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21.10.2006


    
Medien, eine ganz merkwürdige Sache: Vom Himmelsphänomen und einer brennden Holzbude im Rheinland!

"Spur nach mysteriösem Brand führt ins All/Nächtlicher Hüttenzauber bei Vollmond"

So die Schlagzeile zu einem Artikel von Ralf Rohrmoser-Von Glasow im ´Kölner Stadtanzeiger´ vom 18.Oktober 2006. Hier der Artikel dazu, womit sich eine merkwürdige Geschichte entspinnt, bei der ich sofort meine ersten Bedenken hatte (siehe die ecktigen Klammern dort im Text von mir eingesetzt):

>Von den Giacobiniden oder Draconiden hat der 77 Jahre alte Emil F. vermutlich noch nie gehört. Doch für den Rest seines Lebens wird er sie wohl nicht vergessen. Denn sie haben ihm möglicherweise buchstäblich das Dach über dem Kopf weggerissen. Davon jedenfalls ist der Brandermittler der Siegburger Polizei, Kriminalhauptkommissar Achim Buchholz, fest überzeugt. Er untersucht den Brand einer Hütte in einer Troisdorfer Schrebergarten-Anlage, in der der 77-Jährige lebte. Am 8.Oktober gegen 22.30 Uhr wurde sie von den Flammen zerstört. {Aus jener Nacht ist aber kein richtiger Boliden-Vorfall auf den diversen Foren der ´üblichen Verdächtigen´ gemeldet worden und es ging bei mir auch nichts diesbezüglich ein; Mark Vornhusen konnte im Nachhinein aber aufgrund der Falldiskussion melden, dass die Überwachungskamera von München einen schwachen Boliden bzw eine größe Sternschnuppe am genannten Tag um 22:31 h aufzeichnete!} Buchholz´ Überzeugung beruht auf mehreren Fakten. An jenem Abend nämlich durchquerte die Erde den Meteorstrom besagter Giacobiniden. {So gesehen erfährt die Erde aber immer irgendwelche Kleinst-´Meteorstrombegegnungen.} Die Teilchenwolke gehört zu 21P/Giacobini-Zinner - einem Kometen, der die Erdbahn nahezu kreuzt. Manfred Gaida von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) in Bonn-Oberkassel bestätigt, dass zu diesem Datum ein Maximum an Partikeln {!} zu erwarten war. Meist verglühen sie in der Atmosphäre. ?Es ist nicht auszuschließen, dass solch {?} ein Stück bis auf den Erdboden fällt", sagt der Wissenschaftler.

Belastbare Zeugenaussage {?}: Der zweite Fakt ist eine belastbare Zeugenaussage. Leonhard Schiller wohnt in Troisdorf mit freiem Blick auf die Siegaue und die Schrebergärten. Er saß mit seiner Frau am Fenster, als er eine ?extrem grelle" Lichterscheinung am Haus vorbeifliegen sah. Etwa so groß wie ein kleiner Fußball sei sie gewesen. {Bei RTL sollte er später aber von einem "Lichtpunkt" mit Schweif sprechen.} ?Genau in Flugrichtung sah ich kurz darauf tiefschwarze Rauchwolken, dann entwickelte sich vom Boden aus ein Feuer", erinnert sich der Geschäftsmann. Er fuhr zum Brandherd und lotste Feuerwehr sowie Polizei zur Einsatzstelle. Plötzlich sei ein älterer Herr aus der schon brennenden Hütte gekommen. ?Der Mann guckte mir in die Augen und sagte, da muss was von oben gekommen sein", so Schiller. Sein Steuerberater hat zur gleichen Zeit übrigens von Siegburg-Kaldauen aus ebenfalls ein helles Licht beobachtet. Er glaubte an einen Flugzeugabsturz. Brandermittler Buchholz hat sich nach dieser Zeugenaussage an die Nachforschungen gemacht. Eine Ursache nach der anderen konnte er ausschließen - die Gasflaschen waren es nicht, Brandbeschleuniger fand er nicht, technischer Defekt schied aus. {Selbstverschuldete Entzündung wird merkwürdiger Weise erst gar nicht genannt!} Am Ende blieb dem Kriminalhauptkommissar nur {?} die Weltraum-Theorie übrig, er konferierte mit Wissenschaftlern, die ihm von den Giacobiniden oder Draconiden berichteten. Spuren des möglichen Einschlags oder gar des Teilchens aus dem All entdeckte er aber nicht. {Der Überbleibsel eines Boliden hätte ja einen ´Krater´ geschlagen! Es ist ja schon vorgekommen das Meteorite Dächer durchschlugen, aber Feuer haben die nie nachweisbar ausgelöst, weil sie in der Atmosphäre so weit abgebremst werden, dass eventuelle ´Durchkommer´ die letzten paar Kilometer einfach wie ein Sten herunterfallen. Da ´glüht´ dann gar nichts mehr. Zudem bleibt da schon ein ordentliches, schwarzes Steinchen übrig!} Durch die Löscharbeiten wurde der Untergrund aufgeweicht und umgepflügt. Es bleibt bei der höchstmöglichen Wahrscheinlichkeit. Gaidas DLR-Kollege Christian Gritzner allerdings würde ihm da einen Strich durch die Rechnung machen. Nach seinen Erkenntnissen glühen die Teilchen aus dem All auf den letzten zehn Kilometern ihres freien Falles nicht mehr. Zwar kann er sich vorstellen, dass ein Stück aus der Kometenwolke zu Boden gefallen ist, heiß genug, um einen Brand auszulösen, sei es aber vermutlich nicht mehr gewesen. {Richtig!} Er bringt eine andere Möglichkeit ins Spiel, ein Kugelblitz könnte sich in die Siegaue verirrt haben. {?, wäre das erste Mal wo ein solcher derart ´wütete´} Allerdings war es eine helle Vollmondnacht, von Gewitterwolken am Himmel keine Spur. Emil F. wird das leidlich egal sein, er hat jetzt kein Dach mehr über dem Kopf, und Brandverletzungen hat er auch noch erlitten.<

Im AKM-Forum reagierte Thomas Grau vom Feuerkugelnetz zu dieser Geschichte so: "Falls wirklich mal kometares Material die Erdoberfläche erreichen sollte, dann wird sie mit kosmischer Geschwindigkeit als ein Impaktereignis, also großer Krater und so weiter, bei uns aufschlagen. Ein brennendes Dach ist somit lächerlich. Als heiße Meteorite kommt Material von einem Meteorstrom nie an! Es ist gefrorenes Gas, wie Wasserstoff, Helium usw., welches schnell aufgerieben ist beim Flug durch die Erdatmosphäre. Deshalb sind solche Feuerkugelereignisse sehr hell, schnell und weit über unseren Köpfen! Selbst Objekte mit über 10m Durchmesser haben sich (nach meinem Wissen) noch nie tiefer als 35km Endhöhe in unsere Atmosphäre geschossen. Es bleibt nur ionisiertes Plasma zurück ... Selbst wenn nun hier ein Meteoritenfall gewesen wäre, wo festes Material den Erdboden erreicht hat und zufällig auch auf das Dach des alten Mannes gefallen wäre, so stellt sich die Frage, sind jene Meteorite so heiß, das sie einen Brand auslösen? Nach einem Meteoritenfall ist noch nie so etwas berichtet worden. Ich kenne einen Bericht vom Fall Stannern 1808, wo ein Meteorit in den Dorfteich gefallen ist und dieser soll kurz gezischt haben. Weitere Steine die unweit von Menschen einschlugen, sollen noch leicht warm gewesen sein. In Morávka ist im Mai 2000 ein 250g Meteorit einen Meter neben einer Person aufgeschlagen und dieser hat den handwarmen Stein sofort aufgehoben. Er soll sich aber auch schnell abgekühlt haben. Da die Steine aus dem All für uns recht kalt sind, etwa so kalt wie die unbeleuchtete Seite vom Mond (ca. -150°C !), sollte die Ausgangstemperatur sehr niedrig sein. Während des Falles durch die Erdatmosphäre gibt es zwei Phasen. Die Hochgeschwindigkeitsphase kommt zu erst, wenn man die Feuerkugelerscheinung beobachten kann. Doch dabei geht der Abrieb des Materials vom Meteoriten schneller von statten als die Wärmeleitung im Atomgitter möglich ist! Die Innere Energie (Temperatur) des übrig bleibenden Materials ist somit immer noch die selbe! Die zweite Phase ist die langsamere aber auch viel längere und man nennt sie Dunkelflug, da nichts mehr glüht oder heuchtet. Zum Ende hin fallen nämlich alle Meteorite bei einem normalen Meteoritenfall zwischen 180km/h bis 400km/h zu Boden, je nach dem wie groß sie sind und wie gut sie ihre Trägheit (Fallgeschwindigkeit) behalten können. Dies ist eine Phase in dem der Meteorit auf Atmosphärentemperatur gekühlt oder erwärmt wird! Wichtig ist nämlich der Übergang von einer zur anderen Phase und wie groß das endgültige Fragment des Meteoriten zu diesem Zeitpunkt ist. Denn bei diesem Übergang wird die Oberfläche des entstehenden Meteoriten immer noch aufgeschmolzen und vom Luftstrom weggerissen. Doch je niedriger die Temperatur der entstehenden Schmelze ist, um so schlechter läst sie sich auch wegpusten. Letztlich ist die Schmelzkruste, die einen Meteoriten umgibt, das heiße klebengebliebene Material, welches zur Erwärmung des gesamten Steins beitragen kann. Doch diese Kruste ist viel dünner als ein Millimeter. Die Materie der Schmelzkruste ist im Vergleich zum Rest des Meteoritenmaterials fast zu vernachlässigen, wenn man eine gewisse Größe des Meteoriten annimmt...."

Die Folgen der Geschichte entsponnen eine Medien-Aufregung, scheinbar wegen der ´Experten-Meinungen´ und dem angeblichen ´Meteoriten-Schaden´ als solchen. Zunächst hatte BILD am 20.Oktober bundesweit die Meldung "Gartenhaus durch rätselhaften Einschlag abgefackelt/War das ein Feuerball aus dem All?" gesetzt, was die dpa dazu veranlasste am späten Vormittag einen Nachschlag zu bringen, der am frühen Abend lt. Google-News bereits von bald 60 Medien aufgegriffen worden war. Inzwischen berichtete im AKM-Forum ein Teilnehmer hiervon und fand bei N-TV einen Beitrag. Grau reagierte darauf, kontaktierte den Sender und N-TV setzte eine eigene Geschichte hierzu auf ( http://www.n-tv.de/723339.html , den Link setzte ich dann in die Foren der ´üblichen Verdächtigen ab, damit diese Wendung nicht untergeht): "Meteorit brannte Laube ab - Geschichte ist leider falsch". Hier der Artikel:

>Angeblich durch einen Meteoriteneinschlag ist in der Nähe von Bonn ein Schrebergartenhaus in Brand geraten. Nach zweiwöchigen Ermittlungen teilte die Siegburger Polizei am Freitag mit, eine andere Ursache komme nicht in Betracht. Bei dem Brand am 8. Oktober war der 77-jährige Eigentümer des Häuschens in dem Örtchen Müllekoven schwer verletzt worden. Ein Leser von n-tv.de weist allerdings darauf hin, dass die Geschichte "nie stimmen kann". Bislang sei noch nie berichtet worden, dass Meteoriten Brände ausgelöst hätten, schreibt Thomas Grau zudem in einem Internet-Forum (siehe Link). Grau betreibt die Website www.ausgangspunkt-erde.de. (1) Material von einem Meteorstrom komme nie als heiße Materie auf der Erde an. Die englischsprachige Wikipedia bestätigt diese Darstellung: "Berichten zufolge sind Meteoriten bei der Landung gelegentlich handwarm, aber niemals heiß." Ein Sprecher der Siegburger Polizei sagte dagegen: "Wir haben alle Möglichkeiten überprüft, es gab aber weder einen Brandbeschleuniger noch einen elektrischen Defekt." Augenzeugen hätten aber von einer leuchtenden Himmelserscheinung gesprochen, die unmittelbar vor dem Feuer auf den Boden gerast sei. Die Ermittler erhielten daraufhin von der Sternwarte Bochum die Auskunft, dass sich die Erde zu diesem Zeitpunkt durch ein dichtes Meteoritensplitterfeld bewegte. "Wir gehen deshalb davon aus, dass ein winziger Meteorit das Gartenhaus traf, der vermutlich nicht größer als ein Sandkorn war", sagte der Sprecher. Der Eigentümer der Hütte erlitt Brandverletzungen am Gesicht und an den Händen. Er befand sich am Freitag noch im Krankenhaus. Meteoriten stammen von Kometen und Asteroiden oder bestehen aus abgesprengten Teilen von anderen Planeten. Pro Jahr erreichen mehr als 19.000 Meteoriten mit einer Masse von mehr als 100 Gramm die Erdoberfläche. Die wenigsten davon werden gefunden: Die meisten stürzen ins Meer oder auf unbewohntes Gebiet.<

(1) = Unter http://www.ausgangspunkt-erde.de./P... finden Sie auch den Eintrag: CENAP - Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene . Der Mannheimer Amateur-Astronom Werner Walter ist ein "Ausnahmefall" in der so genannten UFO-Szene, ein UFOlogie-Kritiker und UFO-Skeptiker (was exotische Erscheinungen angeht). Seit Jahren betreibt er in Mannheim eine UFO-Meldestelle, die von der Öffentlichkeit ebenso gerne genutzt wird um Beobachtungsmeldungen einzureichen bzw Nachzufragen was die Wahrnehmungen eigentlich beinhalten. Immer wieder werden tatsächlich außerirdische Objekte als UFOs gemeldet - helle Feuerball-Boliden, helle Planeten und Sterne am abendlichen Himmel. CENAP, c/o Werner Walter, Eisenacher Weg 16, 68309 Mannheim; UFO-Telefon: 0621-701370; e-Mail: [email protected] ; Internet: http://www.cenap.org .

Nützte wohl nicht viel, vor allen Dingen weil dies so nicht an die große Glocke gehängt weitergegeben wurde. Grau hätte da besser eine PM breit gestreut herausgegeben, als nur punktuell zu reagieren. Inzwischen war bei der dpa offenbar die ´Meteor´-Hysterie eingeschlagen, weil sich die Story wie warme Brötchen verkaufte. Am späten Nachmittag kam so noch eine andere Meldung in Umlauf: "Halleys Komet sorgt für Sternschnuppen am Morgenhimmel. Cambridge (dpa) - Eine Staubspur des Halleyschen Kometen, die die Erde zurzeit durchquert, sorgt bei gutem Wetter für Sternschnuppen am Morgenhimmel. Bis Dienstag können stündlich bis zu 20 Meteore aufflammen, meldet die US-Zeitschrift ´Sky & Telescope´. Der Ausstrahlungspunkt der so genannten Orioniden liegt etwas nördlich vom Kopf des Sternbildes Orion am Osthimmel. Durch den momentanen Neumond sind die Sternschnuppen besonders gut zu beobachten - sofern das Wetter mitspielt."

Wie ich bei Paperball.de am frühen Samstagvormittag sehen konnte, waren hiernach 92 Zeitungen erfasst, die den dpa-Artikel zum ´Brandmeteoriten´ übernommen hatten (die Orionoiden-Meldung brachte es bei Google-News auf 53 und später bei Paperball auf 77 Einträge). Schon auf praktisch allen Videotextseiten der TV-Sender war die Meldung ab dem frühen Abend aufgesetzt und auch die Nachrichten von ZDF, WDR3 und RTL brachten Beiträge hierzu - wobei RTL´s Mitternachtsnachrichten der ganzen Story einen "witzigen" Beigeschmack in Sachen "kleine grüne Männchen" auf einer Fliegenden Untertasse gaben, zudem zeigte man dazu aus dem berühmten Peekskill-Feuerballboliden-Film, um das Himmelsphänomene von Troisdorf damit in Verbindung zu bringen. Gut gedacht, aber in diesem Fall völlig und abenteuerlich daneben. Eine Dramatik, die der Sternschnuppenbeobachtung keineswegs gerecht wird. Übrigens wurde hier auch der Krankenhaus-Arzt von Herrn F. gezeigt, welcher erklärte, dass der Patient "nur aufgrund der besonderen Umstände aufgenommen wurde, da er ansonsten keine Krankenversicherung besitzt". Und die abgebrannte Hütte war eher so etwas wie Marke Eigenbau als Mini-Bauernhof für die Selbstversorgung einst ausgelegt gewesen. Herr F. selbst erklärte geschlafen zu haben, als das brennende Dach "wie ein Feuerball" herabbrach. Aber wenn es schon so stark brande, muss er ja einen festen Schlaf gehabt haben - zudem geht z.B. eine Holzdecke im Feuer nach dem Verlust ihrer Stabilität eh wie in einer Art "Feuerball" herunter. Da wurde mir schnell klar, dass da ´Meister Zufall´ eine große Rolle spielte und dann scheinbar die verwendeten Worte die Sache erst ins Rollen brachte, als man da Kausalzusammenhänge schuf und eine falsche Assoziation damit entstand. Jaja, die Rheinländer mit ihrem sonnigen Gemüt bei ´Kölsch´, ´Pilsken´ und ´Alt´... Und dann noch eine Überraschung, als mich ein Kollege von Astrotreff.de extra kontaktierte, um zu berichten: "Troisdorf (der Einschlagsort) ist von mir aus etwa 3 km entfernt. Doch, und das ist nun vertraulich und geht nur an dich: Letztlich ist sich die Polizei genau so unsicher. Die Verletzungen des Mannes enstanden definitiv nicht vom Meteoriten, sondern vom Feuer in der Laube (anders, als RTL heute im TV berichtete). Ferner sei der gute Herr auf Grund übermäßigen Alkoholkonsums erst sehr spät in der brennenden Laube aufgewacht, ´von der Flamme wachgeküsst´, sagte ein Lauben-Nachbar ..." Durchaus also am ehesten Wahrscheinlich, dass der alte Mann seine Bude selbst entzündet hat - und genau dieser Punkt wird von der Polizei erst gar nicht in diesem Fall zur Sprache gebracht, sehr seltsam. Na dann Prost, konnte ich nur noch zu mir sagen. Ein ´verrückte´ Geschichte hat sich wüst entwickelt! So sah es also aus, die eigentlich unnötige Medien-Hype um eine vermeintliche Sensation! Da hat niemand vernünftig die Dinge mit dem rechten Maß zusammengebracht. Das Versagen von Polizei, Astronomen und Journalisten selbst verquirlte sich hier zu diesem ungewöhnlichen Mix. Da ist es kein Wunder, wenn die Medien mit "UFOs" erst recht nicht umgehen können und da auch im Rückblick meist nur Bockmist herauskommen musste. Bei vermeintlichen Sensationen verlieren die Menschen schnell den Überblick - und auch den kühlen Verstand.

Zufälliger Weise berichteten die ´Oberösterr.Nachrichten´ am 21.Oktober 06 dann hiervon: >Von oben kam er her! Prambachkirchen, 5. November 1932, 22 Uhr: Eine Leuchterscheinung, gefolgt von Donnergrollen, erschreckt zwei Burschen, die sich gerade zum "Fensterln" anschicken, fast zu Tode. Was damals ein erotisches Abenteuer zunichte machte, lässt heute die Herzen der Astronomen höher schlagen: der "Meteorit von Prambachkirchen". Was sich damals in Prambachkirchen tatsächlich abspielte, welche anderen spektakulären Fälle es in Österreich gibt und wie man Meteorite klassifiziert, erklärte Herbert Raab von der Linzer Astronomischen Gemeinschaft bei einem Vortrag am Linzer Biologiezentrum. Sieben Meteorite sind bisher in Österreich gefunden worden, nur zwei in Oberösterreich. Der erste war der "Meteorit von Mauerkirchen", der am 20. November 1768 im Feld des Bauern Georg Bart einschlug. Er wog 19 Kilo und bohrte sich 79 cm tief in den Boden. Augenzeugen berichteten, dass er von so weicher Materie war, dass man ihn mit dem Finger hätte zerreiben können. Man dachte, er habe sich in 1260 m Höhe durch Einwirkung eines Blitzes aus Staub gebildet. Teile des Meteoriten befinden sich heute in der Mineralogischen Staatssammlung München, ein 2,7 g kleines Bruchstück im oö. Landesmuseum. Es dauerte bis zum 5. November 1932, ehe wieder ein Bote aus dem Sonnensystem Oberösterreich heimsuchte, und zwar in einem Wintersaatfeld des Prambachkirchner Ortsteils Obergallspach. Herbert Raab zitierte mehrere Augenzeugen. Gegen 22 Uhr war die Gegend in dichten Nebel gehüllt. Ein Mann ging gerade an einem Gehöft vorbei, "als es von einem schwefelartigen Licht taghell wurde". Sekunden später gab es einen lauten Doppelknall, dann ein gurgelndes Geräusch, dann Stille - der Meteorit wurde in 12 km Höhe abgebremst, der Stein fiel mit 300 km/h zu Boden. Das helle Licht war in der ganzen Region sichtbar. In Seewalchen sprang ein Bäckermeister vor Schreck in den Straßengraben, weil er sich im Lichtkegel eines Autoscheinwerfers wähnte. Er beobachtete, wie sich der Meteorit in zwei Teile spaltete, die rötlich und weißlich aufblitzten und einen "raketenförmigen Schweif" nach sich zogen. Ein Frankenburger sah eine blass strahlende Feuerkugel in "Biskuitform", die sich in der Luft teilte.

Über den Hohen Tauern: Tags darauf wurden die Felder westlich von Obergallspach abgesucht. In einer Vertiefung wurde man fündig: 23 Zentimeter tief hatte sich der Meteorit in den Lehm gebohrt. Das zweite Bruchstück blieb verschollen. "Er trat über den Hohen Tauern in die Atmosphäre ein und zog nach Nordnordwest weiter", sagte Herbert Raab. 1995 hat er die Bahn neu berechnet. Der Meteorit hatte eine kosmische Geschwindigkeit von 13 km/sec. und stammte aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Das Bruchstück von Prambachkirchen wiegt 2,12 kg und ist im Besitz des oö. Landesmuseums. Bis 27.Oktober ist es im Museum Perg ausgestellt. Man unterscheidet zwei Arten von Meteoriten: "Undifferenzierte" Meteorite (90 Prozent der Fundstücke) oder "Chondrite" bildeten sich aus dem Gesteinskondensat des frühen Sonnensystems - dazu zählt auch der Prambachkirchner. "Differenzierte" Meteorite bestehen aus Eisenkern und Gesteinsschale und sind abgesplitterte Partikel von Asteroiden. Nur ein einziger Fall ist überliefert, in dem ein Mensch von einem Meteoriten getroffen wurde: Am 30.11.1954 schlug er durch das Dach eines Holzhauses in Sylacauga (US-Staat Alabama), prallte vom Radio ab und erwischte die Hausfrau Ann Hodges, die am Diwan gerade ein Nickerchen machte, an der Hüfte.

Wenn ein Gesteinsbrocken mindestens drei der folgenden fünf Merkmale aufweist, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Meteoriten: ? Matte, schwarze oder rostbraune Oberfläche; ? Große Dichte, hohes Gewicht (wegen des enthaltenen Eisens); ? Wird von Magneten angezogen; ? Anschliff zeigt metallischen Glanz oder Metallkörner; ? Kompakt und massiv<

So war die Lage am Samstagmorgen. Meine Suche auch über Yahoo-News nach vielleicht inzwischen aufgekommen Richtigstellungen des Geschehens via Agenturmeldungen durch Vertreter aus der offiziellen astronomischen Welt erbrachte - NULL. Untereinander in den Foren regten sie sich auf, aber nach außen hin hatte bis Dato niemand etwas in Gestalt einer Pressemitteilung getan. Erstaunlich. Also setzte ich mich hin und verfasste eine PM, insbesondere auch angeregt, weil RTL´s ´Nachtjournal´ verkündete: "Wir werden die Sache weiter verfolgen!" Gut. So ging auch gleich die erste PM an RTL´s Nachrichtenredaktion hinaus. Bis kurz nach 10 h waren dann alle a) ins betroffene Gebiet und b) an die großen Agenturen im Land verschickt. Hier ihr Inhalt:

>Zweifelhaftes "Himmelswunder" hat wohl keine Gartenlaube in Brand gesteckt - Sachverständiger glaubt da an ganz irdische Ursachen

Mannheim. Die Presse und das Fernsehen berichteten im ganzen Land gerade von der angeblich von einem "himmlischen Besucher" in Brand gesteckte Gartenlaube in Troisdorf am späten Abend des 8.Oktober. Tatsächlich war auch eine besondere Sternschnuppe von einer Himmelsüberwachungskamera in München aufgenommen worden. "Aber die hat nichts mit dem Feuer in der inzwischen berühmten Gartenlaube zu tun", so Werner Walter (49) vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (www.cenap.de) in Mannheim in seiner Vorfallsanalyse. Jene Sternschnuppe flog über den Himmel und kam nicht herunter, wie die Flugbahnaufzeichnung ausweist. Dazu muss man wissen, so Walter, das Sternschnuppen tatsächlich nur durch sandkorngroße Partikelchen hervorgerufen werden, die einfach in der Hochatmosphäre verglühen. "Nur größere Teile, quasi richtige Steine aus dem All, können durch die Atmosphäre durchkommen, aber die schlagen mit großer Wucht mit einem Kraterschlag ein" - und einen Krater gibt es weit und breit am Ort des Feuers nicht. Der Mannheimer Sachverständige für besondere Himmelsphänomen: "Einen solchen Brocken kann man eigentlich nicht übersehen, da stolpert man drüber." Zudem sind die Verursacher jener Meteore als Feuerball-Boliden über hunderte von Kilometer weit ganz prächtig am Himmel auszumachen und werden "von Tausenden" gesehen. Was in diesem Fall keineswegs gegeben ist, es gibt hier nur ein oder zwei Beobachter einer "Himmelserscheinung", wie es eben für ordinäre Sternschnuppen der Fall ist.

Hinzu kommen noch andere grundlegende und physikalisch bedingte Umstände für einen echten Steinschlag aus dem Universum: Aufgrund der hohen Geschwindigkeit dieser "Eintrittskörper" ist unterhalb von vielleicht 70 Kilometern Höhe auch eine rumpelnde Geräuschentwicklung über ein weiteres Gebiet hin wahrzunehmen, "die die Leute aus den Betten treibt, weil da die Scheiben aufgrund des Luftdrucks wackeln. Das gibt einen richtigen Rumms". Doch niemand meldete auch dies. Und dann ein ausschlaggebendes Argument des Skeptikers: Niedergegangene Meteorite sind bestensfalls nur noch "warm", wenn sie auf dem Boden aufschlagen - und keineswegs imstande ein Feuer zu entzünden. Dies ist nur eine Mär, "ein Mythos der sich selbst in astronomischen Kreisen irgendwie hält." Selbst Meteorite die mitten im Sommer auf strohtrockene Felder einschlugen haben nie einen Brand dort entfacht, wie sollen sie dann Holz in der ersten Herbstfeuchte von außen her zum brennen bringen? Daher ist die Ursache in dieser Geschichte sicherlich ganz irdischer Natur. "Vielleicht hat der alte Herr in seiner Laube mit sich selbst gefeiert und dabei entstand das Feuer. Viele Menschen sind schon mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen und dann stand die Bude lichterloh in Flammen...", vermutet Walter und wundert sich darüber, das in der Polizeiverlautbarung ausgerechnet dieser Punkt nicht zur Sprache kam. Ende.<

Externe Links

http://www.n-tv.de/723339.html
http://www.ausgangspunkt-erde.de./Partner/Partner.html
http://www.cenap.org
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