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ALIENS/TECHNOLOGIEN
19.02.2007


    
Erich von Däniken unterwegs: Begegnungen der dritten Art

Ortstermin Erich von Dänikens mystische Ausstellung im Elbe-Einkaufszentrum

Ortstermin Erich von Dänikens mystische Ausstellung im Elbe-Einkaufszentrum:

Begegnungen der dritten Art

Zur Eröffnung kam der Ufologe nach Osdorf und signierte zwischen Parfümerie und Bäckerei Bücher.

Von Kristian Stemmler

"Darf´s ein bisschen mehr sein?", fragt die junge Angestellte am Delikatessenstand. Was für eine banale Frage an diesem Tag, an dem im Elbe-Einkaufszentrum (EEZ) Fragen von ganz anderem Kaliber aufgeworfen werden. Zum Beispiel: Wer entwarf den Plan für Stonehenge? Wer erbaute die Hünengräber? Welche Botschaft sollten sie vermitteln? Und, ja: Waren die Erbauer überhaupt Menschen? Da steht der Kunde mit seinen 150 Gramm Fleischsalat im Einkaufsbeutel und kommt ins Grübeln. Und das soll er auch, wenn es nach der Intention der Ausstellung geht, die am Donnerstag im EEZ eröffnet wurde (Dauer bis 3. März). Unter der unbescheidenen Überschrift "Mysterien - die Welt des Unerklärlichen" werden die Theorien des aus Funk und Fernsehen bekannten Experten fürs Außerirdische und Buchautoren Erich von Däniken recycelt.

Zur Eröffnung stieg der Altmeister der Ufologen persönlich von den Schweizer Bergen (seiner Heimat) in die norddeutsche Tiefebene herab, um neue Jünger zu rekrutieren und bei der Gelegenheit Bücher zu signieren. Zwischen Parfümerie und Juwelier, Brot- und Gemüseständen sitzt der erstaunlich kleine Mann (im Fernsehen wirkt ja jeder größer) im knallblauen Jackett auf einem kleinen Podest und schreibt Widmungen in seine Bücher. Zum Beispiel bei Sylvia Hansen, die das Büchlein "Erinnerung an die Zukunft" mitgebracht hat. "Damit hat der ganze Ärger angefangen", scherzt von Däniken und beweist damit Humor. Es war sein erstes Buch, 1968 war das. Zur Erinnerung: Von Däniken sorgte mit seiner Vermutung für Aufsehen, Bauwerke wie die Pyramiden von Gizeh könnten schlechterdings von den Erdenbewohnern errichtet worden sein, ergo hätten Außerirdische ihre Hände im Spiel gehabt.

Die Verwaltungsangestellte hat das Buch gelesen, als sie 17 Jahre alt war, und ist seitdem ein Fan des Schweizers. Sie räumt allerdings ein, dass es nicht immer tunlich ist, etwa im Kollegenkreis, sich als Däniken-Anhängerin zu outen. Trotz des Publikumserfolgs seiner zahlreichen Bücher mit einer Gesamtauflage von mehr als 63 Millionen Exemplaren in 32 Sprachen, ist der Ufologe den Hautgout des Esoterischen und Spinnerten nicht losgeworden. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Ausstellung von Außerirdischen und Ufos so direkt nicht spricht, sondern den Betrachter mit Info-Brocken und Fragen auf großen Tafeln überhäuft. Die Steinblöcke der Cheopspyramide wogen 2,5 Tonnen, wer konnte die bewegen, wer "überwachte die Logistik"? Haben die Indios Flugzeuge am Himmel gesehen? Und kannten die Menschen im alten Ägypten vielleicht schon künstliches Licht?

Gute Fragen, aber es gibt noch andere. Kann es sein, dass die Uhr im Schaufenster des Juweliers wirklich 5710 Euro kostet? Und wer hat die Schuhe in der Auslage des Schuhgeschäfts so seltsam angeordnet? Waren es intelligente Lebewesen? Doch im Ernst: Was hier angerührt wurde, ist ein eher alter Brei, allerdings multimedial aufbereitet, mit flotten Animationen auf Monitoren, untermalt von sphärischer Musik. Das macht aber nichts. Die Kinder spielen zwischen den Nachbildungen von Monolithen Fangen, während ältere Leute andächtig die Infotafeln studieren. "Cool", findet der sechsjährige Henry die goldenen Imitate von 1500 Jahren alten Gegenständen der Indios, die tatsächlich etwas wie die Raumfähren der Nasa aussehen. Seine Oma, Waltraud Kipke, gibt zu bedenken: "Wir wissen ja nicht, was im Weltall los ist. Das ist alles so weit weg." Wohl wahr. Immer näher rückt dagegen der Abflugtermin des prominenten Gastes: "Ich will noch den Flieger nach Zürich bekommen", vielleicht um abends daheim noch ein Glas Bordeaux-Wein - eine eingestandene Leidenschaft des früheren Hoteliers - zu leeren. Erich von Däniken wirkt mit seinen 72 Jahren recht fit, hat aber doch zugelegt, seit er zuletzt im Fernsehen zu sehen war. Der Experte des Außerirdischen ist irdischen Vergnügungen eben nicht abgeneigt.

Quelle: Hamburger Abendblatt, 17.2.07 - http://www.abendblatt.de/daten/2007...

Externe Links

http://www.abendblatt.de/daten/2007/02/17/690772.html

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