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19.11.2008


    
Nochmals über den kosmischen Seemannsgarn nachgedacht...

Erich von Dänikens-Universum: Außerirdische Kosmonauten und Götter-Astronauten - Zurück zu den Götter-Kosmonauten, aber über den Tellerrand hinaus geblickt

Der UFO-Glaube und der Mythos darum wird von verschiedenen Elementen an der Peripherie genährt: Die Geheimnisse der dunklen menschlichen Historie mit all ihren Mythologien und ihrer traditionellen Pflege, der Aufbruch des Menschen in diesen Jahren in den Weltraum, die Verlockungen der Sterne durch vorgeblich immer wieder registrierte kosmische Signale aus dem Weltraum, der Siegeszug der Science-Fiction-Literatur und noch mehr des utopischen Films sowie der Fortschritt unserer dynamisch verlaufenden technologischen Entwicklung mit all seinen Versprechungen für die nahe Zukunft. Umschlossen wird dies alles von einer spirituellen Bewegung, die als der Glaube an das goldene, neue Zeitalter im Zeichen des Wassermann als New Age bekannt ist und von den Einflüsterungen der Esoterik gezeichnet wird. Die Untertassen-Menschen, die UFOlogen, die Men In Black, die New Age-Channeling-Medien ergeben zusammen mit den Kontaktlern ein Gebräu, welches gleichsam wie eine historisch-gewachsene Tradition die moderne archetypische Folklore umfließt. Ein Konglomerat aus all diesen Faktoren findet man wahrscheinlich auch in der sogenannten Prä-Astronautik oder Astro-Archäologie, für die heute der Götter-Astronauten-"Papst" Erich von Däniken mit seinem Namen steht. Ohne auch erschöpfend dieses spezielle Thema der aus dem Kosmos gekommenen Kosmonauten-Götter abhandeln zu wollen (und zu können), seien mir jedoch einige Ausführungen, Einflechtungen und Überlegungen gewährt. Sicherlich läßt sich damit der Mythos vom außerirdischen Besuch und seiner Beweiskraft näher aufklären und erhellt betrachten. Hierbei gilt nach wie vor der nachdenkenswerte Satz: Der Mensch glaubt, was er glauben will, selbst wenn der Glaubensinhalt eine Illusion ist und/oder irgendwo im Hintergrund eine Truppe von "Cosmic Jokers" uns alle narrt, wenn sie uns das Spiel der Pseudo-UFOlogie im kosmischen Kindergarten spielen lassen.

Es war einmal Erich von Däniken selbst, der schrieb: "Der seriösen Forschung verbauen Menschen von grenzenloser Dummheit den Weg: Da gibt es ´Kontaktler´, die behaupten, mit außerirdischen Wesen Verbindung zu haben; es gibt Gruppen, die aus den bisher nicht geklärten Erscheinungen phantastische religiöse Ideen entwickeln oder spinnöse Weltanschauungen daraus machen oder sogar behaupten, von UFO-Besatzungen Befehle zur Rettung der Menschheit bekommen zu haben." Er muß es wissen, schließlich war sein erster großer Vortrag 1967 vor der damals größten deutschen UFO-Veranstaltung, dem "7.Internationalen Weltkongreß der UFO-Forscher in Mainz", gehalten worden - einem Sammelbecken genau jener, die er später angreifen sollte. Übrigens war dies ein Jahr bevor sein Knaller "Erinnerungen an die Zukunft" erschien, anno 1967 jedoch war EvD ein unbeschriebenes Blatt...

Die mystische Veranlagung des Menschen stellt ihm selbst ein Bein. Je unbeweisbarer und phantastischer eine Spekulation ist, um so vernarrter ist er in sie. Deswegen hat auch die Prä-Astronautik wohl ihren Erfolg gehabt, sie entsprach dem modernen Bedürfnis indem sie eine Art populäre Entmythologisierung vornimmt, wenn sie etwa biblische Texte naturwissenschaftlich uminterpretiert und damit für die heutige Zeit "glaubwürdiger", weil technischer, erscheinen lässt. Eigentlich immer sind die ufologisch/präastronautischen Interpretationen obskurer (früh)antiker Texte im Ummünzen zu modern anzuhörenden Techno-Geschichten kühn. Die Wirklichkeit verschwimmt im Grau der Geschichte. Lügen werden zu Legenden, Legenden werden zu Wahrheiten - gerade auch dann wenn man als UFO-Promoter z.B. seine Bruchlandung mit dem oder jenen UFO-Beweis nicht eingesteht und diesen vertuscht.

Wenn man sich von allen Erwartungen freimacht und die biblischen/antiken Texte so liest, als wären sie eben erst entdeckt worden und es gäbe keinerlei Vorbelastung durch UFOlogie/Prä-Astronautik, hören sie sich plötzlich gar nicht mehr so wie moderne Storys über Fliegende Untertassen und Raumschiffe an. Es wird zwar etwas beschrieben, aber es ist und bleibt bedauerlich vage. Selbst bei mehrfachem Lesen dieser Texte hat man keinerlei Vorstellung was da in mythologischer Verklärung sowie symbolischer Bedeutung für ein subjektives Omen oder eine Vision wirklich gemeint ist. Ein Symbol ist um so aussagekräftiger, je ambivalenter es gestaltet ist - je zahlreicher die Interpretationsmöglichkeiten für das zeitgenössische Publikum sind - daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Begegnungs-Überlieferungen sehe ich zudem als Symbol dafür, dass der Berichterstatter damit seine Anerkennung durch die ´Götter´ erfuhr und damit auch seinen Anspruch (mindestens) gehört zu werden ausdrückte, wenn nicht derartiges gar durch Herrscher als Legitimation für ihre Herrschaft gegenüber dem einfachen Volk erfunden wurden (einfach nur um die Menschen zu beeindrucken und Ehrfurcht zu erzeugen, und um dies dies zu wird ja schon im wahrsten Sinne des Worten ´seit Alters her´ gelogen bis die Balken sich biegen). Wundererfahrungen fanden schon immer ihre Zuhörer. Niemand wird glauben, dass z.B. die alten Heldenfiguren und Fabelwesen der Griechen oder fliegende Reptilien bzw geflügelte Schlangen wirklich auf den Strassen damals wandelten bzw den Luftraum beherrschten, sie sind einfach metaphorisch aufzufassen und zu begreifen. Und diese Phänomen müssen an der Basis keine physikalische Realität beinhalten, weswegen jedes aus dem Heute herauskommende Deuteln ins ´Maschinelle´ und ´Apparative´ nur ins Aus führt, gerade auch über Ereignisse aus einer ´dunklen Menschheits-Epoche´ die von Magie und Zauber ausgefüllt war und die Darstellungen einfach nur zur ´Politik´ gehörten. Es ist einfach so, dass der Mensch von Heute einen besonderen Reiz darin findet, in seiner Fantasie die Möglichkeiten der Technik auszuspinnen, weshalb auch die Alien-Hypothese in der UFO-Debatte so umschwärmt ist, da ihre Protagonisten selbst gerne im Mittelpunkt des Publikums-Interessen stehen möchten und deswegen dessen Fantasien beibehält oder gar weiterspinnt um als gefeierter ´UFO-Papst´ zu gelten. Ist es nicht so? Ich brauche hier wohl keine Namen zu nennen, die fallen Ihnen soeben selbst sofort ein.

Am Schluß steht der Mensch einem phantastischen Pseudo-Universum gegenüber, in dem er sich seelisch verlaufen kann. Und in dem die Detektive der Wahrheit (zu denen ich mich als Skeptiker und Kritiker zähle) angegriffen werden, weil sie mit ihrer wissenschaftlichen Vorgehensweise einigen Leuten ihre harmlosen Freizeitspäße verderben. Die UFO- und sonstige "Para"-Literatur entspricht modernen Bedürfnissen, indem sie eine Art populäre Bibel-Geheimnis-Entmythologisierung vornimmt, also etwa biblische Berichte naturwissenschaftlich uminterpretiert und damit vielen Menschen unserer Tage glaubwürdig erscheinen läßt, weil der Mensch von heute einen besonderen, exotischen Reiz darin sieht, mit seiner Fantasie die Möglichkeiten der Technik auszuspinnen - dies baut zwar zunächst einen nachvollziehbaren (?) roten Faden auf, fördert schließlich aber auch nur die Saga. Oft kommt es halt doch nur auf das Auge des Betrachters an, um bestimmte Phänomene zu erklären. Zahlreiche biblische Ereignisse sollte man nicht faktisch als physikalische Geschehnisse nehmen, sondern als symbolische Darstellung mit einer dahinter verborgenen Botschaft, wer dies nicht begreift öffnet ungewollt die Büchse der Pandora. Bei den Arabern gab es eine Marssekte, die Ssabier. Dienstags, am Tag des Mars, versammelten sich die Priester zu der Stunde, in der der rote Planet die höchste Stellung am Himmel erreichte. Ihre Körper waren mit Blut bestrichen. Dann wurde ein rothaariger Mann in einem Kessel mit Öl ertränkt. Auf einer Darstellung der "Marskinder" von Hans Sebald Beham (etwa 1500 bis 1550) sieht man den Kriegsgott Mars in einem Wagen, von feurigen Hunden gezogen, durch die Wolken brausen. Während Prä-Astronautiker, UFOlogen und sonstige Freunde des Fantastischen hier sicherlich einen Gott in seinem Himmelswagen (sprich Raumschiff) sehen wird, ist es nichts mehr als eine zu Bilde gebrachte Parabel zur Huldigung des Roten Planeten und seiner mythologischen Ausdeutung. Niemand wird annehmen, dass der Mars selbst ein Fremdraumschiff ist. Damit belegt sich aber, wie ungemein vorsichtig man also bei der technischen Interpretation von irgendwelchen heutzutage zufällig technisch anmutenden Relikten der fernen Vergangenheit man sein muß! Es ist ein mächtiger Fehler, einer vergangenen Kultur der dunklen Menschheitshistorie, die ganz andere Werte und Ideale besaß, sowie in (oftmals unverstandenen) naturgeprägten Vorstellungswelten prächtigen Mythen nahestand und auch problemlos damit zurecht kam, nun die aktuellen naturwissenschaftlich-technischen, ja die Umwelt erklärenden Zivilisationsausprägungen unserer heutigen Kultur überzustülpen.

Natürlich können historische Wunder-Erscheinungen nicht wie Fakten hingenommen werden, und jüngere Berichte haben sich nicht als hinreichend überzeugend erwiesen, um Skeptikern zu beweisen, dass es sich dabei um echte objektive Phänomene handelt. Beim 1984er AAS (Ancient Astronaut Society)-Meeting in Freiburg referierte Peter Fiebag über die Frage ob die "Prä-Astronautik eine Wissenschaft?" sei und kam hintenrum zur Forderung, dass die Herrschaften dieser Strömung sich bitteschön endlich "bemühen sollten, unsere Theorien wissenschaftlich abzusichern", was gleichsam bedeutet, dass dies bis Dato nicht der Fall war. Wolfgang Siebenhaar hielt am selben Ort seinen Vortrag "Die AAS und ihre Gegner". Hierin erklärte er: "Was in unserem Bereich manchmal so veröffentlicht wird ist bestimmt nicht dazu angetan, das Ansehen der AAS in der Öffentlichkeit zu verbessern." Kritische Geister wie Ralf Sonnenberg machten sich Hoffnungen um Verbesserungen in der Szene, doch sie wurden enttäuscht, die AAS lieferte weitere Angriffsflächen. Im CENAP REPORT Nr.108 (Februar 1985) war es Sonnenberg, der einen Appell an seine Kollegen des "phantastischen Realismus" richtete, weil ein solcher in den szeneninternen Publikationen nicht zugelassen wurden: "Bleiben Sie wissenschaftlich, belegen Sie ihre Theorien und Hypothesen mit überzeugenden Fakten bevor Sie damit an die Öffentlichkeit treten..." Trotzdem, es tat sich einfach viel zu wenig, um die Situation umzudrehen - dies hatte schon verdächtig nahe Verbindungen mit den Erfahrungen auf dem UFO-Sektor. Fünfzehn Jahre später meldete sich Thomas Ritter am 29.Mai 2000 in der prä-astronautischen Gemeinde, um als Reiseveranstalter eine mittelamerikanische Expedition anzubieten. Dabei wies er extra darauf hin, das bereits seit Jahrzehnten die Präastronautiker daran arbeiten, die "Thesen vom Besuch fremder Intelligenzen auf der Erde in der Vergangenheit durch Indizien oder Beweise zu untermauern. Der definitive Beweis in Form eines eindeutig außerirdischen Artefakts fehlt allerdings bisher" immer noch.

Ich kann nur den ernstgemeinten Ratschlag geben: Wir sollten uns davor hüten, diesen mittelalterlichen Geschichten der Prä-Astronautik moderne Interpretationen anzuhängen. Im Kontext jener Zeit sind sie durchaus verständlich. Es ist schon schwierig genug, auch nur die Authentizität von Dokumenten, die solchen Erzählungen enthalten, zu überprüfen. Das hat auch dazu geführt, dass Enthusiasten eigenhändig solche "alten" Texte fabrizierten. Solche Fälschungen verbreiten sich blitzschnell, wenn ein anderer Autor sie als echt ansieht und in einem Buch verwendet, das wieder andere als Quelle benutzen. Die Kirche mußte lange mit der Gottlosigkeit der Menschheit kämpfen; und ein mittelalterlicher Kleriker war erfüllt von der Idee des Kriegs zwischen Gott und Satan, wobei er Hinweise aus dieser Schlacht in den natürlichsten Dingen entdeckte. Für mittelalterliche Verhältnisse jedoch waren diese Geschichten nicht sehr aufregender, gängiger Kram, verglichen mit den vielen Fabelwesen, welche die Gedankenwelt der frühen christlichen Kirche bevölkerten. Der heilige Augustin fragte sich in seinem "De Civitate Dei", ob ´irgendwelche monströse menschlichen Wesen´ von den Söhnen Adams gezeugt worden seien. Er schließt vorsichtig mit der Überlegung, dass abnorme Geburten die Existenz von Wesen wie den Zyklopen nahelegen könnten, sowie einem anderen Ungeheuer, das seinen Kopf in der Brust hat, und Sciopoden, die sehr schnell zu laufen verstanden, obwohl sie nur ein Bein besaßen, das sich nicht beugen ließ. Der eine Fuß war so groß, dass sie ihn benutzen konnten, um sich beim Schlafen damit Schatten zu spenden. Wenn der mittelalterliche Mensch solche Fabelwesen annahm, dann wird er mit dem Akzeptieren von Magoniern, Wassermännern und grünen Kindern auch keine Schwierigkeiten gehabt haben.

Sicher ist, Lichtschauspiele sind schon seit ewigen Zeiten immer wieder am Himmel aufgetreten und haben die Erde genarrt. Flammende Kugeln, sich schnell bewegende Feuerscheiben, glühende, wirblende Flammenschilde und Feuerbalken haben mit ihrem phosphoreszierenden Schimmer wie himmlische Medusen gewirkt. Zeitgenössisch wurden sie schnell interpretiert, damals wie heute. Die Beschreibungen historischer Himmelswunder und heutiger UFO-Erfahrungen gleichen sich oftmals. Hinzu kommen Visionen, die in früheren Zeiten soetwas wie Allgemeingut waren, was wir modernen Menschen kaum noch nachvollziehen können und deswegen Verständnis-Probleme habe und uns der Gefahr aussetzen, in subjektive Visionen von damals heute materielle Erscheinungen der objektiven Art zu sehen. So glaubten die Lappländer, dass das Polarlicht von Geistern erzeugt wird, die, wenn sie die Seelen der Verstorbenen durch das Himmelsgewölbe hindurch ins Jenseits begleiten, brennende Fackeln tragen. Vergessen wir also nicht, das in jenen Zeiten die Welt lebendig war und die Menschen buchstäblich Dinge sahen und in die Dinge hineinblickten. Omen gab es überall, Vorboten kündigten den Wechsel der Macht und Zeichensetzungen der Götter an. Tatsächlich wurde in der Vergangenheit immer wieder das Polarlicht, welches tatsächlich auch gelegentlich bis in unsere Regionen herab sichtbar ist, als seltsames Himmelsschauspiel mystifiziert. Das Polar- oder Nordlicht hat neben der Fantasie der Menschen auch deren Angst geschürt. Schon den Völkern der Antike war es bekannt. Man findet es bei Aristoteles, Plinius und Seneca beschrieben. Wohlbekannt sind auch Berichte zu Zeiten des Kaisers Tiberius wo die Kohorten nach Ostia beordert wurden, weil man angesichts des brennenden Himmels vermutete, dass diese Stadt in den Flammen aufgegangen sei. Auch andere antike, aber auch mittelalterliche Quellen sprechen in der Verkleidung von Erscheinungen wie kämpfende Heere, Speere, rote Flächen, Wolken, schreckliche Gesichter und anderem davon. Der Mensch, in seiner Existenz vielfach den Gewalten des Himmels ausgesetzt, konnte kaum umhin, als in außergewöhnlichen Himmelserscheinungen Zeichen kommenden Schicksals, das auch für sein persönliches Erleben wichtig war, zu sehen.

Kein Wunder also, dass sowohl für den antiken als auch den mittelalterlichen Menschen jegliches außergewöhnliche himmlische Geschehen erhebliche Bedeutung hatte. Es kann nicht verwunden, gerade auch während Kriegszeiten, wenn ein Zusammenhang zwischen irdischem Leben und himmlischen Zeichen vermutet wurde. Melanchthon sprach in seinen "Initia doctrinae" davon, dass die nicht erkannten Polarlichter "Gemälde künftiger Dinge" sind. Selbst noch Martin Luther wußte von Bauern Geschichten zu berichten, wonach diese "schreckliche Zeichen" am Himmel sahen, die als feurige Schwerter und Lanzen durch den Himmel zogen (auch wenn sie aus heutigen Verständnis heraus nichts weiter als Boliden sind) - und die Deutung von Gottes Zorn mit sich brachten. In Zeiten der Reformation und Gegenreformation, der Türkenkriege sowie des Dreißigjährigen Kriegs hatten die religiös-mystischen Deutungen Hochkonjunktur. An eine rationale Interpretation dieser Naturerscheinungen war überhaupt nicht zu denken. Schließlich kam noch die Schnittstelle vom bisher geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild dazu, was ganze Generationen mit Vorstellungsschwierigkeiten konfrontierte. Da müßen die Köpfe ganz schön geraucht haben, ganz zu schweigen von den Seelen. Man kann sich ganz gut verinnerlichen welche Problemstellungen damals anstanden, wenn sogar die gebildete Welt zur Inquisition greifen mußte, um zu versuchen die alten Ordnung beizubehalten. Was ist aber mit der Masse des Volkes gewesen, welches nicht lesen und schreiben konnte, keinerlei Bildung besaß und somit unüberwindliche Schwierigkeiten bekam, die Welt überhaupt zu rezipieren? Die bildlichen Darstellungen der Himmelserscheinungen zeigen sich als Ausdruck der an den Himmel projizierten Angst der Menschen - damals wie heute. Diejenigen, die diese unbegreiflichen Erscheinungen des Himmelszelts erfahren und erleben neigen dazu ihre eigenen Befürchtungen und Nöte in den Himmel zu projizieren und dies dann auch so in der Interpretation weiterzugeben, eingehüllt in die Prädiposition des zivilisatorisch/kulturellen Umfelds. Es scheint, dass unheimliche Lichter am Himmel und deren bizarre Geschichten an der dünnen Linie zwischen Realität und Traum in allen Kulturen im Laufe der Historie wiederholt produzierten - bis zum heutigen Tag. Diejenigen, die aus der Geschichte nichts lernen, sind dazu verdammt, erneut einem Irrtum zu verfallen, indem sie meinen, dass ihre Generation die unergründlichsten Geheimnisse aller Zeiten besitze.

Oberflächlich betrachtet scheint die Vorstellung, dass die Götter, die einmal die Erde besuchten, nichts weiter als Raumfahrer von fernen Sternen waren, recht glaubhaft. Doch aus heutiger Sicht besteht immer die Gefahr, dass man diesen alten mystischen Legenden Interpretationen aufzwingt, die gerade heute populär sind und mit denen wir ihre wahre Bedeutung und Sinngebung von damals zerstören. Ja, vielleicht ´vergewaltigen´ wir sogar den mythologischen Wert des alten (und neuen Kosmonauten-)Götter-Glauben, wenn wir ihm unsere technische Interpretation nach gängigen Vorstellungen und modernen Mythen unserer Tage aufzwingen. Niemand sieht, dass es gar keine Notwendigkeit gibt, aus den mythologischen Berichten auf wirkliche Begegnungen mit Außerirdischen in der Vor- und Frühgeschichte der Menschheit zu schließen. Erst recht muß man nicht glauben, dass die Anderen überall auf dem Globus gigantische Mauern und Statuen errichteten und mit unseren Ahnen ins Bett stiegen - dennoch tun wir es mit Freude, scheinbar unterschwellig von dem Motiv getrieben dem Establishment damit eins auszuwischen. Übrigens: Die Theorie der Götter von den Sternen ist als Thema der Science-Fiction-Romane schon längst vorher abgehandelt worden und die Prä-Astronautik mutet selbst wie ein Bestandteil der SF an, man erinnere sich an den Stargate-Film von Roland Emmerich und die danach adaptierte amerikanische Fantasy-TV-Serie. Man sollte sich auch nochmals vergegenwärtigen, dass die deutsche Erfolgsstory der Romanserie ´Perry Rhodan´ Mitte der 1960er Jahre und kurz vor Erscheinen des Erstlings von Däniken genau dieses Thema über einen Handlungszyklus zum Inhalt hatte - und Walter Ernsting, alias Clark Darlton, als Stammautor dieser Reihe mit von Däniken langjährig befreundet war, weswegen wohl Ernsting´s SF-Ideen auf den Prä-Astronautik-Goodfather "abfärbten", wie Heiko Langhans im ´Perry Rhodan-Report´ Nr.316 (Beilage zum PR-Roman 2024 aus der 1.Juni-Woche 2000) vermerkte. Dies ist richtig, EvD selbst sagt, dass ihn die Bücher seines späteren Freundes Ernsting, die er als junger Mann gelesen hatte, zu den prä-astronautischen Forschungen inspiriert haben, die seinen Weltruhm begründeten (so Viktor Farkas in seinem Artikel "Die Prä-Astronautik/Science Fiction-Connection" im GEAS Forum Nr.5/1997).

Später schrieb Ernsting als Nestor der deutschen SF-Bewegung dann, sozusagen im Gegenzug, gar den ersten Prä-Astronautik-Thriller namens "Der Tag, an dem die Götter starben" (eine so genannte "Faction" über einen außerirdischen Besuch der Erde in grauer Vorzeit) und brachte ihn 1979 im Marion von Schröder-Verlag heraus - nachdem er im September 1978 schon auf einem UFO-Seminar zusammen mit seinen Freund EvD in Wien auftauchte. Dennoch war es "Erinnerungen an die Zukunft" die in Deutschland das außerirdische Thema irgendwie unzertrennbar mit dem Namen Erich von Däniken verbanden. Auch wenn es zu jener Zeit schon eine beachtliche Literaturfülle gab, die sich mit außerirdischen Besuchern und ihren Spuren in der Geschichte der Menschheit befaßte, weckte erst richtig Däniken 1968 in einer Initialzündung den ´deutschen Michel´ auf und wurde auch zur großen Verblüffung des Verlegers zum Bestseller. Darüber hinaus erschienen die Aliens nicht erst in den Werken der SF, sondern waren schon in früheren Zeiten in den Werken der Dichter präsent. In den ältesten Berichten der mesopotamischen Mythen, Textstellen der Bibel, der Kabbala oder Sanskrit-Schriften ist zwischen religiöser Dichtung und Geschichtsschreibung kaum zu unterscheiden, worin natürlich eine deutliche Gefahr für eine prä-astronautische Darbietung dieser Inhalte liegt.

Erinnern wir uns, dass bereits 1959 in der sowjetischen Zeitschrift ´Literaturnaja Gazeta´ ein Artikel von Prof.Agrest erschien, der darin meinte, dass interplanetarische Reisende einst die Erde besuchten, und 1962 meinten die beiden Franzosen Luis Pauwels und Jacques Bergier in ihrem Buch "Aufbruch ins dritte Jahrtausend" (Goldmann, München, 1979), man möge sich einmal vorstellen, dass in der Vergangenheit Botschaften von anderen Intelligenzen aus dem Universum kamen und interplanetarische Reisende die Erde besuchten. Der Russe Alexeij Kaszanzew sah im Jahre 1962 in dem Fries des berühmten Sonnentores von Tiahuanaco eingravierte Zeichnungen von Raumfahrzeugen (´Sowjetunion Heute´, Artikel "Die Ankömmlinge aus dem Kosmos"). Robert Charroux meinte 1965 in "Phantastische Vergangenheit" (Herbig, München, 1970) über die Engel aus der Bibel: "Man braucht ihnen nur die Wesensart von Kosmonauten eines anderen Planeten zu verleihen, und alles klärt sich auf." So lag es nahe, dass sogar Jesus Christus als ehemaliger Raumfahrer angesehen wurde, wie dies Prof.Wladimir Saizew in der Zeitschrift ´Baikal´ und später auch Gerhard Steinhäuser feststellten. Als 1953 Adamski mit "Fliegende Untertassen sind gelandet" auf den Markt kam, hatte als Coautor der Esoteriker Desmond Leslie mitgewirkt und ein mächtiges Kapitel eingebracht, welches die Götter und Engel der Mythen und heiligen Schriften zu Raumfahrern von anderen Planeten werden ließ. Adamski der sein Buch 1949 noch als SF-Roman vorgetragen hatte, an dem keiner interessiert war, hatte mit dieser Mischung aus esoterischen Traditionen und Erzählelementen wie aus gerade mit großem Erfolg gelaufenen SF-Film´The Day the Earth Stood Still´ einen so großen Erfolg verbucht, dass er lange Zeit als Inbegriff des UFOlogen galt. In diesem Zusammenhang soll auch der ´Atlantic City Reporter´ vom 5.Februar 1954 zitiert werden, in dem der Artikel "Untertassen landeten schon vor über 4.000 Jahren" erschien. Es ging um den Autor Raymond Jeffrevs, der das Buch "Life Will begin at A Hundred" herausbrachte. Darin hatte er es von "Raketenschiffen von anderen Planeten, die schon vor über 4.000 Jahren auf der Erde landeten". Ein Sir Grenville Westchester von der Abteilung Archäologie des Londoner Museums habe sonach eine ägyptische Grabkammer in der Pyramide des Pharao Karo-Enul gefunden, die mit Wandzeichnungen bedeckt war, auf denen "Raketenschiffe ganz klar zu sehen waren". Die dazugehörigen Schriftzeichen wiesen sonach aus, dass einstmals fremde Wesen landeten und die Erde bevölkerten. Bei einem Zwischenfall wurde einer der Fremden getötet und dann von den Ägyptern verbrannt. Angeblich suchten nun Wissenschaftler nach den Überresten des Außerirdischen. Doch die Story des Buches war getürkt. Weder gab es einen Sir Grenville Westchester in London noch einen Pharao Karo-Enul. Wenn man so will war dies die erste prä-astronautische Lügenstory im UFO-Zeitalter gewesen, aber die ihr innehaftenden Elemente waren stark genug, um zwanzig Jahre später eine neue Generation zu erfassen.

Wahrscheinlich hat die besondere Beschäftigung der Menschen ab Mitte des 20.Jahrhunderts mit dem Kosmos diese legendären Götter zu Astronauten werden lassen, zuvor gab es wohl keinen evolutionär-bedingten Platz dafür. Dänikens Überraschungs-Erfolg zog zahlreiche Veröffentlichungen anderer Begeisterter nach sich, im professionellen wie im amateurhaften Sektor. Unzählige beschäftigen sich seither mit den "ungelösten Rätseln der Vergangenheit" und ihrem kosmischen Ausblick. Dadurch erlebte auch die UFOlogie eine neue Blüte und verließ ihr Schattendasein. UFOlogie und Präastronautik entwickelten eine eigenständige (Sub)Kultur mit einer der herkömmlichen Wissenschaft ähnlichen Infrastruktur: wissenschaftlich-klingende Fachtermini wurden gefunden (oder besser gesagt: erfunden), man organisierte sich in Vereinigungen (meist eher Clubs oder Stammtischrunden) und veranstaltet "Kongresse", die oftmals eher einer Convention gleichen. Dies sorgte dann wieder dafür, dass die "Meinungsmacher" und öffentliche Meinungs-Multiplikatoren, also die Medien, sich die phantastischen Themen abgriffen und sie förderten. Weite Teile der Öffentlichkeit waren davon zu begeistern, eine geraume Zeit jedenfalls. Wie auch immer, die Reaktionen der Wissenschaftler der Fachgebiete, die die Dänikens und CoKG in ihren Büchern streifen, bewegen sich in der Regel aber zwischen Nichtbeachtung und scharfer Kritik. Dies muß auch einmal gesagt werden, um den Stellenwert im Wissenschaftsbetrieb für die "Vertreter des Phantastischen" und ihrer Gefolgschaft anzuleuchten.

Die Eroberung des Weltraums hat unseren Blick zum Himmel (und darüber hinaus) geschärft, ja vielleicht werden auch wir Menschen einmal "Astronauten-Götter" für die Anderen da draußen sein. Tatsächlich beobachteten die Menschen schon vor Jahrtausenden aufmerksam den nächtlichen Sternenhimmel. Vieles von dem, was sie dort sahen, konnten sie sich mit ihrem damaligen Wissen nicht erklären. Wieso z.B. ist der Mond mal ganz, mal aber nur halb zu sehen? Wieso leuchtet der Mars rötlich? Wieso scheinen sich einige besonders helle Sterne anders zu bewegen als die übrigen Himmelskörper? Dazu muß man wissen: Die gesamte Natur erschien den Menschen im vorchristlichen Zeitalter als belebt und beseelt. Im Meer etwa herrschte der Wassergott Neptun. Die Blitze wurden vom Donnergott Thor geschleudert. Auch die Gestirne konnten somit nur als "göttlich" oder "dämonisch" angesehen werden. Vergessen wir an dieser Stelle nicht, dass die wissenschaftliche Naturerkenntnis erst im Zeitalter der Aufklärung tatsächlich auch für alle Beteiligten von Kultur, Zivilisation und Gesellschaft durchschlagen konnte und es erst ein paar Jahrhunderte her ist, als die französische Akademie der Wissenschaften die frevlerische wissenschaftliche Idee durchsetzte, dass da doch Steine vom Himmel (Meteoriten) fallen können, ganz im Gegensatz zu dem bis dahin seit Jahrtausenden gepflegten geozentrischen Weltbild in den dunklen, wilden Epochen der Menschheitsentwicklung, in denen die himmlischen Boten wahlweise als Fingerzeige des Teufels, der Dämonen, der Götter oder Gottes gedeutelt wurden, um Wohl und Wehe des Menschen auszukundschaften. Natürlich gewachsen und mental-fundamentiert über Jahrtausende hinweg erklärte sich der ´primitive´ und wilde Mensch sein Sein, seine Welt und alles um ihn herum in farbigen Metaphern und Ausgeburten albtraumgeborenen Vorstellungen. In diesem Spannungsfeld entstanden natürlich auch religiöse Vorstellungen aller Art. Auch wenn diese lebensinhaltsbestimmenden, ideologiensteuernden und welterklärenden Konzepte, Bilder und atavistischen Vorstellungswelten aus heutiger Sicht verrückt und unvorstellbar sich anhören und sich eigentlich niemand vorstellen kann, dass dies einmal so gewesen sein soll, ist nicht leugbar (und muß daher in der Diskussion um den Götter-Kosmonauten-Sektor immer vorrangig beachtet werden - was natürlich nicht geschieht), dass das Handeln und Denken der Menschheit unter diesen Voraussetzungen weit länger damals funktionierte, als es vielleicht noch Menschen auf der Erde geben wird! Die uralten Mythen und die daraus entstandenen Erzähl- und Handlungs-Traditionen sind immer noch nicht nur unsere stummen Begleiter, siehe hierzu z.B. die Astrologie und der ganze Spiritismus- und Okkultismus-Schmuh unserer Tage.

Der Blick in den Sternenhimmel hat den Menschen schon immer fasziniert. Das Weltall hat die menschliche Fantasie schon immer inspiriert. Die einen sahen es als Königreich der Götter, die anderen sahen die unendlichen Weiten als ein unbezwingbares Reich an, in dem überall tödliche Gefahren lauerten. Vielleicht werden wir das Universum wohl nie wirklich erforschen können, trotzdem gibt es elementare, fundamentale Fragen wie: Woher sind wir Menschen gekommen? Und: Wohin gehen wir? All diese Fragen konzentrieren sich auch in der UFOlogie und werden mehr debattiert als die Untersuchung der UFO-Meldungen vorgenommen wird. Das Weltall (früher schon unbekanntes Territorium voller Möglichkeiten) wurde nun wieder zur Projektionsfläche von Lügen, Intrigen und mysteriösen Erzählungen. Schon vor Tausenden von Jahren, bei den ältesten Kulturen die wir kennen, suchten unsere Vorfahren die Antworten darauf in den Sternen. In ihren Anfängen war die Astrologie eine wirkliche Wahrheitssuche, basierend auf dem Nichtwissen um die physikalischen Gesetze des Seins. Die ersten Beobachter kannten nur fünf Planeten: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Da sie nach Göttern benannt waren, die sie angeblich tatsächlich verkörperten, schienen die Bewegungen dieser Himmelskörper vor einem Hintergrund aus durch Konstellationen verkörperten mythischen Gestalten bedeutsam. Diese Beziehung zwischen Gott und "Zeichen" war die Grundlage der Vorstellung, die Schicksale der Menschen ließen sich vom Nachthimmel ablesen. Die Sterne dienten den Altvorderen zur Orientierung, doch nicht nur dass, die Sterne waren auch die Dimensionen in der man die Götter vermutete. Die Blicke ins All haben seither manches Geheimnis um unser Entstehen und "standing" im Universum gelüftet. Die sich entwickelnde Astronomie blieb bis heute einer der geheimnisvollsten und überraschendsten Wissenschaften und ihre heute ungeliebte Schwester, die Astrologie, zerrt davon natürlich.

So war am Ende des Mittelalters der Höhepunkt der Astrologie erreicht, auch wenn Leute wie der Philosoph und Physiker Maimonides (1135-1204) bereits feststellte: "Astrologie ist keine Wissenschaft; sie ist eine Krankheit." - oder Francesco Guicciardini (1483-1540), ein päpstlicher Berater, schrieb: "Wie glücklich sind die Astrologen, wenn sie auf hundert Lügen eine Wahrheit erzählen, während andere Leute alle Glaubwürdigkeit einbüßen, wenn sie eine Lüge auf hundert Wahrheiten erzählen." Trotzdem: Papst Paul III. ließ sich die günstigste Stunde für jedes Konsistorium astrologisch berechnen. Leo X. gründete sogar an der päpstlichen Universität eine astrologische Professur, nachdem bereits 1125 in Bologna und im 9.Jahrhundert in Byzanz erstmals Lehrstühle für Astrologie errichtet worden waren. Zahlreiche Herrscher hielten sich Hofastrologen, wodurch diese Sterndeuterei-Kunst einen elitären Mantel bekam und die ersten Ansätze sich um den Aberglauben betreffs den Affären rund um die Sterne verfestigten, zum Volksgut wurden und Jahrhunderte bis hinein in unsere Ära überlebten. Dann begann das Zeitalter der Aufklärung. Das letzte astrologische Lehrstuhl erlosch Anfang des 19.Jahrhunderts in Erlangen und die Kirche erklärte die Ausübung der Astrologie als Verstoß gegen das Erste Gebot, weswegen man sie als eine Form der Gottlosigkeit verurteilen müsse. Doch nach dem Ersten Weltkrieg blühte die Astrologie wieder auf, genauso wie der Okkultismus und Spiritismus. Gemeinsam erfaßten diese Grauzonen dieses zweifelhaften menschlichen Erfahrungsschatzes immer breitere Kreise, wobei sie schließlich auch die sogenannten "gebildeten Kreise" in Einzelpersonen erreichten, während sie analog wie die UFOlogie heute vor den Toren der Universitäten oder den Bereichen der echten, harten Wissenschaft umkehren mußten. Es kehrt sich also vieles wieder, dennoch ist diese gemeinsame Historie sicherlich überdenkenswert für jeden kritischen Geist*. Natürlich sind es die seit 1918 vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten gewesen, die die Menschen millionenfach ängstlich in die Zukunft blicken ließen und deswegen Anlaß fanden, in die astrologischen Prognosen blind zu vertrauen, weil ihnen eben irgendwo doch ein ´vertrauenswürdiges´ Erbe anhing. Der rein astrale Namens- und mythologische Orakelbetrieb gewann also wieder Boden. Dieses Beispiel weist nach, dass dieser atavistisch angesetzte Aberglaubens-Unfug trotz aller rationaler, wissenschaftlicher Aufklärung ein Platz in unserer Seele besetzt. Parallel einher muß man auch sehen, das bäuerliche Wetterregeln häufig als Beweis dafür angesehen werden, dass tiefe Einsichten im Volk auf jahrhundertelange Erfahrungen beruhen und allen meteorologischen Forschungen überlegen sind. In abgemilderter Form ist also der urbane "Hundertjährige Kalender" ebenso eine Ausbildung der Zukunftsschau. Gemeinsam mit der Astrologie hat der "Hundertjährige" natürlich die Vorraussage auf die Zukunft, wobei das Wetter schon immer einen Einfluß auf psychische Stimmungen und Regungen hat, worin es natürlich hauptsächlich auch den Astrologiegläubigen im Kern geht.

*= Während die naturwissenschaftliche Kritik an der Astrologie mehr und mehr an Biss verliert und die Argumente schon einen langen, grauen Bart bekommen haben, taucht eine andere ernst zu nehmende Kritik auf, nämlich die seitens der Sozialwissenschaften. Hier wird Astrologie immer mehr als Transportmittel von Ideologien enttarnt, die sich dadurch eine Verankerung im Kosmischen versprechen und so menschlicher Kritik entziehen. Eine solche Argumentation nehme ich persönlich sehr ernst, und wenn ich die Publikationsfülle ansehe und wes Geistes Kind mich da oftmals anspringt, sehe ich diese Gefahr auch. Doch wie kann man sich vor der Beliebigkeit des Subjektiven schützen? Wenn alles denkbar ist, dann gibt es auch keine Richtlinien und keinen roten Faden für einen möglichen Ausweg.

In den Religionsschriften und Märchen der Völker sind Berichte über seltsame, mächtige Wesen enthalten, über Ungeheuer, Wunder und geheimnisvolle Vorgänge. Lange Zeit hat man sich mit einem ehrfurchtsvollen Staunen über die Fantasie der Verfasser begnügt. Das wurde anders, als im Frühjahr 1968 der Schweizer Hotelier und Amateur-Archäologe Erich von Däniken seinen Bestseller "Erinnerungen an die Zukunft" über seine Thesen von der "prähistorischen Astronautik" veröffentlichte, nachdem er als Steward auf Ozeandampfern arbeitete und dabei über den Ursprung des Lebens nachgrübeln konnte. "Während die Kollegen in den Häfen im nächsten Bordell verschwanden, ging ich ins Museum", sagte er im Gespräch mit Christiana Oelrich, woraus am 27.Mai 2000 der Artikel "Märchenonkel für Erwachsene" in der Nordwest Zeitung entstand. Das inspirierende Buchwerk erlebte enorm hohe Auflagen, zahlreiche Übersetzungen, zwei Verfilmungen und vor allem eine lebhafte Diskussion in Presse, Rundfunk und Fernsehen, eine Debatte, an der sich bezeichnenderweise Akademiker und andere Fachleute aus den verschiedensten (vorgeschobenen) Gründen nicht beteiligten. Angeregt durch von Dänikens Erfolg schrieben andere Autoren Bücher, in denen sie ebenfalls den Gaul ritten und die Ansicht vertraten, Außerirdische hätten vor Jahrtausenden die Erde besucht und ihre Spuren in den Zeugnissen versunkener Kulturen hinterlassen: Karl Kohlenberg, Peter Kolosimo, Peter Krassa und viele andere. Die Werke der Franzosen Robert Charroux, Louis Pauwels und Jacques Bergier zum gleichen Thema, nur früher geschrieben und veröffentlicht, erlebten im Zuge der Dänikenitis Neuauflagen und fanden eigentlich erst jetzt allgemeine Beachtung, obwohl sie gerade in paar Jahre vorher eigentlich schon das selbe wie von Däniken postuliert hatten. Im Herbst 1969 machte sich der Berliner Gymnasiast Gerhard Gadow daran, einen Anti-von Däniken zu schreiben. Ein Schüler sorgte damit für den Ansatz, dass sich die Vertreter der institutionalisierten Wissenschaft dazu herabließen sich mit von Dänikens Thesen zu beschäftigen. So nahmen dann endlich 1970 Wissenschaftler in einem von Ernst von Khuon herausgegebenen Buch und in einer entsprechenden Fernsehsendung lauwarm Stellung zu den "Argumenten für das Unmögliche", die deswegen gelegentlich nicht überzeugen konnten und mehr ein 1:0 für von Däniken darstellten. Seither hat man in größerem Maßstab die Finger von den Theorien des EvD genommen, obwohl es schon wissenschaftsphilosophisch Punkte der Entgegnung gäbe: Bedauerlichweise haben einige der Verfechter der Theorie von den Götter-Astronauten sich von ihrer Begeisterung zu Äußerungen hinreißen lassen, die über das hinausgehen, was man vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sagen kann. Manchmal hört man sie reden, als stünden ihnen alle Tatsachen zur Verfügung, obwohl dies tatsächlich nicht der Fall ist. Es ist insofern schade, das Profi-Archäologen sich nicht angesprochen fühlten, um von ihrem Standpunkt aus die Artefakte von Dänikens anzugehen. Ähnlich ist es bei den UFOs, als sie Mitte der 1950er Jahre hierzulande populär wurden, da ließen auch die Astronomen die konkrete Betrachtung des Themas außen vor und ließen sich zu Allgemeinsätzen herab, die niemanden so recht überzeugten.

Zurück zu den Götter-Kosmonauten, aber über den Tellerrand hinaus geblickt:

Obwohl zahlreiche Autoren behaupten, dass sie viele Beweise von Technologien gefunden hätten, die nicht im Rahmen der Möglichkeiten unserer Vorfahren gelegen haben, setzt dies voraus, dass die Menschen vergangener Zeiten auf einem primitiven Stadium der Inkompetenz und Dummheit verharrten. Wir machen uns ihnen heute überlegen - den vorgeblich primitiven Ahnen. Doch die archäologische Forschung hat ergeben, dass die Menschen früherer Kulturen und Zivilisationen in vieler Hinsicht genauso geschickt und erfindungsreich waren, wie wir es heute sind, wenn ihnen natürlich nicht das Know How von heute zur Verfügung stand und es ihnen an den Produkten des Industrie-Zeitalters mangelte. TV, Computer und PKW sollen da kein Maßstab sein, wenn man sieht, dass die Alten z.B. die Pyramiden bauten, die selbst wir heute nicht mehr aufziehen könnten. Außerirdische Lebewesen, die uns erreicht haben wollen, müßen in technologischer Hinsicht sehr weit fortgeschritten sein, und es ist fast sicher, dass ihre Technologie für uns heute noch nicht einmal nachvollziehbar wäre, sodass alle Vergleiche von Fundstücken (Artefakte) vergangener Zeiten mit unserer heutigen Technologie hängen müßen. Deswegen muß man auch gar nicht die Fantasie der Propagandisten und Promoter der präastronautischen Ideen bewundern, sondern eher verblüfft zur Kenntnis nehmen, wie Fantasielos sie eigentlich sind. Wahrscheinlich ist es, dass die vorgeblichen Kosmonauten-Götter Geräte aus einem Material gefertigt hätten, das von uns nicht näher bestimmt werden könnte oder klipp und klar außerirdisch sein müßte. Soweit wir wissen, sind derartige Funde in der Prä-Astronautik und der UFO-Forschung nicht gemacht worden. Die Beweise dafür, dass die Außerirdischen uns damals wie heute einen Besuch abgestattet haben, sind zumindest so zwiespältig, dass sie an sich schon wertlos sind. Man schiebt zwar aus bestimmten Lagern diverse Beweise vor, aber bei genauerer Betrachtung zerfallen oder zerplatzen sie wie Seifenblasen.

"Konkrete Hinweise darauf, dass unsere Vorfahren Kontakt mit Außerirdischen hatten, finden wir in den alten Technologien, an Dingen, die von einem Volk aus dem Kosmos zum Abschied hinterlassen wurden. Unsere Vorfahren könnten aber auch ihre Herstellung von Außerirdischen gelernt haben." In etwa so ist die Überzeugung der modernen Götter-Gläubigen aus der Prä-Astronautik. Versucht man Fundobjekte zu deuten, dann muß man diese sich im kulturellen Kontext ihres Fundortes genauer anschauen. Wo immer sich Forschung auf Überlieferungen verläßt, hat die Quellenkritik eine wichtige Funktion. In diesem Zusammenhang muß die erste Frage immer lauten: Wie zuverlässig geben die vorgestellten Ergebnisse die Fakten wieder? Nehmen wir die "Bagdad-Batterie", glaubt jemand wirklich, dass diese geeignet wären, um ausserirdische Raumschiffe zu betreiben oder Hyperfunk-Kommunikation zu ermöglichen? Alles purer Unfug, man hat sie wahrscheinlich dazu benutzt, um kleine Figuren durch Galvanisieren mit Gold zu überziehen (das macht eher Sinn), zudem haben diese primitiven Monozellen noch nicht einmal genug Leistung um z.B. einen Rasierapparat zu betreiben (beim Nachbau der Bagdad-Batterie leistete jene 0,5 Volt bei einer Stromstärke von 150 Mikroampere). Dann die elektrischen Mega-"Glühbirnen" (warum eigentlich solche unpraktischen Leuchtkörper-Monster?) der alten Ägypter: Glühbirnen setzen eine Glasblase voraus, aber die Glasbläserei, eine Technik die die Herstellung hochwertiger und großer Hohlkörper ermöglicht, war den Ägyptern noch nicht bekannt. Dies ist ein Paradoxon, welches nicht recht zur Glühbirnenhypothese der Prä-Astronautiker zwischen von Däniken, Peter Krassa und Reinhard Habeck paßt. Auch wenn auf dem "Glühbirnenrelief", auf welches sich alle Autoren beziehen, sogar dicke Kabel wegführen, muß man sich fragen, wo in den alten ägyptischen Bauten die entsprechenden Kabelschächte, Schalterelemente etc sind? Eben, es gibt sie nicht. Die Autoren der "phantastischen Wissenschaft" gehen darüber hinweg, als wäre dies uninteressant und ohne Bedeutung. Die Nazca-Ebene in Peru wird vielbemüht, um sie als frühzeitlichen außerirdischen Weltraum-Flughafen auszugeben und damit zum Dauerthema zu machen. Doch wer will wirklich glauben, dass das Landen und Starten von außerirdischen Flugobjekten ein tatsächlicher Anlaß für diese Scharrbilder und vorgeblichen Landepisten war? Eine hochentwickelte Technologie der Weltraumfahrt benötigt wahrscheinlich keine Runways mehr, um darauf zu landen und zu starten. Zudem ist der sandige Boden für das Landen von schweren Fluggeräten ziemlich ungeeignet. Und die Grabplatte von Palenque in Mexiko? Hierbei handelt es sich um einen Tribut an einen Maya-König, der Ende des 7.Jahrhunderts nach Christus starb, und die rein religiöse Motive zeigt. Doch nach prä-astronautischer Tunnel-Wahrnehmung ist alles mal wieder ganz anders: Der Sarkophag stellt "nach Ansicht zahlreicher Forscher" schlicht und einfach "einen Astronauten dar, der ein Raumschiff lenkt" und dann abstürzte, da auch die Götterraumschiffe nicht unfehlbar waren - genauso wie die heutigen UFOs. Ein Raumschiff übrigens mit Düsenantrieb und Flammenschweif war das jenes Kosmonauten-Fliegers von Palenque.

Zumindest ist es eine Kapsel, die stark an das Schemata der Apollo-Mondlandefähre erinnern soll. Mancher Hohepriester der prä-astronautischen Vernebelungskunst macht mal wieder eine "frappierende Ähnlichkeit" aus. Kaiser-Faber z.B. läßt sich sogar dazu hinreißen, das auf der Grabplatte von Palenque angeblich abgebildete Mondkapsel-Gefährt als ein "Spähtrupp-UFO" vom Mond zu erkennen. So wie wir ehemals auf dem Mond mit dem Apollo-Raumschiff landeten, sollen also Mondbewohner mit der selben Kiste vor Jahrtausenden auf der Erde gelandet sein. Zudem war nach Meinung dieses "ganz großen grenzwissenschaftlichen Autoren" so ziemlich oft dieser wahre Mond-Erde-Lander eingesetzt gewesen, ja sogar Hesekiel´s Vision schlägt sich darin nieder, aber auch jedes Kuppeltürmchen einer Moschee setzt er gleich mit dem schlichten Nachbau als Symbol für die herabgekommen Götter.

Nicht vergessen darf man auch, das viele europäische Chronisten des Mittelalters beinahe selbstverständlich ihre Berichte heroischer Begebenheiten mit wunderbaren Ereignissen ausschmückten, besonders wenn diese Begebenheiten lange vor der Zeit, zu der sie aufgeschrieben wurden, stattgefunden haben. Zeichen und Wunder am Himmel wurden als verbale Spezialeffekte ausgewälzt, um göttliche Zustimmen zu militärischen Siegen oder dem Tod der Feinde anzuzeigen, oder selbst um eine königliche Hochzeit zu verschönern. Auch sind einige Erzählungen, wenn sie objektiv gelesen werden, klare Ausgestaltungen von Unwettern oder vom Vorbeiziehen eines Kometen oder Meteoriten, die es in der damaligen Denklandschaft und im Weltbild des Menschen einfach nicht gab. Es war eine Epoche in der mythisches Material in einmaliger Qualität und Quantität aufkam. Sie erinnern sich: "Es können keine Steine vom Himmel fallen." Unter diesem schlichten Kenntnismangel wurden derartige astronomische Erscheinungen nicht verstanden und deswegen fehlgedeutet, womit sie die besten Voraussetzungen haben, um als altertümliche UFOs den Bogen in die heutige Problemstellung zu schlagen. Es mag zwar nicht recht passen, aber da fällt mir doch etwas ein was den Kontaktler Adamski betrifft. Er hatte ja auf der Mondrückseite eine alpine Szenerie direkt aus dem Raumschiff seiner Venus-Freunde betrachten gekonnt, also schneebedeckte Berge mit bewaldeten Hängen, Flüssen und Seen. Lange Zeit konnte diese Geschichte durchgehen, weil der Mensch den Mond noch nicht erforscht hatte, ganz zu schweigen etwas über die Zustände auf der uns immer abgewendeten Mondrückseite wissen konnte. Das war ein Plus für Adamski und anderen Personen, mit phantastischen Behauptungen. Als man Adamski dann mit den Fotos konfrontierte, die die sowjetische Raumsonde Luna 3 im Oktober 1959 von der Rückseite des Mondes gemacht hatte, erwiderte Adamski scharf, die Russen hätten diese Bilder retuschiert, um die amerikanischen Weltraumwissenschaftler zu täuschen. Es ist schon überaus erstaunlich, dass ihm überhaupt jemand glaubte, aber er schuf den Kontext, in dem andere Kontaktierte ihre Geschichten erzählen konnten - und ihnen wurde ebenfalls geglaubt. Sagen und Seemannsgarn entwickeln sich also auch aus wissenschaftlicher Unkenntnis über die tatsächlichen Gegebenheiten heraus, entweder aufgrund des realen ´es- nicht-wissen´ oder der opportunistischen Lüge. Ersteres ist verständlich, Punkt zwei kann zum gefährlichen Querschläger werden. Dennoch können wir daraus etwas lernen. Die unschuldige ´Dummheit´ und die knallharte Lügen (meistens sind Lügen zudem nicht strafbar) können jeweils für sich (oder auch zusammengenommen) Weltbilder und archetypische Vorstellungen für eine ganze Epoche zusammennähen, die im Kern auf falschen Fakten beruhen und dennoch gewaltige lebensbestimmende Auswirkungen auf eine Gesellschaft, Kultur und Zivilisation haben können.

Schon immer war es vor allem das Element der Überraschung, das solche Dinge im Auge des Betrachters in exotische Objekt verwandelt hat - damals wie heute gilt dieser Satz. Überraschen kann man sich nur von Dingen lassen, die man nicht kennt und mit denen man unerwartet konfrontiert wird. Während vielleicht in der Historie Meteorite zu feuersprühenden Drachen-Monstern zeitgenössisch zurechtgedeutet wurden und sich bis heute noch der Drachen-Aberglaube da und dort hält, zumindest aber jeder von uns immer noch ein konzeptuelles Drachen-Bild geradezu archetypisch mit sich herumschleppt, während es Drachen in dieser bildlich-umgesetzten Form nie gab, erleidet die UFO-Konzeption wahrscheinlich inzwischen für die Zukunft das gleiche Schicksal, wenn aus Alltagserscheinungen der modernen Zeit unverstandene Phänomene werden und jene das Etikett des außerirdischen Besuchs aufgedrückt bekommen. Eines außerirdischen Besuchs, der bisher eine Gemeinsamkeit mit dem Feuer-Drachen vergangener Epochen hat: Wissenschaftlich nachweisbar gibt es ihn bisher nur im Kopf und Herzen der Menschen. Wie heutzutage UFOs, nahmen Drachen damals eine seltsame Zwischenstellung zwischen der stumpfsinnigen Realität und der anderen Welt ein. Dennoch blieben damals schon echte Drachen schwer faßbar und magisch, vielleicht möglich, aber sicherlich unwahrscheinlich. Dies sind vollauf Attribute, die dem UFO-Phänomen sicherlich in keiner Weise nachstehen, ja ihm hundertprozentig gerecht werden können. Irgendwie fällt uns da ein Satz aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug ein, als Dr.Jones im Archäologie-Unterricht seiner Klasse sagt: "Wir können es uns einfach nicht leisten, Mythologie kritiklos hinzunehmen." Ja, genau dies ist es: UFOlogen und Prä-Astronautiker springen auf den Mythologien-Zug kritiklos auf, akzeptieren die Mythen als solches und legen sie modernistisch für sich aus. Auch wenn sich einige UFO-Begeisterte als wissenschaftlich-orientiert verstehen und sich keineswegs der esoterisch-ufologischen Übermacht im Feld zuzählen mögen, so vermißt man bei ihnen doch entscheidende Elemente - solche wie wissenschaftliche Skepsis und wissenschaftliche Selbstkritik.

Hier paßt nur ein Satz, den Rabelais als letzten in seinem Leben gesagt haben soll: "Senkt den Vorhang, die Komödie ist zu Ende." Doch es gibt da einen Fluchtpunkt, der der "Dunklen Mächte", der der Konspiration und Verschwörung. Die Verschwörungen haben alle eine seltsame Schleife in ihrer Konstruktion: Jeder Beweis gegen sie funktioniert gleichzeitig als Beweis für sie, wenn man die Dinge so sehen will. Auch wenn dabei gerne übersehen wird, dass die menschliche Historie eine unendliche Zahl von Verschwörungs-Theorien mit sich brachte und schlußendlich sich nur eine Handvoll sich später als wahr herausstellten, gewinnt jede moderne Konspirations-Fantasie im UFO-Feld schnell an Durchsetzungsvermögen. Der Grund ist auch schnell ersichtlich: Verschwörungstheorien basieren auf unvollständigem Wissen und auf unzureichenden Informationen für irgendeine Wahrheitsbasis, wenn sie nicht gar nur dazu ersponnen werden, um die eigene Beweisnot für phantastische Behauptungen zu tarnen. Was den UFOlogen fehlt und was sie herbeisehnen wie der gläubige Jude den Messias - das ist der Beweis. So findet man Verschwörungen auch in der Astrologie. In den 1960er Jahren hatte der deutsche ´Astro-Express´ (Untertitel: "Das unabhängige astrologische Informationsblatt") einen Artikel unter der Überschrift "Warum wird die Öffentlichkeit dauernd irrgeführt?" gebracht, worin sich der bemerkenswerte Absatz findet: "Wenn man unseren Lesern die Wahrheit sozusagen hundertprozentig ins Gesicht schleudern würde, dann wären sie nicht nur ihrer sämtlichen Illusionen beraubt, sondern auch ehrlich erschrocken. Darüber erschrocken, dass die Wahrheit so ganz, ganz anders aussieht, als man sie sich bisher vorstellte. Man hat ja seit Jahren alles Mögliche getan, um Sie, meine (bedauernswerten) Leser und Leserinnen, zu verdummen...", weil es aus astronomischer Richtung mal wieder einen scharfen Angriff auf die dort unbeliebte Astrologie gegeben hatte. Diese Sätze sind heutzutage beliebig austauschbar mit ähnlichen Verbalinjurien von UFOlogen gegenüber der etablierten Wissenschaft, gegenüber Regierungen, hinzüglich Militärs und Geheimdiensten, wenn sie aus ihrer eigenen schlußendlichen Beweisnot diese anfeinden und einer Vertuschung verdächtigen. Hierzulande ist diese Entwicklung vielleicht kein Wunder, wenn man weiß, dass die deutsche UFOlogie von Anfang an mit der Esoterik erwuchs und beide eine publizistische Verbreitungsbasis hatten (´Das Neue Zeitalter´, ´Huters Neue Weltschau´, ´Esotera´, ´UFO-Nachrichten´)! In beiden Fällen darf man erwarten, dass viele Anhänger dieser Ideologien sich von solchen Zeilen stark beeindrucken lassen und das Vertrauen in die Ernsthaftigkeit der Herausgeber solcher Schriften zu verstärken vermögen, weil sie das in ihren eigenen Veröffentlichungen frei aussprechen was sie als subtiles Gedankengut vorher den Lesern bereits ins Hirn pflanzten. Bereits in den 50er Jahren hatte eine Organisation, die sich vor allem dem Vegetarismus hingab (vor ihr hielt Karl Veit für seine DUIST diverse UFO-Vorträge), erst der Hohlwelttheorie* gewidmet und dann den Fliegenden Untertassen gehuldigt. So gibt es wechselseitige Effekte in der Beeinflussung des urbanen Aberglaubens, allein schon aus den Reihen der ´organisierten Abergläubigen´ heraus, die kritik- und bedenkenlos ihre Fantasien und Ängsten neue Kleider schneidern, um einen Mythos mit dem anderen zu verknüpfen. Ja, so wird der Trip "Einmal Venus, hin und zurück" zur phantastischen Wirklichkeit. Und als äußerster Ausfluss dieser erschreckenden Beweisnot postulieren die Freunde und Autoren des Fantastischen dann die "offizielle Desinformation", wonach geheimste Kreise der US-Regierung eine Vertuschung sowie Verschwörung betreiben, nur damit der endgültige und durchschlagende UFO-Alien-Beweis verheimlicht bleibt. Daran läge es dann, dass die UFOlogie trotz 50 Jahre modernes UFO-Phänomen zu keinen nennenswerten Fortschritten gekommen sei. Natürlich macht sie sich selbst damit bedeutungsvoller und wichtiger als sie wahrscheinlich ist.

*= Im Jahr 1692 äußerte der englische Astronom Edmund Halley, der Entdecker des berühmten Kometen, die Vermutung, die Erde könnte hohl und in ihrem Inneren von anderen Zivilisationen bewohnt sein. 1870 griff in Amerika Cyrus Reed Teed die Konzeption nochmals auf. 1913 wurde dies von einem Mechaniker namens Marshall B.Gardner weiterentwickelt. Er stellte sich unseren Planeten hohl und von einer zweiten Sonne in ihrem Innern erhellt vor. In Deutschland fand Teeds absurde Idee im Dritten Reich viel Anerkennung und war damals als "Hohlweltlehre" bekannt. Seine Theorie hat in Deutschland sogar heute noch Anhänger. Ganz dramatischer Schwenk nach Amerika. Dort nahm der Sektenführer Vernon Wayne Howell (1959-1993) den Namen "David Koresh" an, der die exzentrischen Ideen Teeds übernahm und sich als Christusgestalt sah. Gemeinsam mit vielen seiner Anhänger kam er bei einem Gefecht mit dem FBI und einem daraus entstehenden Häuserbrand in Waco, Texas, ums Leben. Damit wird vielleicht auch das Drama um die Heaven´s Gate-Sekte etwas verständlicher.

Hilary Evans hat sich dazu seine Gedanken gemacht und geht davon aus, dass die Situation leicht ins Paranoide ausarten kann "und viele UFOlogen bereits paranoid wurden". Es ist ja nicht irgendwer, der sich ins Verschwörungs-Lager stellt um zu erklären, dass da irgendjemand die Menschheit vor der "Wahrheit über UFOs" bewahren will. Hier seien unbewußte psychologische Prozesse am Werk, die die meisten Forscher auf diesem Gebiet befallen haben - so seine Meinung. Wichtig, so erkennt es Evans, sei dabei die Tatsache, dass die meisten UFOlogen frustriert sind, das UFO-Problem nicht aufklären zu können - so spekulieren sie schnell, dass dies irgendeinen finsteren Hintergrund hat, weil irgendjemand sie daran hindert. Keine Frage ist für sie, dass die US-Regierung eine Blockade durchzieht. (Dabei ist sie doch gar nicht für die UFO-Erscheinungen, ja für das eigentliche UFO-Phänomen als solches, verantwortlich und reagiert auch nur darauf - ist, so gesehen, ihr "Opfer".) Gäbe es eine Verschwörung, dann muß man sich fragen, ob diese Aktivität Teil einer organisierten Politik ist. Was soll zudem verheimlicht werden? Wollen irdische Regierungen ihre eigenen Aktivitäten verbergen? Natürlich ist es möglich, dass es Regierungen gibt, die gelegentlich Desinformationen über UFOs ausgeben, um ihre wahren Aktivitäten zu schützen. Man erinnere sich an das "Quallen-UFO" vom 20.September 1977 über dem sowjetischen Petrozavodsk, welches die sowjetische Regierung damals schnell hätte aufklären können, da es sich hierbei um den fehlverstandenen Start der Rakete KOSMOS-955 aus der Geheimbasis Plesetsk handelte, mit der ein Spionagesatellit hochgebracht worden war. Die sowjetische Regierung bevorzugte also konkret das UFO-Gerücht als Tarnung für ihre Geheimdienst-Operationen. Wie man leicht sieht, sind die ausgestreuten Desinformationen von gänzlich anderer Natur, als UFOlogen sich dies einbilden. Desinformationen werden nicht des UFO-Phänomens willens ausgegeben, sondern das populäre und öffentliche Konzept vom phantastischen Alienbesuch in UFOs wird für gänzlich irdische Aktivitäten als Tarnung ausgenutzt, was allein schon sinngebend eine andere Betonung diesem Bereich zuschustert. Ohne Zweifel ist also, dass die Offiziellen gelegentlich involviert sind und irgendein Spiel durchziehen, aber dass dies Teil eines umfassenden Plans sein soll, bleibt unbewiesen. Im Gegenteil, so scheint es jedenfalls, sind diese Desinformationsausgaben ad hoc-Reaktionen in der jeweiligen Situation und keine kontrollierten sowie langgeplanten Aktivitäten. Schaut man sich die inzwischen freigegebenen Dokumente an, dann handelt es sich bei deren Inhalte eher um verständliche psychosoziale Antworten auf etwas, was die Offiziellen selbst nicht verstehen, als das es sich um verstandene Bereiche handeln könne, über die man Übereinstimmung habe und schweigen wolle.

Konspirationstheorien sind auch Sinnproduktionsmittel, zu denen jene greifen, die sich mangels besserer Information (auch wenn sie verfügbar ist!) nicht anders mehr zu helfen wissen. So gesehen sind Vertuschungs-Wahnideen auch die Methode jener, die irgendwo unbedarft sind. Mittels der Vertuschungs-Wahnidee wird dann dieses Vakuum ausgefüllt und erhält den Glauben an einem Wendepunkt, wo man Gefahr läuft, in die Skepsis abzufallen. So gesehen sind die populären Verschwörungs-Theorien nichts weiter als eine Art "letzter Kitt" zur Aufrechterhaltung eines an Zugkraft verlierenden Aberglaubens. In der abstrusen Zwanghaftigkeit des Verschwörungsdenkens, das ein verstreutes Faktum nach dem anderen aus dem Informationsdickicht klaubt und es in einen kausalen und scheinbar logischen Zusammenhang stellt, offenbaren sich aber nicht nur alte Vorurteile und Ressentiments, sondern auch Räume für utopische Potentiale. Wer bei Verstand ist, weiß natürlich oder ahnt instinktiv, wo die Wurzel des konspirativen Wahns liegt - in dem anachronistischen Verlangen nach einer befriedigenden ´vollständigen´ Erklärung der Welt und/oder ihrer Phänomene. Da muß dann nichts mehr mühsam untersucht, recherchiert und hinterfragt werden, sondern man hat sofort ein griffiges Deutungsmuster, welches alles passend macht. Schaut man sich dieses Problem also unter den bisher aufgezeigten Punkten an, dann erkennt man schnell, dass der moderne Aberglaube hierin seinen intensivsten Ausdruck findet, auch wenn allesamt rufen mögen, dass dies alles kein Aberglaube sei, sondern auf "Forschungsergebnissen" basiere. Aber diese "Forschung" im Feld der UFOlogie ist selbst schon ein populär gemachter und gepflegter Aberglaube, der wegen des Mangels an realer Forschung hochgezogen wird. Machen wir uns doch nichts vor: Insbesondere im Feld der UFOlogie ist es ein leichtes Spiel der Rattenfänger, weil kaum jemand unter den UFO-Enthusiasten selbst Nachforschungen betreibt und die allermeisten nur zu gerne bereit sind, ihre Vorstellungen von den Lippen ihrer "Helden" absegnen zu lassen. Werden Behörden oder Amtspersonen dann mit in UFO-Kreisen zirkulierenden Gerüchten über sie selbst angesprochen und reagieren sie dann mit Dementis, werden diese schnell und mit Methode umgedreht, um als neuerlichen Beweis für eine Geheimhaltungstaktik der Behörden in Sachen UFOs ausgeschlachtet zu werden. Der Grund hierfür ist klar, wie es bereits Dieter von Reeken 1981 in seinem Buch "UFOlogie" aus dem Verlag 2000 (Luxemburg), auf S.34, festlegte: "Doch in gewissen UFOIogen-Kreisen berauscht man sich eben gern an den abwegigsten Theorien, statt das Nächstgelegene anzunehmen." Augen zu - und durch.


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