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26.08.2007


    
Sozialpsychologie: Erdbewohner und Aliens

Wir Menschen unter uns und unser Alien-Konflikt

Am 23.August 07 stellte Thomas Pany folgenden Artikel bei Telepolis unter http://www.heise.de/tp/r4/artikel/2... vor:

Erdbewohner und Aliens

Sozialpsychologie: Nicht Konflikte mit anderen, sondern der Wunsch nach Vertrauen und Sicherheit schaffen Zusammengehörigkeitsgefühle

Was hält Gruppen zusammen? Geht es nach einer weit verbreiten Vorstellung, so besteht der beste Kitt aus Angst, Abneigung und Rivalität gegenüber anderen Gruppen: Cowboys, Indianer, Muslime, Juden, Fleischesser, Vegetarier, Unterkirchheimer, Oberkirchheimer, Erdbewohner und Aliens helfen so gesehen dem jeweiligen Gegenüber beim Solidaritätspakt. In Wirklichkeit ist aber alles ganz anders, meint die amerikanische Psychologieprofessorin Marilynn Brewer. Diese Annahmen, die man auch in der Forschungsliteratur fände, würden von Fakten nicht unterstützt. Ganz im Gegenteil. Der gruppeninterne Zusammenhalt hänge nicht von einem Konflikt mit anderen Gruppierungen ab, so Marilynn Brewer, die sich in den USA einen Namen auf dem Gebiet der Erforschung von sozialer Identität und Beziehungen zwischen unterschiedlichen Gruppierungen erworben hat.

Jüngste Forschungsergebnisse würden anderes nahelegen als die Rede vom Konflikt, der Zusammengehörigkeitsgefühle schafft. Nämlich, dass sich Menschen Gruppen anschließen, weil sie dort einen Ort finden, der ihnen Vertrauen einflößt und Sicherheit gewährt. "Um es einfach zu sagen, wir bevorzugen Personen, die von unserer Art sind; Leute, von denen wir wissen, dass wir uns auf sie verlassen können. Das bedeutet nicht, dass man jeden anderen hassen muss, sondern dass man mit größerer Wahrscheinlichkeit Menschen aus der eigenen Gruppe vertraut", erklärt Brewer. Brewer zitiert jüngere Studien, die ergeben hätten, dass Menschen dazu neigen, selbst vollkommen Fremden zu vertrauen, wenn sie wissen, dass der Fremde dieselbe Universität wie sie besucht habe. Die Psychologieprofessorin schließt daraus in Abwandlung eines berühmten Beatles-Songs:

>All you need is to have that shared group identity<

Ein einfacher Schluss mit interessanten Implikationen für die Wissenschaftlerin. Da Menschen heutzutage über viele unterschiedliche Gruppenzugehörigkeiten verfügen - nationale Zugehörigkeit, religiöse, Interessengruppen, Universitätszugehörigkeiten, Wohnviertel, Nachbarschaften, Sportclubs etc. - , die sich teilweise überschneiden, könnte man das Vertrauen schaffende positive Gemeinsamkeitsgefühl, das in den Gruppen gebildet wird, dazu nutzen, um Grenzen zu überbrücken:

Wir beobachten in unserer Forschung, dass Personen, die mehrere Zugehörigkeiten haben und diese in komplexen, einander überschneidenden Arten erfahren und leben, Diversität tatsächlich besser akzeptieren können. Und so gegenüber anderen Gruppierungen mit anderen religiösen oder ethnischen Zugehörigkeiten mehr positive Gefühle haben. Dies legt nahe, dass es psychologische Mittel und Wege gibt, welche die Grenzen unserer kleinlichen Unterscheidungen zwischen denen, die drin sind, und jenen, die draußen sind, sprengen.

Eine Hoffnung, die im Widerspruch zu anderen Forschungsergebnissen steht. So hat der berühmte amerikanische Sozialforscher Robert Putnam jüngst festgestellt, dass die Hoffnung auf solche Brücken, die zwischen unterschiedlichen Gruppen gebaut werden können, in Gemeinschaften mit höherer Diversität zumindest auf kurze Frist leider nicht aufgeht: Die Menschen würden eben nicht aufeinanderzugehen: Sie ziehen sich zurück wie Schnecken. Wunschdenken also von seiten Brewers, die naiv nur die positiven Gruppenzusammengehörigkeitsgefühle im Auge hat? Nicht ganz. Brewers hat Schattenseiten durchaus im Blick, etwa dass Mitglieder einer Gruppe dazu neigen, sich untereinander gegenüber Mitgliedern anderer Gruppierungen zu begünstigen und jene zu diskriminieren.

Und sie stellt die Gefahr heraus, dass Menschen am Rand einer Gruppe, die selbst auch über kein sicheres Standing verfügt, am meisten darauf achten, dass Distanz zwischen den Gruppen gehalten wird, weswegen sie Animositäten gegenüber anderen Gruppierungen auch unterstützen würden. Eine Beobachtung, welche die Fremdenfeindlichkeit von manchen Zuwanderern erklären könnte. Was Brewer betont und von ihren Forschungsergebnissen bestätigt sieht, ist, dass der Konflikt nicht nötig ist, um eine positive Gruppenzugehörigkeit zu konstituieren. Konkurrenz und Konflikte über Ressourcen würden erst problematisch, wenn sich Menschen über ihre eigene Identität und derjenigen ihrer Gruppe unsicher werden.

Wie man daraus Kapital schlagen kann, um Konflikte anzuheizen, liegt auf der Hand. Aber wie sieht die andere, die gute Seite aus? Positive Identifikation mit der Nation, möglichst homogene Wohnviertel; Universitäten, Schulen, Arbeitsstellen, Freizeit-Clubs mit möglichst unterschiedlicher Zusammensetzung?

Nachsatz WW: Und hier - http://www.youtube.com/watch?v=5Xsy... - ein sehr schönes Beispiel in Sachen "UFO-Praxis". Was befremdlich am Himmel ausschaut und den ´perfekten UFO-Effekt´ auslöst, kann am Boden erstaunlich schlicht und einfach sein - wenn man darum weiß. Und dies ist der Punkt. Auch in den "Alien-UFO"-Diskussion.

Externe Links

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25986/1.html
http://www.youtube.com/watch?v=5Xsyem3KaJ8&NR=1

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