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31.01.2000


    
Fliegende Untertassen im Blick

Norwegisches Dorf baut (vielleicht) UFO-Observatorium

Am 31.Januar 2000 berichtete AFP aus Oslo, dass das norwegische Dorf Holtaalen (bei uns besser bekannt als Hessdalen) nun ein Observatorium für Fliegende Untertassen bauen möchte. Ein Problem hat die selbsternannte "Norwegische Hauptstadt für unbekannte Flugobjekte" allerdings doch noch: Sie sucht nach einen Geldgeber für die rund fünf Millionen Mark teure Beobachtungsstation, wie die norwegische Zeitung Aftenposten am Montag berichtete. Schon jetzt beherbergt der 2200-Seelen-Ort das erste "Weltzentrum zur Messung von unerklärbaren Lichterscheinungen". Seit Gründung des Zentrums vor anderthalb Jahren seien 150 mysteriöse Lichtphänomene fotografiert worden. "Diese strahlenden Erscheinungen machen unser Tal zu etwas Besonderem, und wir machen daraus eine Touristenattraktion", sagte Oeyvind Naess, kultureller Berater der "UFO-Hauptstadt".

Hintergrundinfo:

Nun bekommt die "Aggregate-UFOlogie" Aufschwung, nachdem bestimmte Teile der UFO-Forschung für sich erkannten, daß der Nachweisversuch von UFOs zu oft sich auf UFO-Zeugen stützt - doch leider ist der Wert solcher Aussagen einzuschränken, denn der Mensch ist ein "Beobachtungsgerät", welches mit großer Ungenauigkeit arbeitet. Dumm ist auch, daß die meisten UFOs sich als äußerst normale Dinge herausstellen, wenn man einen Fall genauer untersucht. Der zeitliche Abstand zum Ereignis bis hin zur Schilderung, das Ausmaß der emotionalen Beteiligung, Prädispositionen, Suggestiveffekte usw sind Umstände, die derartige Schilderungen von UFO-Sichtungen recht stark subjektiv einfärben können. Zudem ist es die Tendenz des Menschen, Lücken in der Erinnerung wie auch in der Beobachtung durch ihm richtig erscheinende erfundene Einschübe auszufüllen. Der Befragte ist sogar meist der Meinung, diese erdichteten Passagen tatsächlich erlebt zu haben. Auch wenn berichtete Angaben völlig sachlich, zuverlässig und selbst beweisebar sein können - kann trotzdem die Auslegung/Interpretation der Daten dann immer noch völlig falsch sein, z.B. dann, wenn der Zeuge sich weigert eine natürliche Erklärung anzuerkennen (da er dann eingesteht, sich narren zu lassen und dies seinem Ego wenig schmeichelt) und/oder wenn der Untersucher das IFO-Spektrum in seiner Breite und Tiefe nicht kennt, um den auslösenden Stimuli festzumachen.

Auch bei "objektivem" Beweismaterial wie Fotos aus unkontrollierter Hand gibt es genügend Probleme: Man muß sich daher fragen, ob man überhaupt mit 100 % Sicherheit feststellen kann, daß ein Foto echt ist und tatsächlich keine Fälschung. Hierzu eine kleine Geschichte. Der französische Regisseur André Cayatte erhielt auf der Berlinade 1973 für seinen Film "Kein Rauch ohne Feuer" den Preis des "Silbernen Bären". In diesem Streifen geht es um gefälschte Fotos, mit denen ein Politiker erpreßt werden soll. Martin Büttner fragte damals bei einem Interview für die Sendung "Neues vom Film" den Regisseur ungefähr dieses: "Sagen Sie, ist so etwas überhaupt möglich?" Die Antwort kam spontan: "Ich habe mir von einem bekannten Tricktechniker einige solcher Fotos anfertigen lassen und sie dann zum Analysieren an verschiedene Universitäten geschickt. Man bestätigte mir überall, die Fotos seien echt." Es gibt also keine sichere Prüfungsmethode für Fotos. Manch einer mag auf diese Behauptung zu recht einwenden, daß UFO-Aufnahmen in aller Regel nicht von Trickspezialisten, sondern von Laien gemacht werden. Natürlich ist dies korrekt! Dennoch ist das Argument nicht stichhaltig, da es das berühmte blinde Huhn gibt, welches auch ein Korn findet. Erinnern Sie sich z.B. an den Fall des Buben Alex Birch aus England oder die Jungs von Fehrenbach.

Aufgrund dieser Erkenntnise, die übrigens von Matthias Engelhardt 1984 in dem Buch "UFOs - Die unmögliche Wahrheit: Wissenschaftler schreiben über UFOs" (raum&zeit-Verlag, Gehrden) deckungsgleich mit unseren heutigen Erkenntnissen vorgestellt wurden (der sich eine Förderung der UFO-Forschung versprach und im Sinne von MUFON-CES die Veröffentlichung als Herausgeber leistete), werden bereits seit Jahren herumspukende Gedanken in Richtung einer automatisierten, maschinellen UFO-Registrierstation verwirklicht, dies in Norwegen, wo bei Hessdalen eine Art "UFO hotspot" existiert und fortlaufend UFO-Lichtphänomen-Manifestationen seit etlichen Jahren verzeichnet werden.

Wie am 14.August 1998 bekannt wurde, richtete das "Project Hessdalen" am 7.August 1998 eine sogenannte automatic field station ein. Wer aktuelles "Alarm"-Bildmaterial von dort im Internet abrufen will, kann dies unter http://indy.hiof.no/~hessdalen/enge... gerne tun. Ein s&w-Videokamera mit Weitwinkel-Objektiv ist in das Zielgebiet ausgerichtet, wo in der Vergangenheit immer wieder merkwürdige Lichterscheinungen ausgemacht worden sind. Ein Silicon Graphics Indy-Rechner analysiert die dort aufgefangenen Bilder jede Sekunde und sobald "irgendetwas" entdeckt wird, startet ein Videorekorder mit seiner Aufnahme. Solang dieses registrierte "irgendetwas" sich durch das Bild bewegt, wird die Erscheinung auch aufgenommen. Sobald dieses "irgendetwas" anhält oder verschwindet, läuft der Rekorder weitere 15 Sekunden lang auf Aufnahmemodus weiter. Alle Bilder, die den Videorekorder einsetzen lassen, werden sofort auf die Project Hessdalen-Internet-Homepage gelegt. Vor falschen Alarmen wird jedoch vorab schon gewarnt.

Automatisch wird auch mit der selben Kamera alle Stunde ein Kontroll-Bild der Umgebung geknipst. Angeschlossen ist an dieses System auch ein Magnetometer, welcher anspringt, sobald es einen Alarm gibt, um das vorherrschende Magnetfeld in O-W und S-N auszumeßen. Diesbezüglich wollen wir eine Meldung aus den Siebzigern nachschalten, um nachzuweisen, daß derartige Ideen nicht gerade neu sind - und in der Vergangenheit fruchtlos verblieben:

Jagd auf Fliegende Untertassen vermeldete am 25.Juli 1974 die Frankfurter Rundschau: Unbekannte Flugobjekte, kurz "UFOs" genannt, die, angeblich von fremden Himmelskörpern kommend, unserer Erde Besuche abstatten, werden in Frankreich mit ganz besonderer Sorgfalt beobachtet. Es gibt zwischen Rhein und Atlantik mehr Menschen, die sich die Nächte um die Ohren schlagen, um den Himmel nach "Fliegenden Untertassen" abzusuchen, als in irgendeinem anderen Land der Welt. Drei große Organisationen, davon eine mit dem poetischen Namen "Lichter in der Nacht" ("Lumiéres dans la nuit"), haben Tausende von Amateuren in ihren Mitgliederlisten stehen. Besonders aktiv sind die "UFOlogen" im südlichen Elsaß, dort, wo ihrer Meinung nach eine drei Kilometer breite "Achse" verläuft, auf der sich außerirdische Wesen mit ihren Flugapparaten besonders gerne und häufig bewegen. Die elsässische Sektion eines ufologischen Forschungsvereins ist zur Zeit damit beschäftigt, eine bestens ausgerüstete Beobachtungstation einzurichten, und zwar in einem Bunker der ehemaligen Maginotlinie, der ihr von der Gemeinde Algosheim bei Neu-Breisach zur Verfügung gestellt wurde. Diese alte Kasematte besitzt bemerkenswert günstige Voraussetzungen für die Beobachtung von Himmelserscheinungen aller Art. Ihre große Plattform, die von einer stählernen, heute waffenlosen und leicht angerosteten Kanonenkuppel gekrönt ist, bietet einen freien Blick auf das gesamte Himmelsgewölbe. Die tief im Boden verankerten Betonmassen schluckten jede Erschütterung, die vom Straßenverkehr oder von sonstigen Störfaktoren herrühren könnte, und künstliche Beleuchtung gibt es bei Nacht weit und breit nicht. In der Station werden nicht nur Fernrohre, Fotoapparate und Filmkameras installiert, sondern sogar eine Radaranlage, Funkgeräte und eine elektronische Apparatur. Nach der Fertigstellung dieses Beobachtungszentrums, zu dem übrigens auch eine gut ausgestattete Bibliothek gehört, hoffen die elsässischen UFOlogen auf größere Erfolge, als sie bisher vorzuweisen sind. Keine einzige Himmelserscheinung, die auch nur im entferntesten eine Fliegende Untertasse hätte sein können, wurde von Hunderten angestrengter Augenpaare erblickt, als die drei französischen UFO-Vereinigungen am 24.März 1974 eine landesweite "Beobachtungsnacht" veranstalteten.

Externe Links

http://indy.hiof.no/~hessdalen/engelsk/index.html

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