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13.11.2010


    
Air Raid -1942: Neu als Alien-Invasionsfilm 2011 ´Battle: Los Angeles´ im Zuge von SKYLINE

Eine kleine historische Aufarbeitung zu einem alten ´UFO´-Fall aus der Zeit ´The Day Before Roswell´, als es den ersten amerikanischen ´UFO-Vorfall´ in Zeiten von Kriegshysterie und Kriegsnerven gab

+++ Battle: Los Angeles - 2011 +++

Gestern hatten wir im Rahmen unserer SKYLINE-Berichterstattung erwähnt, dass zu jenem Film in den Kinos der künftige Alien-Invasions-Film "Battle: Los Angeles" gezeigt wird, jetzt gibt es auch einen zweiten Trailer dazu - siehe http://www.youtube.com/watch?v=EVY1... . Dieser geht auf das ´UFO´ von 1942 ein, als wenn sozusagen damit der eigentliche Film beginnt; quasi ein ´UFO-Vorfall´ vor Roswell. Dies wird so hollywoodgerecht und mythologisch aufgebaut, als sei dieser Vorfall eine Art PEARL HARBOR in Sachen UFOs während des 2.Weltkriegs gewesen - Steven Spielberg hatte dies ja bereits in seinem Film "1941" umgesetzt, was ja eine Parodie auf die Kriegsangst Amerikas vor der Invasion der Japaner ist, um die Hysterie durch die ´Kriegsnerven´ in der Bevölkerung zu karrikieren, siehe den damaligen Trailer zu diesem Film - http://www.youtube.com/watch?v=EIsx... . Diese Kriegsgeschichte hat patriotischen Kultstatus erreicht und wird quasi jährlich in einer Art seltsamer ´Gedenkfeier´ in LA nachgemacht, so wie bei uns St.Martin, siehe hier dieses krude Feuerwerks-Kriegsspektakel mit Kriegsveteranen-Show-Charakter "Air Raid -1942": So war es 2009 - http://www.youtube.com/watch?v=Avld... / http://www.youtube.com/watch?v=SJ0d...

Dies passt zur jüngsten Story über die "Geisterrakete" von LA in psychokultureller Sicht zu künstlichen Mysterien

Der ´Air Raid - 1942´ - eine kleine Geschichte oder Lektion in Sachen UFOlogie dazu:

Der Geschäftsmann und Privatflieger Kenneth Arnold aus Idaho betrat bekanntlich die Weltschau-Bühne mit seiner Story über die ´Flying Saucers´, die eigentlich ´Fliegende Sicheln´ waren... Naja, man legte sie ihm eher in den Mund. Das Militär mußss zusammengeschreckt sein; bereits im Zweiten Weltkrieg hatte es Pilotenberichte über geheimnisvolle "Foo Fighters" gegeben, die man aber nur als eine Anomalität ansah und fast nach dem Krieg schon wieder vergessen hatte, genauso wie die Los Angeles-Hysterie (in ufologischen Publikationen als "Armed Confrontation may Trigger the Space War" und als erster historischer Beweis dafür verkauft, dass UFOs nichts weiter als Aufklärungsflieger sind, die ihre Mission über strategische Zentren erfüllen) vom 25.Februar 1942, als das Militär der 37th Coast Guard Artillery Brigade wie wild in die Luft feuerte, weil man glaubte dort am Nachthimmel fremde Eroberer ausgemacht zu haben.

+ Während der Nacht des 24./25.Februar 1942 gab es eine ganze Reihe von Alarmen entlang der Küstenlinie im südlichen Kalifornien, nachdem der Marine-Geheimdienst vor einem feindlichen Angriff von Seeseite her gewarnt hatte (1) und man eine Reihe von Signalfackeln und blinkenden Lichtern in der Nähe von Verteidigungs-Anlagen ausgemacht hatte. Der Alarm wurde um 19:18 h ausgegeben und erst um 22:23 h wieder zurückgenommen, die Spannungen legten sich also wieder. Aber am frühen Morgen des 25.Februar begannen erneute Aktivitäten als das Radar ein unidentifiziertes Ziel 120 Meilen westlich von Los Angeles aufspürte. Um 2:15 h wurden die Flugabwehr-Batterien in Alarm versetzt und standen im Zustand des "Grünen Alarm" - bereit um das Feuer zu eröffnen. Die AAF zog ihre Flugzeuge am Boden in geschützte Räume zurück, da sie hier nur über eine begrenzte Luftstreitmacht verfügte. Um 2:21 h wurde die totale Verdunkelung angeordnet, nachdem das Ziel nur noch wneige Kilometer vor der Küste erschien. Kurz darauf wurde das Informations-Zentrum mit Berichten über feindliche Flugzeuge im Luftraum überflutet, auch wenn das vom Meer herkommende Ziel inzwischen wieder verschwunden war. Um 2:43 h wurden Flugzeuge nahe Long Beach gemeldet und ein Küstenwacht-Colonel wollte gleich 25 Flugzeuge in 12.000 ft Höhe gesehen haben, die sich bereits über LA befanden! Um 3:06 h sorgte ein meteorologischer Ballon mit einer roten angehängten Signalfackel über Santa Monica für zusätzliche Spannung und vier Batterien der Luftabwehr eröffneten das Feuer um den Himmel über LA in einen Vulkan zu verwandeln. Es ist zu vermuten, das die Leuchtspuren der abgefeuerten Geschosse teilweise selbst für feindliche Flugzeuge gehalten wurden und Suchscheinwerferlichter an Wolken als Flugzeugscheinwerfer falsch eingestuft wurden. Auf jeden Fall kam es zur totalen Konfusion. Und in den nächsten drei Stunden ging es drunter und drüber. Schwärme von feindlichen Flugzeugen will man gesehen haben wie sie in einer Parade über den dunklen Himmel zogen. Was genau gesehen wurde läßt sich nicht mehr ausmachen, dazu variieren die Berichte erheblich und es schaut fast so aus als hätte jeder etwas anderes gesehen, zumal offenbar noch ein paar Ballone in der Gegend herumschwirrten.

(1) = Das FBI hatte zwei Deutsche festnehmen können, die für den Nachrichtendienst der deutschen Kriegsmarine arbeiteten und die Aufgabe hatten auf US-Territorium Angriffsziele für geplante V-1-Angriffe mittels U-Booten auszukundschaften. Diese Spionage-Operation der Deutschen lief unter dem Codenamen Elster. Erstmals war die Gefahr eines Raketenangriffs z.B. auf New York oder anderen Ballungszentren wie Los Angeles real geworden. Amerika setzte dagegen die so genannte "Tenth Fleet" ein - eine Geheimdienstabteilung der US-Marine, welche dazu diente die Koordination gegen deutsche U-Boot-Aktivitäten an beiden Küsten vorzunehmen. Tatsächlich aber war man in Deutschland noch lange nicht soweit und erst im April 1945 rückten sieben deutsche U-Boote die mit Torpedos und V-1-Raketen bestückt waren tatsächlich gegen Amerika vor um in der Operation Paukenschlag zu agieren. Zwei Flugzeugträger und 42 Zerstörer wurden gegen diesen Feind mobilisiert - dies unter dem Kommando von Admiral Knowles (der später übrigens nach seinem Dienstaustritt bei Donald Keyhoe´s NICAP [National Investigations Committee on Aerial Phenomena] eine kurzzeitige Führungsposition einnehmen sollte).

Diese mysteriösen Flieger jedenfalls warfen keine Bomben ab noch eröffneten sie selbst das Feuer. Noch schienen sie trotz dem Einsatz von 1.440 Schuß von Flugabwehr-Munition selbst getroffen worden zu sein. Verrückte Geschichten gingen um, wonach zwischen ein bis vier dieser feindlichen Objekte herabkamen, eine der Maschinen soll sogar in Hollywod brennend notgelandet sein. Die Marine erklärte keinerlei Beweise zu haben, das tatsächlich irgendwelche Flugzeuge an jenem Morgen im Luftraum waren und Marine-Minister Frank Knox erklärte auf einer Pressekonferenz, dass das alles falscher Alarm gewesen war, weil einige Leute unter Anspannung gestanden hatten und die Nerven verloren vor der Furcht, das der Krieg nun auch Amerika endgültig erreicht habe. In einem Bericht der Armee nach Washington, DC wurde erklärt, dass das Western Defense Command schon kurz vor Aufhebung der Verdunkelung erkannt hatte, dass dies alles nur eine unnötige Panik war und man überreagiert hatte. Die Fourth Air Force wies darauf hin überzeugt zu sein, das keinerlei Flugzeuge im Raum Los Angeles in jener Nacht unterwegs waren, auch wenn viele dachten es handle sich um vom Feind angemietete kommerzielle Flugzeuge, die von geheimen Startplätzen in Kalifornien oder Mexiko kamen, oder um Kleinflugzeuge, die von japanischen U-Booten her vor der Küste gestartet waren. Man warf den Kanonieren auch vor durchgedreht zu haben und offensichtlich auf Objekte gefeuert zu haben, die viel zu langsam für Flugzeuge waren und sie dennoch nicht trafen. Offenbar war damit der bereits erwähnte Wetterballon gemeint. In späteren Untersuchungen kam heraus, dass der Chef der Artillerie seine Flugzeugflotte fehlinterpretiert hatte und nichts weiter als Kanonenrauch-Fetzen sah, die durch das Kanonen-Geschützfeuer seiner Artillerie erhellt wurden. Vergessen wir nicht, dass im ganzen Gebiet das Licht abgeschaltet war und das Land in totaler Dunkelheit lag. Zeitungsleute wie Ernie Pyle und Bill Henry, die bereits in England echte Luftangriffe erlebt hatten, wiesen dann auch darauf hin in jener Nacht keinerlei Flugzeuge am Himmel ausgemacht zu haben und überhaupt die ganze Sache anders lief, als sie es von England her gewohnt waren. Der "Battle of LA, 1942" war eine Luftnummer gewesen. So beschrieben 1983 in dem Buch "The Army Air Forces in World War II" von Wesley Frank Craven und James Lea Cate, erschienen beim Office of Air Force History, Washington, DC. (Steven Spielberg hat dies in seinem Filmklassiker "1941" grandios umgesetzt). Wer ´UFOs gibt es! Ein Memorandum an die Bundesregierung´ (1983, Michael Hesemann) gelesen hat, erfährt so nun, dass es "keinen Zweifel gibt", wonach dieser Vorfall Teil der "UFO-Invasion über den Kriegsschauplätzen in Europa und dem Nahen Osten" war. Deswegen sei den Größmächten "die Existenz außerirdischer Aufklärungsverbände bewußt geworden". Historische Zufälligkeit: Zur selben Zeit hatte der deutsche Astronom Walter Baade die Gelegenheit genutzt, um vom oberhalb der Stadt liegenden 2,5 m-Spiegelteleskop des Mount Wilson-Observatorium aus den winzigen Lichtfleck des Andromeda-Nebels zu beobachten und erstmals nicht nur die äußeren Spiralarme, sondern auch die innen liegenden Bereiche dieser Nachbargalaxis zu fotografieren - ja , dort sogar einzelne Sterne sichtbar zu machen. Was ein großer Durchbruch in der Erkundung des äußeren Raums war und ein Juwel der Astro-Fotografie.

Robert E.Bartholomew berichtete so im GWUP-´Skeptiker´ Nr.4/1999 von dem Vergleichsfall der deutschen "Invasion" in New Hampshire 1917, wo es eine durchaus analoge Kriegshysterie gab, die ich hier des Gesamtverständnisses wegen ausführen will. Beide Ereignisse, die L.A.-Hysterie 1942 und die New Hampshire-Hysterie anno 1917, komplettieren das UFO-Bild in seiner Dimension, da die unterschwelligen und offenen Mechanismen auch heute nocht Gültigkeit haben! Bartholomew berichtete so also:

>Mit erfolgreichen deutschen Spionage- oder Sabotage-Operationen auf amerikanischem Boden war es im Ersten Weltkrieg nicht weit her. Die eingesetzten Agenten werden in geheimdienst-Dossiers als mitleiderregender Haufen geschildert, der die wenigen Aufträge entweder verpfuschte oder vorzeitig abbrach. Auswirkungen auf das alltägliche Leben der US-Bevölkerung oder gar auf den Kriegsausgang zeitigten die Infiltrationsversuche der deutschen Dienste in keiner Weise. Doch trotz dieser Tatsache erfasste eine Spionage-Manie das Land, die mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im April 1917 geradezu krankhafte Ausmaße annahm. Nahrungsmittel, Strassen, Schulen und Städte mit germanisch klingenden Namen wurden umbenannt, deutsche Musik wurde verboten - aus Angst, so berichtet Francis MacDonell in seinem Buch ´Insidous Foes´ (Oxford University Press, 1995), während der Aufführung könnten verschlüsselte Nachrichten weitergegeben werden. Es ging sogar das Gerücht um, deutsche U-Boot-Kapitäne würden an uneinsehbaren Küstenstreifen von Bord gehen und sich in Theateraufführungen schleichen, um dort Grippeviren freizusetzen.

In dieser Zeit der Angst und Unsicherheit verbreitete sich die Befürchtung, dass deutsche Sympathisanten nächtliche Bombenangriffe oder Spionagemissionen auf militärische Ziele an der amerikanischen Atlantikküste planten. Die Flugzeuge sollten von geheimen Rollfeldern im Hinterland entlang der Grenze zwischen Neuengland und Kanada starten. Vor allem den strategisch wichtigsten Marinestützpunkt in Portsmouth im Bundesstaat New Hampshire sah man als Ziel fortwährender deutscher Spionageaktivität zur Vorbereitung einer möglichen Bombardierung. Viele Anwohner der mIlitäranlage wollten Nacht für Nacht feindliche Maschinen über Portsmouth erblickt haben. Nun waren im Jahr 1917 Flugzeuge einfach Maschinen, die schwer zu fliegen waren [zudem war das erste Flugzeug erst im September 1904 von den Wrights geflohen worden, also derartiges Gerät nicht besonders verbreitet und immer noch eine Attraktion]. Dass sie komplizierte Manöver ausführten, in rauem Gelände um geheime Militärbasen im Gebirge starteten und landeten und mehrere Stunden lang in der Luft blieben, war schlichtweg unmöglich - und doch war es genau das, was viele Bewohner der Gegend zu sehen glaubten [ähnlich verhält es sich mit den unmöglichen Jules Verne-Luftschiffe der großen Airship-Welle 1896/97 in den USA].

Am Freitag, dem 13.April 1917, eine Woche nachdem Amerika in den Krieg eingetreten war, hörten zwei Angehörige der Nationalgarde früh morgens auf einer Brücke zwischen Portsmouth und Kittery ein Geräusch wie das eines Flugzeugs (´Manchester Union´, 14.4.1917). Einer der beiden Wachposten begann mit seinem Gewehr panisch in die Luft zu feuern; seinem Kameraden sagte er, er sehe ein Flugzeug, das sich im Sinkflug der Brücke näherte. Nach den Schüssen sei es abgedreht und in der Ferne verschwunden. In der gleichen Nacht berichteten ebenfalls zwei Soldaten, die eine Eisenbahnbrücke bei Pennacook bewachten, zwei mysteriöse Angreifer hätten vier Schüsse in ihre Richtung abgegeben und seien dann in der Dunkelheit verschwunden. Eine Untersuchung des Zwischenfalls ergab keinen Hinweis auf ihre tatsächliche Existenz. Später ging man davon aus, bei den "Schüssen" habe es sich um Fehlzündungen eines Motors oder um Feuerwerkskörper gehandelt. Obwohl solche Berichte mehr als vage waren, riefen sie im gesamten Bundesstaat New Hampshire große Besorgnis hervor. Während der Fall Pennacook mangels objektiver Beweise recht bald an Beachtung verlor, lösten vermeintliche Flugzeug-Sichtungen bei den Militärs nervöse Unruhe, in der Bevölkerung gar Entsetzen aus. Allgemein wurde geglaubt, das Flugzeug sei von einer geheimen, verborgenen Landebahn in den nahen Bergen gestartet, aber vereinzelt wurde sogar die Möglichkeit diskutiert, es seit auf einem feindlichen Schiff vor der Küste stationiert. Die Marine nahm sich der Sache an und appellierte an die Öffentlichkeit, ihr bei der Suche nach dem Piloten der Geistermaschine zu helfen. Ein Polizist meldete sich, der auf Nachtstreife in Rochester erneut das "Portsmouth-Flugzeug" gehört haben wollte. Der Lokführer James Walker behauptete gar, den Flieger über der Ortschaft Gonic klar und deutlich in großer Höhe am Himmel gesehen zu haben (Manchester Union, 14.4.1917). In der Folge dieses Presserummnels berichteten am 17.4. noch mehrere Einwohner von East Manchester, sie hätten am Samstag zuvor das Flugzeug gegen 22 h abends in nordöstlicher Richtung davonfliegen sehen bzw die Geräusche des Propellers gehört (´Manchester Union´, 17.4.1917).

Seltsame Lichterscheinungen in der Nähe des Kearsage Mountain nährten wenige Tage später, am 23.4., in der Stadt Conway Gerüchte, ein mysteriöses Flugzeug manövriere über dem Berggipfel. Kurz zuvor sei, so wurde behauptet, eine kleine Gruppe von Fremden östlich von kearsage beobachtet worden - natürlich deutsche Piloten (´Manchester Union´, 26.4.1917). Am 30.4. wurde der Pferdezüchter Charles Churchill aus Deerfield von einem seltsamen Geräusch geweckt. Er nahm in einiger Entfernung ein Flugobjekt wahr, das Lichtsignale in Richtung Portsmouth zu senden schien (Manchester Union, 1.5.1917). Um den 2.5. begann die Flugzeug-Panik nachzulassen, zweifellos auch aufgrund des Fehlens von handfesten Beweisen. Zudem bekam die Himmelsparanoia durch eine Enthüllung über die Flugzeugsichtungen der vorangegangenen Nacht einen herben Dämpfer: Die Lokalpresse berichtete, dass das "Flugzeug", das man über Deerfield brummen gehört hatte, in Wahrheit wohl ein großer Lastwagen gewesen sei, der mitten in der Nacht durch den Ort gerumpelt war. Voller Spott berichtete der ´Manchester Union´ am 2.5. über die mysteriösen Lichter und Geräusche: "´Luftschiffe!´ sagte einer, und sofort wurden die Telefonleitungen der Bauern aktiv. Alle waren sich einig, dass Deerfield von feindlichen Flugzeugen bedroht war. Zweifellos wären sich auch jetzt noch alle einig, aber es findet sich immer jemand, der einem den Spaß verdirbt. In diesem Fall ist es der Lastwagenfahrer E.E.Holmes, der zur Rettung eilt, als der Union in Druck geht, und verkündet, der seltsame Zeppelin sei sein großer Lastwagen, als er schwer beladen durch Deerfield fuhr in finsterer Nacht." (´Manchester Union´, 2.5.1917). Zweifellos trug der Spott der Presse dazu bei, dass nun kaum mehr Berichte einliefen: Erst am 21.5. findet sich im ´Manchester Union´ wieder ein nur 3 Sätze langer Artikel über die Sichtung eines Flugzeugs über einer Farm in Dover.

Die Sichtungen von imaginären Flugobjekten in New Hampshire im Jahre 1917 lassen sich mit elementaren Theorien der Sozialpsychologie erklären. Die menschliche Wahrnehmung ist bekanntermaßen unzuverlässig und Fehleinschätzungen unterworfen. Dieser Effekt ist bei schlechter Sicht, z.B. beim Blick in den Nachthimmel, besonders stark ausgeprägt, denn eine Vielzahl atmosphärischer Effekte können zur Fehldeutung bekannter Objekte wie Sterne und Planeten etc führen. Die latente Anspannung der Bevölkerung angesichts des Kriegseintritts der Vereinigten Staaten und die Sorge vor feindlichen Agenten und Angriffen auf die strategisch wichtige Marienbasis in Portsmouth scheinen 1917 dazu geführt zu haben, dass undefinierbare Geräusche und natürliche Himmelsphänomene gemäß den weit verbreiteten Ängsten umgedeutet wurden. Die deutschen Phantomflugzeuge spiegeln die vorherrschende Gemütslage der amerikanischen Bevölkerung bei Kriegseintritt wider. Der Himmel wurde zur Projektionsfläche einer Art kollektiven Rorschach-Tests. Ein englisches Sprichwort sagt: "Sehen bedeutet glauben". Aber im Falle der Deutschen-Angst von New Hampshire muss man wohl sagen: "Glauben bedeutet sehen."<

Und nun der Schlag durch Arnold, im Jahre 1947 - knapp zwei Jahre nach Weltkriegsende! Immer mehr Leute berichteten wie im Fall einer anschwellenden Lawine quer durch das Land von der Beobachtung dieser seltsamen Flugobjekte, bis Ende Juli 1947 waren aus 48 US-Staaten Berichte über die komischen Dinger am Himmel gekommen und eine Gallup-Umfrage vom 19.August 1947 zeigte auf, das bereits 90 % aller Erwachsenen von den ´Fliegenden Untertassen´ gehört hatten (hier aber schätzte man sie noch als "Geheimwaffen" ein!), während bedeutend weniger jemals vom Marshallplan für den Wiederaufbau von Europa nach dem Krieg gehört hatten. Der Untertassen-Virus war also sehr schnell ausgebrochen und hatte einen Großteil der Amerikaner infiziert. Die Vorstellung um die Tassen bereitete in der Fantasie der Öffentlichkeit den Nährboden für die sich weiterentwickelnte Sage, um deren Nebenarme wie bei einer Krake man damals noch nichts ahnte (am Ende sollten Entführungen als "Quasi-Volksseuche" und die "Akte X" als Massenbegriff stehen). Das Militär setzte sich selbst unter Druck, weil es diese Erscheinungen nicht einordnen konnte, aber dennoch "irgendwie" für real hielt. Ein Fall geriet dabei hinter den Kulissen zum nationalen Interesse: nahe Silver Springs, Ohio, machte am 10.August gegen 21 h Lt.Col.Walker von der Army Air Force-Wissenschaftsabteilung ein Objekt aus, welches auf geradem Kurs von Nord nach Süd zog und einen schwachen Leuchtschweif hinter sich herzog. Das Objekt selbst sah für ihn wie eine Art Projektil von Leuchtspurmunition aus und nach einem kurzen Augenblick verglomm die Erscheinung mitten in der Luft. Als Fall 67 ist diese Geschichte in den Blaubuch-Akten abgelegt. Dass die Erscheinung ein Meteor gewesen sei wurde schon angemerkt, da der Beobachter aber das Wort von einem "raketenartigen Phänomen" hierfür verwendete, war das Militär deswegen hochsensibel geworden - und in Zukunft zuckte es immer wieder zusammen, wenn von "Raketen" die Rede war und man wußte, dass man sie selbst nicht abgefeuert hatte (die Lehren aus den skandinavischen Vorfällen hatte man auch noch nicht gezogen, vielleicht lag es aber auch daran, das man sich einfach keinen Fehler erlauben wollte und später den Vorwurf anhören müße, echte Raketen als Meteore fehleingeschätzt zu haben - eine durchaus heikle und brisante Sache also mit der die Verantwortlichen hier umgehen mußen und weswegen sie selbst unsicher waren und im Dunkeln herumstocherten). Die Frage stand damit klar im Raume: Waren die "Fliegenden Untertassen" eine Bedrohung der nationalen Sicherheit? Man wußte derweilen nur, was die Untertassen nicht waren und bei einigen Fällen klappte es mit der richtigen Fallbewertung nicht, da man hierzu einfach noch nicht die Kenntnisse hatte. Und am Nationalfeiertag, den 4.Juli, hatten die Untertassen nochmals verrückt gespielt und die Menschen geradezu narrisch gemacht (oder war es umgekehrt?). Die Marine deklarierte, dass sie "keine solchen Dinge" bei ihren Testgeländen für gesteuerte Raketen in Point Mugu noch bei den Inyokern-Anlagen in der Mojave-Wüste habe. So ließ Washington in einer 9.Juli 1947-UP-Meldung z.B. auch in der ´St.Louis Post-Dispatch´ verbreiten: "Das offizielle Washington ist sich heute sicher zu wissen, was die ´Fliegenden Untertassen´ nicht sind - aber es hat nicht die leichteste Vorstellung davon, was sie sind. Die Army Air Forces erklärte, sie werde die Sache weiter untersuchen. Vorläufige Studien haben ergeben, was die ´Fliegenden Scheiben´ nicht sind: 1. geheime bakteriologische Waffen einer ausländischen Macht; 2. neuartige Raketen der Armee; 3. Raumschiffe." Trotzdem, der Kalte Krieg nahm einen dramatischen Einfluss auf die Wahrnehmung des Untertassen-Problems auf die US Air Force, die gerade erst als eigenständige Waffengattung mit ihren eigenen Geburtswehen noch zu kämpfen hatte.

Erstaunen wird Sie, das es nicht wirklich der Fall Arnold (ganz zu schweigen von Roswell) war, der das Militär elektrisierte, sondern Captain Edward J.Ruppelt führte in seinem Buch ´The Report about Unidentified Flying Objects´ 1956 aus, das ein kaum in der Öffentlichkeit bekanntgewordenes Geschehen vom 8.Juli 1947 das tiefere Interesse in den militärischen Kreisen an der Sache auslöste. Ein USAF-Testpilot hatte auf seinem Flug am Himmel über der Muroc Air Base (später Edwards AFB) einige silberne unidentifizierte Objekte von runder Gestalt gesehen, die auch von anderen Fliegern und Offizieren am Boden ausgemacht worden waren. Damals war Muroc Field eine hochgeheime Testanlage in der kalifornischen Mojave-Wüste gewesen und ausgerechnet von dort kam von den eigenen Leuten eine ´Fliegende Scheiben´-Meldung! Das Militär konnte sich nun nicht mehr der allgemein ausgebrochenen Hysterie entziehen und steckte sogar mitten drin. Aber Genaues wußte man nicht und hatte auch Angst sich lächerlich zu machen, wohl in Erinnerung an die Ereignisse aus dem Frühjahr 1942 in Los Angeles.

Eine vorläufige Analyse dieser Berichte (es wurden aber nur 18 Fälle gefunden, die ausführlichere Darstellungen beinhalteten) wurde von Colonel George D.Garrett angefertigt und an General Schulgen als Chef des Luftwaffen-Geheimdienstes mit Datum des 30.Juli 1947 als eine sogenannte "interim in-house study" oder als ´Estimate Report´ (Lagebeurteilung) übermittelt, die/den das Personal selbst halbwegs spöttisch "Project Saucer" nannte, ein Begriff der sich übrigens intern auch für die offiziellen UFO-Projekte der USAF bis in die 50er Jahre hinein hielt. Von Untersuchungen und Nachforschungen sowie Recherchen war hier noch keine Rede gewesen, sondern man ging einfach nur der geheimdienstlichen, technischen Analyse der vorliegenden Berichte und Beschreibungsdetails aus diesen Darstellungen nach. Auch heute, mehr als 50 Jahre danach, arbeiten Geheimdienste rund um den Globus nach diesem Schema. Und dies auch auch gleichzeitig das Hauptproblem der Dienste: Man kann Computer noch und noch besitzen, die raffinierteste Software einsetzen, Augen im Weltraum installieren, wahrscheinlich kann niemand sich auf der Welt mit diesen damit verbundenen technologischen Fähigkeiten Amerikas messen, um auf diesem Wege Informationen aufzufangen - aber die eindeutige Schwäche liegt in der persönlichen Sammlung und Bewertung von Informationen. Und genau dieses Problem lag anno 1947 vor, weil es einfach keine systematische, koordinierte Bemühung zur Sammlung von UFO-Berichten und ihren Daten gab und das Militär mit einer völlig neuen Herausforderung konfrontiert wurde. Erst Ruppelt entwickelte später wirksame, zeitsparende Methoden zur Auswertung der Beobachtungen. Er war dafür, das man Fotos und Negative analysierte und bei Bedarf Befragungen an Ort und Stelle durchgeführt wurden. Erst mit der Ära Ruppelt zog man im großen Maße Überprüfungen astronomischer Daten herbei, kontrollierte Flugbewegungen und überprüfte meteorologische Unterlagen. Da ist es geradezu eine "Kleinigkeit", wenn die seit Arnold eingeführte Bezeichnung "Untertasse" für die unterschiedlichsten Luftraum-Phänomene erst durch Captain Ruppelt mit dem Ausdruck "unidentified flying object" besetzt wurde, damit die amtlichen Luftwaffen-Berichte nicht wie Märchen oder Spukgeschichten klangen. Doch es sollte einige Zeit dauern bis die "Untertassen" auch draußen in der Öffentlichkeit als UFOs verstanden wurden und in den allgemeinen Sprachgebrauch eingingen (auch wenn wohl die meisten nach wie vor die bildliche Konzeption von der Fliegenden Untertasse im Kopf mit sich herumtrugen). Doch auch 50 Jahre später haben es die unidentifizierten fliegenden Objekte nach wie vor sehr schwer, sich tatsächlich als ´Fliegende Untertassen´ vom anderen Stern zu manifestieren... UFO-Autoren wie Paris Flammonde ("ein anerkannter UFO-Forscher") wollen dies aber entlang ihrer Agenda ganz anders sehen und drehen es so hin: "Irgend jemand an den Schalthebeln der Macht bemühte sich angestrengt, den Begriff ´Fliegende Untertassen´ dem Bewußtsein der Öffentlichkeit fernzuhalten, was aber nicht gelang, obwohl dafür beinahe alle Mittel zur Verfügung standen". (Flammonde, ´UFOs - Es gibt sie wirklich´ - Hyne, 1978, S.77)

Externe Links

http://www.youtube.com/watch?v=EVY12kMMg3U
http://www.youtube.com/watch?v=EIsx03qOTpE
http://www.youtube.com/watch?v=Avldwtg7pdo
http://www.youtube.com/watch?v=SJ0d3YZe-pY.

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