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22.05.2007


    
OCR 305 erschienen: Die Entwicklung des Untertassen-Mythos...

Die Geschichte der skandinavischen Geisterraketen und die ersten Tage des Untertassen-Zeitalters 1947

Es ist soweit, der Online-CENAP REPORT ist als pdf-Datei mit mehr als 120 Seiten ab sofort verfügbar: http://www.alien.de/cenap/cr305.pdf

Auszug:

Die Sichtungen von imaginären Flugobjekten in New Hampshire im Jahre 1917 lassen sich mit elementaren Theorien der Sozialpsychologie erklären. Die menschliche Wahrnehmung ist bekanntermaßen unzuverlässig und Fehleinschätzungen unterworfen. Dieser Effekt ist bei schlechter Sicht, z.B. beim Blick in den Nachthimmel, besonders stark ausgeprägt, denn eine Vielzahl atmosphärischer Effekte können zur Fehldeutung bekannter Objekte wie Sterne und Planeten etc führen. Die latente Anspannung der Bevölkerung angesichts des Kriegseintritts der Vereinigten Staaten und die Sorge vor feindlichen Agenten und Angriffen auf die strategisch wichtige Marienbasis in Portsmouth scheinen 1917 dazu geführt zu haben, dass undefinierbare Geräusche und natürliche Himmelsphänomene gemäß den weit verbreiteten Ängsten umgedeutet wurden. Die deutschen Phantomflugzeuge spiegeln die vorherrschende Gemütslage der amerikanischen Bevölkerung bei Kriegseintritt wider. Der Himmel wurde zur Projektionsfläche einer Art kollektiven Rorschach-Tests. Ein englisches Sprichwort sagt: "Sehen bedeutet glauben". Aber im Falle der Deutschen-Angst von New Hampshire muss man wohl sagen: "Glauben bedeutet sehen."

Und nun der Schlag durch Arnold, im Jahre 1947 - knapp zwei Jahre nach Weltkriegsende! Immer mehr Leute berichteten wie im Fall einer anschwellenden Lawine quer durch das Land von der Beobachtung dieser seltsamen Flugobjekte, bis Ende Juli 1947 waren aus 48 US-Staaten Berichte über die komischen Dinger am Himmel gekommen und eine Gallup-Umfrage vom 19.August 1947 zeigte auf, das bereits 90 % aller Erwachsenen von den ?Fliegenden Untertassen? gehört hatten (hier aber schätzte man sie noch als "Geheimwaffen" ein!), während bedeutend weniger jemals vom Marshallplan für den Wiederaufbau von Europa nach dem Krieg gehört hatten. Der Untertassen-Virus war also sehr schnell ausgebrochen und hatte einen Großteil der Amerikaner infiziert. Die Vorstellung um die Tassen bereitete in der Fantasie der Öffentlichkeit den Nährboden für die sich weiterentwickelnte Sage, um deren Nebenarme wie bei einer Krake man damals noch nichts ahnte (am Ende sollten Entführungen als "Quasi-Volksseuche" und die "Akte X" als Massenbegriff stehen). Das Militär setzte sich selbst unter Druck, weil es diese Erscheinungen nicht einordnen konnte, aber dennoch "irgendwie" für real hielt. Ein Fall geriet dabei hinter den Kulissen zum nationalen Interesse: nahe Silver Springs, Ohio, machte am 10.August gegen 21 h Lt.Col.Walker von der Army Air Force-Wissenschaftsabteilung ein Objekt aus, welches auf geradem Kurs von Nord nach Süd zog und einen schwachen Leuchtschweif hinter sich herzog. Das Objekt selbst sah für ihn wie eine Art Projektil von Leuchtspurmunition aus und nach einem kurzen Augenblick verglomm die Erscheinung mitten in der Luft. Als Fall 67 ist diese Geschichte in den Blaubuch-Akten abgelegt. Dass die Erscheinung ein Meteor gewesen sei wurde schon angemerkt, da der Beobachter aber das Wort von einem "raketenartigen Phänomen" hierfür verwendete, war das Militär deswegen hochsensibel geworden - und in Zukunft zuckte es immer wieder zusammen, wenn von "Raketen" die Rede war und man wußte, dass man sie selbst nicht abgefeuert hatte (die Lehren aus den skandinavischen Vorfällen hatte man auch noch nicht gezogen, vielleicht lag es aber auch daran, das man sich einfach keinen Fehler erlauben wollte und später den Vorwurf anhören müße, echte Raketen als Meteore fehleingeschätzt zu haben - eine durchaus heikle und brisante Sache also mit der die Verantwortlichen hier umgehen mußen und weswegen sie selbst unsicher waren und im Dunkeln herumstocherten). Die Frage stand damit klar im Raume: Waren die "Fliegenden Untertassen" eine Bedrohung der nationalen Sicherheit? Man wußte derweilen nur, was die Untertassen nicht waren und bei einigen Fällen klappte es mit der richtigen Fallbewertung nicht, da man hierzu einfach noch nicht die Kenntnisse hatte. Und am Nationalfeiertag, den 4.Juli, hatten die Untertassen nochmals verrückt gespielt und die Menschen geradezu narrisch gemacht (oder war es umgekehrt?). Die Marine deklarierte, dass sie "keine solchen Dinge" bei ihren Testgeländen für gesteuerte Raketen in Point Mugu noch bei den Inyokern-Anlagen in der Mojave-Wüste habe. So ließ Washington in einer 9.Juli 1947-UP-Meldung z.B. auch in der St.Louis Post-Dispatch verbreiten: "Das offizielle Washington ist sich heute sicher zu wissen, was die Fliegenden Untertassen nicht sind - aber es hat nicht die leichteste Vorstellung davon, was sie sind. Die Army Air Forces erklärte, sie werde die Sache weiter untersuchen. Vorläufige Studien haben ergeben, was die Fliegenden Scheiben nicht sind: 1. geheime bakteriologische Waffen einer ausländischen Macht; 2. neuartige Raketen der Armee; 3. Raumschiffe." Trotzdem, der Kalte Krieg nahm einen dramatischen Einfluss auf die Wahrnehmung des Untertassen-Problems auf die US Air Force, die gerade erst als eigenständige Waffengattung mit ihren eigenen Geburtswehen noch zu kämpfen hatte.

Nichtsdestoweniger brach das "Zeitalter der Fliegenden Untertassen" an und trieb teilweise die kuriosesten Blüten, weil alsbald die Meldungen viel zu viel wurden und man sich nun nicht mehr vorstellen konnte (auch nach entsprechend inzwischen veröffentichen Zurückweisungen durch diverse Militärs, Politiker und Wissenschaftler), dass die gesehenen Objekte im weiteren nur verborgen-gehaltene US-Geheimwaffen waren (für die Militärs in Amerika dagegen stand noch die Option sowjetische Geheimflieger offen!). Zu den zahllosen Kulturgütern, die unsere Welt der amerikanischen Zivilisation verdankt, gehört - neben der schwarzen, koffeinhaltigen Brause, der Tomatenwürzsoße und dem Cowboy-und-Indianer-Film -ein himmlisches Phänomen: das UFO (am Besten noch in Gestalt der chromblitzenden Fliegenden Untertasse). Durch Durchsetzungskraft eines Produktes misst sich daran, inwieweit es nicht nur die Metropolen, sondern auch die Provinzen erobert. Legt man diesen strengen Maßstab an, dann gehört das UFO-Phänomen zu den erfolgreichsten Exportartikeln der Neuen Welt. Es dauerte nämlich nur wenige Jahre, da wurden die Untertassen in den abgelegensten Winkeln des Globus gesichtet. Und bereits nach einem Jahrzehnt erschienen die ersten Untertassen - ihrer großen Beliebtheit in den USA und der entsprechenden Begleitberichterstattungen in der neuen deutschen Presse wegen - sogar über Wanne-Eickel, wenn man so will. Und zwar tauchte es auf in Gestalt eines Zigarettensammelbildbandes zum Thema "Fliegende Untertassen - ein Geheimnis geistert um die Welt" hier für jeden Raucher auf.

Neben den seltsamsten Legenden entstanden regelrechte Kulte um die "neue Himmelserscheinung". Okkultisten und Spiritisten begannen kräftig mitzumischen während die Öffentlichkeit sich immer mehr die Frage stellte: Wer fliegt in diesen Untertassen eigentlich umher? Die Hypothese, dass es amerikanische oder sowjetische Experimentalflugzeuge sein sollten, konnte mit zunehmender Meldedichte niemanden mehr überzeugen und erste Überlegungen und Befürchtungen in Geheimdienstkreisen, wonach man es hier mit Relikten nationalsozialistischer Wunderwaffentechnologie zu tun habe, war für die Massen ungefähr so glaubwürdig geworden wie die Theorie, die Welt werde insgeheim von buddhistischen Trollen aus Castrop-Rauxel regiert. Heutige (Nazi-)"Geheimwaffen"-UFO-Fans, die denken das Rad neu zu erfinden, werden also bereits durch die Historie in ihre Schranken verwiesen, aber sie wollen und können es nicht wissen, weil sie sich nicht mit der Geschichte befassen. Ignoranz und Aberglaube sind so einmal mehr eine übliche Mischung und dies führt zu schweren Wahrnehmungsverlusten. Kurzum: Wenn demnach die Welt selbst als Heimat-Hafen dieser Himmelserscheinungen ausschied, blieb nur der Himmel selbst als Herkunftsort übrig. Dieser war dank der modernen astronomischen Einsicht längst entgöttert und auf den neuesten Stand gebracht worden: Himmel war Weltraum, ein Raum voller Welten, und dass jene ferne Welten von intelligenten Lebewesen besiedelt sein könnten galt spätestens seit dem 18.Jahrhundert als ausgemachte Sache unter vielen Sachverständigen - und durch die in Amerika hochbeliebte Science Fiction war dies inzwischen super-popularisiert worden. Wir wollen hier nicht die wechselseitigen Abhängigkeiten und Beeinflussungen in der ´public image´ aus dem Auge verlieren. Auch gerade in der Richtung, wer nun "Antworten" lieferte, die zeitgenössisch akzeptierbar waren. Unter entsprechender ´Programmierung´ aber wird ja alles zum ´Hit´, wenn die Welt nach dem Superstar sucht...

Natürlich ist der Begriff der "Fliegenden Untertasse" irreführend und jeder stellt sich darunter genau jene Erscheinungen vor, wie sie in den SF-Filmen der frühen 50er Jahre und in den SF-Romanen davor schon längst zu sehen waren (1) und wie sie dann danach auch reichlich rund um den Globus fotografiert werden konnten. (Übrigens: Die erste gemeldete Fotografie einer Untertasse nach der Arnold-Sichtung [24.Juni 1947] wurde am 4.Juli 1947 in Seattle, Washington, gemacht; das Objekt wurde als ein Wetterballon identifiziert.) Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass mit dem metaphernbesetzten und schillernden Begriff ?Fliegende Untertasse? für die durch Kenneth Arnold gesehenen Objekte eine bildhafte, aufregende und abenteuerliche Suggestion verbunden ist, der quasi jeder Mensch verfallen mußte. Vielleicht ist es sogar weniger die Arnold-Observation, sondern die Macht des mythologischen Begriffs welche der sich ausbildeten UFO-Saga ihre Kraft gab. Tatsächlich ist viel eher der von der US Air Force aufgebrachte, sachliche Begriff unidentified flying object zutreffend, da eine Vielzahl unterschiedlichster Erscheinungen (zumeist sind es Lichtgebilde am dunklen Nachtimmel) sich in Wirklichkeit hinter dem Phänomen verbergen und die schönen Tageslicht-Untertassen eher einen Ausnahmecharakter darstellen, die aber freilich einen größeren romantischen Charme mit sich bringen. Das Nach-Kriegs-Amerika erlebte gerade eine Zeit der Umbrüche und des wirtschaftlichen Wachstum während der Kalte Krieg zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten das Thema der nationalen Sicherheit geradezu ins amerikanische Bewußtsein brannte. Eine hysterieartige, öffentliche Debatte setzte betreffs der massiv ansteigenden Sichtungsberichten ein, die sich bald sogar über die amerikanischen Medien in viele Teile der Welt ausbreitete. Zu dieser Zeit stellte man sich im Weißen Haus Fragen, Fragen die man ans Pentagon, das Kriegsministerium richtete, wo man selbst schon nachdachte, was sich da wohl am Himmel herumtreibt. Edward Leach von der Bundesluftfahrrbehörde CAA (später FAA) erklärte, dass wenn die Objekte so seien wie sie beschrieben würden, er sie sich nicht erklären könne. Und in Washington, DC erklärte ein Sprecher des Kriegs-Ministeriums (bald darauf Verteidigungs-Ministerium) nur, dass man an allem interessiert sei, was so schnell wie beschrieben fliege. So kam es wie es kommen mußte, da man den Untertassen nicht habhaft wurde, es aber zahlreiche glaubwürdige Augenzeugenberichte sogar vom eigenen Personal gab, wurde eine Untersuchung dieser Eindringlinge angeordnet, um die Antworten auf die Fragen "was sind diese Scheiben und woher kommen sie" zu finden. Im neuen Pentagon-Gebäude suchte man nach der richtigen Methode für ein solches Unterfangen.

(1) = Angesichts der Tatsache, dass die UFOlogie in den USA aufkam, ist es von Bedeutung, den damaligen Einfluss der Science Fiction auf dieses Land zu verstehen. Die Entwicklung dieses literarischen Genres trug dort wesentlich dazu bei, den Glauben an ausserirdisches Leben "hoffähig" zu machen, gerade auch weil sich die angenommenen Besucher von den Sternen (1.1.) sich noch nicht zu erkennen gaben. Einige Forscher haben in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Rolle von Raymond A. Palmer hingewiesen, der in den dreißiger und vierziger Jahren die Romanserien Amazing Stories und Fantastic Adventures herausgab. Er brachte schon damals Geschichten über Ausserirdische in Umlauf, die die Erde besuchten; so griff er den Fall Arnold sofort auf und brachte ihn öffentlich mit extraterrestrischen Phänomenen in Zusammenhang während Arnold soweit noch gar nicht war. Die 1948 erschienene erste Ausgabe der Palmer´schen Zeitschrift Fate befasste sich ausgiebig mit dem Fall Arnold; dieser wiederum schrieb sein Buch mit Palmer als Co-Autor. In den fünziger Jahren, als Palmer SF-Magazine wie Mystic Universe und Other Worlds Science Stories auflegte, waren Fliegende Untertassen als Thema ein Dauerbrenner in der amerikanischen Kultur. Dass Palmer einen bedeutenden Beitrag dazu leistete steht außer Frage; doch wäre dies nicht möglich gewesen ohne ein vorhandenes offenes Klima in der US-Zivilisation, in dem sich auch die Masse jener Leser angesprochen fühlte, die normalerweise nichts mit SF zu tun hatte. Den entsprechenden Kontext stellte während dieser Epoche des Kalten Kriegs die "Invasion durch eine fremde Macht" dar - womit natürlich zunächst die Sowjetunion gemeint war. Nach Arnolds Sichtungsbericht wurde das Thema Fliegender Untertassen zum festen Bestandteil der Massenkultur. Auch das beliebte Buch ?Star of III-Omen? von Dennis Wheatley, das 1952 erschien, nahm seinen Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft, weil er es schaffte, gekonnt Fakten und Fiktionen zu vermischen und damit eine James-Bond-Story der Nachkriegszeit mit Geheimnissen aus der Atomforschung und Agenten, die von Marsianern gekidnappt und in Fliegenden Untertassen zu deren Heimatplaneten entführt wurden, erschuf. Wheatley arbeitete die meisten der damals gängigen Theorien in seine Geschichte ein und zog den Schluss, dass Fliegende Untertassen extraterrestrischer Herkunft sein mußten. Mit Sicherheit trug auch dieses Werk dazu bei, manche Leser in ihrem Glauben an bestimmte extreme Theorien betreffs Untertassen zu bestärken, die damals in Umlauf waren. Das einflussreichste Medium für die große Masse waren jedoch Science-Fiction-Filme, ein Genre, für das in den dreißiger Jahren Serien wie "Flash Gordon" oder "Buck Rogers" typisch waren. Aus diesem Grunde dürfte der Gedanke an Ausserirdische, auch wenn sie ´nur´ fiktiv waren, damals in Amerika weiter verbreitet gewesen sein, als sonst irgendwo auf der Welt. Filme regten die Vorstellungen über sie weiter an und verlegten sie natürlich auch von rein irdischen bis hin in fernste extraterrestrische Dimensionen.

Damit wurde der "UFO-Durchbruch" erzielt, weil die Bilderwelt zeitgenössisch passte und damit als ausgesprochen dauerhafter Mythos zündete. Auch waren solche Filme nicht nur die Domäne der SF-Freaks: Der Kinobesuch gehörte damals zu den regelmäßigen kultivierten Freizeitvergnügungen, die unabhängig vom Programmangebot eingehalten wurden. Aus diesem Grunde erreichten SF-Filme ein sehr großes Publikum mit ihren Konzeptionen und Bildern. Von entscheidender Bedeutung war der Film "Der Tag, an dem die Erde stillstand" von Robert Wise, der 1951 herauskam, denn mehr als alle anderen schlug er eine Brücke von der Vorstellung, dass die Untertassen außerirdisch seien, zu der Möglichkeit von Kontakten zwischen den Aliens und Menschen - woraus sich alsbald die Kontaktler-Bewegung mit George Adamski an der Spitze ausbilden sollte. Damit erhielt das "Arnold-Phänomen" (oder: das Phänomen von: "Ich sehe etwas, was Du nicht siehst") eine neue Dimension: Kontaktler, das heißt Menschen, die das Privileg direkter, von beiden Seiten erwünschter Kontakte mit fürsorglichen, mildtätigen Ausserirdischen genossen (genauso wie in dem 1909 erschienen Roman "A Trip to Mars" von Fenton Ash). Adamski brachte mit dem Buch ?Flying Saucers Have Landed? ein unglaublich erfolgreiches Werk 1953 auf den Markt. Adamski war sozusagen Jules Vernes Professor Aronnax des wirklichen Lebens. Zudem verstand er es geschickt den katholischen Glauben mit dem Weltraumzeitalter zu verbinden. Sein Argument für die absolut menschenähnlichen Ausserirdischen, denen er begegnet sein will: Da Gott den Menschen nach seinem Ebenbilde erschuff, warum sollte Gott dann nicht Kreaturen von anderen Planeten ebenso nach seinem Ebenbild erschaffen haben? Diese unterschwellige Verbindung mit der christlichen Theologie gefiel damals manchem Untertassen-Fan und Adamski verstand es auch die Untertassen so hinzustellen, als seien sie die Verwirklichung biblicher Prophezeiungen und die Untertassen sowie ihre Piloten seien nur dazu da, um die Bibel zu unterstützen und zu bestätigen. Damit sprach Adamski eine breite Leserschaft an, die sich begeistert auf ein Thema stürzte, das vom Kalten Krieg ablenkte, die Ängste der Menschen vor dem aufkommenden Atomzeitalter als nicht unbegründet darstellte und Rettung durch beschützende "höhere Wesen" versprach. Zudem findet sich in Adamski´s Buch vieles, was das erwachende Denken des spirituellen "New Age" ansprach. Die Ära der Kontaktler eröffnete einen neuen mächtigen Nebenzweig des Untertassen-Problems. Viele selbsternannte Kontaktler folgten Adamski`s Beispiel und warfen sich den wartenden Verlegern in die Arme, und die daraus resultierenden Werke wurden in wahrer Hollywood-Manier immer dramatischer - bis hin zur Ausbildung religiöser Kulte, wenn man z.B. den Londoner Taxifahrer George King herbeizieht, der 1954 erklärte, er sei zur Stimme des Kosmischen Parlaments ernannt worden und gründete daraufhin die Aetherius Society, eine weltweite Religionsgemeinschaft, an deren Spitze er sich setzte. Entsinnen wir uns. Zunächst waren da seltsame Flugkörper aufgetaucht, die Arnold gesehen und beschrieben hatte. Ein raffinierter Journalist gab ihnen die symbolträchtige sowie bildhafte Fantasie-Bezeichnung "flying saucers" um damit eine Art wundersame Maschine zu charakterisieren - dies ist ihm wohlfeil gelungen. Binnen weniger Jahre (und nicht ad hoc wie die meisten UFOlogen meinen) verbreitete sich der Glaube, dass diese Fliegenden Untertassen außerirdische Raumfahrzeuge sind.

Diese Untertassen-UFO-Theorie setzte sich damals immer stärker durch, weil sie am plausibelsten klang (und durch Keyhoe gerade mega-populär gemacht worden war). Zudem war das Idee vom "Spaceship" geradezu aufregend fantastisch für die Leute. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Berichte von Begegnungen (dabei hatten die Kontaktler, beginnend mit George Adamaksi, den größten Erfolg und sollten das öffentliche Vorstellungsbild besonders prägen) mit ihren Besatzungen auftauchten - frei nach dem Motto: We met the Space People.

Überraschend war allerdings, dass keine zwei Kontaktierte den gleichen Außerirdischen begegneten. Dass die meisten Kontaktler vorher schon dem seltsamen Netzwerk religöser und okkulter Gruppen Kaliforniens angehörten, sei hier nur am Rande erwähnt. Die meisten Kontaktler hatten eins gemeinsam: Vor den Begegnungen waren sie selbst machtlose, vielleicht ein wenig entfremdete Personen gewesen, wenn auch mit einer ´übergeordneten´ eigenen (fernöstlich-angehauchten) Lebensphilosophie. In den 50er Jahren, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges mit seinem Rüstungswettlauf zwischen den USA und der UdSSR, übten die stark vereinfachten Lösungen der Weltraumbrüder einen starken Reiz aus. Wohlwollende Außerirdische vertrauten der kontaktierten Person Geheimnisse des Universums an und machten sie manchmal sogar zum Botschafter der Weltraumleute auf Erden. Das versetzte die Kontaktierten in eine Position vermeintlicher (als Führer einer Kultgruppe sogar tatsächlicher) Macht und füllte eine spirituelle oder emotionale Lücke in ihrem Leben aus. Es fällt auf, dass die Ära der Kontaktierten mit dem Einsetzen des allgemeinen Interesses an der Raumfahrt in den frühen 50er Jahren beginnt und mit deren ersten Erfolgen in den späten 60ern endet. Ersteres weckte die Hoffnungen der Kontaktierten, letztere machten ihre Träume zunichte. Auch die philosophischen Botschaften und kosmischen Warnungen erwiesen sich rasch als eine Aneinanderreihung von Plattitüden. Die Geschichte der Kontaktler dagegen ist Teil einer langen mythischen Tradition von Begegnungen zwischen Menschen und wohlwollenden Wesen aus anderen Welten, die uns angeblich helfen und unser Schicksal lenken wollen. Sie hat wohl mehr mit den Kontakten und Botschaften wie sie von spiritualistischen Medien übermittelt werden, gemeinsam als mit dem UFO-Himmelsphänomen an sich.

(1.1.) = Dies sagt sich so leichtfüssig in unseren Tagen, doch es hat einen Haken. Die großen Kontaktler der 50er Jahre spielten sich nämlich nur entlang der Denklinie auf, die damals in fantastischen Kreisen kursierte! Kein Kontaktler berichtete damals von Begegnungen von Wesen jenseits unseres Sonnensystems. Dies war einfach zu diesem Zeitpunkt selbst für die größten Fantasten nicht denkbar. Es wird Sie verblüffen, aber selbst in der damaligen SF waren die Aliens traditionsgemäß unserem Sonnensystem entsprungen! Darüber dachten selbst die SF-Gurus nicht hinaus. Es war zu jenen Tagen einfach undenkbar. Damals beschränkte sich einfach die Sicht auf eine Vision von Ausblicken auf den Raum unseres Planeten und des Sonnensystems. Erst ab Ende der 50er Jahre entstand in anglo-amerikanischer Vorarbeit die wirklich unbegrenzte Freiheit des Denkens und Fabulierens über das Sonnensystem hinaus. Daher kamen TV-Serien wie "Enterprise" in den USA oder "Orion" in Old Germany wie Hammerschläge über uns, als man erstmals Aliens dort ganz weit draussen auftauchen und operieren ließ! In den 60er wurde der interplanetare Raum ´gesprengt´ - und schon kamen die ersten UFO-Aliens von jenseits Sols.

Was lag näher als das "Project Saucer" anzusetzen, welches vom militärischen Geheimdienst (Army Air Force Intelligence) durchzuführen war, der sich zunächst einmal in seinen Akten umschaute, um festzustellen, was man bisher über Foo-Fighters, Ghost Rockets und, ja, Fugo-Ballons der Japaner wußte. Alles wurde herbeigeschafft, was vielleicht Ansätze für eine Antwort betreffs unidentifizierten fliegenden Objekten liefern könnte und als Basis für die einzusetzende aktuelle Untersuchung dienen mochte. Man erwartete gar halbwegs schon so eine Antwort auf die" Fliegenden Diskusse" zu erhalten. Wie es schien, handelte es sich schon immer um Objekte, die Antriebs- und Manöver-Fähigkeiten hatten, die weit über den damals gegenwärtigen Stand moderner konventioneller Flugzeuge hinausgingen. Selbst die ganz neuen Düsenjet-Maschinen der eigenen Streitkräfte schienen diesen Geistern oder Phantomen des Himmels gegenüber noch im Schatten zu stehen! General Carl T. Spaatz, ein berühmter und ausgezeichneter Flugpionier, war gerade zum Stabschef der Army Air Forces (AAF) ernannt worden, als das ´flying saucer´-Phänomen erstmals für nationalen Wirbel sorgte. In den Hallen des Pentagon rührte sich im Sommer 1947 General Spaatz, und fragte den Direktor des Air Force Office of Intelligence (AFOIN), General Georg Clemmet McDonald, wann er denn sich die Sache mit den "Flying Discs" mal näher anschauen würde. Dies war ein direkter Befehl zum handeln gewesen. McDonald übergab den Job Brig.General Georg F.Schulgen, dem Chef des Air Force Office of Intelligence Requirements Collective Office (AFOIR-CO). Die Generäle McDonald, Vandenberg und Spaatz hatten selbst andere Sorgen und Aufgaben zu bewältigen: Die Trennung der Army Air Forces von der Army als eigenständige Streitmacht des Verteidigungs-Ministeriums, welches ebenfalls gerade aus dem Kriegsministerium hervorgegangen war. Man kann sich gut vorstellen, dass diese eine gewaltige organisatorische Aufgabe war und die Kräfte und Fähigkeiten der Spitzen für sich einnahm. Jetzt wurden die früheren Berichte über seltsame, unidentifizierte Flugkörper wie den foo fighters nochmals von Colonel Robert Taylor, III unter die Lupe genommen, um hieraus vielleicht ein "Profil" für die sogenannten Untertassen ableiten zu können, wegen die Studie "Project Saucer" auch als GEHEIM abgestempelt wurde, was zu wildesten Spekulationen führte, die bis heute noch in die UFOlogie ausstrahlen. Mir fällt da ein Air-Force-Slogan aus dem Zweiten Weltkrieg ein: "Das Schwierige wird sofort erledigt, Wunder brauchen etwas länger." Dieser Leitsatz schien auch für das Rätsel der "Fliegenden Untertassen" zu gelten - und die Tassen wurden über knapp zwei Jahrzehnte hinweg zu einem chronischen Wunder-Problem.

Erstaunen wird Sie, das es nicht wirklich der Fall Arnold (ganz zu schweigen von Roswell) war, der das Militär elektrisierte, sondern Captain Edward J.Ruppelt führte in seinem Buch ?The Report about Unidentified Flying Objects? 1956 aus, das ein kaum in der Öffentlichkeit bekanntgewordenes Geschehen vom 8.Juli 1947 das tiefere Interesse in den militärischen Kreisen an der Sache auslöste. Ein USAF-Testpilot hatte auf seinem Flug am Himmel über der Muroc Air Base (später Edwards AFB) einige silberne unidentifizierte Objekte von runder Gestalt gesehen, die auch von anderen Fliegern und Offizieren am Boden ausgemacht worden waren. Damals war Muroc Field eine hochgeheime Testanlage in der kalifornischen Mojave-Wüste gewesen und ausgerechnet von dort kam von den eigenen Leuten eine Fliegende Scheiben-Meldung! Das Militär konnte sich nun nicht mehr der allgemein ausgebrochenen Hysterie entziehen und steckte sogar mitten drin. Aber Genaues wußte man nicht und hatte auch Angst sich lächerlich zu machen, wohl in Erinnerung an die Ereignisse aus dem Frühjahr 1942 in Los Angeles. Eine vorläufige Analyse dieser Berichte (es wurden aber nur 18 Fälle gefunden, die ausführlichere Darstellungen beinhalteten) wurde von Colonel George D.Garrett angefertigt und an General Schulgen als Chef des Luftwaffen-Geheimdienstes mit Datum des 30.Juli 1947 als eine sogenannte "interim in-house study" oder als Estimate Report (Lagebeurteilung) übermittelt, die/den das Personal selbst halbwegs spöttisch "Project Saucer" nannte, ein Begriff der sich übrigens intern auch für die offiziellen UFO-Projekte der USAF bis in die 50er Jahre hinein hielt. Von Untersuchungen und Nachforschungen sowie Recherchen war hier noch keine Rede gewesen, sondern man ging einfach nur der geheimdienstlichen, technischen Analyse der vorliegenden Berichte und Beschreibungsdetails aus diesen Darstellungen nach. Auch heute, mehr als 50 Jahre danach, arbeiten Geheimdienste rund um den Globus nach diesem Schema. Und dies auch auch gleichzeitig das Hauptproblem der Dienste: Man kann Computer noch und noch besitzen, die raffinierteste Software einsetzen, Augen im Weltraum installieren, wahrscheinlich kann niemand sich auf der Welt mit diesen damit verbundenen technologischen Fähigkeiten Amerikas messen, um auf diesem Wege Informationen aufzufangen - aber die eindeutige Schwäche liegt in der persönlichen Sammlung und Bewertung von Informationen. Und genau dieses Problem lag anno 1947 vor, weil es einfach keine systematische, koordinierte Bemühung zur Sammlung von UFO-Berichten und ihren Daten gab und das Militär mit einer völlig neuen Herausforderung konfrontiert wurde. Erst Ruppelt entwickelte später wirksame, zeitsparende Methoden zur Auswertung der Beobachtungen. Er war dafür, das man Fotos und Negative analysierte und bei Bedarf Befragungen an Ort und Stelle durchgeführt wurden. Erst mit der Ära Ruppelt zog man im großen Maße Überprüfungen astronomischer Daten herbei, kontrollierte Flugbewegungen und überprüfte meteorologische Unterlagen. Da ist es geradezu eine "Kleinigkeit", wenn die seit Arnold eingeführte Bezeichnung "Untertasse" für die unterschiedlichsten Luftraum-Phänomene erst durch Captain Ruppelt mit dem Ausdruck "unidentified flying object" besetzt wurde, damit die amtlichen Luftwaffen-Berichte nicht wie Märchen oder Spukgeschichten klangen. Doch es sollte einige Zeit dauern bis die "Untertassen" auch draußen in der Öffentlichkeit als UFOs verstanden wurden und in den allgemeinen Sprachgebrauch eingingen (auch wenn wohl die meisten nach wie vor die bildliche Konzeption von der Fliegenden Untertasse im Kopf mit sich herumtrugen). Doch auch 50 Jahre später haben es die unidentifizierten fliegenden Objekte nach wie vor sehr schwer, sich tatsächlich als Fliegende Untertassen vom anderen Stern zu manifestieren... UFO-Autoren wie Paris Flammonde ("ein anerkannter UFO-Forscher") wollen dies aber entlang ihrer Agenda ganz anders sehen und drehen es so hin: "Irgend jemand an den Schalthebeln der Macht bemühte sich angestrengt, den Begriff ´Fliegende Untertassen´ dem Bewußtsein der Öffentlichkeit fernzuhalten, was aber nicht gelang, obwohl dafür beinahe alle Mittel zur Verfügung standen". (Flammonde, ?UFOs - Es gibt sie wirklich?, Hyne, 1978, S.77)

Eines steht aber fest: das Thema hat viele Menschen zu diversen Inspirationen angeregt, insbesondere im Sektor der "außerirdischen Begegnungen" auf verschiedenen Niveaus wie Fliegende Untertassen-Landungsberichte, Fliegende Untertassen-Fotos, Begegnungen mit Außerirdischen aus den Tassen, Kontakte und "Entführungen" etc. Ab Mitte der 50er Jahre leidet die ernsthafte UFO-Phänomen-Erforschung darunter, dass die seltsamsten Typen auftreten, die derartige fantastische Geschichten erzählen - aus den unterschiedlichsten Motiven heraus. Wie auch immer, der unkalkulierbare Aspekt war schon seit jeher die öffentliche Reaktion darauf. Manches ging unter, anderes wieder festige den Alien-Mythos. Aus keinem ersichtlichen Grund finden weit unbedeutendere Meldungen unverhältnismäßig großes Interesse in der Öffentlichkeit während andere "mächtigere" Geschichten einfach untergehen - verantwortlich dafür ist eindeutig nur eine Seite: die Presse. Nicht umsonst ist festzustellen, dass innerhlab eines Jahrzehnts nach Arnolds erster Sichtung die Öffentlichkeit von theatralischen Aspekten der UFOlogie am meisten fasziniert wurde. Die "Saucerology" als Sinnbild des UFO-Phantoms möchte ich hier erwähnen; wenn man will, kann man die UFOlogie damit gleichsetzen und eigentlich damit ob ihres Selbstverständnis identifizieren, da es dort hauptsächlich um die Untertassen geht und nicht um ominöse unidentifizierte fliegende Objekte in ihrem Kernbereich der eigentlichen Problembeschreibung und um was es geht. Dieses Problem hatte bereits Captain Ruppelt erkannt und versuchte mittels dem Ausdruck unidentified flying objects (UFOs) die Debatte zu versachlichen - was ihm wohl nur schwer gelang, weil auch UFO nach wie vor für außerirdische Raumschiffe steht und von den UFO-Freunden des Fantastischen so begriffen wird. Ruppelts Terminus UFO sollte den vorherrschenden Fehlkonzeptionen ein Ende machen und das Reale vom Fantastischen abgrenzen. Doch da die Presse und verschiedene Unterhaltungsmedien den übertriebenen Fantastereien ufologischer Spekulationen sich viel mehr aus Eigeninteresse zuwandten, wurde die Öffentlichkeit geradezu von den SF-Elementen hypnotisiert und ließ sich auf der extraterrestrischen Welle begeistert mitschwemmen. Dazu kam ehemals der Beginn des Raumfahrtzeitalters, welches den ganzen Komplex noch zusätzlich verschärfte. Der Entzauberung der UFOs blieb daher der Erfolg versagt, weil die Fliegenden Untertassen als visionäres Gerücht voller Absonderlichkeiten, Vermutungen und Zutreffendem daherkamen. Extrapolierte Spekulationen auf angenommenen Gegebenheiten basierend, führten zu den gleichen Voraussetzungen, um zumindest ähnliche Ergebnisse zu erschaffen. Amerika bot zudem das ideale Milieu zur Freisetzung von Fantasien einer technischen Kultur, weswegen alles entlang dieser Leitlinie dem Bereich der Legende entrücken konnte. Das Thema der "Fliegenden Untertassen" lädt geradezu als ´interaktives´ Thema zur Freisetzung aktiver Fantasien ein.

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Externe Links

http://www.alien.de/cenap/cr305.pdf
Hypnose Frankfurt am Main

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