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19.05.2004


    
UFO-Fotos faken

Öffentlich ausgeschriebener Wettbewerb für Bildbearbeiter

Am Anfang des diesjährigen Bildbearbeitungs-Wettbewerbs stand eine Diskussion in der DOCMA-Redaktion über neue Fälle von Bildfälschungen: Zur Unterstützung von Präsident Bush waren im US-Wahlkampf in den Medien Fotos aufgetaucht, die seinen Mitbewerber zu Zeiten des Vietnam-Krieges neben der damaligen Aktivistin Jane Fonda zeigen – wie sich herausstellte, waren Aufnahmen weit auseinander liegender Veranstaltungen zusammengestückelt worden. Wenn auch später entlarvt – auf die Leser hatte die Montage erst einmal in Ruhe wirken können. Einige Zeit später erschienen in England Folterbilder aus dem Irak, die sich nach einiger Zeit ebenfalls als Fälschungen erwiesen. Diesmal wohl nicht digital manipuliert, sondern als Szene gestellt. Vom Effekt her könnten sie sowohl von Gegnern der Irak-Besatzung stammen wie von Befürwortern. Schließlich sorgen sie dafür, auch die echten Folterfotos in den Dunstkreis fragwürdiger Fakes geraten.

Digitale Fälschungen sind natürlich ethisch verwerflich, da sie den späteren Betrachtern die Existenz einer Realität vorspiegeln, die es so nie gegeben hat. Jedenfalls dann, wenn sie in einem Zusammenhang erscheinen, in dem die Betrachter Authentizität erwarten. Die Kehrseite ist, dass ihre Herstellung eine Menge Spaß macht. Eine Montage in Form einer Illustration bringt nicht denselben Grad an Überraschung (und Schadenfreude auf Seiten des Produzenten) mit sich wie ein Bild, auf das man beim Anschauen hereinfällt. Also, so dachten wir uns, verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen und rufen wir zu einem Wettbewerb auf, bei dem von Anfang an allen klar ist, dass die Ergebnisse Fakes sein werden. Damit wird niemand hinters Licht geführt, und die Betrachter lernen, genauer hinzuschauen und veröffentlichten Bildern gegenüber etwas kritischer zu werden.

Allerdings fiel uns bald auf, dass das Projekt einen Haken hat: Fälschungen zur zeitgenössischen Politik und Gesellschaft können zwar zu spannenden und aufschlussreichen Ergebnissen führen – aber wo sollen die Teilnehmer/innen das Material herkriegen? Aus Zeitungen und Magazinen ausschneiden? Und was ist dann mit den Urheberrechten? Geht also nicht. Was dann? So kamen wir zum Thema UFOs; das macht Spaß, verleitet nicht zu Copyrightverletzungen – und kann sowohl die handwerkliche und ästhetische Seite digitaler Bildbearbeitung demonstrieren wie den kritischen Blick der Betrachter schärfen. Damit war auch die Zielsetzung klar: Zwar soll jeder wissen, dass es sich um Montagen handelt; Beurteilungskriterium ist dennoch die visuelle Überzeugungskraft des fertigen Bildes, ein spontanes: „Ich bin überzeugt! Es gibt sie wirklich!“

Vorsichtshalber wollen wir klar stellen, dass die Thematik keine Stellungnahme unsererseits zur Realität von UFOs einschließt. Wer „Fliegende Untertassen“ und unheimliche Begegnungen der dritten Art für real hält, kann ebenso bedenkenlos mitmachen wie jemand, der das alles als Humbug und Fakes einschätzt. Ich selbst habe mal ein UFO gesehen (über Siena in Norditalien), möchte aber in diesem Zusammenhang darin erinnern, dass UFO zunächst einmal nichts anderes bedeutet als „Unbekanntes Flugobjekt“; eine positive Aussage über das, was es wirklich ist, ist damit also nicht verbunden. Schon gar nicht, dass es sich dabei um Fahrzeuge außerirdischer Besucher handelt. (Vor vierzehn Jahren habe ich ein Buch über die Kulturgeschichte der Darstellung Außerirdischer in Literatur, Bildern und Filmen geschrieben; mein Fazit: Es gibt etliche nicht erklärbare Beobachtungen, aber insgesamt neige ich doch eher zu einer skeptischen Beurteilung solcher Phänomene.)

Wie auch immer, das Thema taucht – vor allem zur Sauregurkenzeit – gelegentlich in den Medien auf, wenn auch die große Zeit der angeblichen UFO-Sichtungen und Begegnungen mit Außerirdischen erst mal vorbei zu sein scheint. Früher gab es häufger Fotos in den Magazinen; das reichte von missinterpretierten Wetterballons, einfachen Flugzeugen, Meteoren und Nordlichtern über geheime Prototypen des Militärs bis hin zu wunderschönen Fälschungen. Die schönsten und rührendsten waren zwar die, denen man die in die Luft geworfene Radkappe drei Meter gegen den Wind ansah, aber wir hätten es gern etwas anspruchsvoller. Die digitalen Bilder, die wir uns von Ihnen für diesen Wettbewerb wünschen, sollen allerdings so überzeugend und schein-dokumentarisch sein wie möglich. Normalerweise wagt niemand, ein Bild mit Farbstich, Unterbelichtung oder Verwacklung zu veröffentlichen – was für viele Betrachter umgekehrt bedeutet, so ein Foto müsse authentisch

sein. Schlecht allein reicht allerdings auch nicht für einen Preis. Was wir von Ihnen erwarten:

Anders als beim Adobe Photoshop Award 2003 können Sie diesmal an digitalen Mitteln einsetzen, was immer Sie möchten: Photoshop oder andere Software, Programme zur Bildbearbeitung oder solche für 3D-Konstruktionen, und selbstverständlich auch alle erdenklichen Kombinationen. Wie bereits erwähnt, ist uns diesmal in Hinblick auf die Bildbetrachter nicht nur die handwerkliche und ästhetische Seite der digitalen Bildbearbeitung wichtig, sondern auch die Aufklärung darüber, dass in den Medien verbreitete Abbildungen nicht notwendigerweise eine tatsächliche Szene dokumentieren müssen. Sie können echt, aber eben auch verfälscht oder wie hier total gefälscht sein. Wo das anfängt – schon bei Farbkorrekturen? Bei der Retusche einer störend durchs Bild laufenden Stromleitung? – bedarf ausführlicherer Diskussion, die wir in DOCMA gern führen möchten. Solche Einsichten können helfen, aus unkritischen Medienkonsumenten mündige Betrachter zu machen, die auch die scheinbar selbstverständliche Überzeugungskraft von Bildern in Frage zu stellen lernen. Für Sie als Teilnehmer hat dieser Wettbewerb den Vorzug, dass Sie hier nach Herzenslust und ganz ohne schlechtes Gewissen fälschen dürfen, was das Zeug hält, und je echter und überzeugender das Ergebnis aussieht, um so besser.

Damit für die Jury und die Betrachter später nachvollziehbar wird, was Sie gemacht haben, gehört zu den Einsendebedingungen, dass zu den Dateien das digitale Originalmaterial mitgeliefert werden muss, also Fotos (an denen Sie die Rechte haben, was auch die Rechte bezüglich abgebildeter Personen und Objekte betrifft) oder gerenderte Objekte aus 3D-Programmen. Bei Montagen sollten ebenso alle Ebenen, Ebenenmasken, Kanäle, Pfade usw. erhalten bleiben, bei sehr aufwendigen Composings mit einer großen Menge von Ebenen wenigstens die wichtigsten. Wegen des eher spontanen Entstehens dieses Wettbewerbs haben wir leider nicht so viel Vorbereitungszeit zur Verfügung wie beim Adobe Photoshop Award vor zwei Jahren – bereits am 4. August ist Einsendeschluss. Noch sind nicht alle Details geklärt, aber wenn wir erst dann zum Wettbewerb aufrufen, wenn alles vertraglich fixiert ist, blieben Ihnen nur ein paar Wochen zum Produzieren. Da machen wir’s lieber auf diesem Weg.

Themenbezogene und freie Arbeiten: Sie können (wie beim Adobe Photoshop Award) sowohl solche zum Thema „UFO-Fakes“ wie freie Arbeiten einreichen.

Teilnehmerklassen: Um eine faire und gerechte Bewertung zu gewährleisten, wird es wieder drei Gruppen von Teilnehmer/innen geben. Dabei liegt die Zuordnung bei Ihnen; innerhalb dieser Gruppe werden Sie beurteilt:

• Professionelle Anwender/innen

• Semiprofessionelle (die Bildbearbeitung nicht hauptberuflich betreiben)

• Anwender/innen in einer (gestalterischen) Ausbildung

Preise und Benachrichtigung:

In jeder dieser Klassen gibt es Preise für die Arbeiten, die von der Jury für die ersten drei Plätze ausgewählt werden; insgesamt also drei Klassen mal zwei Kategorien (UFOs und freie Arbeiten) mal drei Preise, macht 18; dazu eventuell Sonderpreise.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen noch nicht alle Preise fest; sie und werden im Laufe der nächsten Wochen auf www.docbaumann.de bekannt gegeben. Adobe hat bereits sechs CS-Suites Premium, sechs CS-Suites Standard sowie sechs CS-Einzelprodukte nach Wahl bereit gestellt. Wir werden es wieder so machen wie beim letzten Mal: Alle Preise kommen in einen Pool, aus dem sich die Gewinner in der Reihenfolge ihrer Bewertung die Prämie auswählen dürfen. (Das vermeidet, dass jemand, der etwa bereits Photoshop CS besitzt, es noch einmal erhält). Bei gleichberechtigten Gewinnern entscheidet, wer zuerst antwortet. Achten Sie auf korrekte Angabe Ihrer E-Mail-Daten und Erreichbarkeit; wenn Ihr Browser Benachrichtigungen als angebliche Spams abweist, ist das leider Ihr Problem. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnahmebedingungen, Einsendungen: Einsendeschluss ist Mittwoch, der 4. August 2004. Adresse: DOCMA-Award, Am Rain 1, D-35466 Rabenau. Die Arbeiten müssen in doppelter Form eingereicht werden: Erstens auf CD-ROM in den Formaten Photoshop (bei Ebenen, Kanälen usw.), sonst JPEG hoher Qualität oder TIF; die CD muss virengeprüft sein. 3D-Dateien müssen gerendert werden, es gelten dieselben Formate; Filme sind nicht zugelassen. Zweitens als Ausdruck im Format DIN A 4 oder DIN A 3. Nach den Erfahrungen mit dem Handling größerer oder gar gerollter Arbeiten beim ersten Award werden diese nicht angenommen. Das Material wird nicht zurück gesandt. Zusammen mit CD und Ausdrucken muss eine unterschriebene Erklärung, die demnächst von www.docbaumann.de aus dem Web geladen und ausgedruckt werden kann, beigefügt werden, in denen die Teilnehmer unter anderem versichern, dass sie selbst Urheber der eingereichten Arbeiten sind und die Rechte – einschließlich der Abbildungsrechte von Personen und Objekten – am Ausgangsmaterial besitzen.

Für den Award, die Ausstellung und die Berichterstattung darüber (in DOCMA und weiteren Medien) einschließlich eines eventuellen Katalogs werden die Wiedergaberechte der Arbeiten gratis zur Verfügung gestellt. Jeder Teilnehmer kann maximal je drei freie Arbeiten (auch bereits veröffentlichte) sowie drei zum Thema „UFO-Fake“ einreichen. Ergänzend können Sie – müssen aber nicht – mit ein paar Sätzen die Geschichte Ihrer angeblichen UFO-/Alien-Begegnung beschreiben.

Jury und Ausstellung: Im August wird sich die Jury (unter Einbezug etwa auch von Werner Walter, einem Fachmann für – angebliche – UFO-Fotos) zusammensetzen, um die eingegangenen Arbeiten zu bewerten. Danach werden sie – einschließlich des Ausgangsmaterials – für die Ausstellung der ungefähr 18 Gewinnerarbeiten vorbereitet. Diese soll anlässlich der Photokina in Köln Ende September gezeigt werden. Dort erhalten auch die Preisträger von den Sponsoren ihre Gewinne überreicht. Ob die Fahrtkosten nach Köln erstattet werden können, ist derzeit noch offen und hängt davon ab, ob sich neben Adobe weitere Sponsoren beteiligen werden.

Alle weiteren Details finden Sie auf unserer Website www.docbaumann.de


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