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16.12.1999 |
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Das Millennium-FieberNur eine (ver)wunderliche Phrase! Die Welt im "Millenniums-Rausch"? Naja. Viel eher hatten die Millennium-Muffel recht. Wissenschaftlich gesehen hatten sie auch allen Grund dazu. Denn das dritte Jahrtausend hat schon längst begonnen. Wir lebten 1999 bereits ungefähr im Jahr 2004! Denn jesus wurde nach Angaben der Bibel während der Regierungszeit des Königs Herodes geboren - Herodes aber starb bereits vier Jahre vor unserer Zeitrechnung! Schuld an diesem kalendarischen Chaos hat der skythische Mönche Dionysius Exiguus, der im 6.Jahrhundert in Rom lebte. Auf seinen chronologischen Studien beruht die bis heute gültige christliche Zeitrechnung. "Der Mönch hat sich wohl um ein paar Jahre verrechnet", sagt der Freiburger Kirchengeschichtler Heribert Smolinsky. Doch selbst wenn Dionysius richtig gerechnet hätte, könnte der Schampus am 1.Januar eigentlich in der Falsche bleiben (was aber nicht in die Tüte kommt!). Denn das dritte Jahrtausend beginnt genau genommen sowieso erst mit dem Jahr 2001 n.Chr. Unsere Zeitrechnung beginnt nämlich nicht mit einem Jahr null, sondern mit dem Jahr eins. Also enden die ersten 2000 Jahre n.Chr. - das zweite Jahrtausend - auch erst am 31.Dezember 2000.
Wie auch immer, der Mensch feiert gerne und was soll´s auch? Während bis zum Tag der SoFi 1999 (11.August) die Weltuntergangs-Histörchen und Millenniums-Ängste fleißig in den Medien geschürrt wurden, verlor sich bis Ende 1999 das Thema irgendwie und lief gerade noch als Y2K-Ängstlichkeit wegen der Computer-Nullen so mit. Zig Milliarden wurden rund um den Globus in die Nachrüstung der Computer-Software gesteckt und gespannt wartete die Welt, was zum Datumswechsel geschehen würde - mancher deckte sich mit "survival sets" ein und plünderte sicherheitshalber sein Konto, falls es doch schwerwiegende Rechnerpannen geben sollte und die Zivilisation vor einer Krise stehen sollte. Doch je eher sich das Jahr zur Neige wiegte, je gelassener wurden die Menschen, auch wenn in Jerusalem Alarmstufe Rot ausgerufen wurde, um vor religiösen Fanatikern zu warnen, die Endzeitvisionen entwickelt haben und damit der Millenniumswechsel von unterschiedlichen abgedrehten Gruppen für weltanschauliche Zwecke ausgenutzt werde. Man erinnere sich an den Wahnsinn im amerikanische Waco von 1993 und an den Giftgas-Anschlag mit Sarin in der Tokioer U-Bahn durch Mitglieder der AUM-Sekte. Im "Gelobten Land" Isreal glaubte man eine Invasion religiöser Fanatiker wegen des Jahrtausendwechsels zu erfahren, weil dort bereits Sonderlinge als "König David" oder "der Messias" höchstselbst an den historischen Stätten ihre Spinnereien verrichteten. Dutzende religiöser Spinner und Fanatiker wurden für die israelische Regierung vorsorglich als "Sicherheitsrisiko" an diesem Brennpunkt eingestuft. Für 22 Millionen Mark wurden in Jerusalem die Sicherheitsbedingungen speziell zum Millenniumswechsel ausgeweitet und Spezialeinheiten aufgebaut, weil in der Vergangenheit Verrückte schon genug Schaden angerichtet hatten. Tatsächlich landeten in den letzten Tagen vor dem schicksalsträchtigen Datum "militante Irre" im Psychiatrie-Krankenhaus der Stadt.
Von einer Massen-Panik gab es jedoch keine Spur, die Endzeitstimmung blieb weitgehend aus. Und selbst der erwartete Millenniums-Baby-Boom blieb aus! Dennoch, überall gab es Außenseiter die die Apokalypse geradezu herbeisehnten, das Armageddon. Die, die die Endzeit-Apokalyse suchen suchen in Wirklichkeit nach dem Paradies, welches sie nach ihrem Bild herbeisehen und welches für sie wartet, wenn das große Aufräumen vorbei ist - das ist die Philosophie und Psychologie der Weltuntergangs-Priester. Dazu zählen auch die amerikanischen Militia-Gruppen, eine Art Volks-Miliz der religiösen Rechten, die den Endkampf um die Freiheit und Selbstbestimmung führen will, weil Babylon kommen wird, was sich durch die "Neue Weltordnung" manifestiert. Für sie ist das Computer-Problem Y2K in Wirklichkeit inszeniert, damit die Weltpolizei die Macht ergreifen kann, um die Selbstbestimmung des Menschen einzuschränken und ihn zu reglemetieren, gleichzuschalten mit dem kapitalistischen System. Die Militia übt schon lange als "Armee der Freiheit" für den Endkampf gegen die Staatsmacht, ihrem größten Feind. Die Prediger des Weltuntergangs erwarten zudem die Wiederkehr Christi´s, weil sich die "Zeichen mehren". Diese Zeichen sind große (Natur)Katastrophen, mit denen eine Reinigung über die verdorbene Welt komme.
Real war nur die Gefahr vor dem Computer-Chaos 2000, 40 Milliarden Chips sind weltweit irgendwo eingebaut (selbst in Ihren Videorekorder) - viel mehr als es Menschen gibt. Niemand weiß so recht, welche Datums-`Bomben` in ihnen stecken und deswegen wurde die Angst vor nur zwei Computer-Nullen mächtig, weil die Rechner nicht wissen ob nun das Jahr 2000 oder 1900 geschlagen hat - so dumm sind sie und kommen damit in einen Elektronenhirn-Konflikt, der den Rechner abstürzen/zusammenbrechen lassen kann. Die Gegenwart des modernen Menschen ist von Computern `gesteuert`, was wenn diese ausfallen und ein Domino-Effekt Logistik und Verkehr zusammenbrechen lassen? Versorgungsengpässe, Firmenzusammenbrüche und Pleitewellen standen am finsteren Horizont aufgemalt. Fragen der öffentlichen Sicherheit und öffentlichen Ordnung sind damit unmittelbar verbunden gewesen, weswegen anläßlich dieses besonderen Jahreswechsel in den Großstädten mehr Menschen unterwegs waren um zu feiern. Die Sicherheitskräfte wurden bereits im Vorfeld mit Urlaubssperren belegt, um genug Personal (mehr als normal) in dieser besonderen Nacht zur Verfügung zu haben - dies geht hinab bis hin zu den Bereitschaftskräften z.B. beim THW. Mancher zeichnete das Bild vom Zusammenbruch der Börsen und der Zivilisation, berief sich auf Murphys Gesetz. Und dann die Angst vor den A-Waffen-Arsenalen der Atomstaaten. Vorsorglich hatte sogar das Pentagon schon frühzeitig seine Rechner vom PC-System hin zur sicheren Macintosh-Plattform ausgetauscht - im Wert von $ 3,7 Milliarden. Die Russen hatten finanziell gar nicht die Möglichkeiten ihre Systeme auszutauschen und zu sichern, wie das Amerika tat. Sicherheitshalber lud das Pentagon hohe russische Militärs für den kritischen Zeitpunkt nach Colorado ein, damit sie dort sehen können, dass die USA keinen Angriff auf Russland planen. Dies war notwendig geworden, weil hinter dem alten Eisernen Zaun überalterte Computeranlagen stehen und die Mittel des Staates einfach nicht ausreichen, um die Software-Probleme zu beseitigen.
Kurz gesagt: Der PC-Leibhaftige wurde schwarzgemalt, viele kleine Computer-Fehler, die sich zu einer Welle aufstauen und um den Globus jagen können. Die Computergesellschaft hat mit einem Jahrhundertwechsel noch keine Erfahrungen... Deswegen können unvorhersehbare Pannen eine Katastrophe auslösen. Alle Regierungen der Welt stellten so zu Silvester Kristenstäbe auf. In Deutschland gab es einen "Nationalen Einsatzstab 2000" unter Staatssekretärin Brigitte Zypries im Berliner Bundesinnenministerium, wo dieser Stab zunächst einmal Daten aus aller Welt sammelt und auswertet, angefangen von Neu Seeland und den anderen Ländern die vor uns den Datumssprung machen und damit ihre Probleme (hoffentlich) melden können, um dann vielleicht entsprechend hier zu reagieren. Vom ersten Fehler hörte man am 16.Dezember 1999, als die Abendzeitung berichtete, dass das Münchener Finanzamt falschdatierte Zahlungsaufforderungen verschickte - und dies, obwohl vorher der Münchener "Jahr 2000"-Kristenstab der Behörden grünes Licht gegeben hatte und keine Probleme sah. Aus Rechnungen von 1500 DM wurden plötzliche Herzschocker in Höhe von über 50.000 DM, weil sie nebst Mahnungen und Zinsen auf 99 Jahre ab Stichtag 1.Januar 1900 bis 31.Dezember 1999 aufsummiert worden waren. Datendienstleister hatten seit 1997 Hochkonjunktur, um in zahlreichen Firmen deren Computer-Software auf die 2000-Tauglichkeit hin zu überprüfen. Großfirmen wie die BASF in Ludwigshafen ließen sich den Jahreswechsel etwas kosten und orderten eine ganze Abteilung von EDV-Experten, die zu Feiertagskonditionen und Belastungszulagen nicht feiern konnten, sondern Computer-Wache hielten. In Japan wurden vorsorglich 20 Atomkraftwerke in der kritischen Periode abgeschaltet. Gut, die Welt sollte nicht untergehen, aber einige deftige Probleme im neuen Jahr bekommen, so sagten es Informatik-Professoren voraus. Asien, Latein-Amerika und Osteuropa sind jene Erdteile in denen der Computer-GAU den höchsten Y2K-Gefahrenanteil für die Welt einbrachten. Ein Großteil der Menschen wollte sogar in der Nacht des 31.Dezember 1999 nicht ins Flugzeug steigen und die Deutsche Bahn ließ ihre Loks kurz zum kritischen Zeitpunkt der Umschaltung auf 2000 stehen. Wie auch immer, 69 -1074012056er Deutschen blieben optimistisch, dass da kein Chaos wegen den Computern ausbrechen würde.
Nicht die Technik, sondern der Mensch könnte also das wirkliche 2000-Problem darstellen. Sicher, der Sprung ins neue Jahrhundert war nicht the same procedure as every year, aber auch gewiß nicht der Jüngste Tag. |
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