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05.02.2007


    
Historische Noten der UFOlogie aus dem CENAP-Archiv:

Februar-UFO-Meldungen vor 55 bis vor 20 Jahren: Fliegende Untertassen in der Presse

US-Luftwaffe: Es gibt keine Untertassen - 7369 Berichte untersucht: Vögel, Ballone, Meteore kam es aus Washington und der Kurier hatte am 8.Februar 1962 seine Meldung weg: 15 Jahre lang hat die US-Luftwaffe sorgfältig das Phänomen der "Fliegenden Untertassen" untersucht. Jetzt stellte sie in einem Abschlußbericht fest, daß die mysteriösen Erscheinungen Vögel, Ballone, ungewöhnliche Himmelslichter oder einfach Sinnestäuschungen waren - keineswegs aber Flugkörper aus dem Weltraum. Die US-Luftwaffe hat insgesamt 7.369 Berichte untersucht. Dabei konnte sie in den letzten sechs Jahren mehr als 98 Prozent aller beobachteten Erscheinungen aufklären. Übrigens nimmt die Zahl der beobachteten Untertassen immer mehr ab. 1960 waren es noch 514, ein Jahr darauf nur noch 488. In letzter Zeit wurde mehrfach auch ein neuartiges Leuchtfeuer, das versuchsweise zur Verhütung von Flugzeugzusammenstößen eingesetzt wurde, als "Untertasse" angesehen. Denn aus einer Entfernung von 80 Kilometer sah man nur noch den Lichtschein, der einen eigenartigen Anblick bot.

Unter der Schlagzeile Fliegende Untertassen fliegen nur in der Phantasie - prüfung von 7369 Berichten ergibt keinen Beweis für angebliche Flugobjekte - Mitunter auch Witzbolde beteiligt nahm sich auch der Münchner Merkur am 8.Februar 1962 der dpa-Meldung an: Ganze 15 Jahre dauerte eine Untersuchung von genau 7369 Berichten über "Fliegende Untertassen" durch die amerikanische Luftwaffe. Nicht in einem einzigen Fall konnten die amerikanischen Flugexperten einen Beweis dafür finden, daß die UFOs (unbekannte Flugobjekte) von anderen Planeten zur Erde geschickt worden waren. Am Mittwoch wurde in Washington der offizielle Untersuchungsbericht, das Projekt "Blaubuch", veröffentlicht. Die nüchternen Nachforschungen des Büros für "Luft-Phänomene" der amerikanischen Luftwaffe dürften die Hoffnungen vieler Wundergläubiger zerstören, die in den letzten Jahren sogar Vereine gründeten, um am Tage "X" die außerirdische Besatzung einer geheimnisvollen Untertasse auf der Erde gebührend begrüßen zu können. In den Jahren zwischen 1947 und 1952 blieb, dem Bericht zufolge, immer noch ein Prozentsatz von 19,74 der geheimnisvollen Flugobjekte im mystischen Dunkel. In den letzten sechs Jahren blieben jedoch nur noch 1,94 Prozent der geheimnisvollen Erscheinungen ungeklärt. Wie es heißt, wurden die "glühenden Kugeln", "strahlenden Ellipsen" und halbkreisförmigen "Raumschiffe" letztlich als gewöhnliche Flugzeuge, von menschenhand geschaffene Erdsatelliten, astrologische [sic!] Phänomene, meteorologische Höhenballons oder Vögel identifiziert. Auch die Produkte einfallsreicher Witzbolde wurden oft als sensationelle "Untertassen" registriert.

Dann entwickelte sich die UFO-Affäre weiter und hatte Folgen, die wir alle kennen, die UFOs und der Glauben an außerirdische Besucher war nicht umzubringen, auch der einige Jahre später erscheinende Condon-Report sollte eigentlich nichts bewirken - vielleicht eine kurze Verschnaufpause, aber mehr auch nicht. Aber bleiben wir im Zeitrahmen von Anfang der 60er Jahre für unsere weitere Begutachtung. Die österr. Zeitung Wiener Samstag vom 21.Juli 1962 titelte "UFO-Unsinn - Das Geschäft mit den Geheimnissen des Weltalls geht noch immer ausgezeichnet". Untertext: "Der Traum vom ´Planetarischen Weltreich´ ist für hunderte Untertassen-Gläubige ausgeträumt, nachdem man den ´Präsidenten der Weltrepublik Erde´, Karl Mekis, in österreich kurzerhand verhaftet hat. Aber noch glauben Tausende den ´Untertassen-Unsinn´." G.Leitgeb reportierte in einem Tatsachenbericht über die UFOlogie, die zum Teil aus Phantasten, zum Teil Querköpfen und zum Teil auch aus leichtgläubigen Mitbürgern besteht und deren Zahl "ständig anwächst. Geschäftstüchtige Schurken haben mit diesen Leuten leichtes Spiel. Sie nutzen ihre Gutgläubigkeit aus und machen so ihre schmutzigen geschäfte. Zwei dieser Schwindler hat man schon entlarbt. Einen davon hat man in Österreich verhaftet. Aber -zig andere machen noch immer ihre Geschäfte mit den Geheimnissen des Weltalls." Aus Leitgeb´s Hintergrundbericht wollen wir hier zitieren, weil er fünfunddreißig Jahre später immer noch aktuell ist und zahlreiche Analogien aufweist:

"Die Fortschritte, die bei der Erkundung des Weltraumes in den letzten zwanzig Jahren erzielt wurden, sind gewaltig. Dennoch aber hat man bei weitem noch lange nicht alle Geheimnisse des unendlichen Alls gelüftet. Das wissen wir alle! Das wissen aber auch gewitzige Schwindler! Und eben diese Geheimnisse und die wissenschaftliche Ungewißheit sind ihre Geschäftsgrundlagen. Leichtgläubige sind ihre Geschäftspartner! Hören Sie sich doch einige der Unsinnigkeiten an, die von den verschiedenen Untertassen-Schwindlern verbreitet werden: Venus, Mars und eine große Zahl anderer Himmelskörper sind, nach ihren Erzählungen, bewohnt. Es leben dort intelligente Wesen, die unserer irdischen Entwicklung um tausende Jahre voraus sind. Sie haben gigantische Flugkörper konstruiert, mit welchen sie sich unerhört schnell durch das All bewegen können un sie haben nichts Besseres zu tun, als mit Hilfe dieser scheibenförmigen Flugobjekte alle Geschehnisse auf unserer Erde genauest zu beobachten. Ja, bisweilen landen sie sogar bei uns und mischen sich unbemerkt unter die Erdenbürger. Wie diese Mars- oder Venusmenschen aussehen, wie sie sprechen, wie sie sich kleiden? Das alles ist längst bekannt! Einige der Untertassen-Phantasten behaupten nämlich, mit Menschen von anderen Sternen zusammengetroffen zu sein oder gar auf Einladung von ´Venusiern´ hin unseren Nachbarplaneten besucht zu haben. ´Kontaktler´ nennen die übrigen Untertassen-Anhänger diese Glücklichen mit den interplanetarischen Beziehungen.

Hoppla, jetzt ist aber genug verraten! Am Ende könnte man ja selbst nich von dem Untertassen-Fimmel angesteckt werden. Auf welchen Grundlagen bauen die Untertassen-Anhänger eigentlich ihre Phantastereien auf? Nun, unsere Erde ist -um die Sicherheit im Luftverkehr gewährleisten und plötzlichen militärischen Überfällen vorbeugen zu können- von einem dichten Luftraum-Kontrollsystem überzogen. Mit Radarspiegeln und optischen Einrichtungen wird das gesamte, unsere Erde überspannende ´Himmelsgewölbe´ ständig überwacht. Flugkörper, die zwar auf dem Radarschirm registriert, beziehungsweise mit Fernrohren oder mit freiem Auge beobachtet werden, deren Herkunft oder Nationalität nicht festgestellt werden kann, werden amtlich als UFOs bezeichnet. UFO heißt nichts anderes als ´unidentifiziertes fliegendes Objekt´ oder zu Englisch, der internationalen Flugverkehrssprache, ´unidentified flying object´. 70.000 solcher UFOs wurden in den letzten Jahren -zum größten Teil allerdings von Privatpersonen und nicht von Luftüberwachungsstellen- beobachtet und den zentralen Kontrollstationen [´Kontrollstationen´ ist ein viel zu großes Wort für UFO-Meldestellen, egal ob nun militärischer oder privater Natur] gemeldet. 90 Prozent davon konnten, wie die amerikanische Überwachungskommission [´Überwachungskommission´ ist ein viel zu großes Wort für Projekt Blaubuch, welches nur aus ein paar Leuten bestand] kürzlich mitteilte, nachträglich auf bekannte Ursachen zurückgeführt werden. Es handelte sich bei den registrierten Erscheinungen durchweg um Meteore, Wetterballons, Luftspiegelungen [hier irrt der Schreiber, diese tauchen eigentlich als UFO-Erklärung im realen Leben nicht auf], Kugelblitze [hier gilt gleiches wie zuvor] Bordlichter von Flugzeugen, Geheimwaffen wie zum Beispiel Staurohrhubschrauber vom Typ ´V7´ [hier irrt der Schreiber ganz gewaltig, diese Legende stimmt hinten und vorne nicht, ja ist gar eine Lüge] , Luftkissenflugzeuge [stimmt auch nicht, da es Luftkissenfahrzeuge wie den Hovercraft gibt, aber keine mit dieser Technik betriebenen Flugzeuge] und anderes. Bei zehn Prozent der Meldungen -das sind rund 7000 Beobachtungen- konnten solche Erklärungen nicht gefunden werden [was nicht heißt, das es sie nicht gibt]. ´Die Angaben der Beobachter waren zu ungenau´ [was so auch nicht immer stimmt], stellte die US-Kontrollbehörde fest. Das aber ist kein stichhaltiges Argument für die Untertassen-Anhänger! Anstatt diese Sichtungsmeldungen hysterischen Wichtigtuern oder Spaßvögeln zuzuschreiben, sehen sie darin die Bestätigung ihres UFO-Glaubens und die Festigung ihrer Gerschäftsgrundlage. Mit felsenfester Überzeugung -als wäre das die einfachste Erklärung der Erscheinungen- nehmen die einen an, daß es sich bei den Objekten um Flugapparate außerirdischer Wesen handle, wobei die anderen, durch die Verbreitung primitivster ´Märchen´, die sie frech als Tatsachenberichte bezeichnen, sie noch in ihrem Aberglauben bestärken.

Zwei Schwindler hat man jetzt endgültig entlarvt. Den Österreicher Karl Mekis und den Staatenlosen Franz Weber-Richter. Weber-Richter hat scheint seit 1928 sein übles Spiel betrieben. Karl Mekis erst ab 1950. In diesem Jahr hatte er seine Familie in Saubersodrf verlassen und war nach Südamerika gegangen. Als er dort mit ordentlichen Geschäften nicht zum gewünschten wirtschaftlichen Erfolg kam, beschloß er, sich Franz Weber-Richter, der mit seiner Familie in Santiago de Chile ansässig geworden war, anzuschließen. Unter dem Pseudonym ´Michalek´ arbeiteten die beiden dann zusammen. In Publikationen behaupteten sie, mit Bürgern anderer Himmelskörper Kontakte aufgenommen und Vereinbarungen getroffen zu haben. Ganz besonders hatte es ihnen unser Nachbarplanet Venus angetan. Der Venuspräsident Urun selbst hatte ´Michalek´ zum Präsidenten der zukünftigen Weltrepublik Erde ernannt, erklärte die Burschen. Der Zeitpunkt der Untertassenlandung und die damit verbundene Machtergreifung durch die ´Venusier´ stehe uns knapp bevor. Sie ersuchten die ´Untertassenfreunde´ durch die Überweisung von Geldspenden es möglich zu machen, den außerirdischen Freunden einen gebührenden Empfang zu bereiten [auch die DUIST rief in jener Zeit nach Spenden für ein "Zentralgebäude der IFO-Forschung {sic!}" auf, an welchem sich ein "offizieler Landeplatz außerirdischer Piloten" anschließt - so sei es von Außerirdischen gewünscht und weswegen nun eine "Stiftung Zentralgebäude für IFO-Forschung" ausgerufen worden war; in jüngerer Zeit tritt der Franzose mit dem Aliennamen "Rael" an seine Gefolgschaft mit dem gleichen Wunsch seiner außerirdischen Freunde heran, dieses Mal soll das Botschaftsgebäude der Aliens in Israel errichtet werden]. Die Landung der Weltraumschiffe war für Februar 1960 anberaumt und die UFO-Phantasten ließen eine regelrechte Spendenaktion anlaufen. Als dann der Februar 1960 kam und wieder verging wie jeder Februar zuvor, waren die Untertassen-Freunde natürlich schwer enttäuscht. Der ´designierte Präsident´ Michalek war jedoch keineswegs verlegen. Venuspräsident Urun -ließ er verlauten- sei bedauerlicherweise knapp vor der Verwirklichung seines Planes, eine UFO-Flotte auf unserer Erde landen zu lassen, im beachtlichen Alter von 193 Jahren plötzlich verstorben. Ase, sein Nachfolger, sei etwas konservativ. Die Landung der Raumschiffe müsse aus diesem Grunde vorläufig verschoben werden.

In der Erfindung solcher Märchen waren Mekis und Weber-Richter schier unerschöpflich. Ihre Anhängerschaft, und damit das einfließende Spendenkapital, wuchs ständig. Als sich der Termin für die Landungsaktion der Weltraumflotte aber immer mehr hinauszögerte, wurden einige der UFO-Freunde mürrisch [der größere Rest aber blieb treu und naiv am Ball]. Sie erstatteten Anzeige. Die chilenische Polizei trat in Aktion. Weber-Richter und Mekis waren jedoch gewarnt worden. Sie hatten Chile fluchtartig verlassen und wollten in Italien ihr neues Domizil aufschlagen. Einer der Erzgauner kam aber gar nicht so weit: Karl Mekis. Ein österreichischer Zöllner verhaftete ihn, als er im August 1960 mit einem gefälschten chilenischen Paß, der auf den Namen Karl Michalek ausgestellt war, auf seinem Weg nach Intalien die österreichische Grenze passieren wollte. Er bekam eine Freifahrkarte! Aber nicht etwa zur Venus. Nein, direkt ins Gefangenenhaus Wiener Neustadt. Sein Freund Weber-Richter wurde in Rom verhaftete. Binnen kürzester Zeit holten ihn dort seine Anhänger -die die Bürgschaft übernahmen- aus der Untersuchungshaft. Auf die Frage nach seiner Rechtfertigung bekamen seine Anhänger eine für den Schwindler bezeichnende Antwort: ´Zweifler, Ungläubige und Nörgler, die nach Beweisen rufen´, sagte der Phantast, ´kann ich nicht als meine Freunde betrachten. Wahre Freunde sind nur solche Menschen, die bedingsungslos an mich glauben und die bereit sind, für ihren Glauben an mich entsprechende Opfer zu bringen´. Die deutschen Behörden forderten die Auslieferung Weber-Richters. Mit der Bebründung, der Mann sei Staatenloser, wurde das deutsche Begehren von den Italienern abgelehnt. Man wird den Mann wahrscheinlich in Rom vor Gericht stellen. Die Untertassen-Bewegung hat durch diesen Zwischenfall einige Anhänger verloren. Aber nur wenige. Dabei sollte man doch annehmen, daß dieser Skandal die ´UFO-Gläubigen´ ein für allemal geheilt hätte. Das ist aber nicht der Fall! ´Überall gibt es schlechte Menschen und Geschäftemacher´, sagen nun die anderen ´Untertassenstudiengesellschaften´, ´Interplanetarischen Vereine´, ´UFO-Gruppen´ oder wie sie alle heißen.

Ja, Sie haben richtig gelesen! Die Untertassen-Leute haben sich in Klubs und Gemeinschaften zusammengeschlosssen. Auch in Wien gibt es solch ein Gruppe. ´Gesellschaft für Interplanetarik´ nennt sie sich. Deutsche und amerikanische UFO-Studiengemeinschaften geben sogar eigene Zeitungen heraus. Und dann gibt es nich die enorme Zahl von minderwertigen Publikationen, die von sogenannten ´Kontaktlern´ und verhinderten ´Kontaktlern´ verfaßt werden. Die Bekanntesten davon sind wohl der in den Vereinigten Staaten lebende Reinhold Schmidt und George Adamski. Beide behaupten, schon des öftern mit außerirdischen Personen gesprochen beziehungsweise Rundflüge in fremden Raumschiffen unternommen zu haben. Viele lassen sich durch dieses unsinnige ´Geschreibsel´ beeinflußen. Um so mehr, als auch bedeutende Wissenschaftler -wie zum Beispiel der in Feucht lebende bekannte Raketenkonstrukteur Prof.Hermann Oberth- diesen phantastischen Ideen nichts entgegnen, ja sie zum Teil noch befürworten [Oberth wurde sogar zum Ehren-Vizepräsident der DUIST berufen]. Prof.Oberth vertritt zum Beispiel dazu noch die Hypothese, die unbekannten Flugkörper seien ´nicht von irdischen Menschen gebaut´. Daß auch der normale Mensch, wenn er solche Berichte länger verfolgt und sich damit eingehender befaßt ´verwirrt´ werden kann und schließlich solche Unsinnigkeit glaubt, ist verständlich. Unzählige Leserbriefe an Fachzeitschriften beziehungsweise Berichte von Untertassen-Gläubigen an UFO-Studiengesellschaften, weisen darauf hin, daß der ´UFO-Unsinn´ immer größere Formen annimmt. Untertassen-´Originalfotos´, die eher Operationslampen oder Straßenlaternen gleichen, als daß man darin einen Flugkörper vermuten könnte, werden immer wieder in der Untertassen-Fachliteratur veröffebtlicht. Sie tun ein Übriges! Einmal vom UFO-Glauben angesteckt, klammern sich die Phantasten an solcherlei ´Original´-Bilder und die dazugehörigen sogenannten ´Tatsachenberichte´.

Wissenschaftliche Forschungsergebnisse werden von den UFO-Phantasten einfach ignoriert. So stoßen auch die kürzlich von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology veröffentlichten Daten und Werte über die Oberflächenbeschaffenheit der Venus, die mittels modernster Radarortungsgeräte ermittelt wurden, auf Ablehnung. Man will einfach nicht glauben, daß ein Leben auf diesem Himmelskörper nach irdischen Maßstäben unmöglich ist. Es wird langsam Zeit, daß man wieder nüchtern zu denken beginnt! Die Aufdeckung der Unsinnsmärchen des ´planetarischen Präsidenten´ Michalek hätte eine günstige Gelegenheit dazu geboten. Was werden die Untertassen-Schwindler und ihre Anhänger tun, wenn es uns Erdenbürgern erstmals gelingen wird, einen fremden Himmelskörper zu erreichen?"

Wie eingangs gesagt, dieser Artikel erschien bereits anno 1962, aber er ist inhaltlich noch heute genauso gültig. Viel haben wir daraus zu lernen: Der Wille-zum-Glauben bestimmt die UFOlogie in breiten Kreisen; auch wenn Schwindler überführt werden, läßt sich die Gemeinde nicht beirren und hält zu ihrem Guru; wurde einmal die Venus als Lebenshort der vorgeblichen Außerirdischen von beliebten/geliebten Kontaktlern benannt, ist auch der reale wissenschaftliche Gegenbeweis nicht imstande, den Gläubigen von seinem Irr-Glauben abzubringen, ja die gruppendynamischen Prozeße schweißen die ufologische Gemeinschaft nur mehr noch fester zusammen. Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Fakten garantiert zusammen mit deren Ablehnung das Überleben des ufologisch-naiven Glaubensgebäudes und ist somit ein wichtiger Teil des Immunisierungs-Modus der UFOlogie gegenüber der wirklichen Welt. Untertassen-Fanatiker sind von ihrem Weg nicht abzubringen und opfern dafür viel - auch gegen jede Logik. Aus den ufologischen Flops der Vergangenheit wird nichts gelernt und es entsteht auch keinerlei Trauma, weswegen man sich vielleicht weitaus vorsichtiger dem ´Kaiser in seinen neuen Kleidern´ annähert. Im schlimmsten Fall genügt es, wenn der Name ausgetauscht wird, Hauptsache die inhaltliche Konzeption der vorgebrachten Kontaktler-UFO-Idee überlebt weiterhin. Und genau dieser Inhalt ist es, was Herz und Seele der UFOlogie ausmachen, die tatsächlichen UFO-Observationsberichte über z.B. Lichtlein am Himmel sind nur schmückender Beipack, der fast schon gar nicht mehr interessiert.

Experte: Andere Lebewesen im All hieß es am 28.Februar 1967 in der Frankfurter Rundschau, basierend auf einer AP-Meldung aus Winter Park: Der Direktor des Raumfahrtzentrums Kap Kennedy, Debus, hat am Wochenende die Begegnung des Menschen mit "anderen Lebewesen" im Weltall vorausgesagt. Bei einem Vortrag im Rollins College von Winter Park (Florida) erklärte der deutsch-amerikanische Raumfahrtexperte: "Eine solche Aussicht kann nicht als metaphysische Spekulation abgetan werden. Sie ist eine weizt größere mathematische Gewißheit als jene frühen Theorien von Wissenschaftlern und Philosophen, deren Beobachtungen und Entdeckungen viele unserer heutigen Unternehmen erst möglich gemacht haben."

UFO über dem Siebengebirge? Zwei Polizisten sahen seltsames Licht am Himmel berichtete BILD am 17.Februar 1982 unter Arthur Gross: Seltsame Himmelserscheinung über dem Siebengebirge: zwei deutsche Polizisten haben in der Nacht ein strahlend helles Licht am Himmel gesehen, das wie eine Wunderkerze aussah. War es ein UFO? Ottomar Neugebauer (43) und Werner Talke (43), beide seit 25 Jahren bei der Autobahnpolizei, berichteten gestern BILD: "Es war in der Nacht von Freitag auf Samstag. Um 23:02 h, während einer Routinestreife auf der Autobahn nach Frankfurt, kontrollierten wir gerade den Parkplatz Logebachtal zwischen den Abfahrten Siebengebirge und Bad Honnef. Über den Bäumen sahen wir plötzlich einen sprühenden Feuerball mit einem langen Schweif. Wie eine riesige Wunderkerze. Ein Flugzeug kann es nicht gewesen sein. Zum Glück waren wir zu zweit, sonst hätte man uns für Spinner gehalten." Die Erscheinung flog von Norden nach Süden: "Es könnte das gleiche Dinge gewesen sein, was die Polizisten in Mulhouse (Frankreich) gesehen haben." Jürgen Wirth, Astronom an der Volkssternwarte Bonn: "Ein Komet kann das nicht gewesen sein!" [Hört sich verdammt nach einem Feuerball-Boliden an.]

Die Illustrierte Bunte nahm sich ab Nr.7/1982 wieder einmal den UFOs in einer Artikelserie an, ihr einfallsreicher Titel: "Das Jahrhundert-Rätsel: UFO - Spuk oder Wirklichkeit?" Auf dem von der schwangeren Uschi Glas getragenen Titelbild war´s schon protziger: "Wissenschaftler legen neue Beweise vor: UFOs sind doch keine Hirngespinste". Autorin Inge Byhan zog die neue Serie mit einem Zufallsfoto hoch, welches am 7.Januar 1982 der Hamburger Polizist Wilhelm Eisenburger (42) bei einer Privataufnahme zur Austestung seiner zum Geburtstag geschenkten Fotoausrüstung während der nächtlichen Dienstzeit beim Hamburger Michel, dem Wahrzeichen der Stadt, machte. Das transparent-wirkende, roterscheinende Kuppel-Objekt bekam das Signum der ungenannten Fachleute: "Fälschung ausgeschlossen." Das Blatt: "Ein Hamburger Polizist hat ein UFO gesehen." Kräftig aufgemotzt wurde die Berichterstattung mit "Lesen Sie diesen Bericht. Er ist eine Sensation." Eine Sensation nach der anderen bot das Blatt weiterhin an: Zwei Wolken-Fotos wurden als UFOs ausgegeben und mit "Originalfoto im besitz der brasilianischen Luftwaffe" aufgemotzt. Das Eisenburger-"UFO", welches der Fotograf nie und nimmer am Himmel fliegen gesehen haben kann, war nichts weiter als eine Linsenspiegelung (Katadioptrie), hervorgerufen durch das Rundumblinklicht auf dem Polizeiwagen. Im Text der Bunten finden wir dann noch den Hinweis, daß dies alles "ohne Sensationshascherei" vorgebracht wurde. Ein paar nette Worte und so kann man künstlich ein Jahrhunderträtsel aufziehen bzw nach bewährtem Muster weiterlaufen lassen.

Die nächste Folge heizte im BILD-Stil mit "Die geheimen Protokolle der NASA" und "Plötzlich schwenkte das Radar des NASA-Kontrollzentrums von der Rakete weg und erfaßte ein UFO" weiter den Spannungsbogen an. Der der NASA zugesprochene Aufreißer-Vorfall von 1953 (als es die NASA noch gar nicht gab) behandelte den sogenannten Kinross-Zwischenfall (der USAF zugesprochen), der nichts weiter als eine Presseente war und auf den bereits ganze Generationen einfältiger UFOlogen hereingefallen sind. Selbst heute noch. Als man dann doch zu vorgeblichen "NASA-UFO-Geheimnissen" kommt, sind dies natürlich alles "geheime" Vorfälle, über die die NASA nichts nach außen dringen lassen will, seltsamer Weise gingen die in der Bunten verwendeten Fälle teilweise schon fast zwei Jahrzehnte vor dieser aktuellen Aufmotzung des UFO-Aberglaubens durch die Agenturen der Weltpresse. Übertreibungen wie "mit irdischen Maßstäben nicht vergleichbare Raumschiffen" wurden z.B. Edwin Aldrin ob angeblich eigener UFO-Sichtungen zugeschustert. Schließlich wurde der Apollo-11-Schneemann-Effekt-Film ebenfalls als Beweis aus der zugestaubten Schublade geholt und in der Zeitschrift mit dem zugkräftigen Journalisten-Stempel "streng geheim" versehen, erst durch Kommissar Zufall wurde dieser Film "auf irgendeine Weise herausgeschleust". Diesen James Bond-Touch wollte sich die phantastiebegabte Autorin nicht nehmen lassen.

Die dritte Folge der Sensations-Reihe riß mit dem Fotospaß von einem Friseur aus Zanesville im US-Bundesstaat Ohio auf, hier natürlich immer noch als echtes UFO feilgeboten. Folge Vier hatte als Hingucker das Scherzbild eines Piloten aus Venezuela eingebracht und die Schlagzeile "Eine grauenhafte Begegnung der dritten Art" für das Verschwinden von Flug Nr.19 im sogenannten Bermuda Dreieck [inzwischen wurden die Avenger´s der Flugschüler-Staffel gefunden, sie waren nicht zum Mars oder sonsto hin entführt worden] und dem Pascagoula-Vorfall [Schwindel] zu bieten. Zwischenschlagzeile für zwei Fotos: "In den USA fand man tiefe Eindrücke eines gelandeten Raumschiffs [Schwindel von den Buben eines UFOlogen]. Und ein Polizist fotografierte ein Monstrum, das nicht von dieser Welt zu sein scheint [Schwindel mittels eines Manns in einem Feuerwehr-Feuerschutzanzug]." Das eigentlich freche Bekenntnis zum Abschluß der Reihe las man im Schlußabsatz: "Die Utopien von gestern sind heute schon Wirklichkeit." Zum Jahrhunderträtsel werden die UFOs erst durch derartige Berichterstattungen in Massenblättern gemacht. Betrachtet man als Kenner der Materie die "neuen Beweise" (wo blieben eigentlich die angekündigten "Wissenschaftler"?) genauer, stellen sich die UFOs doch als Hirngespinste heraus, als Hirngespinste die ihre Basis an den Schreibtischen gewißer Journalisten finden. Die "Dokumentation" für diese Serie nahm übrigens Ernst Meckelburg vor, auf den sich die Bunte fest verlassen hatte, da er als Materiallieferant diente.

Kein Wunder also die Leser-Reaktionen, die passend zum 1.April 1982 in der Ausgabe Nr.14/1982 abgedruckt wurden: "Ich beschäftige mich schon vier Jahre mit dem UFO-Phänomen, habe auch schon viele Bücher und Akten gewälzt und bin zu dem Entschluß gekommen, daß UFOs real existierende Phänomene sind." (Norbert Gröpl, Mellrichstadt) "Glückwunsch zu Ihrer hervorragenden Serie über das UFO-Phänomen! Nachdem ich 50 deutsche UFO-Sichtungsfälle untersucht und mit absolut glaubwürdigen Zeugen gesprochen habe, bin ich fest davon überzeugt, daß UFOs eine Realität sind..." (Michael Hesemann, Neuss) "Als Leiter einer UFO-Forschungsstation beglückwünsche ich Sie zu dieser informativen Serien!" (Roland Kernstock, Schrems) Anhand dieses sicherlich repräsentativen Querschnitts kann man nur sagen: UFOs gibt es wirklich, wenn man derartige UFO-"Informationen" wie in der Bunten vorgesetzt bekommt. Und genau dies ist der Punkt: Die Meinungsbildner führen das Publikum mit derartigen Darstellungen fehl und erwecken mit ihrem der UFOlogie selbst entnommenen Eindruck, als würden sie unabhängig die ufologischen Mythen untersucht haben und könnten sie als authentisch bestätigen. Aufgrund dessen, daß da viele Menschen eine falsche Vorstellung über die Arbeit von Journalisten haben, bekommt die UFO-Darstellung eine Wertigkeit, die sie gar nicht verdient. Der öffentliche Vertrauensvorschuß gegenüber dem Journalismus ist nicht immer das Gelbe vom Ei.


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