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10.03.1999


    
Arno - Von Außerirdischen entführt?

Der Erfahrungsbericht eines UFO-Forscher aus Ostdeutschland

Ein Erlebnisbericht von T.A.Günter, Rathenow

Am 9.Februar 1999 wurde ich so gegen halb 12 aus dem Schlaf gerissen. Wieder das Handy. Es meldete sich ein Herr Müller, dessen Stimme mir zwar bekannt vorkam, die ich aber nicht einordnen konnte. Im Hintergrund konnte ich ein monotones Piepen hören. Herr Müller fragte nach dem "UFO-Beauftragten" (folglich kannte er meine Nummer aus der BILD, denn nur dort wurde diese Bezeichnung verwendet), dann ließ er eine unglaubliche Geschichte vom Stapel: Herr Müller befand sich angeblich just in diesem Moment auf dem OP-Tisch außerirdischer Mächte! "In einem UFO!" In einem unbeobachteten Moment hätte er nach seinem Handy greifen und meine Nummer wählen können (entweder hatte er die BILD bei sich oder die Nummer im Kopf). Die Außerirdischen würden bestimmt an ihm experimentieren, so Herr Müller. Er bat mich um Hilfe. Wie vor den Kopf gestoßen und noch ganz verschlafen, versuchte ich einen klaren Gedanken zu fassen. Mit einem solchen Fall hatte ich wirklich nicht gerechnet. Sollte ich wirklich der erste UFO-Forscher sein, der live aus einem Entführungsszenario Außerirdischer angerufen wurde? Wohl eher nicht! Die Sache hatte nämlich einen Haken: Ich glaubte nicht an die grünen, grauen oder bunten Männchen. Außerdem fielen mir verschiedene Dinge auf. Herr Müller sprach in einem hölzernen, geschauspielert wirkenden Tonfall und verhielt sich auch ganz anders, als man von Entführungsopfern erwarten würde. Das war mit Sicherheit keine Entführung, sondern Humbug!

Dann hörte ich ein Geräusch, welches das Öffnen einer Schiebetür simulieren sollte. Schon kam Herr Müllers Kommentar: "Sie kommen wieder!" Kurze Beschreibung: Sie wären grün, mit Schutzmasken (um ihn nicht mit Killer-Viren zu infizieren, wie er meinte). Dann hörte ich - es war schwer, sich das Lachen zu verkenifen - eine weibliche Stimme, die zu Herr Müller sprach. Sie klärte ihn darüber auf, daß er sich frisch operiert (!) auf der Intensivstation befinden würde (Achtung: wer nimmt ein handy mit auf eine Intensivstation? Normalerweise läßt man sein Hab und Gut im Krankenzimmer auf Station!) und, daß Handys verboten wären. Herr Müller keifte, die grüne Schlampe solle ihn in Ruhe lassen. Um Hilfe rufend wandte er sich wieder an mich. Jetzt wurde es mir doch zu dumm. Ich riet dem Mann, sich nach seiner "Rückkehr" an einen Psychologen zu wenden. Darauf ging das arme "Entführungsopfer" jedoch nicht ein, schrie etwas von laserwaffen, die ich doch bitte benutzen sollte, ihn da raus zu holen. Ich ließ mir die "Alien-Dame" geben, die auf mich einredete. Ich gab mich als UFO-Beauftragter (diese Bezeichnung hatte ich dummerweise wegen Müllers Anrede zu Beginn gebraucht) zu erkennen und erntete Gelächter der weiblichen Person (Alien-Dame oder Krankenschwester, was denn nun?). Ich versuchte ihr klarzumachen, daß nicht ich der Spinner war, sondern ihr Patient. An der "Krankenschwester" waren mit ebenfalls einige Dinge aufgefallen: Als Herr Müller sie ungläubig gefragt hatte, in welchem Krankenhaus er denn liegen würde, hatte sie nur geantwortet: "Sie haben sich doch selbst hier eingetragen, das müßten Sie doch wissen." Das widersprach ja wohl aller Vernunft und mit Sicherheit ihrer Ausbildung. Kommt es doch in einem echten Krankenhaus öfters vor, daß ein Patient nicht wußte, wo er wahr.

Des weiteren sind Handys auf der Intensivstation gefährlich (im krankenhaus allegemein verboten!). Dennoch hatte diese Pseudo-Schwester es dabei belassen ihren Pseudo-Patienten nur mehrmals darauf hinzuweisen, doch bitte das Handy wegzunehmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß echte Krankenschwestern in dieser Hinsicht viel energischer sind.

Fazit: Da war keine Entführung, keine Aliens - ebenso wenig eine Intensivstation noch Krankenschwester. Hier wurde ich ganz klar verarscht! Inzwischen wollt eich auch nicht mehr mitspielen, da es auf der anderen Seite in Streitgespräche zwischen den beiden ausaretete, die ich zweifellos mitkriegen sollte. Doch da klärte sich der Scherz von selbst auf. herr Müller gab sich als Arno zu erkennen, der auf dem Radiosender 104.6 RTL eine Show namens "Arno & die Morgencrew" veranstaltete. Somit war wohl die Alien-Dame/Krankenschwester ein Teil der restlichen Radiomannschaft und ich auf einen blöden Scherz hereingefallen. Das Ganze war natürlich mehr als peinlich. Hatte ich jetzt bei diesem Szenario mitgespielt, während es im Radio übertragen wurde? Das nennt man dann wohl schlechte Publicity. Mit Sicherheit bin ich dem Zuhörer und den Moderatoren sehr unbeholfen vorgekommen - und das war ich ja auch. Dann stellten mir Arno und seine Crew noch ein paar Fragen, mit deren Antworten ich sie noch zu überzeugen versuchte, daß ich gar nicht so wild hinter Außerirdischen her bin. Doch anscheinend waren sie so auf den BILD-Artikel fixiert, der ja im Gegensatz zu den anderen Berichten nicht aufklärte, wie ich zum UFO-Phänomen stand, meinten die Moderatoren anscheinend einen Spinner entlarvt zu haben, der sich anmaßen würde, UFO-Beauftragter zu sein und keine Richtlinien in Entführungsfällen hätte. Tolle Leistung.

Das Schlimmste an der ganzen Geschichte ist wohl, daß die Zuhörer sicherlich den Eindruck gewonnen haben, daß es keine seriöse UFO-Forschung gibt und das UFOs außerirdische Weltraumgeschosse sind. So habe ich ungewollt dazu beigetragen, das zu schüren, wogegen ich antrete: Geldgierige UFOlogie, falscher Alien-Mythos und Verdummung durch die Medien. Die ganze Aufzeichnung wurde am nächsten Tag gesendet. Zwar hatte ich sie verpaßt, aber eine Freunde, die das Ganze im Radio gehört hatte, meinte, ich hätte Arno mehr verarscht als umgekehrt - wenigstens ein Trost, wenn dem so ist. Trotzdem wurde das alles im Radio made by Verdummungs-Politik gesendet. Das kurze Interview am Ende konnte wohl niemand überzeugen, daß ich kein Alien-Jäger bin. Die Show schürte mit Sicherheit das sprichwörtliche Feuer im Hochofen der UFOlogie.


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