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23.01.2000


    
Update: Spaniens Himmelswunder

Alles nur Super-Hagel-Körner? Charles Ford hätte seine Freude gehabt

Erst am 21.Januar 2000 meldete AFP aus Madrid: "In Spanien entdeckte rätselhafte Eisklumpen haben natürliche Ursache". Hier hieß es, das nur fünf von 40 angeblich vom Himmel gefallenen Eisblöcke eine "meteorologische Ursache" haben und auf ein "sehr seltenes und ungewöhnliches meteorologisches Phänomen" zurückgingen, wie es der Vizepräsident des Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CSIC), Miguel Garcia Guerrero, nun auf der langerwarteten Pressekonferenz erklärte. Alle anderen entdeckten Eisklumpen seien Fälschungen: "Entweder hätten sich die Finder geirrt oder zum Spaß selbst das Eis hergestellt." Doch wie soll dieser Mega-Hagelschlag entstanden sein? Der Geologe Martinez Frias erklärte, dass infolge niederiger Temperaturen in der Stratosphäre sich die fünf fraglichen Eisbomben gebildet hätten, auch wenn man "noch nicht wisse, wie sich der Vorgang abgespielt hat". Ähnliches sei bereits zwei mal aufgetreten: 1995 fiel in China ein Eisblock von einem Meter Durchmesser vom Himmel, 1998 wurden in Brasilien zwei Eisblöcke entdeckt, die 50 und 200 Kilogramm wogen. Diese "Erklärung" zu den "Super-Hagel-Körnern" bringt mehr Fragen für den kritischen Geist mit als Antworten, offenbar analog zu den "Wirbelwind"-Erklärungen der Kornkreis einst zu Anfang der 90er Jahre in England. Offenbar geht diese meteorologische Erklärung darauf zurück, dass die hier untersuchten Eisbrocken keinerlei Verunreinigungen wie andere Klumpen mit sich brachten. Wenn dies also das einzige Kriterium sein sollte, dann ist dies doch nur ein Nachweis dafür, dass die entsprechenden Brocken `sauber` produziert wurden. Der selbe Herr Frias hatte übrigens in der Zeitung El Mundo aus Madrid noch am 19.Januar 2000 (Danke für die Übersetzung an Scott Corrales) zum Fund einer Eisbombe in Tocina festgestellt, dass dieses milchig-weiß sei und deswegen bei mindestens -220° gefroren sein müße, zudem wiese es "Spuren von Quarz darin auf,w as die Sache ganz interessant mache". Soweit seine oberfläche Begutachtung des Brockens und der Annahme, dass da "alles auf eine kometenhafte Herkunft für diese Fragmente" hinweise. Dem wiedersprach heftig Javer Armentia, Direktor des Pamplona-Planetariums: "Das alles sind kaum mehr als Scherze und nun entwickelt sich eine Welle genauso wie es mit den UFOs immer wieder passiert. Warten wir aber erst einmal die Analysen ab, aber ich schätze, dass bestens nur Tafelwasser dabei herauskommt..."

Leider versagten fast alle beteiligten Parteien (außer Sat1 in der Nachrichtensendung "18:30" vom 21.Januar 2000) zumindest diese aufklärende Meldung ebenso zu bringen, wie sie vorher das hochgespielte "Geheimnis" vorstellten. Wenigstens Bild-am-Sonntag vom 23.Januar 2000 brachte einen kleinen Artikel zur Aufklärung "Vom Himmel gefallen? Spanische Eisbomben: 45 waren gefälscht!" Hiernach waren inzwischen 54 der Eisbomben in Spanien aufgefunden worden. Von diesen stammten nur 9 "aus der Atmosphäre, wo sich komprimiertes Eis aus Wasserstoff und Sauerstoff gebildet hat". Die anderen 45 Eisklumpen waren von Witzbolden gefälscht worden, "die sich einen Spaß daraus machten, Eisklumpen auf die Straße zu legen oder aus Fenstern zu werfen".

Noch während obige Meldung vom Publikum gelesen wurde, konnte man gleichfalls auf der Videtextseite 121 von Pro7 lesen: "Italien: Eisbrocken vom Himmel" - Nach ähnlichen Vorfällen in Spanien ist jetzt auch in Italien ein fünf Kilogramm schwerer Eisbrocken vom Himmel gefallen. Wie die Zeitung La Republica berichtet, schlug der Klumpen auf einem Schulhof in der Nähe der norditalienischen Stadt Padua auf. Verletzt wurde niemand. Experten sind sich uneinig, ob der Brocken von einer Flugzeugtragfläche stammt oder ob es sich um ein ungewöhnliches "meteorologisches Phänomen" handelt. Am 23.Januar 2000 gab es dann ebenso eine dpa-Meldung aus Madrid/Rom: "Auch in Italien Eisbrocken abgestürzt - Weiter Unklarheit in Spanien". Hierin wird bekannt, dass der norditalienische Schulhof-Eisbrocken weiß wie Schnee gewesen sei und erst beim Schmelzen durchsichtig wurde, ein Teil von ihm sei zum Zwecke der Untersuchung ins Eisfach gelegt worden. In Spanien dagegen blieb weiterhin alles in der Schwebe und die Untersuchungen der CSIC-Kommission seien umstritten und "weitere Analysen notwendig".

Am Abend des 23.Januar erfuhren wir durch die EuroUFOList, dass die große spanische Zeitung El País vom 22.Januar 2000 berichtete (Dank an Vincente-Juan Ballester Olmos) habe die chemische Analyse der für echt gehaltenen Eisbomben ergeben, dass sie aus nichts weiter als Wasser bestanden wie man es auch im Regen und Schnee findet - und die Schichtenstruktur des soliden Eises der von Hagel entspricht. In der Meteorologie ist dieses Phänomen aber nicht bekannt, sonach muß es sich um einen seltsam spontanen Gefrier-Prozess in der Stratosphäre (Höhe zwischen 11 und 50 km in der Atmosphäre) handeln, der vorher noch nie beobachtet bzw verzeichnet wurde. Man nennt sie hier nun "Hidrometeors".

Damit breitete sich die Eisbomben-Epidemie ähnlich wie anfangs das UFO-Fieber und später auch der Kornkreis-Rausch grenzübertretend auf der Welle der Medienberichterstattung aus. Die Medien selbst sind sonach der "Virusträger" für dieses sonderliche Wunder, an welchem Charles Ford seine größte Freude gehabt hätte.


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