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17.02.2011


    
eXtra: Nordlicht-Spacenight - Das erschröckliche Himmelswunderzeichen

Über den UFO-Tellerrand hinaus: Ein bisschen mehr Hintergrund in diesem Rahmen, es wird soziologisch... Frühzeitliche Wunderzeichenberichte aus der Sicht der Wissenschaft

Letzter Stand der Dinge gegen 1 h in dieser Nacht: Eine PL-Spacenight blieb trotz Vollmond mitten und oben am Himmel aus. Auch das RTL-´Nachjournal´ brachte in seinen Wetternachrichten noch keinen Mucks von Polarlichtern in diesen Nächten.

"Die ´Welt der UFOs´ hat sich für mich verändert, sie ist anders geworden oder sich als anders herausgestellt als ich es ursprünglich vermutete; sie ist einfach nicht so wie ich sie mir vorstellte und ich es erzählt bekam." - Werner Walter, ehemals im Frühjahr 2005

Wie sagte schon Alan Hale 1999 im ´Skeptical Inquirer´, Mitentdecker des Kometen Hale-Bopp: "Ich habe mich ein lebenlang für die Sterne, den Weltraum und das Universum interessiert, ja ich habe auch unzählige SF-Romane seither verschlungen und mich in der astronomischen Wissenschaft fit gemacht. Ich habe mein Leben der Aufdeckung der Geheimnisse des Universums gewidmet. Ich habe wie kaum jemand sonst den Himmel studiert und hinaufgeschaut, dennoch habe ich noch kein Objekt gesehen, für welches sich keine alltägliche Erklärung finden läßt. Und ich habe schon viele aufregende Dinge dort oben ausgemacht: Feuerbälle, Raketenstarts, Satelliten-Reentrys, Kometen, Nordlichter, helle Sterne, Novae, Satelliten im Orbit, Ionosphären-Experimente, Stratosphärenballons. Eben auch all die Dinge, die viele andere schon als UFO bezeichnet haben."

+ Geheimnisse des 20./21.Jahrhunderts, Wunderzeichen der Moderne (und im wahrsten Sinne des Wortes "Zeichen der Zeit, ihrer Zeit"), "Großstadt-Mythen" ("Urban Legends"). Wenn Träume fliegen lernen, oder: Das fantastische Erzählen hat immer Konjunktur. Die übliche ufologische Polemik basiert genau darauf, wenn man genauer hinschaut. Im Kern ist die damit verbundene Bilderwelt fast schon uralt.

Einstieg ausgerechnet im Nazi-Deutschland bis hin zur Geheimbotschaft von Fatima:

In den Jahren 1938 und 1939 erschienen Nordlichter über Deutschland, und zwar am 25.Januar 1938 und am 22.August 1939. Über das geheimnisvolle Licht von 1939 erschien am 23.August im ´Völkischen Beobachter´ diese Meldung: "Am Dienstagmorgen von 2:45 h an wurde von der Sternwarte Sonnenberg am nordwestlichen und nördlichen Himmel ein sehr großes Nordlicht beobachtet." Auch Albert Speer (! - der, der bekanntlich mit den Nazi-´Reichsflugscheiben´-Spinnereien nichts anzufangen weiß und die ganze Märchenwelt dazu als Quatsch zurückweist) erwähnt dieses Naturschauspiel in seinen Erinnerungen (Propylaen Verlag, Berlin, 1969): "In der Nacht standen wir auf der Terrasse des Berghofes und bestaunten ein seltsames Naturschauspiel. Ein überaus starkes Polarlicht überflutete den gegenüberliegenden, sagenumwobenen Untersberg für eine lange Stunde mit einem roten Licht während der Himmel darüber in den verschiedensten Regenbogenfarben spielte." In Folge dieser europaweit berichteten Erscheinung wandte sich Schwester Lucia aus Fatima (Portugal) am 31.August 1941 an den Bischof von Leiria und verkündete die 3. Geheimbotschaft von Fatima... Hierin teilte sie "Seiner Ewigen Exzellenz" mit, dass dies von "den Sternkundigen als Nordlicht gedeutete" Erscheinung in Wirklichkeit ein "Zeichen Gottes war". "Gott bediente sich dessen, um mich erkennen zu lassen, dass die Stunde gekommen sei, wo er Seiner Gerechtigkeit freien Lauf lassen werde um die schuldigen Völker zu strafen. Gott ließ mich in Seiner unendlichen Barmherzigkeit empfinden, dass der schreckliche Augenblick nun nahe sei..." So kam also eine "kosmisch Weisheit" aufgrund eines himmlischen Zeichens in die Gänge. Kaum zu glauben, aber wahr...

Erzählt wurde schon immer viel, so enstanden ja auch die Wandersagen. Und es gibt eben auch Menschen die erzählen manchmal viel zu viel, schwatzen Blödsinn dahin nur um Aufmerksamkeit zu erzielen - eine Bestätigung steht meistens in dieser oder jener Form aus. Aber aus Erzählungen werden Legenden und Mythen, sie müssen keineswegs auf einer objektiven Wahrheit basieren. Genau da setzt das Grundproblem ein und wo "Licht" sein soll, ist eigentlich gerade auch in unserem Feld eher "Finsternis" angesetzt, auch wenn man es mit rhetorischen "Restlichtverstärkern" grün einzuleuchten versucht. ... Wie die biblischen Propheten waren auch die Menschen des Mittelalters und der Renaissance geneigt, diesen erschröcklichen Phänomenen bzw ihren Erzählungen darüber eine religiöse Bedeutung zu geben. Und die ganze Ära war gerade auch in Italien durchzogen von "Heiligen Reliquien" und die Kirchen dort lieferten sich eine Art Wettschwimmen um solche. In mancher Dorfkirche sind bis zu 1000 Reliquien von Heiligen und Wundersamen noch heute ausgestellt. Stichworte: Turiner Grabtuch, Gebeine und Kleidungsfetzen von Heiligen, Holzsplittern aus dem Kreuzigungs-Kreuz von Jesus! Noch in unseren Tagen ist die ´halbe´ italienische Nation verrückt nach Magie, Okkultismus und Spiritismus. Wissen sollte man aber auch, dass das Fälschen von "Heiligen Reliquien" im Mittelalter ein lukratives Geschäft mit einer sich eigenständig entwickelenden Historie und Dynamiken war. Gleiches gilt natürlich auch für weitere spektakuläre (unverstandene und daher als Wunder angesehene!) Naturerscheinungs-Beobachtungen wie Nebensonnen-Effekte, Nordlichtern etc die die Alten sich nicht erklären konnten und denen sie eine göttlich-himmlische Bedeutung gaben und wodurch solche Erscheinungen auch Einzug in die religiöse Mystik fanden sowie unter dieser Mystik sich auch zeitgenössisch ausprägten. Kurz gesagt: Der Wahrnehmungskontext der jeweiligen Zeit mit ihren eigenwilligen aber zeitgenössischen Überzeugungen muss streng herbeigezogen und beachtet werden - und nicht unser modernes Bild mit wahrscheinlich falschen Konzeptionen über das UFO-Phänomen, wozu ganz sicher die ´Fliegenden Untertassen´ in all ihrer bildhaften Ikonografie gehören.

Sicher ist, Lichtschauspiele sind schon seit ewigen Zeiten immer wieder am Himmel aufgetreten und haben die Erde genarrt. Flammende Kugeln, sich schnell bewegende Feuerscheiben, glühende, wirblende Flammenschilde und Feuerbalken haben mit ihrem phosphoreszierenden Schimmer wie himmlische Medusen gewirkt. Zeitgenössisch wurden sie schnell interpretiert, damals wie heute. Die Beschreibungen historischer Himmelswunder und heutiger UFO-Erfahrungen gleichen sich oftmals. Hinzu kommen Visionen, die in früheren Zeiten soetwas wie Allgemeingut waren, was wir modernen Menschen kaum noch nachvollziehen können und deswegen Verständnis-Probleme habe und uns der Gefahr aussetzen, in subjektive Visionen von damals heute materielle Erscheinungen der objektiven Art zu sehen. So glaubten die Lappländer, dass das Polarlicht von Geistern erzeugt wird, die, wenn sie die Seelen der Verstorbenen durch das Himmelsgewölbe hindurch ins Jenseits begleiten, brennende Fackeln tragen. Vergessen wir also nicht, das in jenen Zeiten die Welt lebendig war und die Menschen buchstäblich Dinge sahen und in die Dinge hineinblickten. Omen gab es überall, Vorboten kündigten den Wechsel der Macht und Zeichensetzungen der Götter an. Tatsächlich wurde in der Vergangenheit immer wieder das Polarlicht, welches tatsächlich auch gelegentlich bis in unsere Regionen herab sichtbar ist, als seltsames Himmelsschauspiel mystifiziert. Das Polar- oder Nordlicht hat neben der Fantasie der Menschen auch deren Angst geschürt. Schon den Völkern der Antike war es bekannt. Man findet es bei Aristoteles, Plinius und Seneca beschrieben. Wohlbekannt sind auch Berichte zu Zeiten des Kaisers Tiberius wo die Kohorten nach Ostia beordert wurden, weil man angesichts des brennenden Himmels vermutete, dass diese Stadt in den Flammen aufgegangen sei. Auch andere antike, aber auch mittelalterliche Quellen sprechen in der Verkleidung von Erscheinungen wie kämpfende Heere, Speere, rote Flächen, Wolken, schreckliche Gesichter und anderem davon. Der Mensch, in seiner Existenz vielfach den Gewalten des Himmels ausgesetzt, konnte kaum umhin, als in außergewöhnlichen Himmelserscheinungen Zeichen kommenden Schicksals, das auch für sein persönliches Erleben wichtig war, zu sehen.

Kein Wunder also, dass sowohl für den antiken als auch den mittelalterlichen Menschen jegliches außergewöhnliche himmlische Geschehen erhebliche Bedeutung hatte. Es kann nicht verwunden, gerade auch während Kriegszeiten, wenn ein Zusammenhang zwischen irdischem Leben und himmlischen Zeichen vermutet wurde. Melanchthon sprach in seinen "Initia doctrinae" davon, dass die nicht erkannten Polarlichter "Gemälde künftiger Dinge" sind. Selbst noch Martin Luther wußte von Bauern Geschichten zu berichten, wonach diese "schreckliche Zeichen" am Himmel sahen, die als feurige Schwerter und Lanzen durch den Himmel zogen (auch wenn sie aus heutigen Verständnis heraus nichts weiter als Boliden sind) - und die Deutung von Gottes Zorn mit sich brachten. In Zeiten der Reformation und Gegenreformation, der Türkenkriege sowie des Dreißigjährigen Kriegs hatten die religiös-mystischen Deutungen Hochkonjunktur. An eine rationale Interpretation dieser Naturerscheinungen war überhaupt nicht zu denken. Schließlich kam noch die Schnittstelle vom bisher geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild dazu, was ganze Generationen mit Vorstellungsschwierigkeiten konfrontierte. Da müßen die Köpfe ganz schön geraucht haben, ganz zu schweigen von den Seelen. Man kann sich ganz gut verinnerlichen welche Problemstellungen damals anstanden, wenn sogar die gebildete Welt zur Inquisition greifen mußte, um zu versuchen die alten Ordnung beizubehalten. Was ist aber mit der Masse des Volkes gewesen, welches nicht lesen und schreiben konnte, keinerlei Bildung besaß und somit unüberwindliche Schwierigkeiten bekam, die Welt überhaupt zu rezipieren? Die bildlichen Darstellungen der Himmelserscheinungen zeigen sich als Ausdruck der an den Himmel projizierten Angst der Menschen - damals wie heute. Diejenigen, die diese unbegreiflichen Erscheinungen des Himmelszelts erfahren und erleben neigen dazu ihre eigenen Befürchtungen und Nöte in den Himmel zu projizieren und dies dann auch so in der Interpretation weiterzugeben, eingehüllt in die Prädiposition des zivilisatorisch/kulturellen Umfelds. Es scheint, dass unheimliche Lichter am Himmel und deren bizarre Geschichten an der dünnen Linie zwischen Realität und Traum in allen Kulturen im Laufe der Historie wiederholt produzierten - bis zum heutigen Tag. Diejenigen, die aus der Geschichte nichts lernen, sind dazu verdammt, erneut einem Irrtum zu verfallen, indem sie meinen, dass ihre Generation die unergründlichsten Geheimnisse aller Zeiten besitze.

+ Was sahen nun unsere Vorfahren? Wie die biblischen Propheten waren auch die Menschen des Mittelalters und der Renaissance geneigt, diesen phänomalen Himmelserscheinungen der unverstandenen Natur (Art) eine religiöse Bedeutung zu geben. In den modernen, zeitgenössischen ufologischen Neuoffenbarungen ist es zu den UFOs von Heute im esoterischen Sektor genauso. Die Zeiten haben sich geändert, der Mensch mit seinen Bedürfnissen nach religiös-orientierter Spiritualität offensichtlich aber nicht. Unsere Altvorderen haben mit ihren eigenen beschränkten Begrifflichkeiten die Dinge am Himmel dargestellt, die verblüffend ähnlich denen sind, die Menschen unserer Tage mit den heute verwendeten Worten darlegen, wenn sie ufologische Wunderzeichen wahrzunehmen glauben und dabei z.B. nur Meteore oder das Nordlicht fehlinterpretieren. Daraus ergibt sich auch, das UFOs als ein faszinierendes, ewiges Geheimnis scheinen. Einfach auch deswegen weil die Menschen Mythen und Mysterien lieben.

... Erinnern wir uns an "Erschröckliche Wunderzeichen" auf den frühneuzeitlichen Einblattdrucken mit bis zu maximal 10.000 Exemplaren (meistens aber bei 200-300) Auflage namens Flugblättern, den ersten periodisch erscheinenden Druckwerken die bereits kurz nach Erfindung des Buchdrucks entstanden und als erste Formen von "Massenmedien" gelten können und sonach die ersten Zeitungen waren. Sie waren meist illustriert, so dass auch ein weniger gebildetes Publikum sie als Nachrichtenquelle nutzen konnte - und wegen fehlender Bildung in Sachen Lesenkönnen sich eine "Volksmeinung" ob der Bilder dort aufbaute (genauso wie es heutzutage bei den Fliegenden Untertassen-Bildern noch ist, die alleinig für sich schon die Volksmeinung ausbilden). In ihrer Mischung aus sensationsbetontem Text und oft übertriebenen Abbildungen (auf diese Illustrationen legte man großen Wert, ja sie hatten ´Stellenwert´) der geschilderten Ereignisse (heutzutage sagt man dann dazu z.B. "Nach Interpretation des Zeichners" etc) sind sie die besten Zeugnisse für den Glauben an "Wunderlichkeiten" der damaligen Welt. Schon damals war der Begriff Nachricht sehr weit gefasst worden, also nicht nur objektive Informationen waren damals schon damit gemeint, sondern auch Sensationsmeldungen waren ausdrücklich dabei mit eingeschlossen. Diese Flugblätter waren schon von der Herstellung dieser Bilddrucke her auf den Konsum des "gemeinen Mannes" ausgelegt. Und die meisten Berichte aus der "Para-Ebene" waren damals schon sämtliche Arten von Himmelserscheinungen. Diese nahmen einen großen Einfluss auf die Menschen in ihrer Vorstellungskraft, konnten zu jener Epoche doch nur 5 % der Bevölkerung Lesen und Schreiben - bis dahin bestand die Tradition der "Erzählkultur" unter simpelsten Worten. Seit Ewigkeiten gab es bereits die Erwartung an himmlische Wunderbilder, sodass man bei unverstandenen Natureignissen dort oben dann die abstrusesten Dinge zu erblicken glaubte. Schon bei ´schlichten´ Naturkatastrophen auf Erden waren jene seit der Antike als wunderbare Zeichen verstanden worden und nicht als natürliche Phänomene, wie einige Gelehrte es verzweifelt und meist vergeblich suchten kund zu machen. Doch kaum jemand hörte hin, bzw bekam es mangels Kommunikations-Fähigkeit mit. So konnte der Aberglaube weiterleben. Hinzu kamen "Propheten" die dem Bedürfnis der Menschen entgegen kommen und somit weitere anti-wissenschaftliche Nebelbomben zündeten. Die Astrologie lebt deswegen in unseren Tagen genauso wie ehemals.

Die Arbeiten zur emphirischen Gültigkeit astrologischer Vorhersagen ergeben allerdings ein vernichtendes Bild für die Astrologie. Dies verwundert keineswegs, wenn man sich die theoretischen Ansätze zur Astrologie vergegenwärtigt. Letztlich beruhen sie alle auf einem zu Zeiten der Al{l}chemie oder des Denkens von Naturvölkern hoch im Kurs stehenden Ähnlichkeitsprinzip, wonach Dinge, die sich in einigen Aspekten ähneln, sich auch in anderen zentralen Eigenschaften einander gleichen. Dieses Prinzip erlaubt etwa eine Assoziation von Marsgeborenen und dem Kriegsgott Mars. Verwunderlich ist hingegen, warum Astrologen weiterhin auf der Funktionsfähigkeit von Astrologie beharren ohne einen vernünftigen Grund angeben zu können, warum dies der Fall sein sollte. Die Sterne lügen nicht, aber sie sagen leider auch nicht die Wahrheit -- sie sagen gar nix.

Zudem: Die frühen Wunderzeichenberichte auf den damaligen Flugblättern (im großen Format und zum Anschlagen an die Wand gedacht) im 16. und 17.Jahrhundert weisen große Ähnlichkeit mit heutigen Sensationsmeldungen in der Boulevardpresse auf. Auch sie kamen schon in großem Format daher, in krassen Farben und von so genannten ´Illuministen´ (also echte "Illuminaten") eingepinselt um den Reiz der Holzschnitte zu erhöhen, der leicht lesbare und stark vereinfachte Text nahm dagegen den bescheideneren Raum ein. Alles was wie z.B. heutzutage bei der ´BILD´-Zeitung die Sinne fesseln konnte, wurde hier schon fleissig praktiziert - wir haben also die alten Zeiten längst nicht überwunden (auch wenn wir so tun). Da und dort manifestierte sich die Macht des Irrationalen. Gewachsen auf dem Humus unverstandener Ereignisse und unverarbeiteter Gefühle. Sie kreisen um Abenteuerlust, Habgier und Schadenfreude, um Ressentiments und Vorurteile. Einmal in die Welt gesetzt, sind Großstadtmythen wie sie früher in den Flugblättern gezeigt wurden kaum mehr zu kontrollieren. Sie lassen sich selten zurückverfolgen auf einen Urheber und erweisen sich als erstaunlich resistent gegenüber Fakten und Argumenten. Großstadtmythen basieren oft auf Wandersagen, die eine frappierende Eigendynamik entwickeln. So war es damals schon mit den übertriebenen und verfremdenden Darstellungen auf den Flugblättern, weswegen man diese NICHT immer wirklich 1:1 nehmen darf um einen Ausdruck der beschriebenen Phänomene zu erwarten.

Subjektive Wahrnehmungen wurden hier auch groß aufgezogen und übertrieben dargestellt. (1) Einfach auch aus der Unfähigkeit heraus, mit derartigen Erscheinungen beim Mann auf der Strasse umzugehen. Schon vor ein paar hundert Jahren versuchten ein paar Gelehrte die "Wunder-Zeichen" wissenschaftlich zu erklären, trotzdem wurde denen vom Volk etwas Mystisches, Unheimliches zugesprochen. Ein Grund ist der jeweils fehlende Terminus in den Flugblättern für diese Erscheinungen, so wusste man z.B. nicht nur nicht was Nordlichter sind, sondern man fand für sie nicht das richtige Wort! Daraus allein, so primitiv, entstanden viele "erschröckliche Wunderzeichen". Auf der anderen Seite, alles ist relativ, werden viele der damaligen Naturwunder in ihrer Erscheinung fast exakt beschrieben, doch kaum ein Flugblattherausgeber suchte danach hierfür eine natürliche Erklärung zu finden - an soetwas dachte man schlichtweg überhaupt nicht. Aber es gab auch zahlreiche Flugblatt-Himmelswunder-Darstellungen die fantastische Gestalten darlegten, die selbst aus heutiger Sicht nur schwer auszudeuten sind. Die Frühzeit-UFOs also. Doch auch hier gibt es Punkte, die man genauer betrachten muss: In diesen Fällen stehen diese himmlischen Merkwürdigkeiten in ihrer schematischen Darstellung gar nicht so recht im Mittelpunkt, sondern deren Auslegung und Litanei als Zeichen und Symbol für Gottes Zorn und das Unheil auf der Welt ist da aus z.B.politischen Gründen im Zentrum der Ausführung - da hat man schon einmal ein Differenzierungsmerkmal.

(1) = Um es hier auch zu sagen: Die meisten Berichte damals wie heute über außergewöhnliche Himmelserscheinungen sind ehrliche Darstellungen, was ihre Korrekt heit dennoch nicht garantiert. Dies zeigt schon die moderne Forschung zu Zeugenaussagen "normaler Ereignisse". Zeugenaussagen werden durch schematisches Wissen über die Welt beeinflusst. So gaben Versuchspersonen, die für längere Zeit das Ziffernblatt einer Uhr mit römischen Ziffern betrachteten, entsprechend ihrem Schema von römischen Ziffern die Vier als IV weiter - obwohl sie als IIII dargestellt war. Nicht nur Vorerwartungen, auch irreführende Fragen können Zeugenaussagen verfälschen. In einem klassischen Experiment wurde die Geschwindigkeit von zwei kollidierenden PKWs höher eingeschätzt, wenn von einander "krachenden" als von sich "berührenden" Autos gesprochen wurde. Eine rege Fantasieneigung bzw Vorstellungsfähigkeit begünstigt natürlich derartige Täuschungen. (Siehe E.F.Loftus ´Eyewitness Testimony´, 1979, Harvard University Press.) Sie sehen einmal mehr, wie komplex solche Themen sind.

Weitere historische Noten:

1543 konnte aber die mathematische Einfachheit des System von Kopernikus nicht wirklich gegen die vielen Gegenargumente standhalten. Es dauerte bis ins frühe 17.Jahrhundert, als Galilei die ersten Teleskope für seine astronomische Forschung entwickelte und damit eine Reihe von Sternen entdeckte, die mit bloßem Auge unsichtbar geblieben waren. Er bemerkte, dass Jupiter Monde besaß. Noch erstaunlicher schien die Entdeckung, dass die Venus ebenso Phasen wie der Mond zeigte, so wie es Kopernikus vorhergesagt hatte - ganz im Widerspruch zum ptolemäischen System. Und auch die Monde des Jupiters entkräfteten das Argument der Kopernikuskritiker, die den Verbleib des Mondes bei einer sich drehenden Erde nicht für möglich hielten. Und die unvollkommene Oberfläche des nun genauer beobachtbaren Mondes untergrub die aristotelische These vom unvergänglichen Himmel und seiner besonderen Materie... Ein rätselhaftes Sonnensystem zeigte sich uns erstmals, nämlich unser eigenes. Deswegen ist Galilei der erste Mann in der Reihe der wissenschaftlichen Helden, die von Lindbergh und Armstrong weitergeführt wurde - und es sind wohl diese Drei, die hierdurch Unsterblichkeit erlangten. Niemand ist in unserer Ära dazu wohl auserwählt, sich mit jenen Männern aufs Potest stellen zu können. Mit Galilei brach ein Zeitalter an, das bis heute andauert: Der Aufbruch des Menschen ins All und der damit verbundenen losgelösten Faszination. Wir sind seither berauscht von der Ewigkeit und erkannten in aller Radikalität, dass die Erde ein kosmischer Körper ist. Wer will schon die Einsamkeit des Menschen im All ertragen? Die dadurch entstehende Kälte wird mit einer Wärme ausgefüllt, auch wenn sie nur künstlich herbeigerufen wird.

Tatsächlich wurde in der Vergangenheit immer wieder das Polarlicht, welches tatsächlich auch gelegentlich bis in unsere Regionen herab sichtbar ist, als seltsames Himmelsschauspiel mystifiziert. Das Polar- oder Nordlicht hat neben der Fantasie der Menschen auch deren Angst geschürt. Schon den Völkern der Antike war es bekannt. Man findet es bei Aristoteles, Plinius und Seneca beschrieben. Wohlbekannt sind auch Berichte zu Zeiten des Kaisers Tiberius wo die Kohorten nach Ostia beordert wurden, weil man angesichts des brennenden Himmels vermutete, dass diese Stadt in den Flammen aufgegangen sei. Auch andere antike, aber auch mittelalterliche Quellen sprechen in der Verkleidung von Erscheinungen wie kämpfende Heere, Speere, rote Flächen, Wolken, schreckliche Gesichter und anderem davon. Der Mensch, in seiner Existenz vielfach den Gewalten des Himmels ausgesetzt, konnte kaum umhin, als in außergewöhnlichen Himmelserscheinungen Zeichen kommenden Schicksals, das auch für sein persönliches Erleben wichtig war, zu sehen.

Kein Wunder also, dass sowohl für den antiken als auch den mittelalterlichen Menschen jegliches außergewöhnliche himmlische Geschehen erhebliche Bedeutung hatte. Es kann nicht verwunden, gerade auch während Kriegszeiten, wenn ein Zusammenhang zwischen irdischem Leben und himmlischen Zeichen vermutet wurde. Melanchthon sprach in seinen "Initia doctrinae" davon, dass die nicht erkannten Polarlichter "Gemälde künftiger Dinge" sind. Selbst noch Martin Luther wußte von Bauern Geschichten zu berichten, wonach diese "schreckliche Zeichen" am Himmel sahen, die als feurige Schwerter und Lanzen durch den Himmel zogen (auch wenn sie aus heutigen Verständnis heraus nichts weiter als Boliden sind) - und die Deutung von Gottes Zorn mit sich brachten. In Zeiten der Reformation und Gegenreformation, der Türkenkriege sowie des Dreißigjährigen Kriegs hatten die religiös-mystischen Deutungen Hochkonjunktur. An eine rationale Interpretation dieser Naturerscheinungen war überhaupt nicht zu denken. Schließlich kam noch die Schnittstelle vom bisher geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild dazu, was ganze Generationen mit Vorstellungsschwierigkeiten konfrontierte. Da müßen die Köpfe ganz schön geraucht haben, ganz zu schweigen von den Seelen. Man kann sich ganz gut verinnerlichen welche Problemstellungen damals anstanden, wenn sogar die gebildete Welt zur Inquisition greifen mußte, um zu versuchen die alten Ordnung beizubehalten. Was ist aber mit der Masse des Volkes gewesen, welches nicht lesen und schreiben konnte, keinerlei Bildung besaß und somit unüberwindliche Schwierigkeiten bekam, die Welt überhaupt zu rezipieren? Die bildlichen Darstellungen der Himmelserscheinungen zeigen sich als Ausdruck der an den Himmel projizierten Angst der Menschen - damals wie heute. Diejenigen, die diese unbegreiflichen Erscheinungen des Himmelszelts erfahren und erleben neigen dazu ihre eigenen Befürchtungen und Nöte in den Himmel zu projizieren und dies dann auch so in der Interpretation weiterzugeben, eingehüllt in die Prädiposition des zivilisatorisch/kulturellen Umfelds. Es scheint, dass unheimliche Lichter am Himmel und deren bizarre Geschichten an der dünnen Linie zwischen Realität und Traum in allen Kulturen im Laufe der Historie wiederholt produzierten - bis zum heutigen Tag. Diejenigen, die aus der Geschichte nichts lernen, sind dazu verdammt, erneut einem Irrtum zu verfallen, indem sie meinen, dass ihre Generation die unergründlichsten Geheimnisse aller Zeiten besitze.

Die Sagen der heimischen Folklore sind vielleicht geeignet um einen weiteren Einblick in das ufologische Wunder zu erlangen. Die Untersuchung von Sagen führt uns zu einem Anhaltspunkt warum ganz normale Menschen in einer einfachen Naturerscheinung befremdliche Phänomene zu sehen glauben. Schon immer wurden ein und die selben Erscheinungen wie Meteore oder das Nordlicht als ÜBERNATÜRLICH eingestuft - nur in der gegebenen zeitgenössischen Interpretation liegt der Unterschied während die Tendenz solche Erscheinungen mit zusätzlichen Details auszustatten uralt ist um sie zum Wunder werden zu lassen, sie zu verfremden und fremdartiger wirken zu lassen. Dies war früher bei den Geisterberichten so, und so ist es heute bei den UFOs. Betrachtet man sich die sagenhaften Erscheinungen früherer Zeiten dann wohnt in ihnen das selbe Potential wie bei dem heutigen himmlischen Spuk. So wurde in der Nacht vom 1. auf den 2.November 1618 in verschiedenen Gemeinden der Nordpfalz ein glutroter Feuerschein am Horizont beobachtet. Offensichtlich ein Nordlicht, doch die Bauern interpretierten es als ein Omen für einen nahenden Krieg (und tatsächlich brach gleich darauf der 30-jährige Krieg aus).

+ 1934 wurden unbekannte Lichter über Skandinavien, Österreich und Griechenland beobachtet. Drei Jahre später tauchten zum ersten Mal geheimnisvolle U-Boote in den skandinavischen Fjorden auf. In Kanada debattierte das Parlament über Sichtungen fremder U-Boote vor der Küste Neufundlands. Als 1938 ein Nordlicht über Deutschland aufflackerte, hielten es viele für ein Kriegsomen. Wieder wurden also in problematischen Zeiten Himmelszeichen und unheimliche Bedrohungen beobachtet. Italien war faschistisch geworden, Deutschland nationalsozialistisch, in Amerika weckte Roosevelts "New Deal" die Hoffnung auf eine Überwindung der Weltwirtschaftskrise. 1943 schrieb übrigens Antoine de Saint-Exupérs "Der kleine Prinz". Nun, was ist darin das vorweggenommene ufologische Wunder? Ein in der Wüste abgestürzter Flieger trifft dort ein "kleines, höchst ungewöhnliches Männchen", das vom Asteroiden B 612 kommt... 1951 veröffentliche Arthur C.Clarke "Der Wachtposten" als eine Kurzgeschichte, die von einem geheimnisvollen Sender berichtet, der auf dem Mond gefunden wird und wahrscheinlich einer außerirdischen Intelligenz meldet, dass die Bewohner der Erde in den Weltraum vorgestoßen sind. 1954 stellte Edgar Pangborns "Der Spiegel des Beobachters" vor. Hier haben die Marsianer ihren erkalteten Planeten vor langer Zeit verlassen und leben unerkannt in unterirdischen Städten auf der Erde. Den Menschen wollen sie sich erst zu erkennen geben, wenn diese für ein solches Zusammentreffen aufnahmefähig sind. Ähnliches verhält es sich in der UFO-Argumentation nicht nur der Kontaktler: Erst wenn die Menschheit reif für den offiziellen Kontakt ist, werden die Untertassen auf breiter Front landen und die Aliens sich allen Menschen offenbaren, verkünden die "Wissenden" und Führer der UFOlogie in Fix & Foxi-theorienschwangeren Ansätzen zur Entschuldigung gegenüber der Kritik, weshalb die Aliens sich nur ganz besonders auserwählten Menschen der speziellen Art zeigen. Die Menschheit sei als Ganzes noch nicht bereit, den "Kulturschock" zu verarbeiten, wenn sie denn wirklich daherkämen, hört man als "Entschuldigung". Erstaunlicher Weise haben die Kontaktler von den Außerirdischen keine konkreten Hilfen für die Menschheit z.B. in Form technischer oder mathematischer Lösungen parat, sondern immer nur moralische Wertungen und Ermahnungen, deren Inhalte aber jeder vernünftige Mensch für sich auch jenseits der Alien-Ebene erkennen kann, wenn er sich besorgt umschaut. Trotzdem mancher Kontaktler wiederholt in fremden ´Fliegenden Untertassen´ mitgeflogen sein will und andere Planeten in unserem Sonnensystem und weit darüber hinaus besuchte, brachte keiner wissenschaftliche Informationen mit, die wirklich nützlich und unwiderruflich waren.

+ So läßt sich leicht feststellen, dass offenkundig auch etwas, das im üblichen Sinne nicht existentiell nachgewiesen ist und an das man nur glauben kann, der Welt einen deutlichen Stempel aufdrücken kann. Schauen Sie sich doch um, wie stark die Außerirdischen unseren Alltag bereits prägen, dann ist allein dieses kulturelle Phänomen Grund genug, sich mit ihnen zu beschäftigen. Seit etwa dreihundert Jahren geistern sie durch die Literatur, und nachdem sich aus dieser der als Science Fiction benannte Ast abgezweigt hat, läßt man sie dort auf eine ähnlich selbstverständliche Weise agieren, wie das zuvor überlieferte mythische Wesen taten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die neue Drohung der Nuklearwaffe über dem Globus hing, erlebte auch die SF eine Zeit der Blüte und viele Menschen sahen plötzlich die ´Fliegenden Untertassen´, die von Außerirdischen gesteuert waren und damit aus dem Zustand der Fiktion heraustraten und - für viele - zur Realität wurden. Die Ferne der exotischen Wunder des Orients genügt uns nicht mehr, die vorgebliche Idylle exotischer Völker reicht uns nicht mehr, weil sie auf CNN schon zum Alltag gemacht wurden und ihres Zaubers ob Hungersnöte, Erdbeben und Bürgerkriege beraubt wurden....


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