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13.10.2007 |
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Historisch: Die neuere deutsche UFO-TV-Geschichte...Teil II: UFOs als Thema: Die öffentlich-rechtliche Irritation! Das Vorspiel zur ARD-UFO-Show 1994
Dies war uns wert, eine Pressemitteilung auszuschicken, die auch verschiedentlich aufgegriffen wurde. So auch von der ´Abendzeitung´ am 5.November 1992: "UFOs uferlos. Es ist nicht alles UFO, was unbekannt am Himmel fliegt. Vor einer UFO-Hysterie warnen die Forscher des Mannheimer Instituts CENAP, das außergewöhnliche Himmelsphänomene untersucht." Am selben Tag dagegen machte BILD es wieder auf, was die Menschen so gerne lesen: "Verfolgungsjagd mit einem UFO". Der Grund für diesen Bericht war eine an jenem Abend auf BR3 ausgestrahlte UFO-Diskussion in der Talkreihe "Check-in live". Dort berichtete das MUFON-CES-Mitglied Gerd J.Geiz aus Mülheim von seiner Beobachtung während der belgischen UFO-Welle bei Eupen: er hatte eine orange-weiße, flimmernde Kugel am Himmel gesehen. Weitere Teilnehmer der Runde: Illobrand von Ludwiger (der gerade ein paar Wochen vorher beim Verlag ´Zweitausendeins´ das Buch "Der Stand der UFO-Forschung" herausbrachte, wo der Autor aus dem CENAP das "Zentrale Erfassungsnetz für Anomale Phänomene" machte und die sogenannten "solid lights" als ein "häufig beschriebenes Phänomen" darstellte - weder stimmte der ausgeschriebene CENAP-Name noch sind die soliden Lichter als solider Bestandteil von UFO-Berichten zu verzeichnen), MUFON-CES-Gründer; "Dr." Johannes von Buttlar (ehemals J.Busacker); Prof.Dr.Gerald Eberlein, Soziologe; Prof.Rudolf Kippenhahn, Astrophysiker; Herr Schulte, Therapeut und MUFON-CES-Mitglied. Ein sachkundiger und skeptischer UFO-Ermittler war weit und breit nicht zu sehen, auch wenn Prof.Eberlein sowie Prof.Kippenhahn die Funktion der UFO-Skeptiker besetzten. Hier bekam das Publikum nochmals den Greifswald-Film vorgeführt, weil die Leute doch noch mal sehen wollten, wie das Phänomen ausschaut. Gleichsam erschien am Kiosk in Massenauflage das Billig-Schmuddelblatt ´Praline´ mit ihrer Nr.46. Die angeblich "junge Illustrierte" griff sich neben den Themen "Ohne Höschen zur Party", "Lustgeräte für schärferen Sex" oder "Dunja lernt französisch" auch das UFO-Thema: "Der Beweis, daß es sie wirklich gibt: UFOs vom Space Shuttle gefilmt" Damit wurde der Film von Bord der Discovery einem breiten Publikum bekannt und ein Bild abgedruckt, untertextet mit: "Ein UFO im Anflug auf die Erde. Es weicht blitzschnell aus, wird von einer Rakete von der Erde aus angegriffen. Sollte das UFO vernichtet werden?" Dann verschwindet der Besucher von einem anderen Stern in den unendlichen Weiten des Weltraums.
"Trübe Tassen" war der Text von Bernd Harder in ´Weltbild´ Nr.24 vom 13.November 1992 übertitelt, in welchem die Holbe-Reihe kritisiert wurde: "Ernsthaft und seriös wollte Rainer Holbe auf Sat1 ´Phantastische Phänomene´ präsentieren. Es blieb allerdings bei der vollmundigen Ankündigung... Doch nach vier Folgen der Reihe muß sich Holbe die Frage gefallen lassen, wieviel er selbst eigentlich von seinen ´Phantastischen Phänomenen´ versteht. Die Sendung zu UFO-Phänomenen etwa offenbarte wenig mehr als die völlige Ahnungslosigkeit des Moderators: Die Untertassen, die Holbe steigen ließ, haben nämlich ohne Ausnahme einen Sprung. Die Himmelserscheinungen über Belgien vor zwei Jahren sind längst ebenso geklärt wie die ´UFOs´ von Gulf Breeze in den USA... Und daß sich in Amerika Hunderte von Menschen von UFOs entührt wähnen, mag für Holbe ´erstaunlich´ sein - jeder Psychologe indes kann solche Halluzinationen als eine extreme Form subjektiver Problembewältigung erklären. Jeder außer Dr.Elmar Gruber. Denn der ´wissenschaftliche Berater´ ist offenbar nur dazu da, die ´Phantastischen Phänomene´ baß erstaunt zur Kenntnis zu nehmen. Und wieder einmal ist eine Serie um Übersinnliches ohne jeden Widerstand im trüben Esoterik-Sumpf versunken."
RTL blieb bei der Sat1-Offensive nicht zurück und startete am 2.November 1992 in der Reihe "Explosiv - Das Magazin" eine UFO-Alien-Woche. An jedem Tag gab es einen thematischen Beitrag. Begonnen hatte es mit einem völlig Verriß der Ed Walters-Schwindelfotos entlang der CENAP-Argumentation. Doch da es keine Abstimmung in den einzelnen Redaktionen des Kölner Senders gab, konnte in der RTl-Serie "Ungelöste Geheimnisse" vom 9.Februar 1993 genau der selbe Fall "nach unserer Recherche" als großes Geheimnis durchgehen, für welches es überhaupt keine Erklärung gibt. Bei dem verwendeten Beitrag handelte es sich aber um eine inzwischen abgestandene alte Folge vom Oktober 1988 der US-Serie "Unsolved Mysteries". Obwohl angeblich für "Ungelöste Geheimnisse" unheimlich viel recherchiert worden ist, zeigte sich dadurch das alte Phänomen, welches uns weiterhin begleiten wird: Nach bestem Wissen und Gewissen wurde eben doch nicht recherchiert. Kein Wunder wenn fauler Zauber dann weiterhin ein "ungelöstes Geheimnis" bleiben muß.
Am 17.Dezember 1992 wagte sich Ulrich Meyer in der Sat1-Reihe "Einspruch" an das UFO-Thema. Eigentlich sollte auch mindestens ein CENAP-Vertreter an der Gesprächsrunde teilnehmen, doch da Meyer bereits als Moderator bei RTL und der dortigen Sendung "Heißer Stuhl" auf Intervention Johannes von Buttlar den CENAP-Mitarbeiter Rudolf Henke umgehend ausladen ließ, war auch dieses damit zu rechnen, keinen CENAP-Vertreter vor der Kamera zu sehen. Genauso kam es dann auch. Obwohl die verantwortliche Redaktion nach und nach WW und Henke eingeladen hatten und noch die letzten Details geregelt werden sollten, hörten wir nie mehr etwas von Meyer´s Leuten... So fehlten mal wieder die schärften und sachkundigsten (CENAP-) Kritiker. Wie auch immer, zumindest unser Kollege Ulrich Magin (der kurz zuvor sein Buch "Von UFOs entführt" veröffentlicht hatte) war neben Heinz "Katastrophen" Kaminski ("einer der bekanntesten Astronomen Deutschlands") und dem Altertumsforscher Eberhard Zankker vertreten. Daß es hier mal wieder nicht um Ausgewogenheit ging belegte sich zudem durch den Umstand, daß auch unter den Zuschauern kein einziger Kritiker gestreut war, diesen Platz nahmen Michael Hesemann, der "Außerirdische" Gerd Burde und der Amerikaner Bob Oechsler ein. In der Arena selbst machten die Pro-UFO-Vertreter Johannes von Buttlar, die Kontaktlerin Adele Holzer und Erich von Däniken ("Ich bin kein UFO-Mann") die Show auf.
Als erstes erklärte sich Burde, der seit seinem 28 Lebensjahr weiß, ein Wesen von "antarischer Herkunft" zu sein, weil er entsprechende mediale Eingaben bekommen hatte. Hier habe er erfahren, daß die Außerirdischen kurz vor einem offenen Kontakt ständen, dazu haben sie ihn beauftragt, einen weltbewegenden UFO-Film zu produzieren, um die Menschheit auf das Kommen der ETs vorzubereiten. Er nutzte das Forum auch später um für seine "weltweit verkaufte" Produktion von drei Videobändern zu werben. Frau Holzer präsentierte sich überstark geschminkt mit welligen, wirr herabhängenden blonden Haaren in einem Astronauten-Look mit silbergläzender Metallig-Jacke. So erzählte sie ihre bekannte UFO-Geschichte wohl eingeübt. In Folge ihrer Sichtung eines UFOs bei Burghausen habe sie den Eindruck gehabt von nicht-sichtbaren UFO-Insassen kontaktiert worden zu sein, die vom ehemals paradiesischen Planeten Phaeton kamen, auf dem Frau Holzer selbst in einem früheren Leben wohnte und als Astrophysikerin arbeitete, wie sie durch eine Hypnose-Regression erfuhr. Kaminski fragte nach, wo dieser Planet sich befinde und Holzer nannte dafür die Position zwischen Mars und Jupiter, was Kaminski natürlich nicht glauben konnte und Widerspruch erntete. von Buttlar wischte die Story von Frau Holzer weg und griff sich dafür Kaminski, weil dieser sich kritisch über Leben im All aussprach. Erich von Däniken dagegen verteidigte die Phaeton-Hypothese.
Auf Drängen des Moderators schilderte von Buttlar kurz seine eigene UFO-Sichtung im Alter von 16 Jahren über Australien, als er eine 40 cm große Scheibe herabkommen gesehen hatte. Während er für eine objektive Sichtung in Anspruch nahm, wies er in Hinblick auf Holzer auf den subjektiven Charakter derartiger Berichte wie von ihr hin. Zankker berichtete dann von seiner Troja-Atlantis-Hypothese und glaubte nicht, daß die UFOs extraterrestrische Phänomene sind. Meyer fragte hierbei von Buttlar, wie es denn nun mit den Geschichten von abgestürzten und geborgenen Fliegenden Untertassen stehe, die er in seinen Büchern beschrieben habe. Dies wies der Angesproche aber zurück: "Das habe ich nicht geschrieben..." Aber er wies darauf hin, daß bei CNN 350 Zeugen des Roswell-Vorfalls ausgesagt hätten. Er erwies sich jetzt recht ausweichend und wollte keine klaren Positionen einnehmen, dafür warf er den Skeptikern vor, nicht gut genug informiert zu sein, wenn sie ihn oder die UFO-Bewegung kritisierten. Kaminski konterte mit dem Argument, daß bisher keine UFO-Fotos von Astronomen gemacht wurden, womit von Buttlar sein Spiel hatte. Er widersprach nachdrücklich und nannte Prof.Kippenhahn, dem er nach der BR3-Talkshow und von Ludwigers Buch "Der Stand der UFO-Forschung" unterschob ein UFO-Foto zu besitzen. Kaminski nannte all die Geschichten über bevorstehende UFO-Landungen als Spintisiererei und einen gigantischen Spaß des Publikums. Der UFO-Aberglaube sei Opium für das Volk, wofür er donnernden Publikumsapplaus erhielt.
Der neben mit vor Stolz geschwellter Brust im Publikum sitzende M.Hesemann wurde so von Bob "Was-ist-schon-schlecht-daran-mit-UFOs-ein-paar-Scheine-zu-machen" Oechsler angesprochen, der damit seinen großen Deutschland-Auftritt erfuhr. Meyer stellte ihn als ehemaligen NASA-Techniker vor, der am Bau von Raumschiffkupplungen und an der Konstruktion des Space Shuttle-Greifarms beteiligt gewesen sein soll. Wie er aussagte seien die Beweise für den Absturz einer Fliegenden Untertasse in Neu Mexiko "ziemlich klar", ja es sind sogar zwei Untertassen damals abgestürzt, die durch Attacken der Luftwaffe bedrängt, zusammengestoßen sind und deswegen in einem Unfall herabfielen. Die eine wurde völlig zerstört und die andere wurde intakt von der US-Luftwaffe geborgen. Als Folge hätte das Pentagon eine Antigravitations-Kammer bauen können. Seine Quellen sind die anonymen "hohen Geheimdienstleute". Inzwischen wisse "man", wie die UFOs fliegen. EvD danach befragt, hielt sich aus dieser Debatte raus. Magin blieb nur eine ironische Bemerkung übrig. Buttlar dagegen gestand ein, davon überzeugt zu sein, "ich weiß, daß es komisch klingt", daß wahrscheinlich ein Teil der Mikrochip-Technologie auf die Auswertung von ET-Technik zurückzuführen ist! Dies könne er sagen, weil er sich schon seit 30 Jahren mit den UFOs beschäftige, eines der größten UFO-Archive besitze und daher eine Reihe von Indizien und sogar "einige Beweise" habe und wenn dann noch ein "NASA-Spezialist" wie Oechsler all dies bestätigte, sollte dies doch auch richtig sein. Kaminski nannte von Buttlar Darlegungen einfach "Erzählungen" und bezweifelte die Seriosität seiner Informanten aus den USA, wo man in Geldfragen eine ganz andere Mentalität besitzt - auch dafür gab es extra-starken Applaus. Und als er dann auch noch davon sprach, daß es Personen gäbe, die sich manchmal für "gewiße Narreteien" hergeben, erntete er von Buttlar ein empörtes "Oi, oi, oi...!"
Ulrich Magin wurde der Diskussion dann langsam überdrüssig, weil Meyer von Buttlar wegen des Abdrucks des sogenannten EBE-Fotos fragte und dieser sich damit herausredete, und griff von Buttlar frontal an, indem er ihn vorwarf, immer nur im Konjunktiv (= Möglichkeitsform) vor der Kamera zu sprechen ("Das könnte sein", "Das ist möglich" usw), während das EBE-Foto im Buch "Drachenwege" (1990) aber definitiv als Roswell-ET-Bild ausgewiesen worden ist (Originaltext: "Der tote EBE im Leichensack auf einer Bahre..."). Buttlar ruderte heftig und sei ganz unschuldig, weil er erst nach Veröffentlichung festgestellt habe, daß es sich hierbei möglicherweise um eine Puppe handeln könnte. Dieses neuerliche Konjunktiv war Anlaß für Magin nochmals nachzulegen, weil von Buttlar das Bild dann nochmals im Herbst 1991 in "Adams Planet" verwendete während seit Frühjahr 1991 defintitiv das angebliche Beweisbild eindeutig als Puppenfoto nachgewiesen worden ist! Dies ist ein Faktum, welches nicht weiter diskutiert wurde...
Meyer fragte dafür von Buttlar ob die USA und UdSSR geheime Abkommen gegen ETs beschlossen hätten. Dieser hielt dies durchaus für möglich, da es Hinweise auf geheime UFO-Forschungsprojekte in den USA und der UdSSR gäbe, die zur Feststellung gekommen seien, daß die UFOs außerirdische Objekte sind. Kaminski widersprach dem heftig und verwies darauf, daß die angeblichen UFO-Spuren von Woronesch sich als negativ erwiesen haben - von Buttlar einfach so: "Das stimmt nicht. Wollen wir mal Michael Hesemann zu Worte kommen lassen?" Damit kam der Jung-UFOloge ins Spiel, eine Hand wäscht unter Freunden doch die andere. Dieser bemerkte nun mit irgendeinen Prof.Uvarov gesprochen zu haben, der die TASS-Geschichte bestätigte, genauso wie sein Kollege V.Ashasha. Alle seine Kontaktpersonen - darunter Mitglieder der Akademie der Wissenschaften - hätten die Geschichte bestätigt. Danach wurde der Carp/Ontario-Film aufgeführt, den von Buttlar kommentierte und als einen unkonventionellen Flugkörper vorstellte. Die Story wurde im Magazin 2000 Nr.91 erstmals vollständig hierzulande bekannt. Kaminski war hier auch etwas hilflos und so wurde Oechsler befragt und dieser betonte, daß dieser Film eine "authentische" Fliegende Untertassen-Landung zeige, obwohl man bei diesen Nachtaufnahmen mehr interpretiert als tatsächlich sieht. Oechsler weist darauf hin, daß der Film (mal wieder) "wissenschaftlich" untersucht worden ist und man an Ort ungewöhnliche Spuren von Titan fand.
In der ´Abendzeitung´ vom 19.Dezember 1992 gab es mal wieder TV-Kritik unter "Ponkie sieht fern...": Im Fernsehen erleben wir die ganze Spannbreite der Bedrohlichkeiten, die uns den vorweihnachtlichen Glitzerglanz des Jahres 1992 verdunkeln: einerseits die Neonazis (ARD) - andererseits die Außerirdischen (Sat1). Beiden ist nicht zu trauen. Nur: Um die Neonazis müssen wir uns selber kümmern - die Außerirdischen kümmern sich um uns (und rufen notfalls bei Sat1 an). Fatal wäre natürlich eine Kombination: Ein außerirdischer Neonazi hätte uns gerade noch gefehlt (die hiesigen würden ihn dann wegen galaktischer Rassenschande lynchen). Einspruch: Außerirdische. Die Anwesenheit eines echten Außerirdischen vom Planeten Antares, von Beruf Filmproduzent, wohnhaft am Chiemsee (mit 28 erleuchtet in Thailand, durch "Sichtungen von fliegenden Scheiben" und "mediale Kontakte" bestens informiert über die in Kürze bevorstehende Kontaktaufnahme außerirdischer Wesenheiten mit uns Erdenwürmern) - diese personifizierte UFO-Offenbarung brachte Ulrich Meyers Talk-Raumschiff "Einspruch" (Sat 1) mitten ins schwarze Loch, gleich hinterm Jupiter rechts um die Ecke. Die UFO-Spezialisten, behauptete Meyer, unterscheiden blonde, rothaarige, kleine graue und langnasige graue Aliens. Und eine Künstlerin aus Bayern wurde von ihren galaktischen Brüdern und Schwestern genau über ihr früheres Leben auf einem fernen Planeten informiert. Die naheliegende Frage an Herrn Meyer, ob er uns vielleicht, weil Advent ist und wir Nächstenliebe üben müssen, ein wenig, wie sagt man doch irdisch, verarschen wollte, verkneifen wir uns jetzt, sagen aber dem Astronomie-Professor von der Sternwarte Bochum Dank, daß er die Erleuchtung tapfer "Schwafelei" und "Opium fürs Volk" nannte. Kleiner Tip für Asylbewerber: Spock-Ohren ankleben und sagen, man komme von Pluto und werde dort von Milchstraßen-Skins verfolgt. Kontakt-Adressen: Ulrich Meyer und Erich von Däniken.
Unvergessen auch die Ausstrahlung des Zweiteilers "In der Gewalt der Außerirdischen" am 29. und 30.Dezember 1992 auf RTL, basierend auf Budd Hopkins Buch "Intruders". Die Ausstrahlung war so erfolgreich, daß der Film alsbald sogar als Band in den Videotheken auszuleihen war. Auf dem Bildschirm flackerten uns nun Reality-TV und Pseudo-Dokumentationen entgegen, um den grenzwissenschaftlichen Erfahrungsbereich des menschlichen Lebens zu erschließen. Dies alles wurde nun zu einem die Nation erfassenden TV-Trend. Massenwirksame TV-Sendung sind das Opium unserer modernen Zivilisation - Sex and Crime ziehen nicht mehr, ermüden sich und somit ist das Gruseln vor dem Alltag und seiner ungewöhnlichen Erfahrungen (=außergewöhnliche Phänomene) angesagt. Vor der Glotzkiste findet der Ausflug mit dem Unfaßbaren als Flucht vor dem grauen Alltag statt, um sich in der neuen Wirklichkeitsebene des Fernsehen mit den modernen Gestalten unserer neuen Alpträume herumzuschlagen. Die Zeit der Grauen war gekommen. Übersättigung ist sicherlich dabei auch ein beachtenswerter Punkt, welcher die Zuschauer in Pseudo-Dokumentationen und -Reportagen hineintreibt, sobald die SF Wirklichkeit wird. Im Zeitalter der Technologie und Bürokratie tun Wunder ganz gut. "In der Gewalt der Außerirdischen" wurde zu einer erschreckenden Projektionsfläche für Ängste und Weltfurcht im Space Age, um den Psycho-Kumpels und Schizo´s aller Art neue Konzepte für ihren Wahn zu geben. Tatsächlich begann damit auch das UFO-Entführungsphänomen in Deutschland richtig Fuß zu fassen. Bereits im CR 203 vom Februar 1993 hatte ich deswegen geklagt, daß die TV-Anstalten hier ihrer Verantwortung nicht nachgekommen sind und das Thema für sich laufen ließen, ohne es es sachkundig z.B. in Form von kritischen Beiträgen in Magazinsendungen zu begleiten. Ich fürchtete damals, daß diese Sendung ein Dammbruch bedeuten würde - und tatsächlich war es auch so.
Die ´Frankfurter Rundschau´ vom 31.Dezember 1992 schloß das UFO-Jahr dann mit dem ganzseitigen Artikel "Ein paar UFOs sind echte Rätsel/´Fliegende Untertassen´ sind meist erklärbar, aber zehn Prozent geben zu denken" von Redaktionsmitglied Peter Holle ab. Hier griff er den Fall Messel vom März 1982 auf und ließ Andreas Schneider (24) aus Gravenbruch zu Worte kommen (obwohl dieser inzwischen bereits an AIDS verstorben war), der so im Schnitt alle zwei Monate von Außerirdischen besucht werde, die vom Planeten Ummo kämen. Alsbald kommt die FR zu Rudolf Henke als Fachbereichsleiter der GWUP und dem Mannheimer CENAP. Illobrand von Luwiger, Diplom-Physiker aus München, sah aber alles anders als die beiden vorgenannten Vereine und verwies auf die 100.000 Reports von UFOs aus aller Welt. Hiervon seien zehn Prozent nicht natürlich zu erklären und sie seien physikalische Objekte, intelligent gelenkt und in Wechselwirkung mit der Umgebung. MUFON-CES erforscht mit naturwissenschaftlichen Methoden das "Phänomen unidentifizierbarer Flugobjekte" machte er hier auf. Mehrfach sei den "15 Physikern, vier Mathematikern, drei Astronomen, zwei Chemiker, ein Biologe, ein Mineraloge, 16 Ingenieuren, acht Humanmedizinern, sieben Sozialwissenschaftlern" an fünf Universitäten, zwei Max-Planck-Instituten und in der Luft- und Raumfahrt diese Hypothese bestätigt worden und sie seien sicher, daß es hier keine Hirngespinste gäbe, sondern "neue, untersuchenswerte Phänomene" die sich mittels eines "hochkomplizierten Modell einer sechsdimensionalen Welt, wie es der Physiker Burkhard Heim in seiner einheitlichen Quantenfeldtheorie entworfen hat" erklären ließen. In einem Kasten mit der Überschrift "Kennen Sie meinen Freund Neser?" wurde sogar auf das im Frankfurter 2001-Versand erschienene Buch "Der Stand der UFO-Forschung" hingewiesen.
Gero von Randow nahm sich in der ´Zeit ´ 8.Januar 1993 dem "Unseligen Fernsehspuk" um "Geistheiler, Hellseher und UFOs" an, die jetzt wieder Konjunktur hatten. Zwanzig Jahre hatte Deutschland vor dem Übersinnlichen weitgehend Ruhe gehabt, als Charmeur und Filou Uri Geller einstmals im Fernsehen Besteck bog und behauptete, daß dies aufgrund übersinnlicher Fähigkeiten zurückgehe. Die BILD-Zeitung ehemals "Uri Geller verbiegt ganz deutschland". Nun ging wieder sein Geist um: Phantastische Phänomene, Unerklärte Geheimnisse und PSI brächten ihn wieder zurück. von Randow: "...In ´Einspruch´ (Sat1) tritt zur Freude des Oberufologen Johannes von Buttlar ein wiedergeborener Außerirdischer auf. Der esoterische Zirkus hat seine Lachnummern, bietet aber dennoch wenig Anlaß zur Freude. Der Fernsehspuk kommt nämlich als Wahrheit und Wissenschaft daher und könnte unheilvollen Ideologien die Tür öffnen. Etwa dem Wahn, wir alle würden perfekt manipuliert: von UFOs, TV-Hypnotiseuren, Satanisten, Geheimdiensten oder, was nicht fehlen darf, von Wissenschaftlern, die das Volk belügen..." Randow fragte sich, wie sich der Laie verhalten soll, wenn er nicht paranoid werden will, wenn ihm zur besten Sendezeit so ziemlich alles, was des Menschen verwirrbarer Geist ausdenken kann, für möglich oder gar für real verkauft wird?
Schließlich gilt nicht immer die Entenregel: Was schnattert, watschelt und aussieht wie eine Ente, das ist auch eine. "Manch komplizierte Wissenschaft klingt abwegig, simpler Humbug wirkt plausibel. Um so wichtiger wäre es, wenn sich endlich mehr Wissenschaftler dazu aufraffen könnten, den Obskurantismus öffentlich zu entlarven - und zwar nicht doktrinär, sondern mit ihrer schärfsten Waffe: der methodenstrengen Skepsis. Wer Aufsehenerregendes behauptet, dessen Daten und Schlußfolgerungen gehören in die Feuerprobe der wissenschaftlichen Kritik." Randow verwies hier auf das "Fähnlein Aufrechter, in erster Linie ein kleiner Verein namens Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften", eben die GWUP. Zusätzlich schrieb er als Forderung ins Blatt: "Und dürfen wir noch hoffen, daß sich in den Sendeanstalten verantwortungsbewußte Redaktionen finden, die den Unsinn sorgfältig auseinanderpflücken, gleichfalls zur besten Sendezeit? Es reicht jedenfalls nicht, in gedankenloser Ausgewogenheit neben jeden Spinner einen Alibiforscher zu plazieren, der dann brav versucht, das Gesagte aus dem Handgelenk zu widerlegen. Schwindler haben immer einen Vorsprung, denn Flunkern ist allemal leichter als Entlarven."
Doch auch eine Presseerklärung der GWUP, die z.B. am 11.Februar 1993 von der ´Offenbach-Post´ aufgegriffen wurde, half nicht: Wissenschaftler kritisieren "PSI". Die ARD-Reihe "PSI" verstößt nach Ansicht der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Paraphänomenen (GWUP) in Roßdorf gegen das Gebot der objektiven und ausgewogenen Information. Das Thema Okkultismus werde Moderatoren überlassen, die der Esoterik nahestünden ode rkaum Kenntnisse besäßen. So würden "billigste Darbeitungen als übersinnlich verkauft". Leider war dies im Zeitalter der Quote im black hole der mächtigen Fernsehmacher untergegangen, auch wenn jeder seriöse Rechercheur in Folge auf diese Kritik stoßen muß. Die Angst vor Quotenschwund geht um, wenn man den Menschen die Wahrheit sagt. Die Menschen lieben nun einmal den Mythos und nicht die Fakten. Dies erkannte Werner Walter schon etliche Jahre früher, als er sein Manuskript des 330seitigen Buches "UFOs über Deutschland" etwa 100 Verlagen angeboten hatte und dabei Erfahrungen wie aus dem nachfolgenden Beispiel machte. Beate Laura Menzel von der Sachbuchredaktion der Rowohlt Verlags GmbH in Reinbek schickte mit einem Schreiben vom 27.August 1986 das Manu zurück: "...ich habe mich inzwischen mit Ihren Plänen vertraut gemacht, muß Ihnen aber sagen, daß Rowohlt da nicht der geeignete Partner für Sie sein kann. Ich glaube gern, daß Sie interessante Informationen herausgefunden haben und daß Sie es als Ihre Pflicht ansehen, die immer wieder gläubigen UFO-Anhänger über den Wahrheitsgehalt dieser Phänomene aufzuklären. Nur, wollen diese das? ich denke einfach, daß viele Menschen irgendetwas Unerklärliches brauchen, um ihrem Leben eine gewisse Würze zu geben und deshalb nur ungern sich dieses Spielzeug wegnehmen lassen. Wir hatten seinerzeit ein ähnlich aufklärerisches Buch zu dem Thema ´Bermuda-Dreieck´ veröffentlicht, das sich als totaler Flop entpuppte, denn entweder, jemand glaubt daran, dann will er sich selten seinen Glauben zerstören lassen, oder aber er lehnt die Berichte sowieso als erdacht ab, dann wird er sich auch nicht weiter damit beschäftigen. Die wenigen, die darüber wirklich Aufschluß haben wollen, können leider eine Buchauflage nicht tragen. Deswegen schicke ich Ihnen mit Dank Ihre Unterlagen wieder zurück."
Hier wurde im Kern alles ausgesagt. Flops sprechen sich in der Medienbranche schnell herum, aber erst sollte 1996 die Sachlage sich wenden, als Werner Walter beim Heel-Verlag sein Buch "UFOs - Die Wahrheit" erfolgreich in 2.Auflagen rausbrachte, sodaß alsbald eine Bertelsmann-Buchclub-Version erschien und Goldmann gar daraus noch ein Taschenbuch machte. Doch weiter in unserer zeithistorischen Betrachtung über die UFO-Aufarbeitung im deutschen Guckkasten.
Sat1 startete dagegen nun mit der Serie "Auf den Spuren der Allmächtigen" gleich in den ersten Tagen des neuen Jahres durch und schon nahm sich ´BILD am Sonntag´ vom 10.Januar 1993 der neuen Serie wenig schmeichelhaft zur Premiere an: Erich v. Däniken: Noch ein Erleuchteter... Erst die "Phantastischen Phänomene" mit Rainer Holbe, nun wandelt Erich von Däniken (57) 25mal "Auf den Spuren der Allmächtigen". Noch ein Erleuchteter bei Sat1. Um seine Theorien über außerirdische Besucher auf der Erde zu belegen, geht der Schweizer auf Reisen: heute nach Ägypten zu den Pyramiden. Sat1-Sprecher Dieter zur Straßen: "Das Genre des Phantastischen rückt immer mehr in den Mittelpunkt." Auch bei der ARD. Ab 19.Januar läuft "PSI": sechs Folgen über Phänomene zwischen Himmel und Erde. Parallel einher brachte Michael Hesemann für sein großes Publikum die erste große UFO-Videokassette für die UFO-Szene heraus: "UFOs: Die Beweise" mit 45 Original-UFO-Filmen aus aller Welt. Ein Videoklassiker für die Freunde des Phantastischen bis heute. Am 5.Januar 1993 schickte uns die Firma "Komplett-Video" aus München ein Schreiben um auf eine Film-Dokumentation zum Thema UFO hinzuweisen, die man für die Reihe "Wissen auf Video" plante: "Der Schwerpunkt soll auf einer dokumentarischen Darstellung der bisher bekannten Phänomene und Beobachtungen liegen, wobei wir davon ausgehen, daß außerirdisches Leben - in welcher Form auch immer - grundsätzlich nicht auszuschließen ist. Unser Redakteur, Johann Eisenmann, wird sich in den nächsten Tagen mit Ihnen telefonisch in Verbindung setzen, um Einzelheiten zu besprechen. Wir würden uns über eine Unterstützung Ihrerseits sehr freuen." Daraus wurde dann aber nichts, da mal wieder die phantastischen Aspekte im Vordergrund standen und Aufklärung nicht gefragt war.
Uns war klar, daß da noch einiges auf uns zukommt, vor allen Dingen was die Nichtbeachtung des skeptischen Standpunktes betrifft. Im CR 203 (Februar 1993) formulierte ich es damals so: "Im Zuge von Reality-TV und Schock-Fernsehen ist hier wohl auch keine Veränderung zu erwarten, der Aufklärungs-Journalismus am Ende? Und die wissenschaftliche Dokumentation im Spülbecken der Historie?" Genauso sollte es auch kommen. EvD hatte zum Start seiner Sendung selbst erklärt, daß er die Zuschauer "in das herrliche Land der Fragezeichen und der Faszination" führten möchte und "nicht alles beweisen will" was er da von sich gibt. Zudem: "Wissenschaftlich will ich eigentlich gar nicht werden, ich möchte beweisen, daß es Dinge auf der Erde zwischen Himmel und Erde gibt, die wir heute noch nicht begriffen haben" und die das Werk jener sind, da da schon seit früher Steinzeit in unsere irdischen Geschicke eingreifen - eben die Allmächtigen, Götter oder Extraterrestrier. So versammelte sich also die gläubige Gemeinde alle 14 Tage zur Mittagszeit vor dem Fernseher, um Götter-Astronauten-Erich zu huldigen. Das herrliche Land der Fragezeichen kann nur deswegen faszinieren, weil man eben nicht wissenschaftlich wird und nichts beweisen kann, um die angeblichen geheimnisvollen Dinge zwischen Himmel und Erde zumindest in unserer Vorstellungskraft existieren zu lassen. Überaus bemerkenswerte Aussagen, wie wir meinen, da hierdurch alles zur nichtsaussagenden Beliebigkeit reduziert wird. Entsprechend fiel die Reihe dann als Multi-Media-Show (mit schönen Sphärenklängen und netten Computeranimationen) rund um das Produkt Erich von Däniken aus und wirkte als Reiseführer in die Welt des Phantastischen, um die millionenfach verkauften Bücher des Schweizers in bewegte Bilder zu fassen und damit ihren Inhalten neue Kraft zu geben. Sat1 setzte dem Mann ein Mediendenkmal.
Der Herbig-Verlag nutzte die guten Quoten für Holbe mit der Veröffentlichung eines "Sat1-Begleitbuches" (im Frühjahr 1993) von Rainer Holbe zu seiner Reihe "Phantastische Phänomene" mit dem Untertitel "Den grossen Rätseln auf der Spur". Versprochen wurde hier der "wissenschaftliche Hintergrund und Einstieg in eine faszinierende Welt". Geschickt wurde dabei der Start der 2.TV-Staffel genutzt, um das Buch unter die Leser zu bringen und die vorgebrachte barsche Kritik wurde in der Formulierung "aus Zeitgründen können in der Sendung die verschiedenen Live-Experimente und Reportage-Einspielungen wissenschaftlich nur kurz analysiert werden" umgangen, um der näheren und kritischen Beschau zu entgehen. Nett herausgeredet, um das Gesicht zu wahren. Am 16.März 1993 startete dann auf dem ARD-Kanal eine weitere "PSI"-Folge, worin die UFOs das Hauptthema waren. Wie die ´Leipziger Volkszeitung´ dazu am selben Tag schrieb: "Thomas Hegemann und Penny McLean werden sich in der fünften Folge mit einer der rätselhaftestes Erscheinungen unserer Zeit beschäftigen. In den Filmen und im Studio kommen Leute zu Wort, die davon überzeugt sind, daß sie Begegnungen mit UFOs und deren außerirdischen Besatzungen hatten. Skepsis dürfte erlaubt sein."
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