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03.03.1999


    
Das Geheimnis der TNT-KGB-UFO-Akten

CNN´s Unterhaltungs-"Bruder" narrte Millionen Zuschauer

In Amerika strahlte am 13.September 1998 der Kabelsender TNT (die Unterhaltungsschwester von TedTurners CNN) die Sendung "The Secret KGB UFO Files" in der Moderation von "James Bond"-Darsteller Roger Moore aus und sorgte für einigen Wirbel. Die Teilnehmer unserer Herbst-Tagung 1998 der "Rationalen Union" konnten Teile davon bewundern und staunen. Nun griff Antonio Huneeus im Fate Magazin vom Januar 1999 den Film nochmals auf, er hatte daran freilich ein besonderes Interesse, weil er selbst für die Sendung vor der Kamera stand und interviewt wurde. Die Zugnummern der Sendung waren auf jeden Fall drei interessante "Gun Camera"-Filme, die von drei unterschiedlichen UFO-Abfangmissionen durch russische MIGs stammten. Hier wurde dieses erstaunliche Filmmaterial als "deklassifiziertes Material der Sowjet-Regierung" feilgeboten. Moore erklärte hierzu, daß dieses sowjetischen Luftwaffen-Filmmaterial von einer Gruppe russischer UFOlogen stammt, welches dieses aus dem sowjetischen Verteidigungs-Ministerium freibekommen hatte. In der GUS selbst aber kennt niemand solches Material, auch versäumte es der Sender begleitendes Korrespondenz-Material zu zeigen, was mit der Freigabe solcher Dokumente verbunden ist. Gemeint ist damit freilich Briefe des Minsiteriums, in welchem es das Material freigibt. Außerdem werden nie Originale freigegeben, sondern immer nur Kopien.

Der zweite Knaller der Sneung war eher dubios zu nennen, ein angeblicher Fliegender Untertassen-Crash und Filmmaterial über eine russische "Alien-Autopsie"! Der russische ufologische Schlüßelexperte war ein Verniamin G.Vereschagin, von dem bisher niemand im Feld etwas gehört hatte. Seiner Darstellung nach sei in Sverdlovsk (heute Katerinenburg) am 27.November 1968 eine seltsame Erscheinung am Himmel von den Anwohnern beobachtet worden und im Frühjahr 1969 haben Bauern im Gebiet von Berezovsky seltsame Trümmer gefunden und deswegen den Geheimdienst KGB informiert. Daraufhin wurde eine abgestürzte Untertasse an einem Waldran gefunden und sowjetische Truppen herbeigeführt, um das Gelände abzuschirmen. KGB-Kameramänner haben dies gefilmt. Huneeus führte dies weiter aus, weil er in den TNT-Film verwickelt war. Nun, die Produzenten haben Interview-Fragmente über den Film gelegt und Fetzen des Interviews nach eigenem Gutdünken in die Sendung eingebaut: "Dies ist das beste Filmmaterial was ich bisher sah!" Vergessen zu senden wurde der Nebensatz: "Wenn dies echt ist, aber ich habe meine Zweifel daran."

Huneeus: "Als die Produktion mir und George Filer das angebliche UFO-Material zeigte, konnten sie uns angeblich nichts mehr dazu sagen, außer dem Umstand, sie hätten diese Filme auf dem russischen Schwarzmarkt erhalten und es bestand aus 16mm-Farbfilm aus dem zeitraum 1968-1969. Ich war sicher von der Qualität und Klarheit der Filme beeindruckt. Dies war kein unscharfes b&w-Material wie der Santilli-Stuff, noch hatte es etwas mit dem ansonsten immer problembelasteten Foto- und Filmmaterial in der langen und dubiosen UFO-Historie zu tun." Heute ist Huneeus skeptischer den je: "Auf der Basis meiner Erfahrungen betreffs den vielversprechenden `Beweis-Filmen` geht ich jetzt davon aus, daß diese KGB-Filme nicht authentisch sind, weil es mit ihnen zuviele Probleme gibt. Ich habe mich umgehört, niemand kennt in Russland selbst Vereschagin und sein im Film vorgestellten Buch kennt auch niemand. Auch in Russland kennt niemand im UFO-Feld den Fall Sverdlovsk. Auch die im Film gezeigte `versteckte Kamera`-Situation des Aufkaufs des Materials für $ 10.000 ist verdächtig. Jeder der soetwas tut, legt sich mit der russischen Mafia an."

Mex Hefman, ein russischer Geschäftsmann, der in New York lebt, war zunächst von der TNT-Sendung begeistert und wollte mehr wissen, sodaß er selbst anfing in seiner Heimat zu recherchieren. Als erstes stellte er fest, daß die im Fernsehen gezeigte Zeitung mit Erwähnung der 29.November 1968-UFO-Ereignisse zwar existiert, sie aber niemals etwas darüber berichtete! Dann forschte er weiter nach, um mehr über die ehemalige Alien-Autopsie am heutigen Moskauer Medical Institute zu erfahren. Dort fand er einen Bediensteten, der mehr wußte - aber nichts über das, was Sie jetzt vielleicht erwarten mögen. Hefman stellte fest, daß die ganze Sache mit der Alien-Autopsie ein Schwindel war und für die TNT-Produktion etwa ein Dutzend Leute von dort gegen harte Dollars mitwirkten. Gegen die selben Dollars kann sich jeder gut vorstellen, ist es kein Problem authentische sowjetische Militärausrüstung zu leihen, nach Holldwood-Standards immer noch für`n Apfel und nen Ei.

Weitere Tiefschläge erfuhr die Glaubwürdigkeit der TNT-Ausstrahlung als Huneeus mit dem argentinisches UFOlogen Alex Chionetti in Kontakt kam, der in Los Angeles als TV- und Film-Händler arbeitet. Aus dieser Tätigkeit her kennt er den verantwortlichen TNT-Produzenten David McKenzie. Deswegen in Chionetti überzeugt, daß dies alles eine Show von McKenzie ist, der zwar in Russland drehte, aber in Hollywood die Endfassung produzierte. So ist einer der "KGB-Agenten" ( der Mann mit dem Bart) im Film nichts weiter als ein Schauspieler, den Chionetti persönlich kennt und gelegentlich vorher schon von McKenzie engagiert wurde. Damit kommt die UFOlogie in immer neue Schwierigkeiten hinein, wenn das Thema kommerziell ausgeschlachtet wird, was schon immer ihr größtes Problem war. Während bisher der kommerzielle Charakter bei den UFO-Schriftstellern, den Sensationsautoren, ihren Verlegern und Boulevardblatt-Machern zu suchen war, die uns Fliegende Untertassen- und Alien-Geschichten unserer Traumwelt feilboten, haben nun auch zunehmend ufologisch aufgepeppte Medienmacher die Finger im Spiel, um die Menschen verrückt zu machen. Hinzu kommt die verzerrende Aufbereitung des Themas durch Talkshows und allgemeine Boulevardberichterstattungen, indem irreführende und überzogene Elemente die Story "knackig" machen sollen - auch wenn damit total überzogene und falsche Vorstellungen projiziert werden! Da nun UFOs und Aliens einen Massenmarkt erreichen, ist es kein Wunder, wenn Pseudo-Dokumentationen (wie die auf der ARD vom Herbst 1994) entstehen, die noch mehr Öl ins Feuer kippen. Während noch vor nicht allzu langer Zeit UFO-Sendungen von den Wissenschafts- und Nachrichten-Abteilungen der Sendungen erarbeitet wurden, die nach den journalistischen Standards arbeiten, wurde das Thema inzwischen nicht nur durch Akte X zum unterhaltsamen Bereich `abgeschoben`. Eingepackt wird dies in eine Art `Dokumentation`, die jedoch ihrem Anspruch nicht gerecht wird. Dies muß hier betont werden, wir haben dazu schon ausreichend reportiert. Dokumentarisch aufgemotztes Material wird nicht mehr als Unterhaltung ausgewiesen und darin liegt die Gefahr. In Pseudo-Dokumentationen werden Fakten mit Fiktionen vermischt und die daraus entstehende Sicht auf die UFOlogie ist zwar populistisch und plakativ (so wie die UFOlogie es immer schon war!), aber sie hat mit den realen Gegebenheiten wenig oder gar nichts zu tun. Des Erfolgs wegen werden wir also auch durch die Medien verarscht, so ist es nun einmal, weil sie auf den "mainstream"-Zug der erfolgreichen UFOlogie eingestiegen ist. Dies läßt uns an den Kommunikationspapst Neil Postman denken, der einmal feststellte: "Der Ausdruck `seriöses Fernsehen` ist ein Widerspruch in sich."


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