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20.08.2003


    
Mars-Hysterie und damit verbundene UFO-Sichtungen geht weiter

Roter Planet beflügelt menschliche Fantasie

err W. meldete sich am späten Mittwochnachmittag des 13.August, nachdem er meine Rufnummer von einem Journalisten des Kölner Stadt-Anzeiger erhalten hatte. Der Zeuge lebt in Bendorf und hatte sich wegen der Zeitungsberichte über den "Perseiden"-Meteorschauer in der Nacht vom 12.auf den 13.August im Garten zusammen mit seiner Frau ein Plätzchen ausgesucht, um auf Strandliegen es sich bequem zu machen: hauptsächlich aber wegen der großen Hitze am Rhein und dem stark aufgeheizten Haus. Nun, der Mann hatte dann in der Zeitung von dem Himmelsspektakel gelesen und nutzte damit beide Umstände aus, um zwischen Mitternacht und ca 3 h zusammen mit seiner Frau den Himmel zu bemustern. Das Paar machte es sich bei nem "Six-Pack" also im Garten bequem, dabei sahen sie hinter einer Pappelreihe am anderen Ende des Gartens auch den Mond "hochkommen". Erstaunt stellten sie aber fest, dass der Mond "von einem ´Ding´ verfolgt" wird "und scheinbar auch von ihm angeleuchtet". Über die nächsten Stunden hinweg sahen sie immer das selbe Schauspiel - der Mond ging auf und zog über den Himmel, links abgesetzt davon wurde er "verfolgt". Von einem "kleinen gelb-orangenen Lichtfleck", der "vor einer Woche" bei einer ähnlichen "Hitzeflucht" des Paars in den Garten "eindeutig beim zunehmenden Mond noch NICHT da war und auch von uns früher soetwas beim Vollmond noch NIE gesehen wurde." Dies war absolut neu und verblüffend.

Dies war auch der Grund des Mannes, warum er am nächsten Morgen am Radio klebte und mehrere Nachrichtensendungen auf diversen Sendern abhörte, um vielleicht so mehr zu erfahren. War aber nicht der Fall. Dies erstaunte den Herrn nicht wenig, "weil dieses Ding MÜSSEN einfach andere Leute auch gesehen haben, wir SPINNEN DOCH NICHT" wurde er etwas lauter am Telefon. Schließlich rief er bei der genannten Zeitung an und stieß dabei auf einen Journalisten, der vor einem Jahr schon einmal ein CENAP-Portrait geschrieben hatte und sich sogar noch in seinem Notebook die UFO-Hotline ausgewiesen hatte. So kam Herr W. also nach Mannheim durch.

Ich fragte den Mann ob er den nicht wisse, dass der Planet Mars derzeiten besonders hell und nahe erscheine und in genau diesen Tagen links neben dem Mond erscheint und am kommenden Abend auch rechts von ihm. Davon war der Berichterstatter völlig überrascht, weil er davon nichts gehört hatte. Ihm waren nur zwei Zeitungsberichte zu den "Meteoriten" bekannt. Ich erfuhr, dass der Mann technischer Zeichner der Stadt Bendorf ist und einen TU-Abschluß besitzt. Er sich aber für Astronomie nicht interessiert, "weil dies gehört ja nicht zu meinem Beruf". Dieses astronomische Nicht-Wissen kam auch schnell deutlich zu Tage, als der Mann nochmals auf den Punkt zurückkam, wonach "der Mond das Ding" angeleuchtet hat und ich ihm erklärte, dass weder Mond noch Mars selbstleuchtende Körper sind, sondern nur Sonnenlicht reflektieren - und er darauf naiv-unschuldig reagierte: "Aber die Sonne war doch schon längst untergegangen!" um seinen letzten (Pseudo)-"Trumpf" mangels Kenntnis auszuspielen. Ich erklärte ihm auch dies, wobei der Mann immer einsilbriger und leiser wurde. Schließlich kam es mir vor, als wäre er weder frustriert noch besonders glücklich gewesen - er musste einfach die ganze Sache verdauen. Übrigens: Während dieser hitzegetriebenen Meteoriten-Wacht hat der Zeuge gerade mal ZWEI STERNSCHNUPPEN gesehen - "und die sahen wie immer Sternschnuppen aussehen aus".

Im aktuellen Fall der "Mars-Mania" ist es aber zweifelsfrei falsch, die Beobachtungen sowie ihr Nichterkennen um den wahren Anlass als das Resultat einer "psychopathologischen Störung" anzusehen. Diese Berichte haben nichts damit zu tun, dass da psychotische Charaktere unfähig sind, innere von äußeren Erlebnissen zu unterscheiden und sie somit Wahnwelten für wahr halten. Die dargestellten Erfahrungen haben nichts mit "intrasubjektiven Stimuli" zu tun. Sie sind sogar "erschreckend" wirklichkeitsecht. Und trotzdem keine wirklichen "UFOs", obwohl von den Berichterstattern mangels Kenntnis als solche angenommen. Ganz unkompliziert also. Für die UFO-Erkundung ist es also von Relevanz anzuerkennen, dass da echte Stimuli aufgrund schlichter Unkenntnis über sie falsch interpretiert werden - und sonst nichts dahinter steht. Doch dies ist jetzt kein allgemeingültiger Freibrief, es gibt dazu natürlich auch als echt ausgegebene Fälschungen oder mit verfremdenden Extras ausgegebene echte Stimulis z.B. von Exotic-UFO-Überzeugten auf ´heimlicher´ Mission. Solche Geschichten stellen sowohl für die UFO-Erforschungs als auch für die Gerichte ein Problem dar. Wie auch immer, es kann natürlich sein, dass die hier berichtenden Menschen auch "ausgeprägte Charakterstörungen" haben, aber für den Fall ihrer Darlegung über ihre Observationen wirkt sich dies offenkundig nicht aus. Doch soweit möchte ich nicht gehen, weil man dann schließlich zu sehr ins Philosophische abtaucht, wo man schließlich alles in Frage stellt - und sich selbst auch.


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