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23.07.2004


    
Schweizer Kornkreise

Anzeige gegen "unbekannt"

>Wer hat bei den Kornkreisen die Hand im Spiel? Gewiefte Kerle, die uns einen Streich spielen oder sogar Ausserirdische? Die Spekulationen gehen hoch. Eine befriedigende Antwort kann wohl kaum je gegeben werden. Von Lydia Flachsmann-Baumgartner

Das Dorf Thalheim am Nordhang der Thur im Zürcher Weinland ist ein eher stilles, unauffälliges Dorf. Doch in den letzten zwei Wochen ist dieses Dorf, welches noch vor hundert Jahren "Dorlikon" hiess, ungewollt in die Schlagzeilen der Presse geraten.

Vollmondnacht 2. Juli: Seit der Vollmondnacht vom 2. Juli befinden sich nämlich im 5 ha grossen Weizenacker von Guido und Gaby Roggensinger -Hofer mysteriöse Kornkreise mit einem Durchmesser von 80 Metern. Die runden Kreise sehen wie ein stilisierter Fisch aus. Diese 2.-Juli-Nacht war eine besondere Nacht mit vorherigem doppeltem Regenbogen über dem Feld (von der Autorin damals persönlich im Bild festgehalten), und sogar ein leichtes Erdbeben hat in dieser Nacht die Ostschweiz erschüttert. Verschiedene, unabhängige Leute haben von einem merkwürdigen Licht um Mitternacht in dieser Gegend berichtet.

Genug vom Rummel: Auf Anfrage hin will der Betriebsleiter Guido Roggensinger keine Interviews mehr für Zeitungen oder fürs Fernsehen geben. Durch den Medienrummel und die Tausenden von Besuchern laufen er und seine ganze Familie am Anschlag der Kräfte. Die physische und psychische Belastung sei sehr gross, doch für den "Schweizer Bauer", welchen er selber abonniert habe, wolle er noch einmal eine Ausnahme machen, erklärt Roggensinger.

Was geschah? Viel hat er erlebt in diesen vergangenen zwei Wochen, Positives wie Negatives. Angefangen hat alles mit einem Hinweis seiner Cousine, dass in seinem Acker komische Fahrspuren seien. Sogleich vermutete er, dass jemand betrunken im Feld herumgefahren sei, und erstattete nach einem Augenschein bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt. Doch beim genauen Betrachten des Schadens stellte es sich heraus, dass es sich um einen so genannten Kornkreis handeln muss - einen, wie er uns von England her schon oft beschrieben wurde.

Die Besucher managen: In der Schweiz konnte man diese mystischen Kreise letztes Jahr auch in einem Feld in Siblingen im Klettgau beobachten. Als der dortige Berufskollege von dem Kornkreis in Thalheim hörte, gab er ihm einige Tipps, wie er mit diesem Phänomen umgehen müsse. Wichtig sei es, sofort alles einzuzäunen, damit die Besucher nicht wild im bald reifen Feld herumspionieren würden. Im Weiteren gab er ihm den Rat, für erlittene Flurschäden einen Eintritt von fünf Franken zu verlangen. Was Roggensinger nun auch tut.

Woher sind die Kreise? Er habe zwar viele gute Gespräche geführt, sagt Guido Roggensinger. Doch die Antwort auf die Frage dieses Phänomens in seinem Feld liege weiterhin im Dunkeln. Die Hauptargumente und Meinungen für die Kornkreise der auch aus dem Ausland angereisten Fachleute seien: magnetische Felder - Wasseradern - Erdstrahlen - Ausserirdische - höhere Macht/Gott - Windböen - Menschenwerk - kosmische Strahlen - Leylinien - geomantische Zonen.

Ein Kraftzentrum? Guido Roggensinger erzählt von Leuten, welche von weit her mehrmals gekommen seien und in die Schneisen gelegen seien, um Energie und Kraft zu tanken. Esoteriker hätten Flaschen mit Wasser mitgebracht, um sie mit kosmischen Kräften aufladen zu lassen. Eine Frau mit Lyme-Borreliose habe behauptet, dass es ihr nach dem Besuch viel besser gehe, und ein Mann mit einem Bypass findet, dass es ihm im Kraftfeld äusserst gut ergangen sei. Andere fühlen ein Kribbeln und Erwärmen von Händen und Füssen. Auch weniger Nettes hat seine Familie sich anhören müssen von Drohungen über Unglück und Tod. Kein Wunder, wenn ein solcher Besucherandrang mit Hunderten von Meinungen und Äusserungen einen an den Anschlag der Kräfte bringt.

Agronom Rolf Köcher: Auf dem Parkplatz beim Kornkreisfeld fuchtelt ein Mann aufgeregt mit den Händen. Rolf Köcher ist ein weither gereister, deutscher Kornkreisspezialist und Ingenieur-Agronom. Im Moment seiner Ankunft ist der Motor seines Wagens «abgelegen», und er muss die Pannenhilfe kommen lassen. Er war aber gar nicht erstaunt - sein Kommentar: "Solches passiert mir immer wieder bei solchen Kraftfeldern!" Bald hat er eine Schar junger Leute um sich vereint und will allen weismachen, dass diese Bilder immer eine Aussage machen wollen. Er zeigt ein Bild von einem Kornkreis, welches einen Monat vor dem elften September entstanden sei: Ineinander geschachtelte Quadrate, welche den Zusammenbruch der Wolkenkratzer des World Trade Centers darstellen würden. Für ihn persönlich sei ganz klar, dass hier eine höhere Macht sich uns mitteilen wolle.

Gebogene Ähren: Im Kornkreis fällt auf, dass die gefallenen Ähren am Rand (die Schneisen sind zertrampelt) nicht geknickt sind, wie dies der Fall wäre, wenn eine Walze darüber gefahren wäre. In der Nähe der Wurzel sind sie gebogen, aber nicht geknickt. Für unseren Forscher ist dies das typische Zeichen eines echten Kornkreises. Nach dem heutigen Stand der Forschung kann man sich dieses Mysterium nicht erklären. Die Besucher verhalten sich in den «Gassen» des Kornkreises ganz unterschiedlich. Manche betrachten andächtig still und wie eine Art verklärt das Wunder, andere liegen auf den Boden, um Kontakt mit den angeblichen Kräften zu haben, manche knien nieder, um die Ähren genauer anzuschauen und vorsichtig zu berühren.

Es gibt noch Wunder: Die Anwesenden sind sich einig, dass es auf dieser Welt noch einige Dinge gibt, welche wir mit unserem Verstand nicht verstehen oder messen können. Schön sei es, dass es noch Wunder zum Staunen gebe. Ist das nun Einbildung oder Tatsache, dass mein Arthroseknie nun weniger schmerzt, als vor dem Gang durch den Kornkreis? Gilt doch das Sprichwort: "Glauben macht selig!"< Nach: ´Der Schweizerbauer´ vom 20.07.04


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