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03.03.2004


    
"Opportunity" findet Beweis für Mars-Fluten

MARS EXPLORATION ROVER: Meridiani Planum früher feucht und lebensfreundlich?

Seit ein paar Tagen gab es Gerüchte darüber, dass die NASA demnächst eine Pressekonferenz betreffs einer "wichtigen Feststellung" oder einem "besonderen Fund" hinsichtlich einer aufregenden Entdeckung auf dem Mars geben werde. Schon die ersten Aufnahmen die der US-Rover "Opportunity" vor rund fünf Wochen von seiner Landeregion im Meridiani Planum zur Erde funkte, hatten die Wissenschaftler begeistert. Opportunity war nämlich, wie berichtet, in einem kleinen Krater gelandet, der somit einfachen Zugang zu tiefer liegenden Gesteinsschichten ermöglichte. Der Rover hat in den letzten drei Wochen die umliegenden Gesteinsbrocken untersucht und anschließend besonders vielsprechende Stellen detaillierter untersucht. Seither war es still geworden...

Am Dienstag, den 2.März 04, war es gegen 20 h MEZ soweit wie N-TV live berichtete: Dem Mars-Rover "Opportunity" ist der Beweis gelungen, dass auf dem Mars einst Wasser floss! Auf dem Mars gab es nach Nasa-Erkenntnissen einst genügend Wasser, um Leben auf dem Planeten zu ermöglichen. Die "Opportunity" habe entsprechende Hinweise gefunden, aber keine Spuren von früherem Leben entdeckt, berichteten die Wissenschaftler (das Team des Rovers Opportunity) der US-Weltraumbehörde bei der Pressekonferenz an diesem Abend. Die Nasa habe ihre Mars-Mission vor allem unter die Frage gestellt, ob es wenigstens in einem Teil des Planeten eine ausreichend feuchte Umgebung gegeben habe, in der Leben habe gedeihen können, sagte Wissenschaftler James Garvin. "Heute haben wir starke Hinweise für eine aufregende Antwort: Ja." Opportunity soll nun in den nächsten Wochen versuchen herauszufinden, ob die Gesteinsbrocken eventuell nicht nur von Wasser umflossen wurden, sondern auch durch die Ablagerung von Mineralien auf dem Boden eines Sees oder eines Meeres entstanden sind.

"Flüssiges Wasser ist in der Vergangenheit einmal durch diese Felsen geflossen und hat ihren Aufbau und ihre chemische Zusammensetzung geändert", erläutert Dr. Steve Squyres von der Cornell University, der für die wissenschaftlichen Instrumente an Bord der beiden NASA-Rover verantwortlich ist. "Wir waren in der Lage, die verräterischen Hinweise aufzuspüren, die das Wasser zurückgelassen hat und das hat uns sehr sicher gemacht, dass unsere Schlussfolgerung richtig ist." "Ich bin baff, ich bin erstaunt", sagte Squyres als wissenschaftlicher Leiter der Rover-Mission, angesichts der Fotos des zweiten Marsvehikels Opportunity. Keine andere Landestelle ähnelte der weiten Ebene Meridiani Planum, in der die Schwestersonde von "Spirit" niedergegangen war. Besonders angetan zeigte sich der Forscher von der hellen Gesteinsformation, die direkt vor den Kamera-Augen des Rovers aus dem dunklen Marssand hervorlugte. Nach eingehender mineralogischer und chemischer Analyse des Gesteins in den letzten Wochen scheint nun klar, dass Squyres spontane Begeisterung berechtigt war. Wie zu erfahren war, handelt es sich bei der Felsformation um Sedimente, die definitiv in einem stehenden Gewässer gebildet wurden - wenn auch vor unendlichen Zeiten, was man sich ständig vor Augen führen muss. Und auch der Umstand, dass es damals zwar einen denkbaren "Lebensraum" gegeben haben mag, aber ob sich deswegen auch wirklich niedriges Leben entwickelte ist damit noch nicht gegeben. Dennoch... Der amerikankische Rover Opportunity hat offenbar eine seiner wichtigsten Aufgaben bereits erfüllt: Er fand, so die NASA, eindeutige Beweise dafür, dass es auf dem Mars früher einmal Wasser gab, der Planet also eine Vergangenheit hatte, in der sich durchaus primitives Leben hätte bilden können. Die Fachleute am Jet Propulsion Laboratory in Kalifornien folgerten dies aus der Analyse von Felsbrocken, deren Zusammensetzung und Erscheinungsbild eindeutig für ein feuchte Vergangenheit des Mars sprechen würden.

Die "Smoking Gun", der unumstößliche Beweis für die Existenz vergangener Fluten auf dem Mars, sei eine in den Steinen entdeckte Sulfatverbindung, die nur in der Umgebung von Wasser gebildet werden könne. Bereits die ersten Nahaufnahmen der Formation hatten den Verdacht der Planetologen genährt, dass die Gesteine durch Sedimentation, also durch Ablagerung, entstanden sein könnten. Die einzelnen Schichten waren auf den hoch auflösenden Schnappschüssen der Panorama-Kamera von Opportunity klar auszumachen. Einen wichtigen Beitrag bei der Entdeckung dürfte das Mößbauer-Spektrometer "Mimos II" des Mainzer Physikers Göstar Klingelhöfer gespielt haben, das für die mineralogische Analyse eisenhaltiger Marsgesteine zuständig ist. Der Rover hat in den letzten drei Wochen die umliegenden Gesteinsbrocken untersucht und anschließend besonders vielsprechende Stellen detaillierter untersucht. Unter anderem fandOpportunity hier eine hohe Schwefelkonzentration. "Der Schwefel scheint hier in Magnesium- oder Eisen- oder anderen Sulfatsalzen vorzuliegen", so Dr. Benton Clark von Lockheed Martin Space Systems. Am gleichen Ort fand sich auch das Mineral Jarosit, ein anhydrogenes Eisensulfat. Auf der Erde entstehen Gesteine, die viele Salze enthalten, entweder im Wasser oder waren nach ihrer Entstehung lange Zeit dem Einfluss von Wasser ausgesetzt. Die Existenz von Jarosit deutet nach Ansicht der Wissenschaftler auf eine Ursprung des Brockens in einem See oder einer heißen Quelle hin. Weitere Hinweise auf die feuchte Vergangenheit des Mars würde, so die Forscher, das Erscheinungsbild der Steine liefern. So hätten manche kugelförmige Strukturen, die auf den Einfluss von Wasser schließen lassen. 

Durchbruch mit deutschen Instrumenten! Schon am 9. Februar hatten deutsche Mitglieder der Rover-Forschertruppe überraschende Ergebnisse ihres APXS-Instrumentes ("Alpha Particle X-Ray Spectrometer") gemeldet. Danach hatten Analysen mit dem Spektrometer in einem hellen Felsen mit dem Namen "Robert E" weitaus höhere Gehalte an Zink und Schwefel ergeben als bei allen bisher untersuchten Marsbrocken. "Dies deutet darauf hin, dass der Stein eine verfestigte, salzhaltige Ablagerung und nicht vulkanischen Ursprungs ist", erklärte ein Mitarbeiter des Max-Plack-Instituts für Chemie, wo das APXS-Spektrometer gebaut wurde. Aber auch wenn nicht-vulkanische Prozesse mehr und mehr favorisiert wurden: Bis in die vergangene Woche betonten Nasa-Forscher immer wieder, dass verschiedene Entstehungsmechanismen - auch Varianten ohne den Einfluss von flüssigem Wasser - für die Gesteinsbildung an "Opportunitys" Landestelle denkbar seien. Jetzt, so scheint es, hat jedoch flüssiges Wasser das Rennen gemacht.

Damit hätte der US-Rover vom Boden aus bestätigt, was die europäische Sonde "Mars Express" bereits aus dem Orbit erkannt hatte: Ende Januar hatten Esa-Wissenschaftler die atemberaubenden Bilder vom Roten Planeten als eindeutigen Beweis gewertet, dass auf dem Mars einst Flüsse und Meere existierten.


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