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05.01.2000


    
TV-Start ins neue Millennium

Was das Fernsehen uns phantastisches bietet

Jeder der sich mit den fantastischen UFOs und dem dahinterstehenden populären Alien-Konzept beschäftigt ist auch von der Pop-Kultur beeinflusst. Erstaunlicherweise interessieren sich weitaus weniger harte SF-Freunde für das UFO-Thema als umgekehrt. Knallharte UFOlogen im esoterischen Lager dagegen beschäftigen sich kaum mit der SF in der Pop-Kultur. Dennoch sind die wechselwirksamen Inputs des `utopischen Genres` nicht zu übersehen.

Bescherte uns anno 1999 den Beginn einer weiteren STAR WARS-Triologie und das Erscheinen des Perry Rhodan-Romans Nr.2000, gab es in Sachen UFOs selbst zum Jahresende hin eine Aufwärmung des Roswell-Incident auf Kabel1 in einer sogenannten UFO-Reportage, deren Skript beinahe aus den Federn von Werner Walter stammmen könnte. Jedenfalls wurden dort sehr viele Feststellungen von ihm übernommen, auch wenn er bei 45 Minuten Laufzeit nur ca 20 Sekunden im Bild war. Dafür bekam der "UFO-Baron" Johannes von Buttlar fast eine 3/4-Stunde Sendezeit im MDR-Nachmittags-Programm als Studiogast zur Verfügung gestellt, um breitest seine Produkte anzubieten. Und in der Factor X-Reihe auf RTL II gab es sogar zwei Bezugnahmen auf Roswell. RTL startete im Dezember die erste deutsche UFO-Reportageserie unter dem Titel "UFOs 2000 - Jetzt kommen sie", die bereits auf dem englischen Channel 4 als "Riddles in the Sky" Anfang 1999 lief.

Nun schreiben wir 2000.A.D., das neue Millennium ist angebrochen und am 3.Januar 2000 eröffnete Pro7 mit Galileo zum Thema "UFO-Sichtungen" mit Werner Walter die nächste Saison. Die dreiteilige Reportage-Miniserie "UFOs 2000" bei RTL wird jetzt ab 13.Januar jeden Donnerstagabend um 23:15 h ausgestrahlt, mal sehen was da auf der Basis des britischen Materials zusammengestrickt wurde. Im Bereich des fantastischen Genres dagegen hieß es am Dienstag, den 4.Januar 2000, bereits Start frei für die Pro7-Reihe "Total Recall 2070" die an den Charme des Schwarzenegger-Films bei weitem nicht heranreicht und in den USA längst wieder abgesetzt wurde. Nach 30 Minuten werden wohl die meisten sich aus dem Pilotfilm weggezappt haben, die Serie kann man sich ersparen. Ach ja, auf Vox lief parallel "First Wave" mit der vielversprechenden Folge "Die Invasion", aber dieses aufs TV-Format getrimmte Bühnenstück vom Hinterhoftheater riß es auch nicht mehr raus.

Apropro abgesetzt: Fast alles was wir in diesen Wochen im deutschen Guckkasten angeboten bekommen und als "TV-Highlight" unter dem bereits überkandidelten Spruch "2000 war gestern" verrammscht wird ist in der TV-Massenfabrik Hollywod längst wieder als Flop vergessen. Gleiches gilt für die später im Jahr laufende neue Chris Carter-Serie "Harsh Realm", die in den USA noch mitten in der ersten Staffel abgesetzt wurde, genauso wie RTL II den Mut hatte "Lexx" sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden zu lassen. Fehlt eigentlich nur noch der nächste Billig-Trash namens "Mission Erde" auf Vox, um die es auch nicht schade wäre. Ach waren das noch Zeiten als "Space 2063" lief...

Einzig und allein "Seven Days" hatte in den Staaten Zukunft und mag auch in Old Germany ankommen um den Quotenkampf zu überstehen. Hierbei handelt es sich um eine Zeitreise-Serie, wenn auch nur mit sehr beschränktem Backstep-Effect, eben sieben Tage. Dafür wurde aber die Zeitkapsel, da liegt der ufologisch-popkulturelle Knaller vergraben, aus Teilen des Roswell-UFOs zusammengenagelt. Der Vorteil dieser Reihe liegt in charismatischen eckigen Schauspielern, die mal weniger der Barbie-Abteilung aus dem Kaufhaus entspringen, sondern denen man eher abnimmt, "Helden des Alltags" zu sein. Zudem stand für eine solche SF-Reihe (im weitesten Sinn, auch wenn die Folgen-Handlungen eher dem Action-Genre zuzuordnen sind!) ein ordentliches Budget zur Verfügung, was den meisten anderen kaum zugestanden wird, die eben mit dem Stangen-Krimi-Geld auskommen müßen - und mit dem Spareffekt ist halt eben nichts mehr als STAR DRECK drin.

AEON heißt ein ambitioniertes deutsches TV-Projekt für Sat1, für welches der Sender bereits eifrig die Werbetrommel rührt. Auf drei Happen verteilt kommt uns nun also die "deutsche SF-Saga" (Arbeitstitel "Trillennium") demnächst entgegen, auch wenn sie eigentlich im Hier und Jetzt spielt (was natürlich in Punkto Ausstattung die Kosten dämpft). Sat1 spricht von einem "aufwendigen Dreiteiler" (was auch immer die darunter in Sachen "aufwendig" verstehen mögen) zu je 90 Minuten, die Frage ist ob ausgerechnet und tatsächlich der "Drück-Mich-Sender" uns begeistern kann und Innovationen in schönen, vitalen und glaubwürdigen Bildern bietet die mit einer faszinierenden Story verbunden sind. Bedenken muß man dabei immer die Roland Emmerich-Erfahrung mit Pro7, dem immerhin kommerziell erfolgreichsten und meisten verdienenden Privatkanal, als er die "Raumschiff Orion"-Reihe neu auflegen sollte - dafür aber nicht die notwendigen Mittel bekam, um selbst für den sparsamen Schwaben was Ordentliches hinzubekommen. Wer mehr zu AEON wissen will kann sich auf www.aeonkommt.de schlauer machen. Ansonsten wissen wir ab 23.Januar, 20:15 h, mehr. Die Zeitschrift "TV Highlights" vom Januar 2000 jedenfalls drückt sich positiv gestimmt diesbezüglich aus. Schaun mer mal ob bei den Deutschen noch was drin ist.


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