. Zurück C E N A P

07.09.2006


    
Nachgereicht: "UFO" über Bahrain?

Mysteriös erscheinende Himmelserscheinung - doch war sie es wirklich? Ein UFO-Standardfall

Chaz Stuart machte auf der Project 1947-Liste am 9.August 2006 uns darauf aufmerksam, dass die Zeitung ´Gulf Daily News´ eine entsprechende Titelstory aufgesetzt hatte. Sonach fuhr der 35-jährige Ingenieur Omerdeen Hamad Idrees zusammen mit seiner Frau Shiyara und ihrem 4-jährigen Sohn Imran gegen 21 h (dies war in der Dämmerungszeit) am vergangenen Montagabend (7.8.) im PKW entlang der Sitra Causeway von Manama um ins Sitra-Einkaufszentrum zu gelangen. Auf dieser Fahrt sahen sie ein "UFO", welches sich sehr langsam am Himmel bewegte und scheinbar drehende Bewegungen über der Tubli Bay ausführte. Da der Mann immer seine Digitalkamera bei sich hat, gab er seiner Frau den Auftrag damit die Erscheinung zu fotografieren. Sie machte drei oder vier Bilder bevor das Objekt direkt über den PKW kam und eine Brücke ihnen die Sicht nahm. Als die Bilder dann auf den Computermonitor geschickt wurden, sah dies alles "something very strange" aus. Der Mann: "So etwas habe ich noch niemals zuvor gesehen." Nach: http://www.gulf-daily-news.com/Stor...

Die Geschichte gab eindeutig viel zu wenig her. Was da überhaupt vorgefallen war und wie die Beobachtungssituation aussah - dies alles wurde keineswegs richtig klar. Positiv dagegen war, dass der angegebene Link es ermöglichte die Titelseite des Tages als pdf-Dokument abzurufen. Dort findet man auch die Headline inmitten eines "UFO-Fotos", in welchen auch der Text eingebettet worden war. Die verwendete Aufnahme zeigt mal wieder eine nächtliche Aufnahme mit einem dicken ovalen ´Körper´, eindeutig defokusiert geknippst und genau deswegen schaut dies mal wieder "very strange" auf dem Computer aus - SO jedenfalls sah das Objekt am Himmel nicht aus. Das der Mann das was er auf dem Monitor sah, vorher noch nie gesehen hat, kann man ihm gerne abnehmen. Was aber noch gar nichts über das Himmelsobjekt selbst aussagt! Allein schon durch den Umstand, dass da wild von der Ehefrau (konnte der Mann mit seiner Kamera nicht fotografieren, weil er die Hand am Lenkrad hatte und den PKW fuhr?) drauflosgezoomt wurde und dann noch defokusiert diese Erscheinung artefaktisch entstand, ließ darauf schließen, dass das eigentliche Objekt wohl nur ein Lichtpunkt am Himmel war. Das Geschmäckle hing mir zu sehr in der Luft, dass die scheinbare Bewegung des Objektes über der Brücke einfach nur eine Illusion aufgrund der eigenen PKW-Fahrbewegung ist (diesen ´Begleiteffekt´ kennt man aufgrund astronomischer Körper niedrig am Himmel und in Sicht für die PKW-Insassen schon ganz gut). Wie es bei fast allen UFO-Situationen dieser Art der Ausgangsfall ist. So gesehen war die Geschichte hier für den sachkundigen und erfahrenen UFO-Ermittler zunächst mal überhaupt nicht ´aufregend´.

Am nächsten Tag berichtete Stuart Neues in der Sache: Die Zeitung ´Gulf Daily News´ hatte einen Folgeartikel namens "UFO Mystery" aufgesetzt. Inzwischen hatte sich der 35-jährige Inder Joy Michael als weiterer Zeuge der "Fliegenden Untertasse" von Montagabend gemeldet, der jene aber bereits um 18:10 h (da war es noch hell) über dem Bahrain Financial Harbor gesehen hatte, als er in Begleitung eines Kollegen nach Hause fuhr. Dabei hatte er "für einige Sekunden" ein "scheinbar sich drehendes schüsselartiges Ding" in Sicht. Er glaubt, dass das in der Zeitung abgedruckte Bild genau jene Erscheinung zeige, die er gesehen habe und es beweise auch, dass da etwas "für eine ganze Weile" am Himmel war. Also von 18:10 h bis 21 h ? Doch auch hier keine weiteren Details. Zudem ist das gezeigte ´Gebilde´ im Blatt nicht die wahre Erscheinung und eindeutig nur ein fotografischer Effekt. DIES kann niemand am Himmel mit unbewaffnetem Auge sehen, abgesehen wenn er einen Augenschaden hat, womit er aber nicht mehr PKW-Fahren kann. Um die Geschichte aufzublasen, wurde einfach nochmals der Text vom Vortag nochmals eingefügt, dafür wurden aber die wichtigen details weggelassen. So etwas macht mich immer ´rasend´ bei der "journalistischen Arbeit" bzw dem Versagen dieser. Dazu muss man wissen, wie eine Zeitungsseite entsteht: In der Redaktionsitzung wird bestimmt, welche Geschichten auf eine Seite kommen. Daraus entsteht das Seitenlayout mit aufgezogenen Rahmen für jeden Einzelbeitrag und der Chefredakteur bestimmt zu jeder Geschichte die Zeilenzahl und damit das Volumen jedes Artikel vorab - und der verantwortliche Schreiber muss dann seinen Text da unterbringen. In diesem Fall war natürlich das Bild als Eyecatcher dominierend. Wie die Zeitung jetzt berichtete, hatte Physik-Professor Dr.Waheeb Alnaser von der Universität Bahrain und Vize-Vorsitzender der dortigen Astronomischen Gesellschaft eine "rationale Erklärung" (festschnallen) für die UFO-Erscheinung abgegeben: "Was die Leuten meiner Schätzung nach sahen war eine Reflektion am Horizont - vielleicht von Satelliten-Panelen. Dies ist gar nicht mal so selten..." Nach seiner Auffassung können so schon mal bis zu drei "leuchtende Flecken" am Horizont als Reflektion erscheinen die dann "wie Fliegende Untertassen ausschauen" und den normalen Menschen beeindrucken. Vehemment lehnt er dagegen die von einem anderen Zeitungsleser eingebrachte Erklärung ab, wonach das Bild einfach nur den schlecht fotografierten Planeten Mars zeige. "Der Mars zieht derzeiten weit von uns weg und ist mit dem bloßen Auge gar nicht zu sehen", so der Astronomie-Professor. Herr Idrees dagegen bestätigte noch einmal, eindeutig ein UFO gesehen zu haben, was "so nahe" war. Die zivile Luftfahrtbehörde dagegen lehnten es ab das Thema zu kommentieren. Siehe: http://www.gulf-daily-news.com/Stor... . Auf UFO Updates - Toronto wurde der Astronom dann gleich als UFO-Debunker abgezeichnet, wohl in Erinnerung an Donald Menzel, der es einst auch gerne mit Fata Morgana-Erscheinungen hatte und damit eine verblüffende "UFO-Erklärungs-Reputation" erfuhr.

Am 11.August brachte die Zeitung nochmals eine Meldung mit der Schlagzeile "UFO Spotted Over The Three Of Life" (= eine alleinstehende Palme in einem ansonsten kargen Wüstenabschnitt 2 km südlich von Jebel Dukhan beim dortigen U00d6l-Museum). Der Pakistani Mohammed Adnan, 40 Jahre alt, behauptete nun zusammen mit sechs anderen Leuten schon vor drei Wochen über der Palme das "grün-weiße sich drehende Licht" stehen gesehen zu haben. Wir kennen dies als den "Über-den-Baumwipfeln"-Effekt. Für ihn war dies eine sehr ungewöhnliche Beobachtung in Anbetracht der berühmten Palme gewesen. Damals hatte er es zusammen mit seinen Begleitern gegen 19 h für einige Sekunden gesehen gehabt, "bevor es in den Wolken verschwand". So etwas ist leichtfüssig schnell dahingesagt, kann aber auch gleichsam bedeuten, das diese Erscheinung durch Wolken verdeckt wurde. Tatsache hingegen ist der unleugbare Umstand, das in diesen Tagen gegen 21 h der helle Planet JUPITER den Himmel dominierte, wie ein funkelndes Juwel an Ort war er gerade viertelhoch am südwestlichen Himmel zu sehen, absteigend. Übrigens wird bei meinem astronomischen ´Starry Night´-Programm (siehe dazu auch das JUFOF Nr.165, wo die neueste Version der Software besprochen wurde) die horizontnahe Landschaft durch Bäume angezeigt und in Sachen Adnan-Sichtung für 19 h irgendwann Mitte Juli der Jupiter zufällig über einem Baum angezeigt. Natürlich in der Zeit der Vordämmerung, quasi fast "am Tage". Aber es ist grundsätzlich möglich, besonders helle Planeten wie Jupiter und Venus, auch in einer solchen Situation zu sehen, entweder weil man weiß, wo man gucken muss, oder auf Zufall hin. Ähnliche Erfahrungen kann man mit solchen Objekten auch nach der Morgendämmerung machen, ich habe auch schon ein paar Mal z.B. die Venus noch um 10 h vormittags gesehen. Wie der liebe Herr Astronomie-Professor aber auf den Mars einstieg und dabei den Jupiter schlichtweg "übersah" geht mir nicht wirklich in den Kopf. Seine praktische Zeit am Teleskop scheint auch ein Stückchen zeitlich zurückzuliegen, sonst würde er sich an seine "first light"-Erfahrung beim ´ersten Mal´ der Teleskopausrichtung erinnern. Soviel, nebenbei, zu den Sachverständigen, welche dann das wirklich Naheliegende übersehen und zu wilden Spekulationsgeschichten wie der Satelliten-Panel-Reflektion ansetzen. Die Folge davon kann die Entstehung von unnützen Verschwörungs-Theorien fördern. Inklusive dem Verhalten der Luftfahrtbehörde, die sich nicht äußerte - einfach, weil dies nicht ihr Thema war. Was aber schnell als ein "Hintergrundwissen um ein echtes UFO" falsch verstanden werden kann, jedenfalls bei jenen, die in der ufologischen Wahnwelt leben.

Externe Links

http://www.gulf-daily-news.com/Story.asp?Article=152045&Sn=BNEW&IssueID=29142
http://www.gulf-daily-news.com/Story.asp?Article=152128&Sn=BNEW&IssueID=29143

Views: 1661