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12.08.2005


    
Nachruf: UFO-Skeptiker Phil Klass verstorben!

Der Luftfahrt-Experte und UFO-Skeptiker Philip J. Klass verstarb im Alter von 85 Jahren

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"Uns (Skeptikern) wird von euch verboten, den Unsinn in UFO-Ereignissen in Frage zu stellen, ihr (UFO-Enthusiasten) aber dürft die selben Absurditäten als Beweis für einen hervorragenden, äußerst subtilen Meisterplan von finsteren Alien-Besuchern betrachten?" Phil Klass in einer Debatte mit Budd Hopkins am Rande einer UFO-Forschungstagung...

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"Skepsis ist eine essentielle Komponente der UFO-Untersuchungen. Die besten und gründlichsten UFO-Nachforschungen sind oftmals die von jenen, die skeptisch an einen Fall herangehen. Ohne Skepsis sind UFO-Untersucher unfähig das Reale vom Unrealen zu trennen, das Wichtige vom Unwichtigen, das Signal vom Rauschen und ohne sie wird die UFO-Forschung entweder chaotisch oder unmöglich sein..." David M.Jacobs zur Eröffnung seines Vortrags beim 1977er First International UFO Congress in Chicago.

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Philip J. Klass 1919-2005

Wie die ´Florida Today´ am 12.August 2005 berichtete, verstarb der bekannte amerikanische UFO-Skeptiker Philip J.Klass am vorausgehenden Donnerstag am Prostata-Krebs in seiner Wohnung auf Merritt Island in Maryland, die er mit seiner Frau Nayda teilte. Klass, von vielen UFO-Freunden des Fantastischen, gerne abwertend als "UFO-Debunker" (= als ein "Alles-unter-den-Tisch-Wegerklärer", einfach ein ufologischer Miesmacher) bezeichnet, war in seiner aktiven Zeit fast 50 Jahre lang ein angesehener Luftfahrt-Experte mit dem Spezialgebiet "Radar in der militärischen wie zivilen Luftfahrt" - und später 35 Jahre lang Senior-Editor der Fachzeitschrift "Aviation Week & Space Technology" in Washington, DC wo Klass auch arbeitete. Eines seiner spezialisierten Fachbücher war >Secret Sentries In Space< von 1971, worin er erstmals viele bisher geheime und der Öffentlichkeit unbekannte Details über militärische Aufklärungssatelliten veröffentlichte. 1986 ging er in Rente. In seiner Freizeit beschäftigte er sich für ein paar Jahrzehnte mit der Aufklärung von UFO-Fällen, meistens falsch verstanden als der Versuch "die Existenz von UFOs wegzuerklären". Für seine berufliche Arbeit war er mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, aber weitgehend bekannt wurde er für sein außergewöhnliches Interesse - den UFOs. 1968 brachte er das Buch >UFOs Identified< heraus und sorgte damit für die erste große Aufregung in der amerikanischen UFO-Szene. Hierin erklärte er Beobachtungsberichte von orange-rot-glühenden Lichtgebilden die als UFOs in der Dunkelheit angesehen wurden noch als "Kugelblitze" auf der Suche nach einer "allgemeingültigen Standard-Erklärung" für diese Erscheinungen. Auch wenn er damit sicherlich falsch lag, machte er damit dennoch auf sich aufmerksam.

Bald darauf wurde Klass Mitbegründer des Committee for Scientific Investigation of Claims of the Paranormal (CSICOP) und belieferte die Zeitschrift ´Skeptical Inquirer´ mit UFO-Artikeln. In seiner Zeit beim CSICOP stellte Klass immer wieder Preise zur Verfügung. So wollte er jener Person 10.000 Dollar geben, deren UFO-Entführung von der amerikanischen Bundespolizei FBI bestätigt würde. Doch niemand wollte je das Geld haben... Weitere UFO-Fachbücher von ihm wurden veröffentlicht, in denen er meist realitätsnähere Erklärungen für die gesichteten UFOs fand und die "Kugelblitze" wieder schnell außer Acht ließ. Nun, dies ist vielleicht aus der Praxis der meisten UFO-Forscher heraus zu verstehen. In aller Regel machen die eine ähnliche Karriere durch, so auch einige beim CENAP: Nachdem man zunächst anfängt zu hinterfragen und zu zweifeln ob die abgegebenen UFO-Darstellungen wirklich exotische Phänomene oder gar außerirdische Fliegende Untertassen darstellen, kommt man bald auf eine "naturalistische Ebene" und sieht in "unbekannten sich in der Atmosphäre bewegenden Phänomenen" (UAP) noch einen Rettungsanker. Die "Kugelblitz"-Theorie ist im Grunde die Basis hierfür, so ging es mir - so ging es auch anderen wie in England z.B. Jenny Randles. Doch alsbald, und vor allem mit wachsender Erfahrung und vor allen Dingen praktischer Ermittlungsarbeit, stellt man nach etwas Zeit fest, dass auch diese UAP-"Kugelblitze" nur ein Fluchtpunkt sind, um den UFOs doch noch einen exotischen Reiz zuzusprechen. So kommt man alsbald, wie Klass, zu den simplen IFOs.

Sein letztes Buch war >Abductions: A Dangerous Game<, seine kleine Zeitschrift den auf gelbem Papier gedruckten ´Skeptics UFO Newsletter´ (SUN) die er in Washington, DC herausbrachte erreichte knapp 450 Leser und kam auf 76 Ausgaben, bevor er aus Alters- und zunehmenden Krankheitsgründen diese im Sommer 2003 leider einstellen musste. The SUN-Set. Anlass um die SUN aufzulegen war 1989 der Fall Ed Walters/Gulf Breeze gewesen. Für mich waren die Bücher von Klass und seine SUN ebenso Wegbegleiter in meiner ufoforscherischen Tätigkeit, vielleicht war Klass mit ein "geistiger Vater" als ich mich selbst zum UFO-Skeptiker entwickelte. Ganz sicher ist sein Buch >UFOs: Explained< aber auch heute noch eine Fundgrube für jeden ernsthaft am Thema interessierten, genauso wie >UFO: The Public Deceived< Ich nenne es gerne in einem Atemzug als Quelle seriöser Literatur mit Allen Hendrys´s >The UFO-Handbook<. Insbesondere die "Zehn UFO-Forschungs-Gebote von Klass" sind für mich wichtig gewesen, um daraus die Prinzipien für die UFO-Forschung abzuleiten:

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1.Gebot: "Selbst völlig ehrliche, integre und intelligente Menschen, die sich plötzlich mit einem ebenso kurzen wie unerwarteten Geschehnis konfrontiert sehen, in das darüber hinaus ein ihnen nicht vertrautes Objekt verwickelt ist, laufen bei dem Versuch, exakt zu beschreiben, Gefahr, den Vorfall extrem ungenau zu schildern."

2.Gebot: "Trotzdem die menschliche Wahrnehmung Beschränkungen unterworfen ist, wenn sie sich mit kurzen, unerwarteten und ungewöhnlichen Geschehnissen auseinanderzusetzen hat, können die Beobachtungen von Augenzeugen zum Teil relativ genau sein. Das Problem, dem sich der UFO-Forscher gegenübergestellt sieht, liegt in erster Linie in der Aufgabe, zwischen den Details zu unterscheiden, die relativ genau, beziehungsweise völlig verzerrt wiedergegeben werden. Solange nicht die wahre Identität des UFO bestimmt werden kann, mag dies sogar unmöglich sein, so dass sich die UFO-Forschung in manchen Fällen vor ein unlösbares Problem gestellt sieht."

3.Gebot: "Wenn eine Person, die ein ungewöhnliches und nicht vertrautes Objekt sieht, den Schluß zieht, dass es sich dabei um ein Raumschiff aus einer anderen Welt handelt, wird sie in Zusammenhang mit dieser Vermutung zugleich auch annehmen, dass dieses Objekt auf ihre Anwesenheit, beziehungsweise ihre Handlungen reagiert, während in Wirklichkeit nicht im geringsten ein solcher Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung gegeben sein muß."

4.Gebot: "Die Medien, die eine UFO-Sichtung stark hervorheben, wenn sie eben gemeldet wird, schenken dem betreffenden Fall in der Regel wenig oder gar keine Aufmerksamkeit, wenn die Sache eindeutig geklärt ist und auf völlig prosaische Tatsachen und Umstände zurückgeführt worden ist."

5.Gebot: "Ein menschlicher Beobachter, und das gilt selbst für erfahrene Piloten, kann unmöglich genau die Entfernung und Höhe, beziehungsweise die Größe eines unbekannten Objektes am Himmel schätzen, es sei denn, es befindet sich in unmittelbarer Nähe eines bekannten Objektes, dessen Höhe oder Größe bekannt ist."

6.Gebot: "Sobald die Öffentlichkeit aufgrund entsprechender Meldungen in den Medien einmal glaubt, dass UFOs in der Nähe sind, bieten sich zahllose natürliche und von Menschenhand geschaffene Objekte an, die in der Vorstellung hoffnungsvoller Beobachter -vor allem wenn sie nachts in Erscheinung treten- recht ungewöhnliche Eigenschaften annehmen können. Deren UFO-Meldungen tragen ihrerseits wieder zu der allgemeinen UFO-Hysterie bei, die weitere Beobachter dazu verleitet, in allen möglichen Dingen UFOs zu sehen. Dieser Zustand schraubt sich so lange an sich selbst hoch, bis die Medien das Interesse am Thema verlieren, worauf auch prompt die UFOs wieder verschwinden."

7.Gebot: "Bei dem Versuch festzustellen, ob es sich bei einer UFO-Meldung um die Wahrheit oder um einen Schwindel handelt, sollte sich ein Forscher auf materielles Beweismaterial stützen, beziehungsweise auf das Fehlen von solchen materiellen Spuren, wo sie eigentlich hätten vorhanden sein müßen. Er sollte sich keineswegs auf die allgemeinen Einschätzungen des Charakters der in den Fall verwickelten Augenzeugen verlassen."

8.Gebot: "Die Unfähigkeit selbst erfahrener UFO-Forscher, aufgrund eines Mangels an ausreichenden Informationen eine UFO-Meldung umfassend und definitiv zu erklären, sollte selbst dann, wenn man sich intensiv um die Aufklärung des Falls bemüht hatte, auf keinen Fall bereits als Beweis angesehen werden, der zur Erhärtung der Hypothese beiträgt, dass die Erde von Raumschiffen aus anderen Welten aufgesucht wird."

9.Gebot: "Sobald am nächtlichen Himmel ein Licht beobachtet wird, das für ein UFO gehalten wird, und dies einer Radarstation gemeldet wird, die daraufhin den Radarschirm nach einem unbekannten Objekt absucht, darf man mit fast absoluter Sicherheit davon ausgehen, dass ein solches ´unbekanntes´ Objekt gefunden werden wird. Umgekehrt dürfte mit eben solcher Sicherheit ein UFO ´gesichtet´ werden, wenn sich auf dem Radarschirm ein unbekanntes Objekt abzeichnet, das für ein UFO gehalten wird, und sich ein Beobachter daraufhin auf die Suche nach einem ungewöhnlichen Licht am Nachthimmel macht."

10.Gebot: "Zahlreiche UFO-Fälle erscheinen nur deshalb rätselhaft und unerklärlich, weil es die Personen, die sich mit ihrer Untersuchung und Aufklärung befaßten, unterlassen haben, der Sache mit genügender Ausdauer und Gründlichkeit auf den Grund zu gehen. "

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Klass war sicherlich kein bequemer ´ufologischer´ Zeitgenosse (und gelegentlich auch ziemlich ´ruppig´ für Außenstehende} für die amerikanischen UFO-Zirkel, dennoch nahm er eine "Watchdog"-Funktion auch mit seinem besonderen Humor inne. Dieser manifestierte sich wahrscheinlich auch im Oktober 1983 bereits als er in der von James Moseley (selbst ein "UFO-Exzentriker") herausgegebenen "Saucer Smear" ironisch "The Last Will and Testament of Philip J. Klass" veröffentlichte. Ich will es für Sie ihm zu Ehren im amerikanischen Original unkommentiert nachreichen:

"To UFOlogists who publicly criticize me…or who even think unkind thoughts about me in private, I do hereby leave and bequeath THE UFO CURSE: No matter how long you live, you will never know any more about UFOs than you know today. You will never know any more about what UFOs really are, or where they come from. You will never know any more about what the U.S. Government really knows about UFOs that you know today. As you lie on your own death-bed you will be as mystified about UFOs as you are today. And you will remember this curse."

Moseley selbst dazu in einem Nachruf auf Klass, welcher zahlreiche UFO-Konvents besuchte (wo man ihn gar nicht so gerne sah) und eine umfangreiche UFO-Korrespondenz führte: "Die UFOlogie brauchte Klass wie jede große Religion ihren Satan braucht. Nun ist der ufologische Satan von uns gegangen, und ich bin sicher ein anderer wird versuchen den Platz von Phil einzunehmen - doch keiner wird je den Status erlangen wie Klass in einfach ausfüllte." Nun, ich bin mir sicher, dass die meisten UFO-Fans Klass überhaupt nicht vermißen werden (allein schon deswegen weil sie ihm schon zu Lebzeiten auswichen, um dann aber um so heftiger hinter seinem Rücken über ihn herzogen). Aber einer kleinen Gemeinde wird er fehlen, auch wenn er sicherlich dort nicht als "Guru" angesehen wurde, da er auch seine Patzer bei UFO-Fall-Erklärungen machte wie sie selbst mir schon passiert sind.

"Phil, was auch immer die Wahrheit betreffs UFO sein mag, Du wirst die Wahrheit nun kennen...", WW

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Immerhin berichtet auch die ´The New York Times´ über den Tot von Phil Klass:

http://www.nytimes.com/2005/08/12/n...

Externe Links

http://www.nytimes.com/2005/08/12/national/12klass.html

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