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30.04.2001


    
Die "Okkult-Ecke" von Gerald Hofmann -Heute: Zur Walpurgisnacht (30. April) das Thema:

Hellsehen, Wahrsagen und das Orakel von Delphi

Was ist „Hellsehen“ überhaupt? Bedienen wir uns für die Begriffsdefinition einfach des „Brockhaus“. Hier ist folgendes zu finden: „Die außersinnliche Wahrnehmung von räumlich entfernten Gegenständen oder Vorgängen“.

Was ist „Wahrsagen“? Auch hier hilft uns der „Brockhaus“ weiter: „Die angebliche Fähigkeit zur Voraussicht des Zukünftigen, auch mittels des Kartenlegens und der Sterndeutung“.

Wie steht es nun mit diesen „Fähigkeiten“? Gibt es sie wirklich? Hierzu muss ich etwas ausholen. Wie sicherlich allgemein bekannt ist, haben Wahrsager, Handleser, Astrologen und wie sie sich auch immer nennen mögen, gerade in Krisenzeiten Hochkonjunktur. Wer hätte nicht gerne gewusst, wann er seine Aktien (besonders die des „Neuen Marktes“) verkaufen muss, um den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Oder aber ob die/der momentane Partner/Partnerin der/die Richtige ist. Gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine allgemeine Krisenstimmung durch die gesellschaftlichen Veränderungen (Industrialisierung, Niedergang der Monarchie etc.) und der Okkultismus blühte. Ich möchte hierzu ein Beispiel nennen: Eusapia Palladino, ein Kind armer Bauern aus den Abruzzen, verfügte angeblich über außersinnliche und übernatürliche Fähigkeiten. Zu einem ihrer beliebtesten, sogar bei guter Beleuchtung durchgeführten Experimente gehörte es, die Schale einer Briefwaage anscheinend ohne Berührung zum Schwingen zu bringen. Dabei führte sie ihre Hand neben der Schale auf und ab. Ein kaum sichtbarer Streifen zwischen den Händen, der dabei auftrat, wurde von ihren Bewunderern als „Strahl psychischer Kraft“ gedeutet. Kritische Beobachter entlarvten diesen Strahl schließlich als ein durchaus physisches „Phänomen“. Eusapia hielt ein Haar zwischen den Händen ausgespannt und ließ mit seiner Hilfe die Waagschale auf und ab tanzen. Gerade nach dem 2. Weltkrieg in den fünfziger Jahren beschäftigten sich mehr als 50 % der Bevölkerung mit Astrologie, der größte Teil stand selbst dem Zeitungshoroskop positiv gegenüber. Das öffnete natürlich Scharlatanen aller Couleur Tür und Tor. Nun begann auch die Wissenschaft, die sich zwar schon seit 100 Jahren mit okkulten Phänomenen beschäftigte, sich verstärkt damit auseinanderzusetzen. Zu den bekanntesten Forschern zählten damals Prof. Bender aus Freiburg und Prof. Tenhaeff aus Utrecht. Für ihre sogenannten „Platzexperimente“ stellte sich immer wieder der holländische Hellseher Gerard Croiset zur Verfügung. Ihm wurde die Aufgabe gestellt, Personen zu beschreiben und zu charakterisieren, die bei einer bestimmten, späteren Veranstaltung (von der sie oft selbst noch nichts wussten) auf einem bestimmten Stuhl Platz nehmen. Croisets Angaben erwiesen sich in über 80 % der Fälle als zutreffend. In „Ernstfallsituationen“ allerdings erreichte er dieses Ergebnis bei weitem nicht. Was auch verständlich ist, da sich beim feststehenden Inhalt einer Veranstaltung rein statistisch die Spezifizierung der Teilnehmergruppe recht übersichtlich festlegen lässt (so ist es recht unwahrscheinlich, dass ein 80-Jähriger ein Rockkonzert von AC-DC besucht oder ein 16-Jähriger eine Ausstellung mit Bildern Van Goghs), während es nicht vorausberechenbar ist, ob jemand morgen von einem LKW überfahren wird oder ihm ein Blumentopf auf den Kopf fällt. Nachgewiesen ist auch, dass die sogenannten „paranormalen“ Kräfte und Erscheinungen sich hauptsächlich im Zustand herabgesetzten Bewusstseins oder bei großer Erregung zeigen. Beispielsweise im Traum oder Halbschlaf, bei Ermüdung, Fieberdelirien oder bei großer Angst. Bei Ausschaltung des Bewusstseins, also des kritischen Verstandes, übernehmen tiefere, ältere Schichten des Gehirns die Führung, wie Biologen in vielen Versuchen nachweisen konnten. Diese Gehirnschichten haben wir nicht nur mit unserem Ahnherrn, dem Affen, gemeinsam sondern auch mit allen niederen Tieren. Und der Wirksamkeit dieser Gehirnschichten sind wir uns normalerweise gar nicht bewusst. Die Tiere vollbringen erstaunliche Leistungen damit: Ob sie nun „hellseherisch“ Gefahren „wittern“ oder nahezu arbeitsteilig Gemeinschaften bilden, bei deren Organisation sie auf „telepathisch“ anmutende Weise miteinander in Verbindung zu stehen scheinen. Und je nach „Veranlagung“ ist diese Begabung sicherlich auch beim Menschen in Resten vorhanden. Es dürfte allerdings unmöglich sein, für fremde Personen, zu denen der betreffende Mensch in keiner Weise in Verbindung steht, eine solche Beziehung aufzubauen, dass detailliert über deren Schicksal Auskunft gegeben werden kann. Dagegen ist es Realität, wenn z. B. eine Mutter fühlt, dass sich ihr Kind in großer Gefahr befindet, auch wenn es Hunderte Kilometer von ihr entfernt ist. Denn hier ist die direkte Verbindung gegeben. Also sparen sie sich die 250 DM für den Wahrsager und legen sie diese lieber in ein paar ordentlichen Flaschen Wein an. Denn wie die Römer schon wussten: „In Vino Veritas“ (zu deutsch: „Im Wein liegt Wahrheit“).


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