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10.07.1999


    
RTL: Sabrina, 9.Juli 1999: Ausserirdische

TV-Kritik

Seit geraumer Zeit gab es mal wieder eine Alien-Talkshow. Dieses Mal in aller Frühe, morgens um 10 h bei RTL. Sabrina rief am 9.Juli 1999 zum außerirdischen Quassel-Talk. Zunächst kamen zwei Alien-Kontaktierte zu Wort, von denen man noch nie zuvor was gehört hatte. Der jüngere von beiden, Andreas (22), wurde von denen da Oben ausgewählt, weil er ein "sensitiver Mensch" ist und den Auftrag bekam, die Menschen mit überspannter Phantasie wieder in die Realitäten zurückzuholen (zumindest dies ist eine neue Facette: das Helfer-Syndrom). Der Ältere, Albert, bekam diverse Sprachen gelehrt - seine Aliens kommen aus dem "21.Sonnensystem" und ihre eigene Sprache hört sich an, wie wenn man ein Tonband rückwärts laufen läßt. Andreas ist genauso wie Albert auserwählt, um den ETs zu dienen: "...die Aliens strahlen eine Energie aus, mit der sie das Gehirn den Menschen beeinflußen - speziell die Teile, die für die Phantasie und Träume verantwortlich sind...und damit werden die Menschen überstrapaziert..." Wie gehabt. Wie gehabt auch der Pseudo-"Skeptiker" Hartmut (29) vom Typ "Mr.Oberwichtig" und super-cool zur Aufmischung der Alien-Fraktion. Die beiden Alien-Kontaktler nannte er sogleich "Luftpumpen" und "Muscheltaucher" um als populistischer Stimmungs-Clown zu dienen. Naja, er verwies ironisch darauf, daß die Aliens außergerechnet immer Leute aussuchen, mit denen auf der Erde schon niemand mehr redet, hier die Möglichkeit sehen sich in den Mittelpunkt zu stellen und "wichtig zu tun, was sonst nicht klappt". Das ist sein Punkt, aber die Form...

Und dann der Höhepunkt der Show: Die 49jährige Nadja, ein "sensitives Medium" (Channel), welches nicht Sprachrohr Gottes, sondern des Raumflotten-Oberkommandierenden Ashtar ist! Und da schau her: Erstmals meldete sich Asthar bei ihr in einem Nod-Tod-Erlebnis nach einer Operation anno 1989! Damit stellte sich ihr Leben auf den Kopf. Später stellte er sich auch via holografische Transmission vor. Die Kontakte zu Ashtar laufen bei ihr auf zwei Ebenen: Volltrance, in der die eigene Persönlichkeit der Frau zurücktritt und Ashtar das Kommando in ihr übernimmt, nicht umsonst sind Nadja und Ashtar eins. Dann die Trance in der die vollbewußt da ist und alles wahrnimmt. Genau dieser Kontakt sollte nun mittels Publikumsfragen vorgestellt werden. Eine Dame fragte so nach der Sonnenfinsternis vom 11.August und ob dabei mit dem Weltuntergang zu rechnen ist. Nadja sitzt da und gibt sofort Antwort: Nix dramatisches passiert. Gepaart mit einer Weisheit: "Vor allem sei Dir bewußt, daß Du der Schöpfer Deiner Realität bist - und dies gilt für alle." Mit solchen Phrasen und Floskeln aus der Esoterik ging es dann weiter und der "Skeptiker" Hartmut nannte dies alles "Spinnerei".

Danach kam Hartwig Hausdorf (43) als "sehr renommierter Sachbuchautor" auf die Bühne (schleppte auch gleich seine Bücher unter´m Arm mit), um zuzugestehen durch Erich von Däniken´s Klassiker "animiert" worden zu sein und seither "Akte X" in echt zu machen. Bei seinem Nachforschungen stellte er einige Dinge fest, die die UFO-Szene gar nicht so gerne hört. Rindviehverstümmelungen und sonstige tödliche Begegnungen von Menschen mit den Aliens. Hans-Georg (45) hat es von unserer Mutter Venus und der Botschaft der Nächstenliebe, weil er selbst ein "überzeugter Venusier" ist. Seiner Story nach kam die Menschheit von der Venus, wir sind also Aussiedler - sein Beweis: Die Hopi-Indianer mit ihrem Mythos von den Göttern die vom Himmel kamen.

Rolf (45) sieht regelmäßig UFOs als hüpfende Lichter am Himmel. Daraufhin meldete er dies der Flugsicherung und deswegen kam es zwei Tage später bei ihm eine Hausdurchsuchung durch die Kripo, aber "da sind noch ganz andere Dinge abgelaufen". Man staunt da nur, da solche Dinge "auch Freunden von mir passieren". Rolf ist da total in einer Vertuschungs-Paranoia abgeglitten, die offenbar durch die populäre UFO-Literatur genährt wird: Politiker rücken nichts über UFOs raus, um eine Massenhysterie zu vermeiden; die Medien bekommen Wegerklärungs-Artikel geliefert, sobald UFO-Darstellungen auftauchen; die USA kooperieren mit den Greys in einem Technologie-Austausch.

Die Show wurde von der Pseudo-Entertainerin "Funky Taurus" (ohne Alter) von der Gruppe "The Mothership-Connection" in Köln (George Clinton´s Original-Mothership-Connection-Space-Funkgruppe läßt grüßen!) abgeschloßen, die zugab, das Thema nur aus Gründen der Populrarität und als Unterhalterin aufzugreifen. Ihre Betonung liegt darauf, aus dem Entertainment zu kommen und nur Spaß für das Publikum zu machen. Das ist ehrlich und vernünftig, aber die dann gelieferte Musik...ohohoh. Immerhin 530.000 Leute (mehr als 17 % Marktanteil) sahen sich diese Show an, von der mal wieder kaum jemand was hatte. Die ganze Show war einmal mehr ein ganz übles Gebräu, mit dem man eigentlich nichts richtiges anzufangen weiß. Sinnlos.


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