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17.12.2006


    
Polarlicht-Fieber, Sternschnuppen und der "rotierende Lichtball"

Mitte Dezember 2006: Da war wieder einiges am Himmel los und ein "UFO" unterwegs bei Baden-Baden?

Mitte Dezember 2006: Da war wieder einiges am Himmel los

Ein Polarlicht-Fieber, Sternschnuppen und der "rotierende Lichtball" beim Orion. Am 14.Dezember 06 gab es in astronomischen Kreisen plötzlich hellste Aufregung, da aufgrund heftiger Sonnenaktivitäten ein elektrisch geladener ´Sonnenwind´-Partikelstrom Richtung Erde unterwegs war und es einen mächtigen "Impact" der Schockfront eines solaren X-Class-Flares als Nord- bzw Polarlicht auch in unseren Regionen geben sollte und es eigentlich herrliches ´Polarlichtwetter´ über Mitteleuropa hierfür gab. Ich war auch völlig aus dem Häuschen wegen der Chance endlich auch mal ein PL zu sehen! Zudem war das Maximum des Meteorstroms der Geminiden angesagt. Eine glasklare, kalte Nacht von Donnerstag auf Freitag ließ die Sterne darüber hinaus noch funkeln und strahlen. Ab dem späteren Abend machten auch die TV-Wetternachrichten auf das zu erwartende Spektakel aufmerksam. So begab ich mich auf Ausschau-Position und wartete...wartete...wartete. Der Stern Sirius funkelte und glitzerte ´farbenprächtig´ da links unterhalb der Orion-Konstellation. Zwischenzeitlich schaute ich auch immer mal wieder im Internet bei meinen Seiten der ´üblichen Verdächtigen´ zwecks PL-Entwicklungen nach, da zumindest von Mannheim aus rein gar nichts davon zu vermerken war. Ab und zu war zwar eine Sternschnuppe zu sehen während der Orion mit dem Sirius-Anhängsel bis fast zum Zenit anstieg und es mir recht fröstelte.

In einer Logenposition befanden sich inzwischen längst die skandinavischen Länder, wo die PLs sich richtiggehend austobten und auch die Geminiden ihre Schau lieferten - zur selben Zeit. Was muss dies für eine Pracht gewesen sein. Um 3 h morgens steckte ich es während inzwischen neue Informationen umgingen, wonach für die Freitag-/Samstagnacht noch eine Chance bestand, um nach PLs zu gucken. Gegen 4 h gab es zwar hierzulande ein schwächliches Aufflackern, welches Mark Vornhusen mit einem wunderbaren Foto aus im AKM-Forum dokumentieren konnte, aber ansonsten war für uns Deutsche da nichts wirklich Schönes übriggeblieben. Die Geminiden waren auch nicht so der Hit, wenn natürlich auch erwähnenswert. Da stand also nochmals eine Beobachtungsnacht an, wenn ich die auch recht entspannt und ohne große Erwartungen beging. Auch Orion und Sirius standen schön am Himmel, wurden aber inzwischen auch langweilig. Gegen 22:15 h ging ich kurz in die Wohnung zwecks Aufwärmung zurück, als das Telefon klingelte und ich so eine ganz aktuelle UFO-Sichtung von einem Herrn aus einem Ort nahe Baden-Baden entgegennahm....und die passte wie die legendäre ´Faust aufs Auge´.

Der Anrufer hatte meine Rufnummer gerade von der Sternwarte in Freiburg erhalten, nachdem er sich dort gemeldet hatte, um etwas über den von ihm seit drei Abenden gesehenen "rotierenden Lichtball in den Farben grell-weiß, grün und blau" am Himmel zu erfahren und man dort ihm nicht weiterhelfen konnte (!?). Alle Beobachtungen begannen gegen 20 h und zogen sich über Stunden hinweg. Zunächst erschien das Phänomen am südöstlichen Himmel, ganz knapp unterhalb der Baumkronen am Ende des Gartens des Herrn. Bei längerer Hinschau schien es dabei "zu tanzen und blitzschnelle Bewegungen auf und nieder bzw von rechts nach links zu machen", um dann wieder geraume Zeit völlig ruhig am Himmel zu stehen und alle anderen Körper am Himmel klar in seiner Brillianz und Größe zu überragen. "Auffälliger geht es gar nicht mehr", berichtete der Melder unter dem Eindruck seiner Beobachtungen. Ja, tatsächlich während er mit mir via Handy sprach, sah er die Erscheinung weiterhin, jetzt aber mehr als halbhoch am Himmel wie in den beiden Nächten voraus ebenso. Und sie war weiter nach rechts und Süden gerückt in den vergangenen zwei Stunden. Wie er ausführte, verliert sie auch immer mehr an Auffälligkeit und Leuchtstärke, je höher Richtung Zenit sie in den nächsten Stunden steigt. Auch der "rotierende Effekt und die Farben" verlieren sich dabei. Dabei läuft alles absolut geräuschlos ab und die "tanzenden Bewegungen" verlieren sich dabei auch...

Ich fragte so nach, ob er mir weitere Details zur Himmelsposition geben könne, da ich inzwischen längst ahnte, was da gesehen wurde - und zwar aus eigener Betrachtung noch vor ein paar Minuten heraus. Tatsächlich stand das "Phänomen" links unterhalb der Orion-Konstellation, wie auch in den Nächten voraus. Und der Mann wusste auch, dass dies der Orion ist, weil er sich seit Jahren mit "den Sternen" beschäftigt! Nur vom hellsten Stern am irdischen Nachthimmel, dem Sirius um den es hier auch geht, hatte er zwar schon gehört, aber hier keinerlei Verbindung gezogen gehabt und wegen der "phänomenalen Erscheinung" auch gar nicht an einen Stern überhaupt gedacht! Ich erklärte ihm den autokinetischen Effekt und er konnte dem auch problemlos verstehend folgen und die Farbspiele dann selbst sich als Lichtbeugungs-Effekte in der eiskalten Luft erklären. Es fehlte ihm die ganze Zeit über nur den richtige Anstoß, um auf die Sprünge zu kommen. Und weil er die falschen Worte, eben "rotierender Lichtball" mit Farben sowie komisches Objekt am Himmel, gegenüber der Sternwarte verwendete, kamen die dortigen Leute wohl auch nicht auf den Trichter und dachten sich wohl: ´UFOs, ab damit nach Mannheim!´ Vielleicht, und das mag die Ironie sein, weil sie gerade selbst lieb er in den Himmel guckten und den Sirius bestaunten, den sie als Sachverständige natürlich nie mit derartigen Worten belegen würden. So kann man prächtig allein wegen der falschen Wortwahl aneinander vorbeireden! Und soetwas kann Fernwirkungen der ungewollten Art haben, wenn ein "UFO-Zeuge" z.B. über einen solchen Weg im falschen Glauben zurückbleibt, dass da selbst Himmelsexperten sein "UFO" nicht erklären konnten, nur weil er sich nicht richtig ausdrücken konnte und nicht die richtigen Worte fand die dem Alltag der professionellen Sterngucker entsprechen. Wir haben im UFO-Phänomen so einmal mehr nur ein rein ´dialektisches´ Problem im Sprachalltag vor uns. Ich bin mir sicher, dass wenn der Melder schon bei der Sternwarte gesagt hätte, er sehe "einen seltsamen Stern" am Himmel, dann auch in Freiburg der Weg gefunden und richtig gegangen worden wäre. Abei bei einem "rotierenden Lichtball"...? Kein Astronom würde diesen Begriff zur Darstellung des Sirius etc verwenden und ist es garantiert auch nicht gewohnt mit dieser Ausführung zur Sternbeschreibung konfrontiert zu sein.

Bemerkenswerter Weise war im AKM-Forum für Polarlichter ( http://www.meteoros.de/forum.htm ) das Thema "Spielerei mit Sirius" von Helga Schöps aus Thüringen in genau dieser Nacht der PL-Erwartungen aufgemacht worden, um darauf zu verweisen, dass der Himmel noch mehr zu bieten hat - nämlich genau den Sirius als himmlischer Augenapfel, wenn man so mag. Sie stellte auch fest, dass der Sirius sich gerade mal wieder ganz fotogen zeigte und stellte so die Aufnahme einer "Sirius-Schlange" vor - die wild-verwackelte Langzeitbelichtung von 14 Sekunden eben des großartigen Sterns. Richtig kunstvoll anzusehen. Torsten Lohf aus Lübeck stellte so bald darauf eine Farbaufnahme der tiefstehenden Capella unter ähnlichen Aufnahmebedingungen ein: aus freier Hand 8 Sekunden lang belichtet. Wunderbar anzusehen, hier unser Bild 2. Wie man schön erkennen kann, sieht man das "auseinandergezogene" Funkeln in allen möglichen Farben, wie man es auch mit dem bloßem Auge sehen kann. Und ein Teilnehmer des Forums gab sogar einen speziellen Tipp ab: Versucht mal so, euren Namen ´zu schreiben´. Das ist eine ziemliche Fieselei, aber es kann klappen. Tolle Idee!

Externe Links

http://www.meteoros.de/forum.htm

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