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03.07.2002


    
Fliegende Untertassen-Mania: Vor 55 Jahren fand die erste UFO-Invasion statt, Teil II

Zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4.Juli einige historische Erinnerungen UND eine Geheimnislüftung

Mit den Verrücktheiten um das 4.Juli-Weekend begann auch die Ära der UFO-Crashs. Sherman Campbell aus Circleville, Ohio, fand auf seinem Grundstück die Überreste eines Dings und meldete dies dem Sheriff. Doch es handelte sich um einen mit Aluminiumfolie ummantelten Ballon, der reflektierte grell das Sonnenlicht und gab am Himmel eine diskusartige Erscheinung ab. Laut Vernon Baird flog er gerade in 10.000 m Höhe eine P-38 über Montana als er eine Untertassen-Formation hinter sich sah. Er schätzte jedes Objekt auf etwa 5 m im Durchmesser und die einzelnen Objekte sollen wie ein "Yo-Yo" ausgesehen haben. Als Baird diese so beobachtete, brach ein Yo-Yo aus der Formation aus und flog auf ihn im Kollisionskurs zu. Dann zerfetzte es an seinem Leitwerk (ohne dort Schaden anzurichten). Die Reste des Objekts fielen dann auf die Tobacca Root Mountains herab. Bereits einen Tag später erklärte Baird´s Boss, dass die Sache nur ein Scherz war - man habe an diesem heißen Tag im Hangar herumgehangen und sich aus Langeweile Geschichten erzählt. Dabei hörte man Radio und erfuhr so von den Fliegenden Scheiben und machte sich darüber lustig. Baird sponn sich dann die bekannte Story zusammen, die Jungs im Hangar heizten diese noch an und mit dem Endprodukt ging Baird zur Presse, die im blindlings vertraute. Die Zeit war einfach reif. Und im fernen Wüstenstädtchen Roswell (Neu-Mexiko) hörte der Farmer Mac Brazel bei seinem Besuch der dortigen Unabhängigkeitstags-Feiern von dem für Fliegende Untertassen ausgesetzten Preisgeld. Er entsann sich zwei Wocher vorher draussen auf seiner Ranch eine große Quantität folienartigen Material, zusammengeklebt mit ´Tesafilm´ und einigen Balsaholzstöcken, gefunden zu haben... So begann die Roswell-Story, die zu Beginn überhaupt nichts mit den späteren Spinnereien von UFOlogie und Sensationsmedien in den 90er Jahren zu tun hatte. Aber dies ist eine andere, längst abgekaute Story.

Damals waren die "flying disc"-Geschichten keineswegs so todernst vorgebracht worden und entstanden im psychologischen Umfeld des "Lach mal eine Minute lang"-Spaßes. Damals kam ein Hoax nach dem anderen hoch, ein Gag jagte den nächsten und Untertassen galten schnell auch als populäres Vehikel für Werbeideen aller Art. Es gab Unternehmer, die die Untertassen gleich für sich als Werbemittel nutzten: Sie druckten irgendwelche Werbebotschaften auf runde Pappe und ließen diese dann in Flugzeugen an den Himmel hochtragen, um sie dann Stück für Stück aus dem Flugzeug werfen zu lassen. Mit solchen Fliegenden Untertassen wurden ganze Landschaften eingedeckt. Es war schick nach draußen zu gehen und den Himmel nach Fliegenden Untertassen abzusuchen und in einer fiebrigen Stimmung andere Leute auf den Arm zu nehmen, wenn irgendetwas seltsam anzuschauendes am Himmel auftauchte, was man nicht sofort erkannte. Eine Meldung des The Oregonian vom 9.Juli 1947 ist augenöffnend, ja geradezu elektrisierend und verständlich macht, weshalb plötzlich in den Sommer-Ferien 1947 in den ganzen USA am hellen Tage die Fliegenden Scheiben herumtobten, teilweise sogar in ganzen Formationen: "New Craft Hit As ´Nonsense´ - People Imagine Speeds of 1200". Ron Moxes als Chefredakteur der Zeitung konnte mir Mrs.Hester Wilson aus der 2324 N.W.Johnson Street sprechen, die den ganzen Wirbel um flying whatzits im pazifischen Nordwesten lachend beobachtete. Sie nannte die vorgeblichen geheimen Armee-Raketen oder "Raumschiffe vom anderen Planeten" ganz einfach hochgelassene "toy balloons". Dazu muß man wissen, dass die Frau damals schon seit 24 Jahren eine Ballon-Firma betrieb und Meßen, Volksfeste sowie Rodeo-Veranstaltungen in ganz Oregon und Washington mit ballonischem Material versorgte bzw ausstattete. Das Geheimnis liegt darin, dass das Treibgas HELIUM erst Ende 1946 kommerziell zur Verfügung stand und langsam den Markt eroberte. Bis dahin gab es nur Heißluftballone und luftgefüllte Ballone, die die Menschen kannten. "Ballone die nur mit Luft aufgepumpt sind können nicht fliegen, abgesehen wenn sie von starkem Wind mitgetragen werden. Nun haben wir aber das Helium zum Füllen und zahlreiche Leute haben die Möglichkeit, die Gummiballone damit zu füllen und aufsteigen zu lassen. Eine Menge Vertrags-Händler haben jetzt an einer Leine sechs oder sieben solcher Ballone gehängt und sie aufgelassen - und viele Kinder, die diese Ballone erwerben lassen sie ebenfalls steigen. So kommen die Fliegenden Untertassen zustande", erklärte sie. Mrs.Wilson lud den Journalisten zum Test an ihrer Firma ein. Hier füllte sie einen hell-orangenen Gummiballon sie Helium nach dem anderen ab, band sie auf einer Leine nach und nach fest. Dann ließ sie das ganze Arrangement steigen, schon in mehr als 300 Metern Höhe war nurmehr eine Formation von flachen und hell-scheinenden Scheiben zu sehen, die eine ungewohnte Bewegung an der Leine durchführen. Da man als unerfahrener Betrachter aus der Ferne schon gar nicht mehr ihre Größe einschätzen kann, dürfte es nicht schwer sein bei ihrer relativ nahen Distanz den Eindruck von fernen, hochfliegenden und großen Objekten zu erhalten, weswegen Geschwindigkeitsschätzungen natürlich grob versagen und man sich hierbei gewaltig vertut. Bei einem zweiten Versuch kam dies deutlich zum tragen. Ein von der Zeitung auf einem nahen Hügel postierter und uneingeweihter Fotograf wurde von diesem Ballonzug überrascht, er sah dann auch schon eine Kette von Untertassen dahinhuschen, er schätzte ihre Geschwindigkeit auf 1200 mph! Von dieser Einsicht angetrieben erkundigte sich Ron Moxness beim Wetteramt zwecks dem Einsatz solcher Helium-gefüllter Ballons und erfuhr überrascht, dass auf dem Gebiet der USA allein vier Mal am Tag um die 1.000 derartiger Ballone aufgelassen werden, um Wetterinformationen zu gewinnen. Ballone mit Funkgerätschaften würden zusätzlich immerhin noch 100 Mal am Tag aufgelassen, an jenen sind zusätzlich, als Radarwellen-Reflektor gedacht, noch knapp 65 Zentimeter große Scheiben angebracht, die mit einer metallischen Folie versehen sind. Die Verblüffung des Reporters war dann entgültig als er erfuhr, dass die bei Nacht aufgelassenen Wetterballone dieses Typs sogar gelegentlich noch kleine, elektrisch mit Batterie betriebene Lichter tragen. Zu Tarnungszwecken hatte man den Fund bei Roswell einem solchen relativ kleinen Wetterballon zugeschrieben.


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