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30.06.2007


    
Bei Vollmond landen die UFOs in Köln und der Werwolf geht um

Kölner-Stadtanzeiger: Der heulende Werwolf vom Rudolfplatz

Zuerst aber dieser Clip zur Einstimmung: http://www.youtube.com/watch?v=RQzw...

Kölner-Stadtanzeiger:

Der heulende Werwolf vom Rudolfplatz

von Tim Stinauer

Dass der Vollmond den Menschen beeinflusst, halten Wissenschaftler für Unsinn. Doch Millionen glauben trotzdem daran. "Ja, natürlich", entgegnet der Polizeisprecher auf die Frage, ob seine Streifenkollegen in Vollmondnächten mehr und ungewöhnlichere Einsätze erledigen müssten. "Beim letzten Vollmond im Mai haben wir auf dem Rudolfplatz einen Werwolf erschossen." Weniger spektakulär, aber glaubhaft sind die Schilderungen eines Beamten, der bei der Polizei die Notrufe entgegennimmt. "Bei Vollmond haben wir mehr Arbeit. Neulich rief mehrfach eine Frau an und behauptete, gegenüber sei ein Ufo mit fremden Wesen gelandet." Mit einem eleganten Trick sei es gelungen, die Anruferin zu beruhigen: "Die Kollegen werden die Außerirdischen gleich wegschicken. Sie kommen eigens in Zivil." Die Frau habe sich kurz darauf erneut gemeldet und bedankt. Das Ufo sei soeben verschwunden.

Auch meldeten sich in Vollmondnächten vermehrt Menschen, die sich beobachtet fühlen und fürchten, sie seien "verstrahlt", erzählt der Polizist. Manche klängen so glaubhaft, dass Beamte tatsächlich sicherheitshalber nach dem Rechten sähen. Stelle sich das Geschehen vor Ort als "typischer Fall von Vollmond" heraus, hilft den Beamten oft ein simpler Trick. "Man hält einfach zwei Funkgeräte aneinander. Durch die Rückkoppelung gibt es einen Piepton, derjenige fühlt sich ´entstrahlt´, und alles ist wieder gut."

Welchen Einfluss hat der Vollmond auf Körper und Geist? Besitzt er geheimnisvolle Kräfte? Bewirkt er, dass "mehr Verrückte als sonst" unterwegs sind, wie es ein Türsteher aus der englischen Grafschaft Sussex ausdrückt? Dort setzt die Polizei in Vollmondnächten mehr Beamte ein als an gewöhnlichen Tagen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Kriminalität in Pubs und Nachtclubs bei vollem Mond steige. "Die Leute neigen dazu, aggressiver zu sein", will Polizeiinspektor Andy Parr bei der Auswertung der Kriminalitätsraten festgestellt haben. Die Kölner Polizei allerdings kann diesen Trend so nicht bestätigen. "Obwohl viele Kollegen das subjektiv anders empfinden: Statistisch verzeichnen wir bei Vollmond nicht mehr oder auffällig anders geartete Einsätze", sagt Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Zuletzt haben US-Wissenschaftler in ihrer Studie "Wahnsinn und Vollmond" überprüft, ob die Selbstmorde, die schweren Unfälle, die Einweisungen in Nervenheilanstalten und die Verbrechen in Vollmondnächten über dem Durchschnitt liegen. Das deutliche Ergebnis: Sie tun es nicht, aber viele Polizisten, Staatsanwälte und Psychiater glauben daran, besonders die jüngeren. Aber offenbar nicht nur die: Aufgeregt meldete sich in einer der vergangenen Vollmondnächte eine Kölnerin über Notruf bei der Polizei. Ihre Wohnung sei voller Spinnen, berichtete sie. Polizisten fuhren zu der Adresse und erkannten sehr bald den Grund für die Panik: "Die Wohnung war bis zur Decke voll gestapelt mit Horrorkassetten", erinnert sich ein Beamter. "Da konnte der Mond nichts dafür."

Auch der Kölner Wissenschaftsjournalist und Vorsitzende der Vereinigung der Sternenfreunde, Hermann-Michael Hahn, hat "keine Erklärung dafür, wie der Mond all diese Dinge bewerkstelligen könnte, die ihm oft zugeschrieben werden". Hahn: "Das ist nichts als Aberglaube." Wem etwas Ungewöhnliches zustoße, der suche dafür nach Gründen. "Sinnsucht" nennen Forscher dieses Phänomen.

Nach: Kölner Stadt-Anzeiger, vom 30.Juni 2007

Externe Links

http://www.youtube.com/watch?v=RQzwxW8_ZYA

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