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22.10.2002


    
Immer mehr UFOs und Aliens in der russischen Pravda

Von Mondstädten, UFOs und einem russischen Alien - Die Pravda treibt es immer toller

von Ernst Corinth, 16.10.2002

Das Poltern hört man bis nach Nowosibirsk. Präsident Putin soll bereits einen Krisenstab zusammengerufen haben. Aber das Poltern geht weiter - direkt an der Kremlmauer, dort wo der erste Chefredakteur der Pravda begraben liegt: Josef Stalin, der seit Tagen in seinem Grab nach alter Diktatorenart gar mächtig rotiert. Seine gute alte Pravda, die früher eine bekannte realsatirische Tageszeitung gewesen ist, entwickelt sich nämlich gerade zu einem rein satirischen Blatt - mit Themen, angesichts deren Brisanz die Macher des deutschen Bruderblattes, der Bild-Zeitung, vor Neid erblassen. Statt sich also mit den Geständnissen eines präsenilen Popstars herumzuquälen, berichtet die Pravda in ihrer  englischen Online-Ausgabe seit Tagen über Dinge, die unser Denken, unser Weltbild und womöglich gar unseren Alltag gehörig umkrempeln werden. Los ging es vor wenigen Tagen mit der Schlagzeile  Sensation: "Cities Found on the Moon!", die hielt, was sie versprach. Enthüllt wurde von der Pravda, dass es eine Reihe von Anzeichen gebe, die belegen würden, dass Außerirdische den Mond einst besiedelt hätten. Oder dass sie sogar immer noch dort gut versteckt leben würden. Eine Tatsache, für die wir, die Menschheit, allerdings psychologisch noch nicht reif sein Und die deswegen auch von der NASA konsequent verschwiegen werde. - Aber nun ist es ja raus. Dank der Pravda!

Und  Gus Backus, der das schon Anfang der sechziger Jahre gewusst hat, hat Recht: Es gibt einen Mann auf den Mond, bloß ist der eben kein Mensch, sondern halt ein Alien. Doch damit nicht genug: Wenige Tage später setzte die Pravda noch einen oben drauf. Unter der Überschrift  "Before the Flood, There Was No Moon" wurden alle möglichen Spekulationen über die Entstehung des Mondes und seines Einflusses auf die große biblische Sintflut ausführlich referiert, um dann plötzlich wieder die Aliens mit ins Spiel zu bringen: "Es gibt viele andere Theorien über die wirkliche Herkunft des Mondes. Eine sagt, dass der Mond von Außerirdischen geschaffen wurde. Nach dieser Theorie, ist der Mond ein Ort, an Außerirdische ihre Stützpunkte, Weltraumzentren usw. haben. Manche denken, dass der Mond ein riesiges UFO ist, der nur als kalter Planet verkleidet wurde."

Der Mond als UFO - keine schlechte Idee! Aber auch diese Sensation lässt sich nach ein paar Flaschen Wodka noch steigern - mit einem außerirdischen Baby oder Wesen namens  Alesha, das direkt vom Alfa Centaurus stammt und sich 1996 in den Wäldern Russlands irgendwie verirrt hat. Dort wurde es dann, schreibt die Pravda, zum Glück von Tamara Prosfirina gefunden. Während die gute Frau später in eine Nervenklinik eingewiesen wurde und dann unter seltsamen Umständen verstarb, verschwand Alesha leider von der Bildfläche. Aber nun wird der, die oder das Kleine angeblich von einer japanischen Fernsehgesellschaft gesucht, die dem Finder des 21 Zentimeter großen Wesens 200.000 Dollar verspricht. Ein Ansinnen, das natürlich in der Stadt Yekaterinburg, in deren Nähe einst Alesha im Wald gefunden worden ist, zu heißen Diskussion geführt habe, behauptet die Pravda. Schließlich sei der Kleine ja in erster Linie ein Russe und kein Japaner. Und da hat die Pravda ohne Zweifel Recht. Kurzum: Prost! Nasdarovia! Und Fortsetzung erwünscht!

Quelle/FT: http://www.heise.de/tp/deutsch/inha...

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