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15.08.2004


    
Ufos, Engel, schwarze Katzen

Aberglaube nicht nur am Freitag, den 13. verbreitet

Für abergläubische Menschen muss dieses Jahr die Hölle sein. Denn nach dem Februar blicken sie auch im August sorgenvoll auf einen Freitag, den 13.. Nach Umfragen des Instituts Allensbach ist der Aberglaube in Deutschland auf dem Vormarsch. "Keine Panik!", versichert dagegen der Sprecher der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), Bernd Harder.

Statistische Unfalluntersuchungen von 1985 bis 1999 des Heidelberger Soziologen Edgar Wunder zu Freitag, dem 13., hätten gezeigt, dass es "keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Freitagen" gebe, so Harder. Die 500 kritischen GWUP-Wissenschaftler, die auch die Zeitschrift "Die Skeptiker" herausgeben, wenden sich "gegen pseudowissenschaftliche Behauptungen und esoterische Heilslehren" und wollen "durch fundierte Informationen die Anfälligkeit für pseudowissenschaftliche Vorstellungen und Versprechungen abbauen".

Der Bonner Volkskundler Gunther Hirschfelder beschäftigte sich ausgiebig mit dem Datum, Freitag der 13.. Sein Fazit lautet: "Einen im Volksglauben belegbaren geschichtlichen Zusammenhang zwischen dem Freitag und der Zahl 13 gibt es nicht." Wahrscheinlicher sei eher, dass der "Unglückstag" ein Kulturtransfer aus den USA ist. Dort gab es am 13. Mai 1927 einen folgenschweren Kursrutsch an der Börse - und: Das Raumschiff Apollo 13 geriet bei seiner Mission 1970, zwei Tage nach dem Start um 13.13 Uhr, am 13. April in Schwierigkeiten.

Deutsche lieben Glücksbringer - Bedeutsamer als Unglücksomen sind für immer mehr Deutsche laut Institut Allensbach vor allem Glücksbringer. Einer Befragung von Ende 2000 zufolge sind ein vierblättriges Kleeblatt (43 Prozent), Sternschnuppen (40 Prozent) und Schornsteinfeger (35 Prozent) für viele ein positives Zeichen. Deutlich weniger Menschen wird bei vermeintlich bösen Vorzeichen wie der schwarzen Katze von links (26 Prozent) und der Zahl 13 (23 Prozent) bange. 1973 hielten in Westdeutschland laut Allensbach noch gut ein Drittel weniger diese Symbole für bedeutungsschwanger.

Aliens auf dem Rückzug - Kaum noch eine Chance haben dagegen Außerirdische: War laut Allensbach-Umfrage Mitte der 90er Jahre noch knapp jeder Fünfte (18 Prozent) überzeugt, dass es Ufos gibt, war es 2001 fast nur noch jeder Achte (13 Prozent). Entsprechend rückläufig sind die Berichte über Ufo-Beobachtungen. 1995 gingen bei der Mannheimer Ufo-Meldestelle noch rund 100 Anrufe pro Jahr ein. 2003 waren es gerade noch 20.

Und selbst wenn es wieder mehr würden: "Ist auch nicht schlimm", sagt der Münchner Historiker Nils Freytag. "Diese Phänomene sollte man ruhig etwas gelassener sehen." Um den Aberglauben sei immer schon viel Tamtam gemacht worden. "Das Wort war lange Zeit ein kirchlicher Kampfbegriff", der in den Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche im 18. und 19. Jahrhundert immer wieder benutzt wurde. "Vor allem in Krisenzeiten werden normale Phänomene eher mit dem Etikett ´Aberglauben´ versehen als in konfliktarmen Zeiten", erklärt Freytag.

"Aberlaube ist heute Esoterik" - Für Stephan Bachter, Historiker am Münchner Institut für Volkskunde, ist der Aberglaube dagegen längst nicht so unproblematisch: "Es gibt heute immer noch Fälle, wo Menschen auf dem Dorf von Nachbarn als Hexen denunziert und gemobbt werden", sagt Bachter. "Aberlaube ist heute Esoterik", warnt der Forscher. Es werde "viel Geld für unsinniges Zeug ausgegeben". Und nicht zuletzt: "Viele Verzeifelte und Hilfesuchende begeben sich in Abhängigkeiten von Scharlatanen wie Wahrsagern und Wunderheilern."

Die Skeptiker sind unterdessen entschlossen, das Irrationale zu entzaubern: Mit Aktionen wie dem "Aberglauben-Parcours" - bei dem Probanden unter einer Leiter durchgehen, einen Spiegel zerschlagen oder Salz verschütten müssen - wollen sie in der Öffentlichkeit mehr Klarheit schaffen. Denn der Aberglaube sei wie eine unsinkbare Gummiente, die man zwar anstoßen und untertauchen könnte, die aber immer wieder nach oben kommt.

Quelle, ddp: http://www.n24.de/boulevard/nus/ind... am 13.8.04

Externe Links

http://www.n24.de/boulevard/nus/index.php/a2004081215040272388

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