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18.06.2005


    
UFO-Forschung: Jetzt fliegen die Untertassen wieder

Im Vorfeld des Films ´Krieg der Welten´

Neue Ruhr Zeitung, 18.6.05, S.3:

Jetzt fliegen wieder Untertassen

UFO-FORSCHUNG / Regelmäßig im Sommer sehen die Menschen plötzlich Außerirdische und unbekannte Flugobjekte.

ÜBER RHEIN UND RUHR. E.T. war total lieb und wollte eigentlich nur nach Hause telefonieren. Doch E.T. war ein Kind der friedensbewegten 80er Jahre und mithin eine Ausnahme im Genre, genauso wie Jodie Fosters "Contakt"-Aufnahme. Gemeinhin kommt alles Üble von oben: die Schlachtschiffe aus "Independance Day", die Washington und Co. in Schutt und Asche legen; die "Körperfresser", die sich als Dubletten echter Menschen durch eine US-Kleinstadt schleppen; über die superfiese Riesen-Schabe, der die "Men in Black" nachstellten, konnte man sich wenigstens totlachen. Nun müssen sich Kinogänger auf die nächste cineastische Trümmerwüste gefasst machen: Steven Spielberg hat, mit Tom Cruise in der Hauptrolle, Herbert George Wells´ Science-Fiction-Roman "Krieg der Welten" (1898) verfilmt. Ein Knallerballer-Epos, in dem ab 29. Juni auf den Leinwänden eine weit überlegene, gefühllose außeridische Macht sich zur Invasion der Erde anschickt.

Der Stoff, dessen sich der Starregisseur da annahm, ist uralt und hatte bereits in der Hörspielversion fatale Folgen. Als Orson Welles 1938 daraus ein als Live-Reportage getarntes Hörspiel strickte, löste das eine Massenpanik aus, es gibt sogar einen bezeugten Selbstmord.

Ähnliche dramatische Folgen sind nun zwar nicht zu erwarten. Der private Ufo-Forscher Werner Walter sieht wegen des "Krieges der Welten" allerdings eine Welle irdischen Interesses für Außerirdische auf sich zurollen: "Das war schon 1996 bei ,Independence Day´ nicht anders. Der neue Spielberg wird ja wohl in die gleiche Kerbe hauen. Zumal jetzt auch noch im Fernsehen die Serie ,Taken´ angelaufen ist. Was da jetzt zusammenkommt, ist eine geradezu fatale Konstellation." Denn unter den Kennern der Untertassen-Szene gilt ohnehin diese Faustregel: Ufo-Hysterie gibt´s nur im Sommer.

Schreck auf der Gartenliege

Unbekannte Flugobjekte werden bei Schnee und Regen nicht gemeldet. Weil der Mensch nunmal nur bei schönem Wetter gern draußen sitzt. Weil er bei Grillparties leuchtende, 35 Euro teure Mini-Heißluftballons zur Gaudi der versammelten Schweinenackengesellschaft in den Abendhimmel steigen lässt. Und ein paar Kilometer entfernt kippt dann Herr Müller fast vor Schrecken aus der Gartenliege.

Zudem tritt in diesen Tagen die Königin aller vermeintlich unbekannten Flugobjekte aufs Parkett: die Venus. "Der Planet ist eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang wunderbar im Westen zu sehen. Das sieht aus wie ein Scheinwerfer von einem Flugzeug - nur, dass er sich nicht bewegt", erklärt Walter und setzt gelassen hinzu: "Jetzt fehlen eigentlich nur ein paar Kreise in den Kornfeldern..."

Die erste Ufo-Meldung gab es 1947 von dem US-Piloten Kenneth Arnold, der mehrere ungewöhnliche Flugobjekte beschrieb, die ähnlich wie Untertassen (daher der Name) über die Wasseroberfläche tanzten. Kurz danach stürzte nahe dem US-Ort Roswell angeblich ein Ufo ab.

Seine persönliche Erscheinung hatte der deutsche Ufo-Forscher Walter, ein Einzelhandelskaufmann, in den 70er Jahren: "Es war abends, wir entdeckten ein fliegendes Trapez am Himmel, dunkelrötlich und mit hohem Tempo. Ein paar Jahre später, auf der Funkausstellung in Berlin, sah ich erstmals Laserprojektionen auf einer dunklen Leinwand - und da wusste ich plötzlich, was ich damals gesehen hatte." Überaus irdische Dinge nämlich.

Auch wenn sich 95 Prozent aller Phänomene schnell erklären lassen - Walter hat sich in Deutschland als Sachwalter des All-täglichen etabliert. Rund 150 Meldungen registriert der Leiter des "Centralen Erforschungsnetzes außergewöhnlicher Himmelsphänomene" (Cenap) pro Jahr auf seiner Ufo-Hotline (Tel: 0621-701370). Nur in den wenigsten Fällen bleibt er eine Erklärung schuldig.

Auch für seinen Lüdenscheider Kollegen Hans-Werner Peiniger von der "Gesellschaft zur Erforschung des Ufo-Phänomens" (Tel: 02351-23377) stehen allenfalls hinter zehn der rund 700 von ihm untersuchten Fälle Fragezeichen. "In Hochheim gab es 1974 mal eine Meldung, die nicht aufzuklären war. Vier Menschen berichteten glaubwürdig und unabhängig voneinander von einer Art fliegenden Untertasse und einem fahrstuhlähnlichen Lichtstrahl. Dennoch: Ich halte die Existenz von intelligentem, zeitgleichen Leben in unserer Galaxie für höchst unwahrscheinlich", sagt der Telekom-Techniker aus dem Sauerland. Umfragen ergaben freilich, dass gut die Hälfte aller Deutschen an die Existenz extraterrestrischen, intelligenten Lebens glaubt. Und jeder Fünfte ist sich sogar sicher, dass die Aliens regelmäßig irgendwo bei Kevelaer oder sonstwo Zwischenstation machen.

Gigantischer Feuerball

Vor genau einer Woche schwappte durch Werner Walters Zweizimmerwohnung in Mannheim die letzte Meldungswelle: Aus dem Korridor zwischen Westerwald und Ruhrgebiet riefen beunruhigte Menschen an, sie berichteten von einem gigantischen, geräuschlosen Feuerball, der die Nacht vom Samstag zum Sonntag erhellte. Walter konnte den ratlosen Bürgern rasch Entwarnung geben. "Das war ein Meteorit, den haben die Himmelsforscher inzwischen sogar fotografisch dokumentiert."

Ein echter Krieg der Welten ist nicht in Sicht. (NRZ)

Weitere Infos zur Thematik "War of the Worlds" unter http://www.war-ofthe-worlds.co.uk/r... und http://drzeus.best.vwh.net/wotw/wot...

Externe Links

http://www.war-ofthe-worlds.co.uk/radio.htm
http://drzeus.best.vwh.net/wotw/wotw.html

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