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04.08.2004


    
UFO-News: Die Venusfalle schlägt zu...

Wolfsburger Ufo sorgt für Wirbel: Experten rätseln, SAT.1 will drehen

Dienstag, der 3.August 04. An diesem Tag erreichte mich morgens der Brief von den Polizeibeamten Joachim R. aus Kerpen als Leser des ´WamS´-Artikels. Am vorausgehenden Wochenende war er in Regen bei Daun in der Eifel privat auf Wildschweinjagd eingeladen. Er saß auf einem Hochsitz und schlummerte kurz ein. Gegen 4 h wurde er wieder wach und "sah am östlichen Himmel ein sehr helles leuchtendes Objekt, das vollkommen still stand. Mit meinem Fernglas konnte ich dann sechs kreisförmig angeordnete Lampen sehen, aber kein Objekt an dem die Lampen waren. Ab und zu verschwamm die Erscheinung immer wieder und bildete verschiedene Gestalten aus, einmal sah ich eine rechtwinklinge Lichterscheinung". Das am Osthimmel stehende Objekt war bis gegen 6 h zu sehen, dann zogen Wolken auf und als diese dann parallel einher mit der Dämmerung verschwanden, war auch das inzwischen leicht aufgestiegene Objekt verschwunden. Der Berichterstatter: "Ich schließe auf jeden Fall mit absoluter Sicherheit aus, dass es sich um einen Stern - eventuell die Venus - gehandelt haben könnte. Was es nun war, ist mir vollkommen unerklärlich."

Sofort rief ich den Melder an, da seine Rufnummer niedergeschrieben hatte. Ich fragte nach, ob besonders helle Sterne am Himmel zu Beginn der Observation in der selben Himmelsgegend standen und ob er die Venus sah. Seine Antwort: "Nein, die war gar nicht zu sehen und die anderen Sterne waren wie immer." Er betonte wie "naturverbunden" er sei und als Polizist sowieso "ein nüchterner Beobachter". Gut, in beiden Punkten will ich überhaupt nicht widersprechen. Nutzt trotzdem nichts, die Venus war zu jener Zeit das beherrschende Himmelsobjekt in der genannten Richtung und durch ein leicht unscharf eingestelltes Fernglas kommen genau die selben ´Objekt-Ausbildungen´ zu Tage.

Bald darauf erreichten mich weitere ´WamS´-Leser aus Lörrach und Strahlsund. Die Zeugin aus Lörrach sah die Erscheinung am frühen Montag- und Dienstagmorgen beim Austragen der Zeitung "über den Häusern stehen" - "ganz grell". Auch hier wieder am Osthimmel und ebenso zwei Stunden lang leicht aufsteigend. Kam ihr "recht seltsam und außergewöhnlich hell" vor. Typisch: "Soetwas habe ich bisher noch nie gesehen." Der Rentner aus Strahlsund konnte einfach nicht mehr schlafen, weil es so warm und schwül war, und stieg am Montagmorgen auf, um auf den Balkon zu gehen. Es war so gegen 4 h. Da sah er "ein unwahrscheinliches Objekt" über dem Ost-Horizont stehen. Es "stach einfach alles andere aus, was am Himmel stand und soetwas habe ich noch nie gesehen", berichtete er. Gegen 6 h sei es dann aufsteigend langsam "verloschen", weil die Sonne immer heller wurde. Gefragt danach, warum eigentlich er dies als "seltsam" anschaute, antwortete er: "Es war groß und hell wie ein Flugzeugscheinwerfer, aber es bewegte sich nicht und war geräuschlos. Soetwas gibt es doch sonst nicht." Standardmäßig danach gefragt, ob es weitere auffällige Objekte "wie helle Sterne und Planeten" im selben Himmelsausschnitt gab, kam das übliche "Nein, da war sonst nichts." Und dies, obwohl genau die Venus augenstechend genau dort erschien.

Auf der CENAP-internen eMailliste meldete dann T.A. Günter einen UFO-Fall aus Wolfsburg, den die ´Wolfsburger Allgemeine´ am 30.Juli ins Netz gestellt hatte (und was der Google-Newsalert nicht erfasste, also auch hier gibt es Lücken):

Wolfsburger Ufo sorgt für Wirbel: Experten rätseln, SAT.1 will drehen

>(seb) Immer mehr Zeugen melden sich, die das Ufo über Wolfsburg gesehen haben! Kriemhild Steinbach hatte das seltsame Flugobjekt über der City entdeckt (WAZ berichtete). Auch Helga Hanke beobachtete das Ufo - in Hehlingen! Inzwischen befasst sich ein renommierter österreichischer Astronom mit dem Phänomen, SAT.1 plant sogar einen Fernsehbericht. In Wolfsburg gab es gestern nur ein Gesprächsthema - das Ufo über der City. Kriemhild Steinbach aus der Porschestraße hatte behauptet: ?Ich habe ein seltsames Flugobjekt gesehen." Das Ufo kreiste um 5.30 Uhr über dem VW-Werk und flog weiter über Hertie in Richtung Südkopf.

Keine Spinnerei, sagt Helga Hanke: ?Ich habe das Flugobjekt auch gesehen, um 5 Uhr in den Bruchwiesen in Hehlingen!" Ganz langsam sei das ellipsenförmige Ufo mit weißem Schwanz in Richtung City gezogen. ?Faszinierend." Experten suchen eine Erklärung: ?Um 5.30 Uhr war es bereits taghell. Daher kann keine Raumstation oder sonstiger Satellit am Himmel gewesen sein", sagt der bekannte österreichische Astronom und Ufo-Forscher Gerhard Dangel. Wolfsburgs Planetariums-Leiter Dr. Bernd Loibl bestätigt das: ?Satelliten und Raumstation kann man tatsächlich ausschließen, die sind nur nachts sichtbar. Ich habe keine Erklärung."

Alle Mittel will der Wolfsburger Astronom Gerd Brüschke in Bewegung setzen, um das Ufo-Rätsel zu lösen: ?Dieses Phänomen muss erfasst und analysiert werden", betont der Experte aus Ehmen.< Quelle: http://www.wolfsburger-allgemeine.d... - gepaart war die Geschichte mit einem Foto, wo Frau Steinbach angeblich auf eine eingezeichnete Standard-Untertasse blickend ganz nahe zu sehen ist.

Ich schaute da sofort u.a. beim Alien.de-Forum nach und siehe da - dort wurde der Fall im Bereich "UFO-Forschung" schon seit zwei Tagen diskutiert! Nur: Nachgegangen war dem Fall in einer Untersuchung/Recherche niemand. Wilde Spekulationen, ja - die gab es wie immer. Seltsam war die Geschichte schon, gerade auch um den Punkt des österr.Astronomen und UFO-Forscher Dangel, den niemand kennt. Sofort rief ich die Zeitung an und erreichte den verantwortlichen Redakteuren. Jener versprach mir zwecks weiteren Informationen den Kontakt zur Ursprungszeugin aufzubauen. Die Stunden vergingen ereignislos.

Zwischenzeitlich gab es weitere UFO-Meldungen von Lesern der ´WamS´. So hatte sich Frau S. aus Pfungstadt endlich durchgerungen sich zu melden, "obwohl ich gar nicht an Untertassen und so ein Zeugs glaube". Wegen der Hitze stieg sie an diesem Morgen schon um 4 h aus dem Bett und öffnete das Schlafzimmerfenster um "gleichzeitig völlig wach zu werden". "Eine prächtige Lichtkugel stand da am Himmel, ganz groß und grell", führte sie aufgeregt aus. Sofort weckte sie Mann und Kind, die sich dann noch schlaftrunken am Schlafzimmerfenster aufreihten und "ebenso blitzschnell aus dem Häuschen waren als sie dies ebenso sahen". Da das Objekt sich nicht bewegte und geräuschlos war holte ihr Sohn dann sein Kinderfernglas um es darauf zu richten. "Dadurch konnten wir dann das Ding als riesengroße Qualle mit kurzen Fangarmen ausmachen. Und das ganz verrückte dabei war: Es veränderte laufend seine Gestalt. Mein Mann sah sogar einmal darin ein perfektes Dreieck." Und mit dem bloßen Auge? Da war nur dieser hell-weiße Leuchtball zu sehen, "weit größer als der größte Stern am Nachthimmel. Soetwas war noch nie da, sag ich Ihnen!" Kurzum: Die Beobachtung dauerte bis kurz vor 6 h an und "als die Sonne aufging wurde es immer kleiner und verschwand dann auf Nimmerwiedersehen". Tatsächlich stand das Objekt "eindeutig im Osten, da wo auch die Sonne aufgeht, geradezu unter ihm". Sonst war der Himmel "frei von allem, kein Flugzeug und kein Stern war zu sehen - nur ganz kleine Sterne verstreut, eben wie immer." Die Dame verspach sich am Mittwochmorgen mit einer Videokamer sich auf die Lauer zu legen, um zu sehen und zu dokumentieren ob das Objekt wieder erscheint. Die Frau war während der Meldung noch völlig perplex und aus dem Häuschen. Richtig durch den Wind, ohne hysterisch zu sein. Ich spürte direkt wie sie beim Erzählen am Telefon nochmals alles "durchlebte" vor dem inneren Auge. In dieser Berichterstatter-Intensität der sprudelnden Ausführung habe ich es selten erlebt. Da hätte jetzt wirklich eine Fernsehkamera mitlaufen sollen!

Gegen 16 h wurde ich wegen Wolfsburg unruhig, weil sich da einfach nichts tat. So suchte ich Frau Kriemhild Steinbach via Telefonbuch.de ausfindig zu machen. Dort gab es sie nicht verzeichnet, also rief ich alle Steinbach´s auf - von denen es Neune gibt. Ich rief alle an, aber niemand hatte eine Kriemhild in der Familie noch kannte eine solche die ein "UFO" gesehen hatte. Drei der Steinbach´s aber wussten um mein Anliegen: "Sie rufen wohl wegen dem UFO an?" Sie waren berreits in den vorausgehenden Tagen von irgendwelchen Leuten genau deswegen angerufen worden. Also suchte ich nach Helga Hanke aus Hehlingen - zwei Treffer. Nur keine war´s, aber beide waren sehr "genervt" weil sie wegen der Zeitungsmeldung allgemein dumm angemacht wurden. Dafür erfuhr ich von der letzten Helga, dass die "UFO-Frau aus der Zeitung" Helga H. heißt (es gab einen Buchstabendreher) und von der hatte sie sich am Sonntag die Rufnummer besorgt und die gab sie mir, doch dort ist das Telefon dauerhaft ausgehängt gewesen. Warum ist klar, haben mir die beiden Helga´s bereits ihr Leid geklagt: laufend rufen irgendwelche Leute wegen der "UFO-Frau" an. Unschön.

Eine Stunde später rief mich Herr L. an, der von der ´Wolfsburger Allgemeinen´ meine Rufnummer gerade erhalten hatte, die ich beim Gespräch mit dem verantwortlichen Redakteur natürlich mit der Bitte hinterlassen hatte, dass er weitere Zeugen an mich verweisen wolle. Herr L. "sieht schon seit ein paar Tagen" jeden frühen Morgen am Osthimmel "ein grelles Teil dastehen". Wegen der Hitze kann er nicht mehr schlafen und steht so um 5 h rum auf, "ich müsste sowieso um 7 h zur Arbeit fahren". Das Objekt bewegt sich leicht nach oben hin während der einen Stunde wo er es sieht: "Erst ist es noch ganz grell, aber wenn die Sonne immer kräftiger wird, vergeht es immer mehr und ist dann nicht mehr zu sehen". Ich fragte ihn ob er meine, dass DIESES Objekt auch das sei, was die zwei Damen in der Zeitung berichteten. Aber mit einem "da ist das so verkürzt dargestellt worden, dass das passen oder auch nicht könnte" ließ er mich zurück - und genau den selben Eindruck hatte ich auch, weswegen Nachfragen bei den Zeuginnen dringlichst angesagt waren. Er hatte den Artikel am Samstag in der Printausgabe gelesen und war "geradezu elektrisiert", weil von seinem Schlafzimmer aus gesehen der HERTIE drei Strassen weiter schräg gegenüberliegt und von ihm aus gesehen gegen Osten hin und das von ihm gesehene Objekt darüber hängt. Am Nachmittag nun rang er sich durch um sich bei der Zeitung zu melden "auch was gesehen zu haben". Hier jedenfalls war die Venus eindeutig im Spiel. Und es zeigt sich, dass da schnell ein Durcheinander entstehen kann, was zur totalen Einzelfall-Verwirrung führt.

Den Dingen näher gekommen, endlich. Am späteren Abend erreichte ich nun Frau H. Sie ist Zeitungsausträgerin (wieder eine!) und sah ab 5 h auf ihrer Tour ein "übergroßes, überhelles sternartiges Objekt im Osten" am Himmel stehen, welches irgendwie gelegentlich den Eindruck hergab als habe es einen "wegführenden Fortsatz", aber "im Grunde war es ein übergroßer Stern". Sie war auf ihrer Tour und bewegte sich damit natürlich kreuz und quer durch ihren Bezirk - und schien dabei von dem "Objekt verfolgt zu werden". Schaute sie aber in jedem Einzelfall hoch, stand es einfach nur still. Ihre eigene Bewegung durch den Austragebezirk führt von Ost nach West und deswegen nahm sie an, dass das Objekt sich ebenso auf dieser Bahn bewegte. Nach etwa einer halben Stunde des "immer wieder hinguckens" verlor sie selbst das Interesse daran, "weil sich ja nichts weiter tat". Wäre dann der erste Zeitungsbericht am Freitag über die Sichtung von Frau Steinbach nicht erschienen, hätte sie dem keine "UFO-Bedeutung" zugemessen! Wieder eindeutig ein Fall namens Venus! Sie klagte gleich, dass der Bericht in der Zeitung "so nicht stimmt, aber weil die sowieso meinen Namen falsch angaben, ist es mir egal". Meine ´Begeisterung´ für diesen Fall fiel da aber schnell zusammen. Nebenbei fragte ich nach, ob sie zufällig die Rufnummer von Frau Steinbach hatte - und sie hatte sie!

Die Rentnerin erreichte ich auch sofort und sie zeigte sich sehr aufgeregt, weniger wegen der Sichtung, sondern "was die Presse daraus gemacht hat" und an diesem Abend sogar N3 auf die "Lächerlichkeitstour" damit herauskam. Für sie war die Beobachtung eines "ovalen Objektes mit silbrig-metallischer Färbung und einem schwanzartigen Fortsatz" keine Fliegende Untertasse, sondern nur "etwas Komisches was da drei Minuten lang horizontal durch den Himmel schwebte". Sie war etwas früher aufgestanden, weil sie einen frühen Arzttermin hatte und goss die Blumen auf dem Balkon um 5:30 h als das Objekt von N nach S "dahinschwebte, wie in Zeitlupe, aber deutlich doch bewegend". Aber es war schon recht warm und es wehte auch kaum ein Lüftchen. Windgetrieben also wahrscheinlich. Es verschwand dann in der Ferne. Groß war es wohl kaum. Hier war eine dauerhafte und deutliche Fortbewegung auszumachen gewesen. Von einem "Herumkreisen" kann gar keine Rede sein. Richtig ist, dass das Objekt einfach linear dahinzog und der Ausgangspunkt der Beobachtung am dem PKW-Werk naheliegenden Park war! Übrigens sind auch alle anderen "überflogenen Örtlichkeiten" im nahen Umfeld anzusiedeln. Ich gewann recht schnell den Eindruck, als sei dieses Objekt nichts weiter als ein Ballon der am VW-Park morgens aus welchen Gründen auch immer aufgelassen wurde.

Interessant auch: Die Dame meldete die Beobachtung zuerst einer anderen Wolfsburger Zeitung ("Wolfsburger Nachrichten"), da deren Büro gerade gegenüber auf der anderen Strassenseite ihrer Wohnung liegt. Dort war man aber überhaupt nicht interessiert, weswegen sie zu dem "Milchbart" bei der ´Wolfsburger Allgemeinen´ ging um zunächst mehr dazu zu erfahren, doch dann drehte sich die Geschichte und "BILD-typisch haben die mich vera... - hätte ich nicht erwartet, bin jetzt sehr enttäuscht". Interessant auch, FESTSCHNALLEN: Der genannte österr. UFOloge hat nie mit ihr gesprochen und der Planetariumsleiter ist zwar real, aber der ist in Urlaub, was sie definitiv wisse, da sie als Besucherin des Planetariums zu allererst versuchte ihn zu erreichen und erfuhr, dass dieser wegen Urlaub NICHT greifbar sei. Frau Steinbach: "Wenn Herr Brüschke aus dem Urlaub kommt, haut es den vom Sessel wenn er sieht was er da angeblich gesagt haben soll. Sommerloch in Wolfsburg und ich bin der A..." Ähm, aber O-Ton. Die Frau war übrigens am Tag zuvor schon beim Redakteur vorstellig geworden und verlangte eine "Gegendarstellung", weil sie sich völlig veräppelt und als Opfer der Medien fühlte. Als dann an diesem Tag nichts zur Klarstellung erschien, platzte sie fast vor Wut! Natürlich schaut man sie jetzt als die "Fliegende Untertassen"-Sichterin an, weil die Zeitung die entsprechende Montage brachte - die weder in Erscheinungsform noch in Größe die reale Situation zeigt. Sat1-Niedersachsen hatte zwar Interesse an ihrer Beobachtung nach dem ersten Zeitungsbericht gezeigt, aber ob des Vorlaufs in der Zeitung hatte sie dem Sender aber mit klaren Worten abgesagt. Dies ist natürlich schon sehr heftig, offenkundig wollte hier eine ansonsten wahrscheinlich recht seriöse Lokalzeitung im Sommerloch 2004 auf ´BILD´ machen, einfach mal die Sau rauslassen um vom Alltag abzulenken. Ähnliches habe ich bereits vor ein paar Jahren bei einer HR3-TV-Sondersendung der ´Maintower´-Redaktion in Sachen UFOs erlebt, wo genau dieses Strickmuster ebenso durchkam und die verantwortliche Redaktion endlich mal sich vom Alltag befreien wollte und versuchte quasi in ´Kommerz-Talkshow´ zu machen, was natürlich mal was anderes dort war, aber bitterlich scheiderte.

Externe Links

http://www.wolfsburger-allgemeine.de/waz-lokal/215639.html

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