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07.04.2000

    
Der Himmel brennt, Teil II

Nordlicht sorgt für Aufregung in Deutschland

Inzwischen hatte ich auf die Mitglieder-eMail-Liste der GWUP eine Nachfrage hierzu gestellt, da auch verschiedene Astronomen dort vertreten sind. Und siehe da, die Sternwarte der Universität Bonn meldete sich über Susanne Hüttemeister, die berichtete, das Klaus Bagisch von dem Nordlicht sogar Bilder gemacht hatte und sie gerade entwickelte, wenn sie was würden, werden sie ins Internet gestellt. Hüttemeister selbst hatte nichts gesehen, als sie um 22:30 h die Sternwarte verließ, aber einer der Professoren hatte an einem stadtfernen Standort bereits die ersten Zeichen ausgemacht. Gegen 2 bis 2:30 h war es dann sogar über Bonn als "großer roter Vorhang" auszumachen gewesen. Ab Mitternacht haben die Beobachter der Uni-Sternwarte Hoher List dann wegen der großen Nordlicht-Helligkeit sogar ihre regulären Messungen einstellen müßen. Inzwischen hatte die Sternwarte auch der Anruf eines Amateurastronomen aus der Eifel erhalten, der dort Galaxien beobachten wollte und zwischen 23 und 23:50 h "wabernde Vorhänge in von blau-weiss an der Basis bis rot bei höherer Elevation" beobachtete. Gleich darauf meldete sich auch Klaus Bagisch ("immer noch mit einer leichten Gänsehaut"), der bestätigte, dass die Erscheinung ab Mitternacht so hell gewesen war, dass die Astronomen ihre optischen Geräte dichtmachten. Er selbst hatte bis zum Ende der Erscheinung um 2:50 h ausgehalten und "sehr deutlich eine ausgeprägte Fasterstruktur" in dem himmlischen Wallen ausgemacht. Das "helle, diffuse, knatschrote Leuchten war nach unten hin von einer grünen Borde abgerundet" gewesen: "Andeutungsweise konnte ich ein ´Wehen´ erahnen. Gegen Ende blieb noch einige Zeit ein diffuser, blaßroter Fleck zurück. Bemerkenswert dürfte es sein, dass die BBC-Kurzwelle in dieser Zeit einen extrem ausgeprägten Hall aufwies. Für Kurzwellenamateure mag das zwar ein bekanntes Phänomen sein, aber mich hat´s doch erstmal überrascht wie ´spacig´ die Sprecher aus dem Radio klangen." Auch Michaela Höpfner sah von Gelsenkirchen aus zufällig das Nordlicht, als sie nach einem Irdium-Satelliten im NO gegen 22:55 h Ausschau halten wollte. Dabei fiel ihr sofort ein diffuses rotes Licht in Richtung NNO auf: "...wie eine breite Säule, die vom Horizont bis in ca 30° Höhe reichte und sich im oberen Bereich verbreiterte in Richtung N. Auf den ersten Blick wirkte es wie durch Feuerschein beleuchteter Dunst. Da es aber absolut transparent war (dahinter liegende Sterne konnten gut gesehen werden) lauf aufgrund der bekannten starken Sonnenaktivität die Vermutung nahe, dass es sich tatsächlich um Nordlicht handelte. Es zeigte aber, wohl auch bedingt durch die starke Umgebungshelligkeit keine Strukturen oder Bewegungen innerhalb des Phänomens..."

Auch Otto Guthier von der Sternwarte Heppenheim meldete sich als Chef der Vereinigung der Sternfreunde (VdS), der von Tromm im Odenwald aus von 21:50 bis etwa 2 h früh die Nordlichter ausmachte, auf meine auch in die astronomische Welt hinausgeschickte: "War fantastisch und schön in unterschiedlichen Farben anzusehen." Er hatte bereits 1989 eine Nordlichterscheinung hierzulande gesehen gehabt, "aber diese war noch eindrucksvoller". Inzwischen wurden auch aktuelle Bilder der Erscheinung ins Internet gestellt, die unter http://www.astro.uni-bonn.de/~kbags... zur Verfügung stehen.

Am Nachmittag und Abend war in fast jeder Nachrichtensendung von dem "Feuerzeichen aus dem All" die Rede, gab es doch hierzu schöne Bilder aus NRW, die überall gezeigt wurden (auch wenn der visuelle Eindruck des Menschen keineswegs durch Kameras nachvollzogen werden kann). Und immer noch riefen z.B. in der Sternwarte Bochum Leute an, um nachzufragen, "das können doch keine UFOs sein?" In Sat "17:30" wurde sogar ein Sprecher der Feuerwehr in Wessel interviewt, dem man erstaunliches zugetragen hatte: Ein rote, seltsam riechende Wolke, die vielleicht aus Giftgas bestand. Für uns Erforscher außergewöhnlicher Himmelsphänomene ist dies sicherlich sehr interessant, weil hier ein "strangeness"-Umstand beschrieben wurde, der real ganz sicher nicht beim Erscheinen eines 100 km hohen Nordlichts gegeben ist! In fast jeder Sendung wurde das Phänomen auch anschaulich mit ausführenden Grafiken und Animationen erklärt, sodass die Zuschauer genau erfahren konnte, um was es sich handelte und wie ein Nordlicht-Phänomen entsteht. Dies war geradezu vorbildlich, scheinbar weil auch entsprechendes Pool-Material für die Darstellung vorlag.

So gesehen, war dieses Naturwunder der rechte Auftakt zum am Abend bei Vox laufenden Kinospielfilm "Feuer am Himmel" zum Travis Walton-UFO-Entführungs-Schwindel.

Externe Links

http://www.astro.uni-bonn.de/~kbagschi/aurora.html

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