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01.10.2010


    
Wie immer jeden Monatsanfang - Historische Noten der UFOlogie aus dem CENAP-Archiv:

1) Gegen das Vergessen in der UFOlogie: Oktober-UFO-Meldungen vor 55 bis vor 20 Jahren: ´Fliegende Untertassen´ in der Presse

+ Im Oktober/November 1950 hatte ´Die Welt´ eine dreizehnteilige und in diesem gewaltigen Umfang heute undenkbare Artikelserie von Gerald Heard dem Publikum anzubieten gehabt; zu einer Zeit, wohlgemerkt, als deutsche Zeitungen nach dem 2.Weltkrieg wegen akutem schlichtem Papiermangel aus ein paar Blättern bestanden und der Raum nur für das wichtigste Infomaterial zur Verfügung stand:

"Beobachter aus dem Weltraum? Das Rätsel bleibt ungelöst: Ein Tatsachenbericht über das seltsamste Gegenwartsproblem der Menschheit!" Hierbei bezog er sich auf Berichte über Beobachtungen von Fliegenden Untertassen aus der bis dahin veröffentlichten Presse, um daraus "in sachlicher Form" zu versuchen, eine Antwort auf das Geheimnis der "Fliegenden Untertassen" zu finden - also nicht auf eigene Untersuchungen und Recherchen direkt und aufgrund von UFO-Meldefällen (das wäre auch in heutiger Zeit noch ein Wunder). Die Einführung des Themas der Fliegenden Untertassen hierzulande fand ja knüppelhart statt: Tatsachenbericht und Gegenwartsproblem der Menschheit - nichts weniger. Wie gesagt, dieser Bericht erschien nicht im "Hinterwälder Egal-Blatt", sondern in der prestigereichen sowie einflußreichen Die Welt. Hier hob man den Maury-Island-Vorfall noch als echt hervor, obwohl er derweilen schon längst als Schwindel zu den Akten gelegt war. Die Zeitung sprach sich positiv für die Untertassen-Herkunft vom Mars aus. Mars und Venus waren, zugegeben, in diesen Tagen wissenschaftlich tatsächlich positive Kandidaten, um als "Schwestern der Erde" durchzugehen. Die Mars-Kanal-Legende fand hier ihre Fortsetzung, wenn auch in diesen Tagen der Fünfziger bereits jene "Kanäle" als optische Täuschungen vom Tisch waren, aber dennoch: Der Nachhall bleibt verhaftet, weswegen in unserer Zeit z.B. das "Mars-Gesicht" als aktuelle Ausprägung des Marsianer-Mythos existieren kann.

Folge 1 erschien am 28.Oktober 1950: "Unheimliche ´Untertassen´":

>Seit einigen Jahren werden an verschiedenen Teilen der Welt geheimnisvolle Himmelserscheinungen beobachtet, die man wegen ihrer meist scheibenförmigen Gestalt "Fliegende Untertassen" genannt hat. Über die Größe und Art dieser Erscheinungen liegen zahlreiche abweichende Meldungen vor. Während es sich bei einer Gruppe von ihnen um merkwürdige Lichter handelt, gleichen andere fliegenden Röhren mit gespenstischen Feuerschweifen. Zum Teil sind die uns unbekannten Körper so klein, dass man in ihnen keine Piloten vermuten kann, teils haben sie eine furchterweckende Ausdehnung, und ihre Geschwindigkeit übertrifft die jedes modernen Düsenjägers. Gerald Heard, der in England als wissenschaftlicher Publizist bekannt ist, hat das Tatsachenmaterial über dieses eigenartige Problem gesammelt und sorgfältig geprüft. Trotz der streng sachlichen Untersuchungen jedoch sieht sich die Menschheit einem bedeutenden und aufregenden Rätsel gegenüber, dessen Lösung nicht abzusehen ist. Die folgende Darstellung, in der die wichtigsten Meldungen zusammengafßt sind, beginnt mit den Beobachtungen aus dem Sommer 1947. Inzwischen besteht kein zweifel mehr darüber, dass tatsächlich im Gebiet zwischen Südkanada und Nordmexiko unerklärliche Erscheinungen auftauchen, die man anfangs für Superflugzeuge hielt. Es handelt sich jedoch offensichtlich nicht um Flugzeuge einer uns bekannten Bauart. Damit erhebt sich die für alle Nationen wesentliche Frage: Wer hat diese Maschinen hergestellt, woher kommen sie und von wem werden sie gelenkt? Ferner: Können wir angesichts der fliegenden Himmelskörper auf eine Besatzung und einen Heimatstützpunkt schließen? Und nicht zuletzt: Gibt die seltsame Erscheinung der "Fliegenden Untertassen" Anlaß zu dem Argwohn, dass sie im Dienste irgendeiner Weltmacht stehen? Gerald Heard versucht, in sachlicher Form darauf eine Antwort zu geben.

Am 24.Juni 1947 flog Kenneth Arnold, ein 32-jähriger Kaufmann aus Boise in Idaho, seine eigene Maschine von Chehalis, Washington, nach Hause. Er war ein guter Pilot und oft unterwegs. An jenem Tage machte er jedoch einen Umweg, da an alle Flugzeugführer des Bezirks die Meldung ergangen war, nach einem Truppentransporter Ausschau zu halten, der in der Gegend des Mount Rainier abgestürzt sein mußte. Der Mount Rainier erhebt sich schneebedeckt aus den Rocky Mountains. Mr.Arnold stieg auf über 3.000 Meter Höhe und flog an dem massigen Felsplateau entlang, aus dem der weiße Gipfel in den Himmel ragt. Das Wetter war so gut, dass er seine ganze Aufmerksamkeit der Suchaktion zuwenden konnte. Plötzlich wurde er durch einen Blitz geblendet. Und dann sahder erstaunte Mr.Arnold neun gegenstände, wie Gänse in einer Linie geordnet, zwischen den Gipfeln der Gebirskette verschwinden und wieder auftauchen. Sie waren nach seiner Schätzung etwa 30 Kilometer entfernt. Er beobachtete sie an Hand der Kabinenuhr im Führersitz genau zwei Minuten lang und schätzte ihre Geschwindigkeit nach der Zeit, die sie von Gipfel zu Gipfel benötigten. Das Ergebnis war überraschend: Ungefähr 1.600 Kilometer je Stunde! Die Art, in der dieser merkwürdige Schwarm über die Gipfel flog, widersprach jeglicher Pilotenvernunft. Aber nicht nur das, auch die Gestalt der unbekannten Gegenstände verblüffte Mr.Arnold. Sie waren anders als irgendein Flugzeugtyp, den er kannte. Sie glichen Scheiben. Nach seiner Landung erzählte Kenneth Arnold die unheimliche Begegnung, und bald fand die Geschichte ein lebhaftes Echo. Ein Reporter aus Boise glaubte ebenfalls Scheiben am Himmel gesehen zu haben. Auch Mr.Johnson, ein Zeitungsverleger, teilte ähnliche Beobachtungen mit. Anfang Juli meldete der Pilot eines Flugzeuges der amerikanischen Luftwaffe die "Fliegenden Untertassen" in der Nähe von Boise. Andere Meldungen dieser Art kamen aus dem ganzen Westen. Die Zeitung Arizona Republic veröffentlichte sogar zwei Photographien der phantastischen Himmelskörper, die ein Mr.Rhodes aus Phoenix aufgenommen hatte. Sie zeigten allerdings einen Gegenstand, der mehr einem schwarzen Gummiabsatz mit einem kleinen Loch in der Mitte glich als einer Untertassen. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Art Flugzeug, bei dem die Rückseite des "Gummiabsatzes" Antriebsseite war. [Die Welt druckte sogar eines der Bilder ab und gab ihm dem Untertitel: Diese Aufnahme einer "Fliegenden Untertasse" machte William Rhodes aus Phoenix (Arizona) am 9.Juli 1947. Sie ist das erste Foto, das von diesen rätselhaften Erscheinungen gemacht wurde. Rhodes beschrieb sie als "einen Gummiabsatz mit einer Öffnung in der Mitte". ¸ Tatsächlich liegt auch der Verdacht nahe, dass es sich hierbei um genau das handelte, was Rhodes formbeschreibend aussagte, die Aufnahme eines schwarzes Schuhabsatzes auf einer Glasfläche gegen den Himmel gerichtet. Das Bildmaterial zeigt auf, dass das fotografierte Ding sehr nahe gewesen sein muß und der Himmelshintergrund nur zu erahnen ist.] Die Beobachtungen des Piloten der Unioted Air Lines wurden am Nachmittag des 4.Juli gemacht. Dieser Tag wird bekanntlich in Amerika als "Tag der Unabhängigkeitserklärung" gefeiert.

Als daher in Portland, Oregon und Seattle eine stattliche Menschenmenge Scheiben bemerkte, die hoch in den Himmel hioneinschossen - nach zuverlässigen Schätzungen bis zu 13.000 Meter Höhe -, wurde das Ereignis lebhaft kommentiert. "Die Regierung hat sich den richtigen Tag ausgesucht, um uns zu zeigen, dass wir auf Draht sind" und "Donnerwetter, da schaut uns doch eine fremde Macht in die Karten! Die wollen wohl sehen, ob unsere Burschen Lust zu einer Stratosphärenjagd haben!" hieß es. Fachleute, die nicht Augenzeugen waren, leugneten natürlich das Erscheinen der Himmelsgespenster. Unter ihnen auch der Kommandant eines amerikanischen Großflugzeuges, das Boise am Nachmittag verließ. Nun, er brauchte nicht lange zu warten, denn kurz vor Sonnenuntergang tauchten vor dem Bug der Maschine fünf "Untertassen" auf. Der Kommandant, sein erster Offizier und die Stewardeß beobachteten die fünf Gegenstände, und nach einigen Minuten sahen sie, dass sich ihnen weitere vier anschlossen. Das Schauspiel dauerte ungefähr zehn Minuten, dann verschwanden die geheimnisvollen Scheiben. Alle drei erstatteten sofort Bericht. Aber sowohl das Marinekommando als auch das Kommando der Luftstreitkräfte behaupteten, dass ihnen keine Maschinen dieser Art bekannt seien. Unterdessen gab es eine neue Überraschung auf Maury Island. Diese Insel ist ein kleiner unbewohnter Flecken Erde, fünf Kilometer von der Hafenstadt Tacoma entfernt. Kenneth Arnold saß im Klub seiner Heimatstadt und wurde von einigen Mitgliedern gebeten, ihnen seine wunderlichen Erlebnisse zu schildern. Er erwähnte dabei, dass ihm berichtet worden sei, die Hafenpolizei von Tacoma hätte nicht nur die "Erscheinungen" wahrgenommen, sondern besäße auch einige Bruchstücke, die plötzlich vom Himmel niedergefallen waren. Daraufhin redete man auf ihn ein, diesem Gerücht nachzuspüren. Mr.Arnold sagte zu und startete am Morgen des 30.Juli. Wenige Stunden später wurden seine Bemühungen schon belohnt. Er entdeckte einen Schwarm "Fliegender Untertassen" und versuchte Aufnahmen zu machen. Leider gelang ihm kein überzeugendes Bild. Man sah nur Pünktchen, sonst nichts. In Tacoma angekommen, telephonierte Arnold mit Mr.Dahl von der Hafenpolizei, der ihn sofort aufsuchte und bereitwillig erzählte, was er gesehen hatte. Mit zwei Mann Besatzung und seinem Sohn war Dahl am 21.Juni gegen 14 h in seinem Boot nahe der Küste umhergefahren. Er hatte ahnungslos am Steuer gestanden, als er plötzlich ein halbes Dutzend großer Scheiben direkt über seinem Boot in schätzungsweise 800 bis 1000 Meter Höhe bemerkte. Das plötzliche Erscheinen der gespenstischen Himmelskörper ist eine Tatsache, die von allen Beobachtern bestätigt wird.

Anfangs schienen sie bewegungslos in der Luft zu hängen. Dann konnte man sehen, dass fünf von ihnen langsam um eine kreisten, die den Mittelpunkt bildete, und diese eine sank beständig, bis sie nur etwa 170 Meter vom Wasserspiegel entfernt war. Dort hielt sie. Die Ungetüme glitzerten in der Sonne und machten kein Geräusch. Sie schienen einen Durchmesser von 30 Meter zu haben, und jede hatte in der Mitte eine große Öffnung wie eine Hohlachse. Die Besatzung des Bootes versuchte, von panischem Schrecken gepackt, die Insel zu erreichen. Da wurde die unheimliche Stile durch ein dumpfes Dröhnen gebrochen. Aus der Scheibe, die dem Wasser am nächstenw ar, flog plötzlich ein heller, dann ein dunkler Gegenstand, die aus Metall zu sein schienen. Bei der Berührung mit dem Wasser bildete sich an der Aufschlagstelle Dampf. Die Scheibe, von ihrer seltsamen Last befreit, hob sich wieder. Und dann verschwanden alle sechs in Richtung auf das Meer. Dieses Verschwinden über dem Pazifik schien eine glänzende Abschlußvorstellung ihrer Besuche an der amerikanischen Westküste. Man fragte sich, ob die hohe See für sie ein sicheres Versteck vor der menschlichen Aufmerksamkeit bedeutete. Am 12.November 1947 meldete zum Beispiel der Öltanker "Ticonderonga" von seiner Position, 40 km seewärts an der Oregonküste, dass zwei rasende Scheiben gesichtet wurden, die mit Kurs Süd-Süd-West der größten Wsasserfläche unserer Erde zustrebten. Dahl hatte die erähnten Metallstücke, von denen er behauptete, sie seien aus dem Himmel niedergefallen, bereits seinem Vorgesetzten Mr.Crisman gegeben. Crisman zeiget Arnold das Metall. Arnold war enttäuscht. Er hielt lediglich ein paar Brocken Lavagestein in der Hand. Er setzte jedoch seine Untersuchungen fort und brachte Captain E.J.Smith nach Tacoma. Captain Smith war Kommandant des Verkehrsflugzeugs der Luftlinie nach Boise und hatte mit seinem Ersten Offizier und eer Stewardeß am 4.Juli jene neun Scheiben beobachtet, die vor seiner Bugkanzel umhertanzten. Aus Hamilton Field, einem Luftstützpunkt nahe San Franzisko, kamen Hauptmann Davidson und Leutnant Brown in einem Bomber vom Typ B 25. Man zeigte ihnen die Schlacken. Sie schienen nicht sehr beeindruckt, packten verschiedene Bruchstücke in einen Pappkarton und nahmen sie mit auf den Rückflug. Unterwegs explodierte der Bomber. Beide Offiziere wurden getötet. Die Explosion war von seltsamen Umständen begleitet. Weshalb gelang es zum Beispiel zwei anderen Mitgliedern der Besatzung, elf Minuten vor dem Unglück im Fallschirm sicher zu entkommen? Und weshalb wurde die Maschine nicht abgedrosselt, um die Gewalt der Explosion zu vermindern, da den beiden Piloten nach dem Ausbruch des Feuers im Motor, das offenbar die Explosion verursacht hatte, noch genügend Zeit zur Verfügung stand? Captain Smith setzte sich daraufhin mit Major Sanders vom geheimdienst der Luftstreitkräfte in Verbindung. Major Sanders kam und hörte sich Mr.Arnolds Bericht an. "Es ist ja nur Schlacke", sagte er, "und die ganze Geschichte sieht nach Fopperei aus." Das wurde zur ständigen Antwort der militärischen Stellen. So begann das dramatische Auftreten der "Fliegenden Untertassen". [In dieser Darstellung fällt uns einiges auf, was sicherlich bemerkenswert ist: 1.) Boise und Flieger aus Boise waren bevorzugte "Ziele" der Untertassen, so als würden sie von ihnen besessen sein - Arnold wiederum braucht nur in den Flieger zu steigen und schon sah er wieder Untertassen herumschwärmen; 2.) Rhodes kam mit dem ersten Untertassen-Foto hervor und steht schwer unter Schwindelverdacht; 3.) der erste Untertassen-Beinahe-Crash, in Form des Falls von Maury Island, war ein Schwindel durch Hafenpolizisten gewesen, der schließlich sogar zwei Offizieren bei einem Flugunfall das Leben kostete; und 4.) der Höhepunkt der Ereignisse um Nationalfeiertag, dem 4.Juli 1947, wo das ganze Land außer Rand und Band in Feiertagsstimmung ist und im patriotischen Rausch liegt; wir müßen erwähnen, dass in diesem Sommer erstmals Helium-abgefüllte Spaßballons auf den freien Markt kamen und diese in Schwärmen hochgelassen wurden - vorher gab es nur die kleinen Kinder-Luftballons, die kaum zum Himmel steigen konnten, mit den Heliumballons in allerlei Form und Färbung war eine völlig neue Kategorie von Himmelsobjekten erschienen, die dort herumwirbelten. Insgesamt gesehen bekommt die Untertassen-Hysterie vom Sommer 1947 einige schwere Kratzer ab... - weitere Schwindel und Fehldeutungen sind schlichtweg zu erwarten, weswegen von Anfang an das UFO-Phänomen mit diesem gewichtigen Problemkreis zu kämpfen hat, egal wer die angeblichen oder auch authentischen Zeugen sind.]

Schon kamen Berichte über "Fliegende Untertassen aus 40 der 48 Staaten Amerikas [mit der Verbreitung der Untertassen-Nachrichten über die amerikanischen Nachrichten-Netzwerke kamen dann auch die weiteren Meldungen aus anderen Landesteilen als Folge zustande - und als die Untertassen-Nachricht schließlich den amerikanischen Kontinent verließ und z.B. nach Europa herübergelangte, gab es als Folge dann dort auch Meldungen]. Besonders in Idaho war eine Scheibe so niedrig geflogen, dass sich die Baumkronen unter ihr beugten. Im Kaskadengebirge in Oregon sah ein Goldgräber fünf oder sechs Scheiben, die in der Sonne blinkten. Er hatte genügend Zeit, sie durch ein Fernrohr zu betrachten [für ewas braucht ein am Boden schürfender Goldgräber ein Fernrohr für die Schau in die Ferne?], während sie 50 Sekunden lang hoch oben am Himmel sich spielend bewegten. Seine Beobachtung wurde durch die Tatsache [?] gefestigt, dass die Nadel seines Kompaßes in heftige Bewegung geriet. Vielleicht stellen also diese Scheiben eine Energieform uns unbekannten Ausmaßes dar, etwa eine Art magnetischer Kraft, durch die sie der Erdanziehungskraft widerstehen können? Aber bevor diesen Vermutungen Raum gegeben wird, müssen die Einzelbeobachtungen zu einem Bild von größerer Genauigkeit verdichtet werden. Die "Fliegenden Untertassen" tauchten bald nicht nur tagsüber auf, sondern sie erschienen auch nachts. Aber das seltsamste an ihnen war weder ihre Gestalt noch ihre Geschwindigkeit, denn es konnte sich um ein Scheibenflugzeug in der Art riesiger Wurfscheiben handeln, die von Konstruketeuren als Zukunftsform des Flugwesens durchaus für möglich gehalten wurden. Und ihre Geschwindigkeit, die man auf 1.600 km/st schätzte (also größer als die Schallgeschwindigkeit), hielten viele Fachleute für unerreichbar, bis im Herbst des überraschenden "Untertassen"-Jahres bekannt wurde, dass sich diese Grenze tatsächlich technisch überwinden ließ. [Und seither kannte man auch den mächtigen Überschallknall bei Überschreiten der Grenze! Doch dieser wurde weder von Arnold noch von anderen Zeugen der "High Speed-Saucers" gemeldet, sodass man durchaus in vernünftigen Bahnen denkt, wenn man davon ausgeht, dass diese Objekte entweder in ihrer Geschwindigkeit falsch eingeschätzt wurden und langsamer als Überschallgeschwindigkeit flogen oder dass sie sich weitaus höher als gedacht befanden und gar nicht so nahe waren, wie man es einschätzte.] Nein, das seltsamste an den "Fliegenden Untertassen" war, dass ihnen ein bezeichnendes Merkmal jedes Flugzeugs fehlte, nämlich das unverkennbar mächtige Brummen: Die Scheiben waren geräuschlos! Sie zogen schweigend durch den Himmel, als handele es sich um den Strahlenkegel eines Scheinwerfers, der blitzschnell die Wolken abtastet. [Wie man sieht, war auch das Phänomen der heute auftretenden Scheinwerfer-Lichteffekte an Discos etc mittels Skytrackers usw bereits damals im Kern bekannt!] Typisch für die ganze Art war ein großer Scheibenpulk, der in der Stille eines späten Abends im Süden von Louisiana beobachtet wurde. Schweigend und doch mit rasender Geschwindigkeit schossen eine Anzahl "Untertassen" durch den Himmel, und sie alle leuchteten! So kam zum Geheimnis der Lautlosigkeit auch noch das Geheimnis einer gespenstischen Farbe. Die Lichtträger waren völlig verschieden von den Scheiben. Sie rasten sozusagen als Beleuchtungskörper unbekannter Bauart durch den Weltraum [Hochatmosphäre ist da etwas konkreter und verlagert das Thema recht schnell, wenn auch damals noch unbemerkt, in den astronomischen Bereich, konkret auf den der Boliden-Feuerbälle], und ihre Lichtstrahlen waren nicht minder beunruhigend als ihre Formen. Angesichts dieser Tatsache ergab sich der Schluß, dass es notwendig war, nicht nur den Aussagen der überraschten Bevölkerung oder einiger Piloten zu vertrauen. Es mußte alles unternommen werden, um durch geschultes Flugpersonal die Verfolgung der Himmelserscheinungen aufzunehmen. Nur hart in der Nähe der schweigenden Ungetüme konnte es möglich sein, eine Aufklärung zu erhalten. Bald darauf folgten die ersten Versuche, um das Rätsel zu lösen.

Am 23.Juli 1948 war Captain C.S.Chiles mit seinem Ersten Offizier, J.B.Whitted, unterwegs. Sie gehörten zum Stab der Eastern Airlines und kamen mit einer Verkehrsmaschine aus Houston in Texas. Das Flugzeug war um 8:30 h abends gestartet. Um 2:45 h kam der Mond durch die Wolken und tauchte die ruhige Theaterlandschaft des Himmels in ein blasses Licht. Plötzlich schoß ein gigantischer, glänzender Torpedo auf die Maschine der Eastern Airlines zu. Angespannt beobachteten ihn die Offiziere. Er schwebte direkt auf ihrer Flugroute, dicht über ihren Köpfen. Plötzlich schoß das Ungetüm herunter. Captain Chiles riß die Maschine hart nach links. Glücklicherweise drehte sich der Torpedo ebenso scharf nach rechts und stürzte an ihnen vorbei. Die Piloten starrten dem eigenartigen Gebilde nach. In der kurzen Entfernung von nur 250 Meter konnten sie deutlich erkennen, dass es keine Flügel hatte, ungefähr 35 Meter lang war und einer großen Zigarre glich. Der Anblick wurde durch das unheimliche Leuchten des Körpers noch erschreckender. Beide Flugzeugführer bemerkten an der "Zigarre" eine Art Vorderkabine, so dass sie offensichtlich eine Besatzung hatte oder, vorsichtiger ausgedrückt, eine Möglichkeit zur Beobachtung der Umgebung. Aus dieser Kabine drang ein blendender Schein, als ob drinnen jemand Magnesium verbrannte. Die Helligkeit des seltsamen Lichts mußte jedoch einer eventuellen Mannschaft selbst bei Tage die Orientierung unmöglich machen, besonders aber bei Nacht. Außerdem war noch eine andere Lichtquelle vorhanden. Rings um den Leib des Riesenfisches zog sich ein glühender Purpurstreifen, ähnlich dem phosphoreszierenden Schimmer einiger Tiefseeungeheuer, und hinten aus dem Rumpf sprühte eine organgefarbige Flamme, die sich fächerförmig verbreiterte und gegen ihr Ende in ein zartes Gelb überging. Der Anblick mag gewiß schon gewesen sein, aber in so unmittelbarer Nähe wirkte er doch furchterregend, denn der Flammenfächer war halb so lang wie die ganze "Zigarre", also rund 15 Meter. Die Vermutung, dass eine Besatzung vorhanden sei, verstärkte sich, als die beiden Offiziere zwei Fensterreihen entdeckten. Aber in dem Augenblick, da der gewaltige Leib des fremden Kolosses an ihrem Flugzeug vorbeiraste, konnten sie kein menschliches oder menschenähnliches Wesen wahrnehmen, das etwa von der gleichen Neugier getrieben war wie sie. Immerhin mußte diesen fremdartigen Gegenstand eine lenkende Macht beherrschen, durch deren geschicktes Verhalten jede Gefahr in der Luft vermieden wurde.

Plötzlich verdoppelte sich der Feuerschweif, und das Fabelwesen stürzte mit einem ungeheuren Ruck wie aus der Pistole geschossen nach oben und verschwand. Selbst wenn also die beiden Piloten geglaubt hätten, dass sie sich in ihrer Aufregung von harmlosen Lichtreflexen täuschen ließen, wurden ihre letzten Zweifel durch einen mächtigen Stoß erschüttert, den ihre Maschine beim Verschwinden des unangenehmen Fluggefährten bekam. Captain Chiles überließ die Führung der Maschine seinem Zweiten Offizier und ging nach hinten, um festzustellen, ob irgendeiner der Fluggäste etwas bemerkt habe. Da es jedoch nachts gegen drei Uhr war, hatten außer einem Mr.McKelvie alle geschlafen. Mr.McKelvie bestätigte die Beobachtung und meinte, dass er einem ähnlich seltsamen Licht nirgends zuvor begegnet war [er sprach nur von einem Licht, während die Piloten von einem apparativen Objekt berichteten!]. Eine weitere Bestätigung wurde von einem Luftbeobachter des Flugplatzes der Stadt Macon in Georgia gegeben, der um zwei Uhr nachts einen langen, dunklen, flügellosen Gegenstand wahrgenommen hatte, dessen Antrieb durch eine starke Flamme aus dem Heck zu erfolgen schien. [Wie sich herausstellte, handelte es sich schließlich um einen zerplatzenden Feuerball-Boliden, der völlig falsch eingeschätzt wurde - sowohl von den Zeugen als auch von der USAF und ihrem Geheimdienst!] Die Marinebehörden nahmen zu den Diskussionen über die Himmelserscheinung abweisend Stellung. Sie meinten, es handle sich um jene Superraketen, die bekanntlich in Neu Mexiko ausprobiert werden. Aber konnte eine verirrte Rakete aus eigener Kraft über die gesamten Vereinigten Staaten wandern? [Ganz recht, aber solche Ungereimtheiten sorgten für erste Zweifel an der Aufrichtigkeit der Behörden in dieser Affäre!] Auch ein Wurfgeschoß mit Selbststeuerung wäre kaum in der Lage gewesen, der Verkehrsmaschine so geschickt aus dem Wege zu gehen, wie es dieser massige Torpedo getan hatte. Besser läßt sich die Frage beantworten, ob es irgendwelche Berichte über neue, unbekannte Flugzeugtypen gibt. Zwei Angehörige des Flugdienstes in Alabama sahen einen großen, flügellosen Gegenstand, der entfernte Ähnlichkeit mit einem Baumstamm hatte, auf dem Kurs der Verkehrslinien nach Bethel zuschießen. Sie nahmen die Verfolgung auf, aber die Erscheinung entwich ihnen, da sie weniger als 350 Kilometer je Stunde flogen. Das war im August 1947, also zu Beginn der aufregenden Ereignisse. Am 1.Januar 1948, gleichsam als Neujahrsgruß, zeigte sich ein ähnlicher Flugkörper im Süden von Missisippi. Wieder versuchte eine Reihe von Piloten, mit ihren Maschinen das gespenstische Wesen zu verfolgen. Und wieder verdoppelte es mit einem plötzlichen Sprung seine Geschwindigkeit und entkam.<

"Es gibt Fliegende Untertassen" hieß es in einer AP-Meldung aus London, die am 4.Oktober 1955 die ´Frankfurter Allgemeine Zeitung´ aufgriff: Der britische Luftmarschall Lord Dowding, der im krieg die britische Jagdwaffe kommandierte, hat in einem zweieinhalbstündigen Vortrag in West-Hoalthly erklärt, dass er an die Existenz Fliegender Untertassen glaube. Er sagte, das Beweismaterial für ihre Existenz sei überwältigend. Er fügte aber hinzu: "Solange wir Menschen keine besseren Manieren angenommen haben, werden die Flieger der Untertassen von anderen Sternen nicht auf der Erde landen. Denn im Augenblick wäre das erste, was wir täten, eine Expedition auzurüsten, um zu versuchen, sie zu unterwerfen." Wie Lord Dowding, einer der bekanntesten englischen Spiritisten, später Reportern gestand, hat er selbst noch keine Fliegende Untertasse gesehen.

"´Fliegende Trommeln´ an der Grenze Afghanistans - Beobachtungen von sowjetischen Versuchen - Gegenstück zu ´Untertassen´ und ´Fliegender Plattform´" meldete UP und am 11.Oktober 1955 stand in der ´Rhein-Neckar-Zeitung´ zu lesen: Über 100 afghanische Augenzeugen haben Fachleuten berichtet, dass sie mindestens zweimal ein neues "Flugzeug" beobachtet haben, das jenseits der Grenze von den Sowjets ausprobiert wird. Der Flugkörper ist zylinderförmig und gleich einer senkrecht stehenden Trommel, die sich vertikal und horizontal durch die Luft bewegen kann. Der Durchmesser der "Trommel" wird von Augenzeugen auf drei bis fünf Meter, ihre Höhe auf sieben Meter geschätzt. Im Fluge schienen sowohl aus der Boden- wie aus der Deckenfläche Flammen zu schießen. Außerdem ist die Fortbewegung des Flugkörpers nach der Schilderung der Afghanen mit einem "starken Wind" verbunden. Aus der Unterfläche der Trommeln ragen Stäbe hervor, die dem Flugkörper bei Start und Landung vermutlich als "Füße" dienen. Fachleute nehmen an, dass die neuen "Fliegenden Trommeln" der Sowjets, die an der Seite "Bullaugen" haben, etwa ein Mittelding zwischen der kürzlich in Amerika entwickelten "Fliegenden Plattform" und der "Fliegenden Untertasse" sind. Die Beobachtungen wurden im Nordosten Afghanistans gemacht, im sogenannten afghanischen Korridor, einer schmalen Zunge afghanischen Gebiets, die sich zwischen den Grenzen der Sowjetunion und Pakistans bis zur Westgrenze Rotchinas hinzieht. Das afghanische Gebiet in der Nähe dieses Verländerecks ist für Ausländer gesperrt. Nur die dort ansässige Bevölkerung und afghanische Behördenvertreter dürfen den Korridor betreten, der 1948 entstand, als die Taschkent-Grenzkommission die afghanisch-sowjetische Grenze festlegte. Die ersten Berichte vom Auftauchen der neuen Flugkörper kamen vor einigen Wochen aus der Stadt Faizabad im Nordosten Afghanistans und häuften sich dann immer mehr. Nachprüfungen durch die Behörden ergaben dann, dass die "Fliegenden Trommeln" offenbar auf einem geheim gehaltenen sowjetischen Flugplatz jenseits des Amu oder Oxus aufsteigen, der hier Grenzfluss zwischen dem afghanischen Korridor und der Sowjetunion ist.

Die Afghanen berichteten übereinstimmend, die "Trommel" sei in beiden Beobachtungsfällen in geringer Höhe entlang der Korridor-Grenze nach Osten in Richtung Rotchina geflogen, sei dann in der Luft stehen geblieben, habe sich auf der Stelle auf und ab bewegt und sei dann schließlich mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Norden verschwunden. Während Fachleute die aus der Bodenfläche des Fahrzeugs schießenden Flammen sowie den "Wind" mit einem senkrecht nach unten wirkenden Düsen- oder Raketenrückstoß erklären, haben sie noch keine Erklärung für die nach oben aus dem Flugkörper austretenden Flammenerscheinungen. Die Aussagen völlig unabhängiger Augenzeugen stimmten jedoch auch in diesem Punkt vollkommen überein. Es wird vermutet, dass die Sowjets dieses rauhe und unzugängliche Berg- und Wüstenland für ihre Versuche erkoren haben, weil es als eine der verlassensten Gegenden der Welt gilt.

"Untertassen - ja oder nein?" fragte am 23.Oktober 1955 die BILD-Zeitung mit einer dramatisierten Phantasie-Illustration: "So und nicht anders will Marius Dewilde in Quarouble (Nordfrankreich) zwei Marsmenschen begegnet sein. Glaub´s - oder glaub´s nicht!" BILD in Form des Autors Dr.Klaus Bader: Europa wird von einer Untertassen-Hysterie heimgesucht. Was sagt eigentlich die Wissenschaft zu diesen "Boten von anderen Sternen"? Umkreisen Untertassen die Erde? Unsere Gedanken umkreisen jedenfalls die Untertassen. Aber: es wird Zeit, dass wir uns auf die nüchternen Tatsachen besinnen: Niemand hat bisher einen exakten wissenschaftlichen Beweis erbringen können, dass es Untertassen gibt. Man hat sie nur mit den Augen gesehen. Echte Wissenschaft verlangt jedoch härtere Beweise. Und nun die Kehrseite: Ebensogut kann niemand beweisen, dass es keine Untertassen gibt. Niemand kann behaupten, dass die vielen Augenzeugen Schwindler wären. Wissenschaftliche Ergebnisse über das Problem gibt es nicht. Hier die Stimmen von zwei führenden deutschen Gelehrten: Professor Oberth, Vater der deutschen Raketenforschung und Vorkämpfer für die Weltraumfahrt: "Ich glaube, dass es auf anderen Sternen Lebewesen gibt, die selbst schon Weltraumfahrt treiben." Nobelpreisträger Professor Otto Hahn, Entdecker der Uranspaltung und Präsident der Max-Planck-Gesellschaft: "Ich glaube nicht an die Fliegenden Untertassen." Beide Wissenschaftler sprechen aber ganz richtig vom Glauben und nicht vom Wissen. Wenn aber das Wissen versagt, können uns nüchterne Überlegungen weiterhelfen. Es ist denkbar und sogar sehr wahrscheinlkich, dass von den zwei Milliarden Sternen des Milchstraßensystems nicht nur die Erde bewohnt ist. Es ist auch denkbar, dass Lebewesen auf anderen Sternen in ihrer Entwicklung schon weiter fortgeschritten sind als der Mensch. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Bewohner der Fixsterne Ausflüge auf die Erde machen können.

Der nächste Fixstern ist vier Lichtjahre von uns entfernt. Selbst wenn sich diese Wesen mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen können, brauchen sie für Hin- und Rückflug acht Jahre. Von den uns näher gelegenen Planeten haben nur Mars und Venus Temperaturen, in denen menschenähnliche Wesen gedeihen können. (Die Beobachter wollen "menschenähnliche" Wesen gesehen haben.) Die Venus hat aber eine ammoniakhaltige Atmosphäre mit wenig Sauerstoff. "Venusmenschen" müßten also ein Atemgerät mit sich führen, wenn sie sich in unserer Luft aufhalten wollten: sie hatten es nach den Berichten nicht. Als größere Wahrscheinlichkeit bleibt also, dass die Besucher vom Mars kommen. Der Mars besteht seit drei Milliarden Jahren. Die Erde ebenfalls. Lassen wir die ganze Geschichte der Erde auf einen Tag zusammenschrumpfen, dann hat die Entwicklungsgeschichte der Menschen genau 43 Sekunden gedauert. Seit Christi Geburt wäre kaum die Zeit eines Augenaufschlags vergangen. Wäre es aber nicht sehr merkwürdig, wenn auf zwei Nachbarsternen, die durch Jahrmilliarden eine selbstständige Entwicklung gehabt haben, ausgerechnet in diesem Jahrzehnt die Bewohner auf den Gedanken kämen, sich gegenseitig zu besuchen? Gerade jetzt, da wir von Weltraumfahrten träumen? Warum sind die Marsmenschen nicht im millionstel Bruchteile einer Weltsekunde früher gekommen? Sie hätten dann Napoleon auf der Erde angetroffen oder Martin Luther. Zu Luthers Zeiten wurden zwar überall Himmelserscheinungen beobachtet, aber sie hatten die für aeronautische Zwecke unbrauchbaren Formen eines Engels oder eines feurigen Schwertes. Das Ergebnis dieser nüchternen Überlegungen: Es ist zwar nicht unmöglich, dass Untertassen von anderen Sternen bei uns landen, aber es ist im höchsten Grad unwahrscheinlich. Viel leichter ist es denkbar, dass die Beobachter Sinnestäuschungen zum Opfer gefallen sind oder dass sie sich geirrt haben. Irren ist nun einmal menschlich! - Bei dieser Gelegenheit: Dank den zahlreichen BILD-Lesern, die zum Thema "Untertassen" schrieben. Unser Beitrag ist zugleich eine Antwort auf die Zuschriften.

+ Sie werden bar erstaunt sein, diesen Beitrag ausgerechnet aus BILD vernommen zu haben, da das selbe Blatt sich späterhin als Heizer für Boulevardschlagzeilen in Sachen UFO-Mysterien zeigte. Verblüffend auch die durchaus berechtigten Argumente und Abwägungen, welche teilweise bis in die heutige Zeit hinein Gültigkeit besitzen und oftmals derweilen wiederholt wurden. Bei einem "Glaub´s - oder glaub´s nicht!" ist das UFO-Phänomen Jahrzehnte später immer noch verharrt. Allein dies sollte Anlaß zu einer kritischen Betrachtung in Hinlick auf exotische UFO-Erklärungen wie außerirdische Besucher etc sein.

´Der Tagesspiegel´ übernahm am 27.Oktober 1955 einen Bericht von UP aus Washington unter der Schlagzeile "Fliegende Untertassen - Illusion und Projekt - das Ergebnis der amerikanischen Untersuchung". Wie der amerikanische Minister für Luftstreitkräfte, Donald A.Quarles, am Dienstag vor der Presse berichtete, hat eine eingehende Untersuchung von fast 5.000 Berichten "kein Anzeichen für die Existenz der sogenannten Fliegenden Untertassen" ergeben. Quarles übergab der Öffentlichkeit bei dieser Gelegenheit ein 316 Seiten dickes Buch, in dem die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammengefaßt werden. Er betonte jedoch, dass gegenwärtig verschiedene neue Flugzeugmodelle von neuartigem Aussehen entwickelt würden. "Wir treten soeben in eine neue Periode der Luftfahrttechnik ein, in der Flugzeuge von ungewöhnlichem Aussehen und ungewöhnlichen Flugeigenschaften erscheinen werden." Diese neuartigen Flugzeuge würden senkrecht starten und somit keine kostspieligen Startbahnen erfordern, sowie im Horizontalflug mit Überschallgeschwindigkeit davonfliegen. Quarles lüftete dabei zum erstenmal das Geheimnis über einem Auftrag der amerikanischen Luftstreitkräfte an die kanadische Firma Avro Ltd. zum Bau eines Flugobjektes, das man als "Fliegende Untertasse" bezeichnen könne, da es Scheibenform haben werde. Er betonte, diese neuen Militärmaschinen seien "weder übernatürlich noch mysteriös", vielmehr seien sie Weiterentwicklungen konventioneller Flugmaschinen. "Sie werden auch weiterhin den natürlichen Gesetzen unterworfen sein, ihr charakteristisches Merkmal wird es nur sein, dass sie ohne kostspielige Startbahnen auskommen." Quarles veröffentlichte zur Unterstreichung seiner Worte eine Zeichnung des scheibenförmigen Flugobjektes, wie es wahrscheinlich von Avro in Kanada gebaut werden wird. Nach dieser Abbildung wirkt die Schubkraft von Düsenmotoren auf einen Kranz, der die kreisrunde Scheibe umgibt. Bei hoher Drehzahl dieses Kranzes soll die Flugmaschine senkrecht starten und landen können. Für den Horizontalflug soll der Kranz vermutlich nicht rotieren, die Schubkraft der Rotoren soll die lineare Fortbewegung bewirken. Amerikanische Flugzeugingenieure stehen dem Projekt mit einiger Skepsis gegenüber; sie bezweifeln, ob die kreisrunde Form des Flugappartes für senkrechten Start tüchtig ist und ob die Scheibe bei Überschallgeschwindigkeit flugstabil ist. Die kanadische Regierung hatte im vergangenen Jahr dieses Projekt der Firma Avro aufgegeben.

Eine vom technischen Geheimdienst der Luftstreitkräfte unter dem Namen "Projekt Blaubuch" ausgeführte Untersuchung über Berichte von unbekannten Flugobjekten soll auch in Zukunft fortgesetzt werden. Nach dem jetzt veröffentlichten Bericht erwiesen sich neun Prozent der Erscheinungen als nicht geklärt. Nach Ansicht der Luftstreitkräfte gäbe es sicherlich auch in diesen Fällen natürliche Erklärungen, wenn genügend Informationen vorliegen würden.

+ Die AVRO-Scheibe wurde jedoch ein Flop und das umhergeisternde futuristisch-ausgelegte Bildmaterial entsprach nie dem wackeligen Schwebeapparat, der kaum richtig zu lenken war und auch nicht so recht vom Boden aufsteigen wollte. Das dem AVRO-Car zugrunde liegende Prinzip wurde daher aufgegeben und die Idee der USAF niemals in dieser Form umgesetzt. Senkrechtstarter sind zwar heute technisch z.B. im britischen Harrier umgesetzt, aber dennoch ist auch Ende der Neunziger dieser Flieger ein Exot geblieben, da der zu hohe Treibstoffverbrauch der Umkehrdüsen beim Start und bei der Landung die Reichweite des Fliegers und seine Armierung aufgrund zu großer Treibstofftanks einschränken.

Unter der Schlagzeile "Amerikas Luftwaffe startet ´Fliegende Untertassen´ - Luftfahrt-Experten stellen fest: Es gibt keine Flugkörper von anderen Welten" berichtete am 27.10.1955 ebenfalls die ´Kasseler Post´ in obiger Sache. Hier wurde aber Zahlenmaterial eingebracht, welches sich auf den bis dahin untersuchten UFO-Fällen bezieht. Die allein für 1955 anfallenden Fälle (854) von Fliegenden Untertassen-Sichtungen ging anteilig zu 16 Prozent auf Wetterballone, zu 20 Prozent auf Flugzeuge, zu 25 Prozent auf astronomische Phänomene, zu 13 Prozent auf "Illusionen", Lichtspiegelungen und ähnliches zurück. 17 % der Fälle waren für eine nähere Untersuchung ungeeignet, "da keine ausreichenden Informationen vorlagen". Dies ist insofern bedeutsam, weil die UFOlogie daraus nichts lernte, weil in den Fall-Katalogen der entsprechenden ufologischen Literatur es nur so von Fehlwahrnehmungen wimmelt, die von den vorgeblichen "Experten" als typische UFO-Beispiele der "authentischen Art" angesehen werden.

"Abschließende Feststellungen über unbekannte Flugobjekte - Amerikaner: ´Es gibt keine Fliegenden Untertassen´ - Nur drei Prozent der Erscheinungen weiterhin ungeklärt - Scheibenförmige Maschinen werden gebaut" hieß es am 29.Oktober 1955 in der ´Kasseler Zeitung´ in der Nachbearbeitung des bereits bekannten Textes oben. Begleitet wurde dieser Bericht mit einem phantasievollen Bild aus des Künstlers Hand, wie man sich einmal die AVRO-Scheibe im Pentagon zusammenphantasierte - im freien Flug durch die Atmosphäre. Der Zeitungsbericht: Die amerikanischen Luftstreitkräfte haben jetzt acht Jahre dauernde Untersuchungen über "Fliegende Untertassen" abgeschlossen und sind zu dem Schluß gekommen, dass es solche nicht von der Erde stammenden Flugobjekte nicht gebe. Hierbei wurde klar, dass Minister Donald A.Quarles sich äußerst überzeugt zur anstehenden Entwicklung des VTOL, des Senkrechtstarters, äußerte, er erwartete (zu Unrecht, wie die aeronautische Historie zeigt) mittels der AVRO-Scheibe "das erste senkrecht startende Düsenflugzeug der amerikanischen Luftstreitkräfte"! Diese Inovation wurde aber damit ein gewaltiger Flop! Das VTOL-Flugzeug sah schließlich genauso aus, wie ein traditionelles aeronautisches Flugzeug-Design grundsätzlich es erfordert - das Zukunfts-Prinzip erfuhr "no future". Die hochfliegenden Ideen der Ingenieure von AVRO fielen zu Boden.

"´Untertassenforscher´ in Wiesbaden" meldete am 17.Oktober 1960 die ´Frankfurter Rundschau´: "Untertassenforscher" aus zwölf Ländern wollen sich vom 22.bis 24.Oktober in Wiesbaden über die Frage unterhalten, wie sich die "UFOs" (unbekannte Flugobjekte) fortbewegen, von woher sie kommen, wer sie lenkt und warum sie -davon sind die UFO-Forscher überzeugt- von Zeit zu Zeit in der Nähe der Erde auftauchen.

"´Untertassenforscher´ wollen Weltraumfahrer vorstellen" meldete am 20.Oktober 1960 die ´Frankfurter Rundschau´: Die deutsche "UFO-Studiengemeinschaft" (unbekannte Flugobjekte), Wiesbaden, will den Beweis für die Existenz Fliegender Untertassen und anderer Weltraumschiffe antreten. Auf dem vierten internationalen UFO-Kongreß, der vom 22.bis 24.Oktober stattfindet, sollen, wie am Mittwoch mitgeteilt wurde, in der Wiesbadener Rhein-Main-Halle zwei Amerikaner und eine Deutsche vorgestellt werden, die nicht nur interplanetarische Flugobjekte im Luftraum, sondern auch nach der Landung gesehen haben wollen. Die drei Zeugen sollen in Wiesbaden ferner über Gespräche mit Planetariern und über Flüge in deren Flugkörpern berichten, an denen sie angeblich teilgenommen haben. Die beiden Amerikaner sind nach der Ankündigung der UFO-Studiengemeinschaft ein Elektroingenieur und ein Getreidegroßhändler. Sie werden am Donnerstag in Wiesbaden erwartet. An dem internationalen Kongreß nehmen rund tausend Delegierte aus zehn europäischen Ländern und aus den USA teil. Sie wollen die Ergebnisse ihrer bisherigen "Forschungsarbeit" zusammenfassen.

+++ Der Wiesbadener UFO-Kongreß +++

+ Im Oktober 1960 trat die Wiesbadener UFOlogen-Organisation DUIST ganz groß ins öffentliche Licht. Sie veranstaltete ihren 4.Internationalen UFO-Kongreß unter dem Motto: "Internationale Verständigung - Interplanetarische Freundschaft". Hierzu hatte es in dem DUIST-eigenen Organ, den ´UFO-Nachrichten´ (UN), bereits mit Nr.50 vom 1.Oktober 1960 Vorschußlorbeeren gegeben: So erhielt H.F.Freifrau von B.in Hamburg eine telepathische Durchsage von den Kosmos-Leuten: "Der UFO-Kongreß wird ein voller Erfolg. Kontaktler des In- und Auslandes werden erscheinen. Es sind mehr Interessenten für UFO-Fragen vorhanden als angenommen wird!" Auch Cläre Baronin Hoschek aus Krumpendorf, Österreich, hatte medial Mitteilung aufgrund einer telepathisch gesteuerten Niederschrift zu machen: "Der Kongreß wird für alle Beteiligten zu einem tiefen Erlebnis werden. Ihr werdet neu befruchtet und beseelt von edlen Bestrebungen sozusagen als Missionäre. Es werden nur ernst gesinnte Menschen zusammenkommen, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen, die weder Träumer noch Phantasten sind." So war es also gewesen, und so ist sicherlich das Selbstverständnis der UFOlogie noch heute. Die Eso-UFOlogen sehen sich selbst als elitäre, edele Missionare an, die völlig ernst das meinen, was sie von sich geben - und sie verstehen sich selbst als Realisten an. Schließlich lobt man sich auch damit, ein "interessiertes, hochgeistiges Publikum" zu haben, wie man es selten, auch nicht in künstlerischen Veranstaltungen, "vereint findet". UFOlogen sind halt eben "geistige Aktivisten, Menschen von hoher Intuition, feinster Bildung und mit besonderen Fähigkeiten" (entnommen dem Dokumentarbericht über den 4.Internationalen UFO/IFO-Kongress, Wiesbaden, DUIST 1960, S.178). Um den Besuch von Kontaktler in Wiesbaden zu ermöglichen, bat die Schriftleitung um Spenden bei den "Aktivisten" der UFOlogie, da mindestens 3.500 DM pro Kontaktler aufgeboten werden müßten. Binnen einer Woche kamen so schon mehr als 1.000 DM zusammen. In der Folge nochmals knapp 1.000 DM, "was aber noch nicht ausreicht, um die vorsichtig geschätzten Reisekosten für Carl Anderson zu tragen", wie in UN Nr.49, September 1960, beklagt wurde. Danach ging es aber recht flott und die "UFO-Forscher" spendeten derart fleißig, sodaß neben Anderson sogar noch Reinhold Schmidt rübergeholt werden konnte. Damals waren DM 7.000 sehr viel Geld, eine Flugreise sowieso nur absoluter Luxus. Aber schließlich sind durch solche "Planetarier-Freunde" ganz besondere Entsprechungen der DUIST-eigenen Meinungsumfrage zu erwarten gewesen, weswegen dieses "Notopfer für die UFOlogie" von Herzen geleistet wurde.

Am 14.Oktober 1960 verschickte Karl L.Veit an das Chefbüro der dpa in Wiesbaden eine Presseeinlandung für den Kongreß, ein weiteres Schreiben ging an die "Landespressekonferenz" in Mainz. Insgesamt waren 22 Pressevertreter auf der diesbezüglichen Pressekonferenz anwesend gewesen. Hierbei stellte man sich und die Gäste als UFO- bzw. Fliegende Untertassen-Forscher vor, die sich um Aufklärung durch wissenschaftliche Vorträge über Astronomie, Physik und Erlebnisberichte über Weltraumfahrten bemühten. Unter diesen Voraussetzungen konnte der tatsächliche Kongreß-Inhalt nur zur publizistischen Katastrophe führen. Die UN-mäßige Nachbearbeitung sprach so auch von einer "Lächerlichmachung, die jedoch auf die selbst zurückfällt, die diese betrieben": Die Nachrichtemedien. Von denen hatten sich die angetretenen UFOlogen viel versprochen, da Bild-, Presse- und Rundfunkreporter des In- und Auslandes sowie aus Übersee an allen drei Veranstaltungtagen anwesend waren. 15 Radio- und Fernsehsendungen fanden aufgrund des Kongreßes statt. Die "sachlichen Feststellungen über UFO-Phänomene" während des Kongreß konnten so nur die Teilnehmer selbst mit "ungeheurer Freude, Mitgehen, Begeisterung und Dankbarkeit" tragen, zusammengehalten übrigens von dem kosmischen Grundsatz der "Liebe ohne Grenzen". Die Medien selbst waren von den "wissenschaftlichen Referaten" enttäuscht und schlugen erbarmungslos zurück. Klaus Stiebler vom Kölner WDR, Redaktion "Echo des Tages", faßte es am 8.11.1960 gegenüber dem UFO-Fan Horst Schulze aus Bergisch-Gladbach aufgrund dessen Beschwerde über eine WDR-Glosse zum Kongreß so zusammen: "Sie müßen selber zugeben: es klingt wohl für jeden vernünftigen Menschen reichlich komisch, wenn eine Frau allen Ernstes behauptet, sie habe im Harz vor kurzem die Mannschaft einer Fliegenden Untertasse angetroffen und sei mit dieser Mannschaft dann durch die Hannoversche Messe gewandert; eines der Besatzungsmitglieder sei ein überirdisch schöner Mann gewesen und habe sie mit den Worten ´Friede im Himmel und auf Erden´ begrüßt. Solche und andere Äußerungen von teilnehmer dieses Kongreßes haben wir wiedergegeben. Wer sich nun ´blamiert und die Weltöffentlichkeit irregeführt hat´, müßen wir wirklich Ihrem Urteil überlassen. Wir haben nur berichtet, was erwachsene Menschen allen Ernstes in aller Öffentlichkeit erzählt haben."

Highlights der Veranstaltung waren u.a. folgende Vortragsthemen: "Die Weltanschauung und Mission der Planetarier" (Dr.G.Froese, Düsseldorf), "Über die Notwendigkeit einer Grundlagenrevision der heutigen Physik zum verständnis der parapsychischen und kosmischen Phänomene - Brücke zur Telepathie und 4.Dimension" (Prof.Dr.Gerhard Lyra, Univ.Göttingen), "Planetenfreunde als unsere Lehrer und Helfer im Neuen Zeitalter - Gedanken zur Präexistenz" (Cläe Müller, Fabrikantin aus Düsseldorf) oder "Mein Freund vom anderen Stern (Jak Lang, Dachau).

Der UFOlogen-Kongreß faßte so einen Beschluß, der vom Gremium und Vorstand sowie den Ehrenmitgliedern der DUIST unterzeichnet wurde. Aufgrund der Vorträge gilt die Existenz der ´Fliegenden Untertassen´ als erwiesen. Gleiches bezieht sich auf Landungen außerirdischer, d.h. planetarischer Fahrzeuge und die hierdurch eingetretenen Kontakte zwischen Weltraum- und Erdenmenschen. Die Verbindung und der Austausch mit dem Kosmos ist damit bewiesen. Aufgrund der "wahrheitsgemäß bezeugten Erlebnisse" der Personen Schmidt, Anderson und Weindt hat das Gremium und in Gesamtheit der DUIST ("nach Test mit Gegenprobe 1000:2") "den interplanetarischen Raumflug von den uns Irdischen überlegnen Planetariern als perfekt gelöst und bereits empirisch als vorhanden" erklärt - und dies gaben die ufologischen Vertretern auch der "Weltöffentlichkeit" (will heißen den Pressevertretern) als Schlußpunkt der Veranstaltung bekannt. Dies hatte Folgen für die öffentliche Gewahrnehmung der UFOlogie.

Fam.Veit jedoch sah in der deutlichen Tendenz der Berichterstattung nach der Konferenz, bei allen Reportern nur einen Mangel des "Begreifens naturwissenschaftlicher Denkerweiterungen" und "wie gering doch die Bereitschaft zur Objektivität bei der Presse von Beginn an war". Die Jubelbriefe der UFOlogen auf sich und ihren Kongreß können Sie selbst nachlesen... Erwähnenswert ist jedoch noch das Schlußwort von Karl und Anny Veit im genannten Dokumentarbericht. Hierin verraten sie uns nämlich, daß auf dem Kongreß eine Initiative ins Leben gerufen wurde, "an die Zeitungen zu schreiben", als klar wurde, wie enttäuscht die Journalisten von den UFO-Kultisten und ihren spinnerten Ideologie waren und welche Tendenz daraufhin die Berichterstattung haben würde. Es wurde an das Gemeinschaftsgefühl der "großen UFO-Familie" appeliert. So brach über die schreibende und sendende Zunft sicherlich eine Flut von ufologischer Fanpost herein, womit sich die UFO-Freunde selbst outeten und dem Thema soetwas wie den Todesschuß gaben. War das UFO-Phänomen als solches bisher nicht recht greifbar und nebulös geblieben, wurde durch die spinnerte Wiesbadener UFO-Gemeinde auch die Beschäftigung mit dem Sachgegenstand UFO als Forschungs-Zweig freilich in ein schiefes Licht gerückt. Verschärft wird das ganze noch dadurch, daß der auf den Kongreß basierende "Dokumentarbericht" an folgende Herrschaften ging: Der Königin und dem König der Niederlande, an den König von Dänemark, an seine Hoheit Prinz Philipp, den den US-Präsidenten John F.Kennedy, an den österr. Bundespräsidenten Scherf, an den deutschen Bundesminister für Verkehr Seebohm sowie an den Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden. Was müßen sich diese Leute wohl gedacht haben? Vielleicht fanden sie die einfache Formel, welche so lautete: UFOs sind Wahngebilde und Leute die sich mit UFOs beschäftigen sind Spinner. Unter diesem Damoklesschwert stand auch die nachfolgende Berichterstattung (und steht sie fast 40 Jahre danach immer noch, weil sich im Grunde an beiden Fronten nichts geändert hat, auch wenn neue Namen die beiden Spieler-Mannschaften ausmachen):

´Abendpost´ vom 25.Oktober 1960: "UFO-Kongress Wiesbaden: Marsmenschen schon unerkannt unter uns! Mister Schmidt wird demnächst zum Saturn reisen - Ingenieur Anderson aus USA traf den Marsmenschen Kumar beim Camping!" Paul Mevissen hatte den Kongreß besucht, weil drei Tage lang fast tausend Menschen sich um Fliegende Untertassen, Bibelstellen und Marsmenschen zu kümmern. "Die Zeitungen hatten vernünftigerweise ihre Gerichtsberichterstatter geschickt. Ich traf eine Menge Bekannte, aber wir kamen überein, uns nicht zu kennen. Denn Fremde, die paarweise auftreten, geraten sofort in den Verdacht, verkleidete Venusier oder Marsmenschen zu sein. Nichts wäre mir unangenehmer gewesen. Hatte doch Karl Veit gesagt: ´Wer weiß, vielleicht sitzen die Sternenbrüder unter uns.´" So war auch der mit schwarzem Plastik verhängte und mit kaltem Neonlicht erhellte Saal proppenvoll. Das Publikum schwärmte aufgeregt durcheinander, um bekannte zu begrüßen, Traktätchen zu kaufen oder die abgebildeten UFO-Modelle zu bewundern. Hauptsächlich ältere "Jüngerinnen, die verzückt lauschen" machte Mevissen an Ort aus. Ihr Held war Reinhold Schmidt gewesen, der sogar eine Schachtel mit einer Handvoll Glasperlen auspackte, was den Damen ihre Beherrschung kostete, auch wenn er nicht explizit erklärte, daß diese aus dem Weltraum kommen, aber das Publikum geht ganz automatisch davon aus. Einer Verkäuferin gibt er den Tinnef zum Verkauf nach höchstem Gebot, das Geld verstehe sich als Spende für den Veranstalter dieses "wonderfulle Kongreß". Dies wirkt und laute Dankesrufe werden vermerkt, unter denen sich einige Damen an Mister Schmidt´s Hals "verzweigen".

Ende von Teil 1, Fortsetzung folgt gleich...


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