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08.11.2007


    
Historische Noten der UFOlogie aus dem CENAP-Archiv:

November-UFO-Meldungen vor 55 bis vor 20 Jahren: Fliegende Untertassen in der Presse - Teil II

Wer die Gegenwart des UFO-Phänomens verstehen will, der muss seine Vergangenheit kennen...

Die ´Neue Zürcher Zeitung´ vom 9.November 1957 stellte in dem Artikel >Saison der "Fliegenden Teller"< das Thema groß heraus: >Seit dem Abschuß des ersten sowjetischen Erdsatelliten treten plötzlich wieder in auffallend gehäuftem Maß Meldungen über das Erscheinen der ominösen "Fliegenden Teller" auf, die vor einigen Jahren die Phantasie weiter Volkskreise der westlichen Hemisphäre beschäftigt hatten. Eine reiche Literatur von mehr als problematischem wissenschaftlichem Wert und eine von der Masssenpresse geförderte sowie von gewissen amerikanischen Nachrichtenagenturen dauernd gespeiste systematische Propaganda hatte in breiten Schichten die psychische Bereitschaft geschaffen, der Legende vom Auftauchen und von der Sichtung sogenannter UFO weiteste Publizität zu verschaffen. Wer hinter dieser Kampagne stand und zu welchem Zweck sie inszeniert wurde, ist bis heute noch nicht enthüllt worden; ob sie Ablenkungsmanöver, Test oder Erprobung der Suggestivwirkung bestimmter systamatisch in Umlauf gesetzter Meldungen bedeutet, kann daher auch heute noch nicht erkannt werden. Gewiß aber ist, dass das einzige Mysteriöse an den "Fliegenden Tellern" -das einzig wirklich Wissenswerte aber auch- die Frage nach den Urhebern dieser Legende ist. Wie jedes Spiel mit der Phantasie sich verbraucht, erlosch auch das Interesse an den "Fliegenden Tellern". Es wurde still um die aus dem Weltall angereisten Raumschiffe und ihre mysteriösen Insassen, die so und so viel angebliche Zeugen als Marsmenschen sonderbarer Statur und absonderlicher Erscheinung identifiziert haben wollten. Erst als der erste und daraufhin auch der zweite SPUTNIK ihren Lauf um die Erde begannen, feierten die "Fliegenden Teller" ihre Auferstehung, un nun bricht wieder aus allen Ecken und Winkeln der westlichen Welt eine Riesenflut von meldungen von der angeblichen Sichtung solcher UFO herein: Die Saison der "Fliegenden Teller" steht in voller Blüte.

Was wird nicht alles gesehen, und was will nicht alles gesehen worden sein! Folgt man der amerikanischen Nachrichtenagentur "United Press", die sich der Übermittlung dieser angeblichen Beobachtungen mit großem Eifer widmet, so erstecken sich die angeblichen Beobachtungen vom Erscheinen mysteriöser Lichtschimmer über das Hin- und Herschwirren nicht faßbarer Körper bis zu ganz konkreten Begegnungen mit den Insassen eines Raumschiffs auf Stelzen, wie sie dem kalifornischen Getreidehändler Reinhold Schmidt in Kearney in Nebraska angeblich beschieden war. Den Erzählungen dieses Biedermannes ist zu entnehmen, dass er sich mit den Insassen des Raumschiffs unterhielt, weil sie englisch zu sprechen in der Lage waren, wenn auch mit deutschem Akzent. dass der Getreidehändler einst wegen Unterschlagung hinter Schloß und Riegel gesessen hatte, ist zwar geeignet, seiner Glaubwürdigkeit etwas Abbruch zu tun; aber Fußspuren und Eindrücke im Sand, die nach Schmidts Angaben durch die Stützen des Raumschiffs verursacht worden waren, gleichen diesen Schönheitsfehler bei weitem aus. Auffallend ist, dass sich die "Fliegenden Teller" namentlich für militärische Anlagen und Atommeiler in Nordamerika interessieren. Kreisförmige, aluminiumglänzende oder rotglühende ovale oder runde Gegenstände umkreisen nach diesen von "United Press" verbreiteten Meldungen die militärischen Beobachtungsobjekte. Was die Insassen ihren Auftraggebern alles an hochgeheimen Informationen mitbringen könnten, vermag man nur zu ahnen. dass man es jedoch mit unheimlicher Fernwirkung fähigen Objekten zu tun haben muß, geht aus all jenen angeblichen Berichten von Automobilisten hervor, die beim Auftauchen solcher Flugkörper unversehens mit gelähmtem Motor stecken bleiben. Wer möchte zurückstehen und ausgeschlossen sein, wo sich das Geheimnisvolle und Rätselhafte in so gehäuftem Maß dem Alltagsmenschen zeigt? Noch ein paar Tage solcher systematischer Massensuggestion - und die ganze westliche Welt wird wimmeln von "Fliegenden Tellern", Raumschiffen mit Insassen, die ihre Botschaften in jedermann verständlicher Sprache kundtun, und Raumkörpern, deren Strahlenwirkungen sich weder Motor noch Verstand länger zu wiedersetzen vermögen. Wer aber wird von dieser heraufziehenden neuen Welle der Mystifikationen, der Massenhysterie und des Massenwahns profitieren? Gewiß nicht der Westen, der im Sturmwetter der Sputnikdiplomatie alles daran wenden sollte, seinen Kopf klar zu behalten und seine Phantasie zu zügeln. Oder sollten die "Fliegenden Teller" die einzige Antwort sein, die der Westen den Sputniks entgegenzusetzen hat? Dann freilich brauchte man sich um den Zustand der Nerven unserer Hemisphäre nicht mehr weiter zu kümmern.

Eine Erklärung der amerikanischen Luftwaffe wurde aus Dayton, Ohio, von United Press nachgeschoben und ebenfalls in der genannten Zeitung gleich anschließend verwendet: Ein Sprecher der amerikanischen Luftwaffe hat zu den jüngsten Meldungen über "Fliegende Teller" und unbekannte fliegende Objekte (UFO) Stellung bezogen und folgende Erklärung abgegeben: Die amerikanische Luftwaffe konnte nach Überprüfung von insgesamt 5.700 Meldungen über "Fliegende Untertassen" zwischen 1947 und 1957 nicht den geringsten physischen Beweis für die Existenz "Fliegender Teller" feststellen. Die Luftwaffe hat in keinem einzigen Fall Fußspuren oder Eindrucksspuren von irgendwelchen gelandeten Objekten feststellen können. Die Luftwaffe hat im Gegensatz zu diesbezüglichen Andeutungen von UFO-Journalisten niemals irgendwelche sogenannte "kleine Leute" aus dem Weltraum in Gewahrsam genommen. Captain Thomas Mantell, der in den späten vierziger Jahren bei der Verfolgung eines UFO in seinem Flugzeug bei Louisville in Kentucky den Tod fand, starb an Sauerstoffmangel. Bei dem von ihm verfolgten Objekte dürfte es siuch um einen meteorologischen Ballon der Marine gehandelt haben. Der todbringende Sauerstoffmangel trat ein, weil der Pilot mit seiner P-51 ohne Sauerstoffvorrat zu hoch gestiegen war. Schlußfolgerungen aus Beobachtungen von UFO wurden von unabhängigen, mit der Luftwaffe in Vertragsverhältnis stehenden Experten und nicht von Luftwaffenpersonal gezogen. Es trifft nicht zu, dass etwa drei Prozent der Beobachtungen unerklärlich sind. Auch für sie gäbe es Erklärungen, wenn ausreichende Berichte und Daten erhältlich wären. Auch für die jüngsten Beobachtungen unbekannter Objekte in Nordtexas und in Springfield (Ohio) wird es mit größter Bestimmtheit Erklärungen geben, sobald die Untersuchungsgruppen die gegenwärtig geführten Umfragen abgeschlossen haben.<

"Vom Raumschiff in die Nervenklinik" meldete am 9.November 1957 ´Die Rheinpfalz´ in Bezug auf eine UP-Depesche aus Kearny, USA: Reinhold Schmidt, der am Anfang der Woche mit seinem Bericht über den Besuch in einem Raumschiff großes Aufsehen erregte, ist inzwischen von den Gesundheitsbehörden Nebraskas für unbestimmte Zeit zu "Beobachtung und Behandlung" in eine Nervenklinik eingewiesen worden. zwei Psychiater hatten nach einer gründlichen Untersuchung festgestellt, dass Schmidt nicht als Betrüger anzusehen sei, sondern dass er offenbar wirklich daran glaube, ein Raumschiff gesehen und es auf Einladung der Besatzung besichtigt zu haben.

>Sputnik und die "Untertassen"< hieß es am 9.November 1957 in der ´Frankfurter Allgemeinen Zeitung´ in einem Leserbrief von Prof.Dr.Erich Lange, Erlangen: Das bevorstehende Absinken der sowjetischen Trägerraketen und des Sputniks gibt Anlass zu einer Frage, die man vielleicht durch Mithilfe der Bevölkerung klären könnte. Die seit Jahren immer wieder in der Presse der ganzen Welt behaupteten Fälle des Auftretens sogenannter "Fliegender Untertassen" sind von ernsten Personen wohl mit Recht zu einem Teil als Zufallsprodukte unwesentlicher Umstände aufgefaßt worden. Es wäre aber immerhin denkbar, dass ein Teil dieser Meldungen auf realer Grundlage fußt. Nach den jüngsten Erfahrungen könnte man daran denken, dass es sich hierbei um sowjetische Trägerraketen früherer Versuche handelte, die aus irgendwelchen Gründen kurze Zeit vor ihrem Verbrennen in tieferen Luftschichten den Eindruck hervorgerufen haben, der dann als "Fliegende Untertasse" beschrieben worden ist.

Die Astronomen des Observatoriums Mt.Stromlo in new Canberra sahen am 8.November um 18:02 h einen seltsamen, rötlichen Körper, der den westlichen Teil des Himmels durchquerte und sich dann "rascher als der Planet Venus emporschraubte". Dr.Przybylsky, der den Körper zuerst entdeckt hatte, erklärte, dass er nichts früher Beobachtetem glich. Seine Schnelligkeit sei geringer gewesen als die eines Meteoriten. Die Erdsatelliten waren in jenem Moment schon vorbeigeflogen. ´Die Tat´, 10.November 1957.

>Graz: Alarm um "Fliegende Untertasse" - Rätselhafter grünleuchtender Flugkörper über der Stadt/Auch vom Flugplatz aus beobachtete< meldete der ´Neue Kurier´ aus Wien am 12.November 1957: Untertassenalarm gab es Samstag abend in Graz. Zahlreiche Passanten, aber auch die Männer des Flughafen Thallerhof beobachteten eine Dreivierstelstunde lang einen eigenartigen grünleuchtenden Flugkörper, der langsam über die Stadt nach Norden zog. Gegen 18:45 h stieg das eigenartige Objekt plötzlich senkrecht hoch und war innerhalb kurzer Zeit verschwunden. Die Angaben über die Form und Größe des unbekannten Flugkörpers gingen je nach dem Standpunkt der Beobachter einigermaßen auseinander [wahrscheinlich, weil es sich auch um unterschiedliche Objekte handelte, die man aber in einen Zusammenhang brachte und dadurch eine völlig falsche Vorstellung vom Geschehen erhielt]. Einige Leute sprachen davon, dass das Objekt wie ein Zeppelin ausgesehen habe, andere verglichen es mit einem Ballon oder einer Scheibe, die einen Feuerschwanz hinter sich herzog. Auf dem Flughafen Thallerhof wurde erklärt: "Wir beobachteten den Flugkörper ebenfalls, haben aber keine Ahnung, worum es sich handelt. Es befindet sich zur Zeit kein Flugzeug in der Nähe." Eine ähnliche Beobachtung wurde übrigens Samstag abend gegen 21 h in Wien gemacht.

Königstein. Im Taunus fiel am 10.November gegen 18 h zwei Wanderern am klaren Abendhimmel ein "übermässig heller Stern" auf, der jedoch bald stark rötlich zu funkeln begann und sich nach Süden in bewegung setzte, wo er verschwand. ´Frankfurter Neue Presse´, 13.November 1957.

+ Am 14.November 1957 gab es in Osnabrück die Gründung des DUIST-Ablegers "IFO-Interessierte" (IFO steht hier für Interplanetarische Flug-Objekte, also Fliegende Untertassen aus dem Planetensystem unserer Sonne!) unter Frau Ortrud Frank, die die Räumlichkeit in ihrem eigenen Reformhaus zur Verfügung stellte, wo es auch ans Schaufenster angeschloßen eine Dauerausstellung von DUIST-Literatur gab, weswegen immer wieder Bürger die Inhaberin ansprachen. Bei der Gründungssitzung kamen 23 Leute zusammen, um mehr über die Internationale Arbeitstagung der IFO-Studiengruppen in Wiesbaden zu erfahren. Frank leitete parallel den "Esoterischen Arbeitskreis", der sein Themenspektrum nun um die IFOs erweitert hatte.

+ Am 19.und 20.November 1957 fand in Hannover ein weiterer Vortrag von Karl Veit statt, als Folge davon entstand unter dem Biologen Dr.Kurt Schmidt eine örtliche DUIST-Zweigstelle, die sich den "esoterischen Fragen" (die Sache speziell von Dr.Schmidt) und den "naturwissenschaftlich-technischen Belangen" (Thema von Ing.Filter) rund um Fliegende Untertasse zuwende. Zudem wurde für diese Gruppe die Gründung einer Leih- und Austauschbibliothek für das interessierte und fortbildungsgeneigte Publikum angesetzt, damit dieses bei diesem "hochaktuelle sowie zukunftsgewichtige Gebiet mitsprechen kann".

+ Am 24.und 25.November 1957 fand in der Aula der Kant-Hochschule, Braunschweig, die nächste DUIST-Vortragsaktion statt und bot somit "den rechten Rahmen" für die gut besuchten Diaschauen. Akademiker und Studenten der Uni und Technischen Hochschule hörten gespannt zu und sorgten für eine "lebhafte Diskussion". Die Organisation hatte Oberingenieur Walter Werner [sic] vorgenommen. Ingenieur Bruni Smolka gründete aufgrund des Erfolgs hier eine weitere UFO-Zweigstelle.

+ Gleich an drei Abenden folgten die Veit´s dem "vielseitigen Ruf" nach West-Berlin, der Insel mit der Sonderstellung. Am 27., 28. und 29.November 1957 wurde in der jeweils vollbesetzten Aula der Carl-Langhans-Schule das Thema des interplanetarischen Besucherkontakts und der Fliegenden Untertassen-Philosophie abgehandelt. Die Berliner (West) waren besonders dankbar, da viele auf eine "höhere Hilfe" warteten und ein schweres Schicksal trugen. Sie drückten ihre kosmische Dankbarkeit mit wiederholten Zwischenrufen wie "Bald wiederkommen!" aus. Organisation: Karl F.Schulze-Angern von der gleichnamigen Buchhandlung in Berlin-Halensee, der bereits seit geraumer Zeit die dortige Fliegende Untertassen-Abteilung der DUIST führte.

+ Zu diesem Zeitpunkt wurden weitere Zweigstellen der IFO-Freunde unter Wiesbadener Führung aufgezogen in: Bad Harzburg (Frau Dr.M.Heidmann), Bad Reichenhall (Fritz Begsteiger), Bergneustadt (Stud.-Ass.Georg Tonding), Donaueschingen (Dr.Walter Nottebom), Düsseldorf (Dr.med.Gg.Froesse), Flensburg (Beate Use, Quatsch: Luise Kalweit), Frankfurt (Ilse von Jacobi und Helmut Issbrücker), Göttingen (Fritz Tonding), Helmstedt (Friedrich Sackstedt), Hof (Studienrat Karl Maier), Ibach b.St.Blas. (Dr.Waldemar Beck), Kassel (Heinrich Heinz), Kiel (Georg Walter), München (Georg Neidhart und Heinz Kröll), Schwäb.-Gmünd (Karl Leicht), Speyer (Karl Christmann), Stuttgart (Ing.Robert Rall), Überlingen (Emma Belz), Uelzen (Carl Schuster), Oberammergau (Hans Geisler). Österreich: Bregenz (Hermann Grettler), Dornbirn (Bruno Wenzel), Graz (Oto Wraubek), Leoben (Else Demmer), Mattsee (der Herausgeber von "Das Geistige Reich", Carl Rennhofer), Salzburg (Luise Eschig), Vilach (Brunhilde Tritscher), Wien (Dora Bauer). Schweiz: Zürich (Paul Häusle und Heinrich J.Ragaz als Herausgeber des "Weltraumboten"), Zollikerberg (die esoterische Gruppe unter Ing.Walter Ohr), Glattbrugg (Werner Krapf) und Bassersdorf (Ing.Hans Früh), Basel (Lou Zinsstag als Herausgeberin der "Informationsblätter der UFO-Arbeitsgemeinschaft"), Genf (Alfred Nahon als Herausgeber des "Le Courrier Interplanetaire"), Heiden (der Verleger Karl Schönenberger). - Auch wenn sicherlich die meisten dieser Ortsgruppen nur Strohfeuer-Effekte für ein paar Jahre waren und keine dauerhaft-beständigen Male auf der ufologischen Landkarte, so haben diese einzelnen Zirkel aber sicherlich ihre Wirkung und ihren Einfluß in ihren Gemeinden gezeigt, um den UFO-Aberglauben regional auszuprägen.

"Mysteriöser Flugkörper" meldete am 16.November 1957 die ´Frankfurter Rundschau´: Wie am Dienstag bekannt wurde, will ein Taunus-Wanderer am Sonntag gegen 18 h einen mysteriösen Flugkörper gesichtet haben. Dem Beobachter fiel am klaren Abendhimmel ein übermäßig helleuchtender Stern auf, den er für die Venus hielt. Kurz darauf soll der Körper, der nun stark rötlich funkelte, sich von Westen nach Süden in Bewegung gesetzt haben und am Horizont verschwunden sein. Ein Begleiter des Mannes bestätigte diese Beobachtungen. [Kommt hier die Werbebotschaft für den Miniatur-Heißluftballon der Firma Schorr Flugbedarf aus Staffelstein her, wenn sie wirbt: "Setz einen Stern an den Himmel"?]

>Falscher "Sputnik" narrt Bonner Polizei - Mit heulenden Sirenen zum Tatort - Witzbold scheute keine Mühe und Kosten berichtete< up und am 23.November 1957 griff die ´Rhein-Neckar-Zeitung´ diese tolle Story auf: >Der telefonische Notruf "Sputnik" auf einem Acker beim Kottenforst notgelandet alarmierte am Freitag den Polizeiposten Meckenheim, etwa 10 Kilometer südwestlich der Bundeshauptstadt. Der diensthabende Wachtmeister wurde vor Schreck bleich und gab den Alarm "höheren Ortes" weiter. Mit heulenden Sirenen raste wenige Minuten später ein Streifenwagen mit dem Leiter des Polizeiabschnitts Süd, Polizeirat Christian Keller aus Bad Godesberg, durch den stillen Wald, der sonst das sonntägliche Ausflugsziel der Bonner ist. Im Handumdrehen hatte eine stattliche Polizeimacht von allen Posten der Umgebung das "gefährdete Gebiet" abgeriegelt. Auf einem Acker, halb in die Erde gebohrt, fanden die vorsichtig heranpirschenden Beamten den "Sputnik", eine mattsilberne Kugel von etwa 30 Zentimeter Durchmesser, mit vier langen, zurückgebogenen Antennen, die ein rotes Blinksignal und ein deutlich vernehmbares "Piep-Piep" von sich gab. Auf der Kugel prangte ein roter Sowjetstern und die Aufschrift "UdSSR".

Erst als schon Alarmrufe an das Bonner Geophysikalische Institut und an die sowjetische Botschaft hinausgegangen waren, kamen den Beamten doch Bedenken. Polizeirat Keller betrachtete sich den seltsamen Himmelskörper genauer, fand einen Schalter, und sofort stellte Sputnik sein "Piep-Piep" ein. Die Alarmrufe wurden zurückgezogen. Der Bauer, der meinte, als erster die historische Rückkehr Sputniks aus dem Weltall gesehen zu haben, zog tief enttäuscht von dannen. In der Godesberger Polizeizentrale wurde Sputnik seziert: sein Herz war eine Autobatterie, die das Lichtsignal speiste. Das schnarrende "Piep-Piep" stammte von einem weckerähnlichen Gerät mit Federaufzug. Die Hülle war aus einem alten Wasserboiler gebastelt, kunstgerecht verlötet und mit Silberbronze gestrichen. Die Polizei wartet jetzt auf den unbekannten Witzbold, der sich den Sputnik-Spaß so viele Mühe kosten ließ. Der diensthabende Beamte meinte großzügig, der Besitzer könne seine Autobatterie samt der ramponierten "Satelliten"-Hülle jederzeit abholen. Ob die Polizei den Spaßvogel dann aber nicht mit einer Kostenrechnung für den "Großalarm" überraschen würde, steht auf einem anderen Blatt.<

Kopenhagen, 24.Nov. (United Press). Offiziere der dänischen Marine und Luftwaffe haben über Bornholm eine Reihe leuchtender unbekannter Flugobjekte gesichtet und die nächste Luftwaffenzentrale davon benachrichtigt. Eines der mit grosser Geschwindigkeit sich bewegenden Objekte hielt in geringer Höhe plötzlich an und strahlte sehr starke, sonderbare Farben aus. Einige Sekunden später verschwand es mit ungeheurem Tempo. Ähnliche Meldungen trafen aus Jütland ein, wo ein Zimmermann über dem Distrikt Kolding ein "Fliegendes Dreieck" beobachtete, dies jedoch aus Angst lächerlich gemacht zu werden einige Tage verschwieg. Auch dieses Objekt sei in der Luft plötzlich stillgestanden und nach einigen Sekunden sehr rasch weggeflogen. Von einigen Augenzeugen aus Uster (Schweiz) wird uns eine ähnliche Erscheinung, die am Abend des 24.November sichtbar war, gemeldet. Es handelte sich um ungefähr 7 Lichter in Dreiecksformation, die eine Zeitlang stillstand und sich dann mit sehr grosser Geschwindigkeit und völlig geräuschlos entfernte. ´Anzeiger von Uster´, 25.November 1957.

"Nordlicht bei Dresden" hieß es am 22.November 1962 in den ´Leipziger Neuesten Nachrichten´: In den frühen Morgenstunden eines der letzten Oktobertage wurde von der Satellitenbeobachtungsstation Bärnsdorf eine in unseren Breiten äußerst selten auftretende Nordlichtdraperie wahrgenommen. Etwa um 4:40 h mitteleuropäischer Zeit erhob sich aus der Richtung des Sonnenaufgangspunktes eine fahlgrüne Leuchtsäule bis zu 35 Grad über den Horizont. Bei rascher Bewegung verengte sich der untere Bereich, während der obere zu einem Oval von mehr als zehn Grad Durchmesser ausgebildet wurde. [Dies war schon ein eher merkwürdiges "Nordlicht" - viel eher scheint dies die politisch-bedingte Verklausulierung und Verschleierung eines wahrscheinlich sogar Mißlungenen russischen Raketenstarts in der Morgendämmerung gewesen zu sein!]

"Drei Unbekannte am Himmel" hatte der ´Südkurier´ vom 23.November 1962 via einer dpa-Meldung aus London zu vermelden: Mindestens drei Raumfahrzeuge, deren Start niemand bekanntgab, umkreisen zur Zeit die Erde. Nach einem Bericht der britischen Fachzeitschrift "Flight" müßen diese Satelliten um den 11.September, zwischen 20.und 26.Oktober und zwischen 1.und 5.November gestartet worden sein. Einer der drei "Unbekannten" am Himmel könnte ein sowjetisches Marsschiff sein, das nur bis zu seinem "Parkplatz" auf einer Satellitenbahn um die Erde kam. ¸ Damit setzte also schon das Problem des Weltraum-Schrotts an und der damit einhergehenden Teile, deren Herkunft und Natur nicht mehr zu bestimmen sind - was den UFO-Fans natürlich entgegenkommt, weil sie darin natürlich ihre ganze speziellen UFO-Lieblinge sehen können. Unmittelbar damit zusammenhängen kann die Meldung vom 22.November 1962 in den Leipziger Neuesten Nachrichten um ein "Nordlicht" Ende Oktober. Wie Sie sehen, ist die UFO-Forschungsarbeit oftmals auch quasi soetwas wie nachrichtendienstliche Analyse.

>"UFOs" am Nachthimmel? Beobachtungen am Dienstagabend< fragte am 2.November 1967 die ´Frankfurter Rundschau´: Großbrand irgendwo im Westen Frankfurts? Wer am Dienstagabend noch den kleinen Bummel vor dem Schlafengehen unternahm oder von Fenstern und Balkonen aus den Himmel betrachtete, mußte diesen Eindruck haben: blutrot glühte dieser Nachthimmel, ein Bild wie vor dem Weltuntergang. Oder auch der rechte Rahmen für "UFOs" (Unbekannte Flugobjekte), deren irdisch-reale Gesellschaft ja an diesem Wochenende in Mainz ihren 7.Weltkongreß abhält, wobei man sogar mit solchen "Erscheinungen" rechnet... Nun, der vermutete Großbrand erwies sich nach einem Anruf bei der Feuerwehr als harmlos. Das sei nur die lodernde Fackel der Caltex-Raffinerie in Raunheim, hieß es, die sich bei tiefhängenden Wolken bis zu uns spiegele. In der Redaktion erreichte den Nachtdienst Anruf auf Anruf. Beruhigend also, daß alles so harmlos ist. Nur eines bleibt dem Chronisten noch unklar: Warum in Oberrad, am Hause der Polizei-Außenstelle nahe am Buchrainplatz, der Polizeinotruf-Apparat schwieg, als er den kleinen Hebel drückte, um Auskunft über den Brand zu erhalten. Obwohl da zu lesen ist "Anruf abwarten", rührte sich nichts - und es blieb nur der Weg zu Telefon. Bei einem schweren Unfall, bei einer Messerstecherei und ähnlichem aber wäre ein schweigender Polizeinotruf-Apparat wohl eine Farce, oder?

"Auf der Venus gibt es keine kleinen grünen Männchen!" machte Heft Nr.46/1967 die Zeitschrift ´Neue Welt´ ihr Blatt auf. "Sowjet-Schuß auf unseren Morgenstern beweist: In unserem Sonnensystem gibt es Menschen nur bei uns auf der Erde!" Die Russen brachten es an den Tag! Durch Funksignale einer auf der Venus gelandeten Raumsonde (nach einer Flugzeit von mehr als vier Monaten für die 350 Millionen km lange Strecke!) wissen wir jetzt alle, daß es auf der Venus kein menschliches Leben geben kann. Denn die russische Sonde meldete Temperaturen von 280 Grad Celsius auf dem Boden. Der Luftdruck ist 15mal so hoch wie der auf der Erde! Menschen würden also dort die Blutgefäße platzen. Außerdem würde die Hitze (die Venus ist näher an der Sonne als wir) alles verbrennen! Moskauer Bürger kommentierten denn auch schlagfertig: "Was sollen wir da oben? Da gibt´s kein Bier, keinen Wodka und keine Heringe!" Dreimal hatten die Sowjets schon versucht, die Venus mit einer Sonde zu erreichen. 1961 startete die Sonde VENUS I, verschwand aber nach drei Millionen Kilometern spurlos im All. VENUS II vom November 1965 flog 25.000 km an der Venus vorbei und wurde von der Sonne eingefangen. VENUS III traf die Venus im März 1966, erschellte aber. Erst VENUS IV landete jetzt unbeschädigt auf unserem Nachparplaneten. Dieser Planet, von dem man seit langem annehm, es lebten menschenähnliche Wesen auf ihm (in Zukunftsromanen sind es oft kleine grüne Männchen mit Antennen auf dem Kopf), ist uns als Abend- oder Morgenstern bekannt... Wie Wissenschaftler nach der Landung der russischen Sonde urteilen, können auf der Venus höchstens Grünpflanzen gedeihen, weil die Luft über dem heißen Boden kaum Sauerstoff, dafür aber viel giftiges Kohlendioxyd enthält. Damit ist sicher, daß die Erde der einzige Planet in unserem Sonnensystem ist, der menschenähnliche Lebewesen beherbergt. Denn auf dem Merkur herrschen 350 Grad Hitze, und auf dem Mars dafür Eiseskälte...

7.Internationaler Weltkongress der UFO-Forscher in Mainz 1967: Nun suchten die UFOlogen wieder die Öffentlichkeit für ihr "faszinierendes Ringen um eine neue universelle Weltanschauung an der Schwelle des dritten Jahrtausends" und ein Forum für die "noch relativ junge Wissenschaft der UFOlogie", die den "sterbenden Materialismus" zu einer "neuen kosmischen Ära" mittels "mutiger Vorkämpfer" führte. Trotz den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit, setzten die Eheleute Veit auf die Medienwelt. Nach über 400 Lichtbildvorträgen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark, Schweden, Holland, Belgien, Jugoslawien und Italien war man gerüstet, um den Kreuzzug für die außerirdischen Brüder und Schwestern nochmals in vorderster Front zu führen. Bereits im Vorfeld waren verschiedene Personen des öffentlichen Lebens als Gäste zur Veranstaltung eingeladen worden: UN-Genersekretär U Thant, E.U.Condon (Universität von Colorado), Minister Gerhard Stoltenberg (Wissenschaft und Forschung), Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Dr.Wernher von Braun. Alle genannten Persönlichkeiten bekamen gleichsam ein Material-Paket (UN und DUISTsche UFO-Bücher) aus dem Hause des Ventla-Verlags überreicht. Als Folge kam natürlich keiner vorbei. Dr.von Braun ließ sich über das NASA Public Affairs-Büro entschuldigen, drückte aber seinen "ernsten Zweifel" und seine Skepsis an den Fliegenden Untertassen aus, insbesondere an der Kontaktler-Geschichte von Narciso Genovese, die man ihm mitübermittelt hatte und welches er zurückgehen ließ - und dies, so registriert man erstaunt, obwohl sein "Lehrvater" Oberth Vizepräsident der Organisation war, scheinbar wollte von Braun aber mit dessen UFO-Ideen nichts zu tun haben. Auch der Herr Bundeskanzler machte über eine Angestellte des Bundeskanzleramtes sein Desinteresse klar, als er die Einladung an den Bundesminister für wissenschaftliche Forschung weiterreichte, der dann rückmeldete: "Ich vermag Ihre Betrachtungsweise nicht zu teilen und sehe mich zu meinem Bedauern außerstande, Ihre Bemühungen zu unterstützen." Diese Türe war ebenfalls heftig vor der Nase der UFOlogen zugeschlagen worden!

In einer Pressemitteilung wurde für den 31.Oktober 1967 im Restaurant der Mainzer Liedertafel eine Pressekonferenz einberufen und hierzu Nachrichtenagenturen, Presse, Rundfunk und Fernsehen zum Thema "20 Jahre reale UFO-Forschung" eingeladen - sicherlich ein hochgestecktes Ziel, was allein schon wegen der esoterisch-weltanschaulichen IFOlogie der Vereinigung Problemfelder offenbart. Die Journalisten wurden eingeladen, a. die Pressekonferenz zu besuchen, b. den Kongreß vom 3.-6.November 1967 direkt zu begleiten, c. die Gelegenheit für Sonderinterviews z.B. in einer UFO-Fotoausstellung oder an Büchertischen etc zu nutzen. 80 Interviews wurden gezählt, 120 Reporter besuchten insgesamt die ufologische Veranstaltung. Zum UFO-Kongreß erschien auch die deutsche Version des von Frank Edwards verfaßten amerikanischen UFO-Bestsellers "Fliegende Untertassen - eine Realität", dessen Inhalt so verkauft wurde: "Das Gewicht der Beweise in diesem Band ist überwältigend." Als besonderes Schmankerl wurde für die Presse Colman VonKeviczky aus New York vorgestellt, der als Direktor des "Interkontinentalen UFO-Forschungs- und Analysierungsnetzes" (ICUFON) ein Institut unterhalte und Verfasser des "Internationalen Weltraum-Sicherheitspaktes" in UFO-Fragen war.

Hiernach wurde die Fotoausstellung eröffnet und die UFOlogen führten die Presse-Vertreter (inzwischen durch gereichte Cocktails gestärkt) mit Erläuterungen und Erklärungen, Statements und ernstvorgetragenen Ausführungen hindurch. Zahlreiche Bildreporter machten dabei Aufnahmen, schelißlich stand die Aktion unter dem Leitspruch: "Internationale Verständigung - Globaler und universaler Friede - Interplanetarische Freundschaft - Kosmische Konförderation". Zudem gab es ein "Sonderpostamt" mit dem ersten UFO-Sonderstempel, Sondermarken und Sammler-Umschlägen für Freunde der ufologischen Philatelie. In der Begrüßungsrede zur Eröffnung der Veranstaltung erfuhr die Öffentlichkeit mehr über die ufologischen Honoratioren der DUIST: So gehörten zum Beirat der Organisation die Freifrau Hela Baronin Zandt und der Fabrikant Otto Mees. Karl Veit stellte in dieser Ansprache auch fest, daß die "UFOlogie keine neue Religion" ist, wie man hier und da in den letzten Jahren lesen konnte, sondern eine "physikalische und darüber hinaus eine supraphysikalische Angelegenheit" - und damit "kein Religionsersatz". Ein schwacher Einwand, wenn man die UN sowie die VV-Werke gelesen hat und die Veit´schen Worte hörte.

Ilse von Jacobi hielt als Leiterin der DUIST-Gruppe München eine Besprechung des Edwards-Buches in Vortragsform, um hier auch zu verkünden, "daß die US-Regierung seit vielen Jahren eine verunglückte Fliegende Untertassen mit toten Planetariern in Glassärgen im pentagon aufbewahrt, die bereits Präsident Eisenhower besichtigte, um kurz danach sein gewaltiges Weltraumforschungs-Programm anlaufen zu lassen". Hiermit war die Gemeinde auf diese besondere Legende der UFOlogie bereits eingeschworen worden. Kein Wunder, wenn der Fall Roswell etwa 15 Jahre später so einschlug. Hermann Oberth hielt einen Vortrag mit dem Titel "Die Notwendigkeit der UFO-Forschung", worin er sich auf Niederschriften eines Mediums bezog. In der anschließenden Diskussion fragte Erich von Däniken (!): "Herr Prof.Oberth, zu meiner Verblüffung hörte ich gestern in einem Vortrag von Dr.Martin, daß die Rückseite des Mondes Wasser und Luft habe. Wie stehen Sie als qualifizierter Wissenschaftler zu dieser Frage?" Oberth unterlief seinen Kollegen mit der Antwort: "Rein physikalisch halte ich das nicht für möglich." Karl Veit sprang aber sofort ein und rettete Martin: "Nach unserer Meinung hat der Mond hinten eine Luftschicht und damit auch die Möglichkeit ganz anderer Verhältnisse als auf der Vorderseite..." Doch Oberth blieb dabei: "Die geringe Anziehungskraft des Mondes kann das Gas gar nicht festhalten..." Ein durchaus interessanter Disput zum 20.Jahrestag "realer UFO-Forschung". Und tatsächlich, Erich von Däniken hatte hier mit dem Vortrag "Erhielten unsere Vorfahren Besuch aus dem Weltall?" seinen ersten großen, öffentlichen Auftritt! Bereits hier verkündete er, daß der ECON-Verlag sein Erstlingswerk, Erinnerungen an die Zukunft, 1968 herausbringen werde, so gesehen hatte von Däniken hier also seine Saat ausgebracht. Ein weiterer Höhepunkt der Konferenz war die Vorführung des United Artists-Films U.F.O.- The Truth About Flying Saucers am Samstag, den 4.November 1967, in den beiden Filmtheatern "Gloria-Palast" und "Film-Palette", die 800 Menschen hierzu aufnahmen - 200 mehr als die Teilnehmer des Kongreßes ausmachten. Dies war die Uraufführung in Deutschland dieses nicht-synchronisierten Filmes von 91 Minuten Dauer.

Dr.Kurt Kauffmann-Grinstead hatte mit seinem Vortrag "Praktische Empfehlungen für künftige Kontakte mit Insassen von UFOs" als Einziger die allgemeine Ablehnung des Publikums erfahren, weswegen auch sein Beitrag auf wenige Zeilen zusammengefaßt in dem Dokumentarbericht "7.Internationaler Weltkongress der UFO-Forscher in Mainz 1967", Ventla-Verlag, aufgenommen wurde. Nur ein paar Sätze wurden aus dem Vortrag verwendet, die aber dennoch höchst bedeutsam sind, auch wenn man den Rest zensierte (was uns gerade neugierig auf das Gesamtreferat macht, welches wir aber trotz aller Bemühungen nie erhielten): "Aus dem, was in den letzten zwanzig Jahren auf unserem Planeten beobachtet worden ist, zweifelsfrei und bestimmt zu schließen, daß UFOs Raumschiffe von anderen Planeten sein müßen, halte ich für absolut unverantwortlich und verfrüht. Frank Edwards ist ein kluger, aber auch ein sehr sensationslustiger Journalist. Die US-Offiziere, die in verantwortlicher Stellung stehen, haben keinerlei Anlaß; niemand zwingt sie, eine Art geheimverschwörung einzugehen, um das arme Publikum in Amerika vor Schreck zu bewahren. Das sind Hirngespinste, aber keine Wahrheiten. Im prinzip besteht keine Knebelung der öffentlichen Meinung und es existiert keine geheime Verschwörung, die Wahrheit irgendwie zurückzuhalten." Allein diese paar Zeilen beinhalten ufologischen Sprengstoff höchster Brisanz in der genannten Runde: Spontane Äußerungen der Ablehnung kamen auf, stärkstes Mißtrauen gegenüber dem Redner erklang. Veit sprang auf und erklärte ihm gegenüber: "Ihre Behauptungen widersprechen vollkommen den Tatsachen wie sie z.B.Frau Ilse von Jacobi ausführte." Oberth schaltete sich ebenfalls ein und erklärte widersprechend den Worten Kaufmann-Grinstead´s: "Wenn die amerikanische Luftwaffe die Stirn hatte, wieder zu behaupten, es läge noch kein einziger beweisbarer UFO-Bericht vor, so kann ich nur sagen: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht."

Auch auf dieser Veranstaltung gab es zu Ende einen Beschluß, der zu einer "weltweiten Proklamation" erhoben wurde und via Einschreiben am 132 "höchste Staatsstellen" in aller Welt abging: Mittels der UNO wurde gefordert, daß man die "offiziellen Kontakte zwischen den Vertretern außerirdischer Mächte, die unseren Globus und seinen Umkreis erforschen, und den Vertretungen unserer Länder" herbeizuführen habe, wozu man von den Vereinten Nationen die "moralische, geistige, finanzielle und sonstige Unterstützung und Hilfe" einforderte. Einen ersten Schritt tat man dann auch mit der "Stiftung Zentralgebäude der IFO-Forschung", welches als Forschungs-Institut für Astronomie und Astronautik, Observatorium und als Gebäude der Infrastruktur für die UFOlogie mittels Druckerei, Konferenzräumen, Kongreß-Räumlichkeiten, Archiv, Redaktion und Meditations-Turm sowie angeschlossenem "offiziellen UFO-Landeplatz" und Begrüßungs-Halle dienen sollte. Förderer und Gönner dieser Idee wurden aufgefordert, mit Spendenmitteln hierfür beuzutragen. Bereits am 24.September 1967 hatten sieben Personen mit einer ungenannt gebliebenen Grundsumme das Projekt "konstituiert". Hierzu wurde sogar bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank ein Sonderkonto eingerichtet. Am 5.Dezember 1967 antwortete A.H.Abdel-Chani als Chef der Outer Space Affairs Group an den UN, daß er nochmals daran erinnern mußte, daß das Thema der UFOs "niemals ein Punkt der Tagesordnung des Aussschußes für die friedliche Nutzung des Weltraums bei den Vereinten Nationen gewesen ist", zudem sehe er keinerlei Grundlage, dieses Thema zum Tagesordnungspunkt zu machen und angestrebte internationale Bemühungen, wie in Mainz verabschieded, zu unterstützen. Auch diese Tür fiel vor den ufologischen Nasen zu. Von den 132 ausgeschickten Papieren wurde der Eingang dieser nur von 13 Stellen "dankend" bestätigt - ohne irgendwie auf den Inhalt einzugehen.

Die Welt war immer noch nicht reif für die UFO- oder IFOlogie der DUIST, Karl Veit sprach sonach von einer "zur Schau gestellten eklatanten Unkenntnis über die Realität von UFO-Phänomenen einschließlich ihrer globalen Bedeutung", die sein Verein einer ganz bestimmten Auslegung zumißt. Die Medienberichterstattung wurde so auch als "absolut mißlungen" bezeichnet, weil in "dreister Anmaßung" die von "Ignoranz" getragenen Erklärungen der Behörden eher vertraut würden, als die Feststellungen der UFOlogen. Und nun einige der "schmutzigen Artikel in den Zeitungen, die die UFO-Forschung mit ihrem lächerlichen Klimbim herabzuziehen suchten" und mit denen "die Pressefreiheit in negativer Weise ausgenutzt wurde":

"Landeplatz für Besucher aus dem All gesucht", so die Schlagzeile des ´Mannheimer Morgen´ vom 3.November 1967 zu einer UPI-Meldung über den Weltkongreß der UFO-Forscher in Mainz. Hier hatten sich als die "Berufsgläubigen in Sachen Fliegende Untertassen" unter dem Vorsitz von Karl Veit getroffen, "Chef eines monatlich erscheinenden Aufklärungswerks über Planetarier und ihre Bedürfnisse" sowie "zur Verbreitung der Wahrheit über Weltraumschiffe". Ein DUIST-Vorstandmitglied wird zitiert, daß es in Amerika zur Gewohnheit geworden sein, Flugobjekte nicht von dieser Erde zu sehen, "in Deutschland ist es schwieriger, sie zu Gesicht zu bekommen. Das Wirtschaftswunder hat die deutsche Mentalität kaputtgemacht." Die Flieger der "interplanetarischen Flug-Objekte" kommen jedoch den Wünschen und Erwartungen der rund 5.000 organisierten deutschen UFO- und IFO-Freunden nicht entgegen, oder wie Colman von Keviczky, seines Zeichens Direktor des Ein-Mann-Unternehmens "Internationales UFO-Netz-Projektes" in New York, in Mainz sagte: "Diese Planetarier-Menschen suchen eine Nation mit gutem Herzen." Der temperamentvolle Ober-UFOloge aus Amerika ist ein Träumer vom "interkontinentalen Institut für UFO-Forschung und UFO-Analysen" auf einem "international als exterritorial garantierten Territorium" mit einem offiziellen Landeplatz für Raumschiffe von anderen Planeten. Dafür stimmte in einer entsprechenden "weltumfassenden Petition" das Auditorium beim siebten UFO-Weltkongreß, dazu zählte auch der "Vater der Weltraumfahrt": Professor Hermann Oberth, der Lehrer Wernher von Brauns, der hier "als Schild gegen Lächerlichkeit verwendet" wurde. So z.B. in der Rheinischen Post vom 29.3.1978 in einem ufologischen Verteidigungsbrief durch den Architekten Albert Dominicus aus Remscheid, wo er gegen Kaminski aus Bochum argumentierte, das wohl auch der namhafte Wissenschaftler und bekannte "Vater der Raumfahrt", Prof.Dr.Dr.H.Oberth, zur Schar der "sogenannten Schwachsinnigen" gehöre, wie Kaminski die UFO-Gläubigen in einem Beitrag vom 23.März 1978 genannt hatte. Interessanter Weise hatte bereits der STERN in Heft 44/1954 zu Oberth angemerkt: "Er vertritt diese Ansicht auf all seinen Vorträgen. Wahrscheinlich weil er hofft, daß dadurch das Interesse der Öffentlichkeit an seinen teuren Raumfahrtplänen geweckt wird." Oberth-Schüler Wernher von Braun hörte nicht auf seinen geistigen Ziehvater und dürfte ihn mit der Aussage "Das Gerede von Fliegenden Untertassen ist albern!" düpiert haben.

Für die versammelte ufologische Gilde war "das UFO-Problem ernster als der Krieg in Vietnam", "denn die Weltraumschiffe von anderen Sternen halten sich nicht an die Flugregeln, die die Nationen dieser Welt aufgestellt haben [erst ab 1989, als im Spätherbst jenes Jahres die ostbelgische Welle mit Fliegenden Dreiecken losging, besaßen die vorgeblichen Weltraumschiffer irdischen Vorschriften gemäße rote Anti-Kollisionslichter in ihrer Mitte - genauso wie nächtliche Flugzeuge sie besitzen müßen]. Diese Flugobjekte erscheinen über Forschungsgeländen, über Atom- und Raketenbasen. Wenn Düsenjäger die Verfolgung aufnehmen wollen, sind sie bereits über alle Berge [damit bezieht sich die Wiesbadener Gemeinde auf einen Observationsbericht ihres dänischen Freundes H.C.Petersen, der bei Nebel einmal Radar-Engel ortete und daraufhin eine Jagdflugzeug-Aufklärungsmission startete, wobei die Piloten an Ort der angezeigten Ziele nichts vorfanden]. Außerdem fliegen diese Weltraumschiffe manchmal so tief, daß sie den normalen Flugverkehr über der Erde gefährden." Daß es noch zu keiner entsprechenden Übereinkunft zwischen den Planetariern und den Regierungen der Länder der Erde gekommen ist, liegt nach Ansicht Veits daran, daß die Feindseligkeiten der Erdbewohner gegen die Planetarier zu groß seien. Veit hofft, daß bei zunehmender Friedfertigkeit der Menschen auf dem Erdball eine Verständigung mit den Planetariern möglich sein werde - womit das UFO-Phänomen einmal mehr in den Verantwortungsbereich des Menschen geschoben wird und unbewußt sich die UFOlogie damit ein Eigentor schoß, weil sie ansonsten ja immer die Externigkeit der UFOs vom Menschen hochlobt.

Wie auch immer, bis sich die Außerirdischen wahrhaft einer friedlichen Menschheit unmißverständlich zeigen, wird die staunende Weltöffentlichkeit noch auf die Berichte "Eingeweihter" angewiesen sein. So z.B. auf die Erkenntnisse des "englischen Privatastronom Cedrik Allingham, der mit eigenen Augen die Landung eines vom Mars gestarteten Raumschiffes gesehen und mit einem Planetarier ein Gespräch geführt haben" will. Bei der Unterredung in Zeichensprache gab ihm der Mars-Mensch zu verstehen, daß er vom "vierten Kreis um die Sonne" komme. Das ist die Bahn des Mars. Was die Menschen damals aber auch noch nicht wußten, ist die Tatsache, daß die Allingham-Story von dem exzentrischen britischen Star-Astronom Patrick Moore erfunden und in Szene gesetzt worden ist und damit sicherlich kein Beweis für den Kontakt sein kann.


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