?" Fiebag: "Hochinteressant. Es kann sein, daß Sie damit eine Entführung durch Außerirdische seelisch verarbeiten." Kann aber wahrscheinlich auch nur das gewesen sein, was die Frau sagte - eben ein intensiver Traum. Mit der Gradwanderung ist es also doch so eine Sache. Conny, 35, Wedding: "Ich hatte neulich Kontakt zu Außerirdischen. Sie standen neben meinem Bett. Ich schwebte aus der Wohnung. Sie kannten sogar meinen Namen. Dann weiß ich nichts mehr. Als ich morgens aufwachte, hatte ich Einstiche am Bauch. Ich bin doch nicht verrückt!" Fiebag: "Das hört sich tatsächlich nach einer Entführung an, die Merkmale sind typisch dafür. Solche Erlebnisse hatten mehr Menschen, als man annimmt." [Und bald darauf tauchte diese Conny als Conny Paraschoudis dann als UFO-Entführte ganz offen im Fernsehen auf!]

´Däniken erwartet UFO-Landung in Chemnitz: Riesiges Kraftfeld unterm Sonnenberg´ hieß am 3.Dezember 1993 die in fetten Lettern gesetzte Titelgeschichte der ´Chemnitzer Morgenpost´. Kurz zuvor hatte ein 21-jähriger Kellner "ein grelles Licht mit sechs blinkenden Positionslampen" gesehen, die seinen Eindruck nach an einem "sechseckigen metallenen Gehäuse" sich befanden und um 2 h über Chemnitz für drei Minuten erschienen. Die MoPo sprach so mit dem "UFO-Forscher" Erich von Däniken ("21 UFO-Bücher"), der sich gerade auf Vortragstour in Ostdeutschland befand und dem daher der Vorfall nicht ungelegen kam, um Schlagzeilen zu machen. Ohne irgendeine Untersuchung des Falls vorzunehmen, erklärte von Däniken, daß diese Beobachtung "Vorbote eines gigantischen Raumschiffs" ist und damit die Außerirdischen wahrscheinlich "eine Landung vorbereiten". Unter dem Sonnenberg "schlummert ein Geheimnis - eine Uranader, die ein gewaltiges Energiefeld ausstrahlt. Und das lockt Außerirdische an", sagte "der Experte". Klar, das Uran brauchen sie für ihre "utopischen Triebwerke". (Dumm nur, daß Dr.Werner Runge von der Wismut GmBH den Kopf deswegen schütteln mußte: "Wir haben das ganze Stadtgebiet untersucht. Es gibt in Chemnitz keine größeren Mengen Uran.") Mit Forschung hat dies offenkudnig alles nichts zu tun, sondern nur mit naßforschen wilden Spekulationen.

´Geständnis der Moderatorin, die bei RTL täglich für hohe Einschaltquoten sorgt: Ilona Christen baut Landeplatz für UFOs´ hieß es am 7.Dezember 1993 in der ´BZ´. Die 42-jährige RTL-Talkshow-Gastgeberin die gerade erst seit dem 13.September 1993 auf Sendung war hat der Journalistin Anka Tollkühn eingestanden sich für den UFO-Landeplatz ein Grundstück neben ihrem Haus im Kanton Nidwalden in der Schweiz gekauft zu haben und im kommenden Frühjahr sollte es dann losgehen diesen auszubauen: "Dann entsteht eine Arena aus Natursteinen. Sie wird mit Flußkieseln in Gestalt des ´Yin und Yang´-Zeichens ausgelegt." Die gebürtige Saarbrückerin glaubt genauso an Wiedergeburt und Hellseherei. Kein Wunder wenn am Tag der Veröffentlichung "Außerirdische" auch ihr Thema im TV waren. Hierzu wurden u.a. eingeladen: Ex-Lufthansapilot Werner Utter und Architekt Manfred Stein, der eine Landebahn für Außerirdische in Österreicht baut. Zudem einen Astrophysiker und einen Psychologen.

Die Zeitschrift ´das neue´ vom 13.Dezember 1993 griff dies ebenso auf: "Verrückt oder vorausschauend? Ilona Christen: Jetzt baut sie einen Landeplatz für UFOs". Im Bild das Gelände und Ehepaar Christen dort, wo der Landeplatz entstehen soll. Frau Christen: "Ich habe zwar noch keine UFOs gesehen, glaube aber an ihre Existenz..."

Im ORB hieß es am 18.Dezember 1993 wieder einmal "Babelsberg live" fürs ostdeutsche Fernsehpublikum (Videoaufzeichnung liegt nicht vor). Eingeladen zum Talk waren zwischen Gunter Emmerlich, Eva-Maria Hagen und Günther Jauch auch "Deutschlands UFO-Forscher" Johannes von Buttlar und Michael Hesemann.

"´Jesus Christus war ein Außerirdischer´/Amerikanische UFO-Sekte errichtet Stützpunkt in Königswinter - Evangelische Kirche warnt" meldete am 21.Dezember 1993 der ´General-Anzeiger´: Annette Vincenz berichtete über das "Ashtar Command", welches den nahen Weltuntergang voraussagt und behauptet mit Außerirdischen in Kontakt zu stehen, welches nun sich rund um Horst Dittmer aus Königswinter-Thomasberg festsetzte und einen sogenannten "Lichtkreis" bildete. Er bekommt Einflüsterungen eingegeben, solche wie "Jesus Christus war auch ein Außerirdischer" oder "der wahre Anführer der intergalaktischen Missionare ist Commander Ashtar". Ashtar ist nach Durchgaben eines Mediums aus Leverkusen ein blondgelockter Jüngling und sieht aus wie man sich gemeinhin Siegfried aus der Nibelungensage vorstellt, nur halt eben mit einer Raumschiffflotte. Mittels Meditation und von ihm selbst abgehaltenen "Gottesdiensten" auf einer höheren "Schwingungsebene" will der Thomasberger Prophet seine Jünger auf den Kontakt mit den Außerirdischen vorbereiten. Das Material für diese Aktivitäten liefert das Leverkusener Medium, welches sich in Halbtrance versetzt und dann niederschreibt, was die Überwesen mit Namen wie Korton, Yuminale, Elyse oder auch die Gottesmutter Maria persönlich von Alpha Centauri ihr in den Kugelschreiber hauchen. Wer mehr wissen will, kann z.B. Bücher mit dem Titel wie "Ashtar, Stimmen von oben" von "Guardian Action International" in Salt Lake City, der Hauptstadt des Mormonen-Staates Utah, auf Spendenbasis erwerben. Im genannten Buch wird klar, um was es geht: "Dieses Buch braucht keine Rechtfertigung. Wer es versteht, verlangt keine Beweise, den anderen nützen auch Tatsachen nichts."

Nach Auskunft des Sektenbeauftragten der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Joachim Keden, ist das "Ashtar Command" durchaus als Neuoffenbarungs-Gruppe bekannt in der Szene und sein deutsches Zentrum wird in München von einer Frau namens Miko* Shanika Sheran geleitet, wo man auch die Anträge auf Mitgliedschaft stellen kann (Beitrag 150 Mark). In einer von dort aus geleiteten Kampage soll das Ashtar Command bundesweit durch Plakat-Aktionen, Broschüren, öffentliche Veranstaltungen, presseveröffentlichungen und Fernseh-Interviews populär gemacht werden. In allen Großstädten sollen Nebenstellen entstehen, die schließlich die 6.052 deutschen Angehörigen des Weltraumkommandos lokalisieren, aktivieren und koordinieren sollen. Anleihen an Scientology fallen auf, da auch das Ashtar Command lt. Pfarrer Leden "ein zum Leben erwachter Alptraum aus der Science-Fiction-Literatur" sei, sehr elitär, hierarchisch und fast militärisch strukturiert. Schlimm ist hierbei der "fortschreitende Wirklichkeitsverlust" der Anhänger solcher Gruppierungen, die nicht nur am Rande der UFOlogie angesiedelt sind, wenn man weiß, daß die UFOloge starke esoterische Strömungen und Impulse besitzt und im New Age sich pudelwohl fühlt.

*= Hierbei handelt es sich um Petra Mikolajczak-Keusch, mit der Werner Walter am 16.Oktober 1989 bereits im Schlepptau von Michael Hesemann im ´Schlachthof´ des BR3-Fernsehens zu einer Gesprächsrunde zusammengekommen war und die dort ihre unglaubwürdig-komische Show abzog. Das ´Neue Zeitalter´ Nr.46/1989 hatte genaueres über MIKO berichtet. Sie ist eine gescheiderte Schauspielerin, welche als "spezielle Problematik" für sich sagt, "hier auf der Erde nie so ganz richtig dazuzugehören", aber dennoch "die Welt zu verbessern" habe, mals als Priesterin der Isis oder nun als UFO-Botschafterin für Ashtar, weil der nun durch die "Lichtarbeiter"-Bewegung des New Age In wurde. Dies stellte sie über die Nr.2/1990 der Zeitschrift ´BRAVO Girl´ an, wo sie sich erstmals selbst als Außerirdische vorstellte.

"Kontakt mit Außerirdischen: Gerd Jürgen Burde kennt sie - Die ´Grünen Männchen´ gibt es wirklich" - hieß es am 23.Dezember 1993 im ´Münchner Wochenblatt´ in dessen bunter Weihnachtsgeschichte. Der Reporter Peter Pollak sprach nun "mit einem der Außerirdischen". Es ist der Ex-Manager Burde: "Ich bin eines von vier Millionen Sternenkindern, die die Saat der Götter in sich tragen!" Er und seine vier Millionen Mitstreiter sollen die Menschheit retten, sie auf die Zeitenwende vorbereiten - "das wenigstens erwarten die Plejadier, unsere außerirdischen Wächter". Semjase und Billy Meier lassen also grüßen. 1989 traf Burde seinen Schöpfer. Auf Videos und Vorträgen verkündet er nun die frohe Botschaft des Kosmos. 1994 würden uns die Aliens dann unbegrenzte und kostenlose Energie schenken und der Energielobby auf Erden das Aus bereiten, womit ein Arm der heimlichen Regierung abgeschlagen wäre, die anderen Arme: Multinationale Konzerne, die Freimaurer und die grauen Zeti Reticulaner. Diese sind die Bösen im Kosmos, die Plejadier die Guten.

Das Wochenmagazin zur Zeitung, ´Prisma´, welches 60 Tageszeitungen beiliegt und Millionen Haushalte in Ost und West erreicht, brachte in seiner Nr.51/1993 das Thema "UFOs: Sehnsucht nach den Außerirdischen" auf den Titel, um auf den Leitartikel "Wird 1994 das Jahr der großen UFO-Invasion?" hinzuweisen. Detlef Hartlap in seinem Editorial: "UFOs. Der Glaube an sie ist ungebrochen, die Faktenlage eher dünn." Dieser Beitrag kam unter Mitwirkung von Werner Walter zustande, dessen UFO-Hotline-Nummer neben der der Lüdenscheider GEP abgedruckt wurde. Prisma interviewte sogar Prof. Gerald L.Eberlein (Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften an der TU München), der sich besonders mit neuen geistigen Bewegungen und damit auch der UFOlogie auseinandersetzt.

´UFOs, als heimliche Entführer´ hieß eine Betrachtung von Wolfgang Will am 26.Dezember 1993 in der ´Berliner Morgenpost´: "Die UFOlogie strebt zu neuen Ufern. Denn ihren Vertretern mangelt es vielfach an der Phantasie, das Thema der Außerirdischen, die als Götter verkannt wuzrden und uns in Fliegenden Untertassen auch heute noch mit Stippvisiten beehren, überzeugend zu variieren. Deshalb werden nunmehr Esoterik und Parapsychologie besonders bemüht, werden physikalische Gesetze oder Begriffe wie Zeit und Raum kurzerhand in Frage gestellt. Das taten in der Vergangenheit die Science-fiction-Autoren, doch mit denen will der wissenschaftlich argumentierende UFOloge natürlich nichts gemein haben", erfahren wir hier gar nicht mit so fehlgehend. Will ging dann auf Ernst Meckelburg´s Buch "Zeitschock" ein, welches eine "Paarung aus Krimi, Märchen und Science-fiction" sei, wenn der Hanauer Autor dort von einer UFO-"Invasion aus der Zukunft in phantasievoller Höchstform" spricht. Will auch in Anbetracht solcher Werke wie "Götterspuren" des 23jährigen Schweizer Luc Bürgin: "Die Brüder Grimm finden heutzutage zweifellos eine Ergänzung in den Erzählern von Techno-Märchen." Und der Autor stellte auch fest, daß die Gemeinde der UFO-Gläubigen unter uns viel größer als allgemein angenommen ist. Hier werden einem Publikum spannende Geschichten erzählt, die es liebt und mittels denen die Menschen zu Gläubigen gemacht werden, die vielen entsprechenden Buchtitel und deren Auflagen zeigen dies auf. Doch Will wundert sich auch, weshalb sich die UFO-Autoren "selbst unglaubwürdig machen", wenn sie wie Meckelburg gerne den National Enquirer als Quelle zitieren, der wegen erfundener Berichte zu einem Klatsch- und Tratschblatt geworden ist und wiederholt wegen erfundener Berichte zu riesigen Dollarsummen Schadenersatz verurteilt wurde. Wolfgang Will der selbst als Korrespondent des Springer-Ausland-Dienst (SAD) die Mondlandeunternehmungen begleitete verfolgte auch in Mission Control Houston die Ereignisse rund um die Apollo 11-Mondlandung rund um die Uhr. So wundert er sich, wenn UFO-Autoren sich nicht einkriegen können, um über UFO-Begebenheiten bei diesem historischen Ereignis zu berichten: "Das ist absoluter Unfug!" Und das "vor Absurditäten auch Altmeister Erich von Däniken nicht gefeit ist", wundert Will schließlich auch nicht. Am 21.März 1976 startete die BILD-am-Sonntag eine neue, progestimmte UFO-Reportage-Serie: Sie kommen! Die Besucher aus dem All. Wolfgang Will zeichnete hierfür verantwortlich, was er den neuen großen BILD-am-Sonntag-Report nannte und viele Millionen Menschen hierzulande dem UFO-Phänomen zuführte! Wie man sieht wurde Will inzwischen vom Gläubigen zum Kritiker und Skeptiker.

Das Jahr 1993 wurde mit einer Agenturmeldung abgeschlossen, wie sie am 31.Dezember 1993 auch die ´Saarbrücker Zeitung´ aufgriff: Japan - Botschaft für Außerirdische. Noch gibt es kein offizielle Bestätigung für den Besuch von Außerirdischen auf unserem Planeten, doch haben die Herren vom anderen Stern immerhin bald eine diplomatische Vertretung auf der Erde. Japanische UFO-Anhänger wollen bei Kagawa im Südwesten des Landes eine Botschaft für intergalaktische Intelligenzen schaffen.

Alles in allem, jeder der in Sachen UFOs recherchierte, mußte damals schon auf uns sachkundige UFOlogie-Kritiker und UFO-Skeptiker stoßen, so wie es tatsächlich auch bis heute immer wieder geschieht. Ansonsten wurde auch 1993 kräftig der Boden für den Alien-Glauben und der damit verbundenen ufologischen Irrlehre gedüngt. Das Publikum wollte geradezu neue phantastische Geschichten hören, und es bekam das, was es will.

Fortsetzung folgt...

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